Leiningen
Leiningen (Grafschaft, Fürstentum). Seit Ende des 11. Jahrhunderts (1086
Emich I. Graf im Wormsgau, 1128 Emich II. Graf von L.) sind fränkische
Grafen von Leiningen nachgewiesen, die sich möglicherweise von einem
Ahnherren Amicho (780, Emichonen) herleiten lassen und um Wormsgau
und Nahegau begütert waren (Landgerichte auf dem Stahlbühel bei
Frankenthal, auf dem Kaltenberge bei Wachenheim an der Pfrimm und auf
der Stamp). Ihre Hauptburg (Alt-Leiningen) entstand zwischen 1110 und
1120. 1204 erlangten sie die Landvogtei über den Speyergau und die
Vogtei über Kloster Limburg an der Haardt. Als sie 1220 in männlicher Linie
ausstarben, fielen die Güter über die Erbtochter Liutgard (Lukardis) erbweise
an den Schwestersohn des letzten Grafen, an Graf Friedrich von Saarbrücken,
der Namen und Wappen der Grafen von L. annahm und aus den Saarbrücker
Gütern die Herrschaft Hardenburg (Hartenburg) erhielt. Das neue Haus
erwarb durch mütterliche Erbschaft zu Beginn des 13. Jahrhunderts (1225/41)
die Reichsgrafschaft Dagsburg in den Vogesen als Lehen des Bischofs von
Straßburg sowie 1312 das Amt des Landvogts im Unterelsaß und teilte sich
1317/8 in
- eine 1467 erloschene ältere landgräfliche Linie
(Leiningen-Leiningen,
friedrichsche Linie mit Oggersheim, Grevenstein, Magdeburg, Dürkheim [zur
Hälfte], Grünheim, Hornheim, Freinsheim, Salzen, Tiefenthal, Lautersheim,
Asselheim, Ebertsheim, Bossweiler, Niefernheim, Dagsburg und Ormes) und
- eine jüngere Linie (gottfriedische Linie)
Leiningen-Dagsburg-Hardenburg
(Herrschaft Hardenburg im Wormsgau, Gutenburg, Falkenburg, Guntersblum).
Der
- größere Teil der Güter (Altleiningen zur Hälfte, Neuleiningen zu einem
Viertel, Grünstadt, Asselheim, Sausenheim, Obrigheim, Kirchheim, Tiefenthal,
Ebertsheim, Lautersheim, Bossweiler, Albsheim, Bissersheim, Hertlingshausen,
Wattenheim, Seckenhausen, Wachenheim a. d. Pfrimm, Mertelsheim, Quirnheim)
der älteren Hauptlinie, die 1444 von König
Friedrich III. die Würde eines Landgrafen im Elsaß erlangt hatte, gelangte
1467 beim Aussterben der Linie
über die Schwester (Margarethe) des letzten Grafen an die verschwägerten Herren
von (Runkel-)Westerburg (und Schaumburg), die sich darauf Grafen zu
Leiningen-Westerburg (und Landgrafen im Elsaß) nannten.
Sie mußten zur Durchsetzung ihrer Rechte 23 Orte an die Pfalz abtreten. Ein
- kleinerer
Teil der Güter mit Dagsburg fiel an Emich VII. aus der gottfriedischen Linie,
welche sich seitdem Leiningen-Dagsburg nannte.
Die Grafen von
Leiningen-Westerburg spalteten sich
1695/1705 in die Linien
Leiningen-Westerburg-Altleiningen und Leiningen-Westerburg-Neuleiningen.
1801 gingen alle linksrheinischen Güter an Frankreich verloren.
Leiningen-Westerburg-Altleiningen wurde 1803 mit der Abtei Ilbenstadt in der
Wetterau entschädigt, Leiningen-Westerburg-Neuleiningen mit der Abtei
Engeltal/Engelthal in der Wetterau. Diese Güter kamen 1806 an die
Großherzogtümer Berg, Hessen-Darmstadt und die Fürstentümer Nassau-Weilburg
und Nassau-Usingen.
Die jüngere gottfriedische Linie teilte
sich 1343 in Linien zu
- Rickingen
(Rixingen), das 1506 an Zweibrücken und später an Leiningen-Westerburg fiel,
und
- Leiningen-Hardenburg. Diese jüngere Linie Leiningen-Hardenburg erwarb
1466 die Herrschaft Aspremont in Lothringen, erhielt 1467 erbweise Dagsburg
und nannte sich seitdem Leiningen-Dagsburg. weiter erlangte sie im
15./16. Jahrhundert Weißenburger Lehen mit Grünstadt, die Herrschaft
Pfeffingen mit Kallstadt und Ungstein sowie das Amt Haßloch. 1560 teilte
sie sich in die zwei Zweige
- Leiningen-Dagsburg-Hardenburg (Hardenburg,
Hausen, Dürkheim, Kallstadt, Ungstein, Pfeffingen, Herxheim, Leystadt,
Weißenheim, Bobenheim, Battenberg, Kleinkarlbach,
Erpolzheim, u. a.) und
- Leiningen-Dagsburg-Falkenburg (Falkenburg, Eischweiler,
Einöd, Herschberg Werschhausen, Horsel, Mühlhausen, Reinheim, Heidesheim,
Kindenheim, Büdesheim, Guntersblum).
Der ältere Zweig Leiningen-Dagsburg-Hardenburg
geriet mit der Grafschaft 1681 unter die Hoheit
Frankreichs, verlegte 1725 die Residenz von der Hardenburg nach Dürkheim und
wurde 1779 (ohne Virilstimme) in Reichsfürstenstand erhoben. 1803 erhielt
er durch §20 des Reichsdeputationshauptschlusses für seine 1801 verlorenenen
linksrheinischen Güter (Fürstentum L., Grafschaft Dagsburg, Herrschaft
Weikersheim, Ansprüche auf Saarwerden, Lahr und Mahlberg, insgesamt
2,5 Quadratmeilen)
die mainzischen Ämter Miltenberg, Buchen, Seligenthal,
Amorbach und Bischofsheim (Tauberbischofsheim), die würzburgischen Ämter
Grünsfeld, Lauda, Hardheim und Rippberg/Rückberg sowie die pfälzischen
Ämter Boxberg und Mosbach und die Abteien Gerlachsheim (Würzburg) und
Amorbach (Mainz), die zu dem
neuen rechtsrheinischen Fürstentum Leiningen
mit der Residenz in Amorbach sowie 1600 Quadratkilomtern Fläche und etwa
90000 Einwohnern zusammengefaßt wurden. Unter dessen Landeshoheit erhielten
die Grafen von Leiningen-Dagsburg-Falkenburg-Guntersblum die zuvor
mainzische Kellerei Billigheim, die Grafen von
Leiningen-Dagsburg-Falkenburg-Heidesheim die zuvor mainzische Kellerei
Neudenau. Das Fürstentum L. fiel 1806 mit den Grafschaften Leiningen-Billigheim
und Leininge-Neudenau an Baden.
Der Zweig
Leiningen-Dagsburg-Heidesheim-Falkenburg
blieb gräflich. Er spaltete sich
1657 in die Zweige
- Dagsburg (bis 1706),
- Heidesheim (bis 1766) und
- Guntersblum (bis 1774, Anfall Dagsburgs an Leiningen-Dagsburg-Hardenburg).
Davon erwarb Heidesheim im Erbgang die
Herrschaften Broich, Oberstein und
Reichholdskirchen. Bei seinem Aussterben fielen die Güter 1766 an
Leiningen-Guntersblum, 1774 an Leiningen-Dagsburg-Hardenburg.
Beim Aussterben
der Linie Guntersblum
Leiningen-Dagsburg-Falkenbergs 1774 kam
- Dagsburg an
Leiningen-Dagsburg-Hardenburg.
- Die übrigen Güter fielen 1774/87 an zwei
Nebenlinien
- (Leiningen-Dagsburg-Falkenburg-Guntersblum,
- Leiningen-Dagsburg-Falkenburg-Heidesheim),
welche ihre Güter 1801 an Frankreich
verloren. Leiningen-Dagsburg-Falkenburg-Guntersblum bzw. Leiningen-Gunterblum
und Leiningen-Heidesheim erhlielten Sitz und Stimme im wetterauischen
Grafenkollegium.
1810 kamen im Pariser Vertrag die Ämter Amorbach und
Miltenberg von Baden an Hessen-Darmstadt, das sie 1816
zum überwiegenden Teil an
Bayern abtrat. 1910 bzw. 1935 starb Leiningen-Dagsburg-Falkenstein mit den
Ästen Leiningen-Neudenau und Leiningen-Billigheim aus.
Quelle: Gerhard Köbler, Historisches Lexikon der deutschen Länder: die
deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart, München, 1992
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