Geschichte von Erpolzheim

Aus: Heimatbuch für das zwölfhundert Jahre alte Weindorf Erpolzheim, von Ernst Merk, 1956, Verlag Gemeinde Erpolzheim

see also: Families in Erpolzheim - Veranstaltungen - Erpolzheim - "Heimat" page of S. Roch - Erpolzheim [NEW]

1. Ur- und Vorgeschichte

Am Südostende des Dorfes wurde 1850 ein Plattengrab mit Skeletten sehr großer Menschen freigelegt. Im Jahre 1877 fand Jakob Kitsch ebenfalls wieder in der Nähe seines Hauses an einer Stelle, wo die Erde schon früher etwa 25 Zentimeter tief abgegraben war, in 95 Zentimeter Tiefe 13 Aschenurnen. Mehlis [Mehlis, C., Studien zur ältesten Geschichte der Rheinlande, Leipzig 1888] schließt aus den Verzierungen der Aschenurnen, die denen an Oder, Elbe und Weichsel gefundenen ähnlich waren, daß schon 3000 bis 4000 Jahre v. Chr. aus diesen östlichen Gegenden Menschen bei uns eingewandert sind.

Bei Bauarbeiten wurden im Jahre 1953 mitten im Dorf zwei Bronzenadeln zu Tage gefördert, die einst einem Toten an seiner Bekleidung mitgegeben worden waren, ferner ein Kupferflachbeil von 11,5 cm Länge. Nach Sprater [Sprater, Fr., Urgeschichte der Pfalz] wurden auch aus der an die Bronzezeit anschließenden Eisenzeit, die etwa von 1200 bis zur Geburt Christi dauerte, Funde geborgen.

2. Frühgeschichte

Aus den nun anschließenden vier Jahrhunderten, in denen sich die Römer auf der Wohnfläche unseres Dorfes häuslich niedergelassen hatten, gab der Boden reichlichere Funde her. Vom Westende des Dorfes vor der Ausbauzeit bis zum Eisenbahndamm wurden römische Münzen und ein römischer Denkstein gefunden. [Mitteilungen des hist. Vereins der Pfalz Bd. XII.].

3. Die Dorfgründung

Vom Elsaß bis zum Mittelrhein waren die Klöster Weißenburg und Lorsch bei Worms reich begütert. In den erhaltenen Urkundenbüchern sind diese Besitzungen aufgezählt. Es waren fast immer Schenkungen reicher Grundherren, die sie zum Heil ihrer Seelen in den zwei Jahrhunderten von 650 bis 850 den Klöstern machten [Harster, A., Dr., Der Güterbesitz des Klosters Weißenburg i/Els.].

In diesen Urkundenbüchern ist auch Erpolzheim genannt. Im Jahre 781 schenkte ein Hermenfried dem Kloster Lorsch einen Weinberg in der Mark von Erbholfesheim, im Jahre 790 ein Gerolf und seine Frau Gailsuint eine Wiese und ein Willibert im Jahre 814 ebenfalls eine Wiese in Erpholfesheim. Im Jahre 946 übergab Graf Konrad der Rote von Worms dem Domstift Speyer seine in Speyer gelegenen Besitzungen und Rechte und erhielt dafür von diesem dessen in Erpolzheim gelegene Mühle und 3 Huben Feld (etwa 100 bis 120 Morgen) [Hilgard, A., Urkunden zur Geschichte der Stadt Speyer Nr. 4].

Der Salhof

Der Gründung unserer Dörfer ging die militärische Besitznahme des Landes voraus. Mit dem Schwert mußten die Franken und Alemannen den Römern erst das Land entreißen, bevor sie es mit dem Pflug bebauen konnten. Ihre kleinste Kampfeinheit war die Sippe, d. h. ein Verband blutsverwandter Familien. Ihr Führer im Kampf muß auch im Frieden ihr Oberhaupt gewesen sein. Nach den weitausholenden Forschungen von Viktor Ernst [Viktor, E., 1. Mittelfreie, 2. Entstehung des niederen Adels.] gehörte zu seiner Hofstätte, dem Fron-, Hub- oder Salhof, in lateinischen Urkunden terra salica genannt, ein Güterbesitz, der in unmittelbarer Nähe seines Hofhauses lag und gewöhnlich aus einzelnen großen Güterstücken bestand.

Wir können aus den späteren schriftlichen Quellen Lage, Größe und Rechte dieses Salhofes, so wie er uns in seinem fertigen und geschichtlich erfaßbaren Bild entgegentritt, wiedergeben.

Der Abt Edelin des Klosters Weißenburg ließ um 1200 Besitz und Rechte seines Klosters unter Benützung von etwa 400 Jahre älteren Urkunden schriftlich aufzeichnen [Zeuss, E., Traditiones possessionesque Wizenburgenses Nr. 180]. In diesem Verzeichnis ist der Erpolzheimer Besitz wie folgt beschrieben: "Ad Erfholfesheim area I, de terra salica mansus I, vinum ad carradas V, pratum ad carradas XXX, basilica I cum decima inde veniunt unc VI." Das Kloster hatte also im Dorf ein Hofhaus (area) mit einem Herrengut (terra salica) und einer Hofraite (mansus) für die Hörigen, einen Weinberg, der 5 Fuder (carradas) Wein gibt, eine Wiese (pratum) mit einem Ertrag von 30 wagen Heu, eine Kirche (basilica) mit dem Zehnten (decima), d. h. dem Zehnten Teil des von den Bauern gebauten eigenfeldes in Höhe von 6 Unzen. Die lateinische Bezeichnung terra salica bewist klar, daß der Hof des Klosters einst dem Herren- oder Urmaierhof des Dorfgründers und Sippenführers Erbold und die Kirche jedenfalls auch die von ihm an seinem Hof erbaute Eigenkirche war.

Die zu einem Fronhof gehörigen großen Einzelgrundstücke können wir 200 Jahre später ebenfalls nachweisen. Die Grafen von Leiningen hatten im Dorf ein Gut von 183 3/4 Morgen Feld und Wiesen. Diese waren im Jahre 1685 in 51 Einzelstücke aufgeteilt, darunter war ein Stück mit 20 Morgen und elf Stücke hatten zusammen 92 Morgen. Ein bäuerlicher Feldbesitz von gleicher Größe war in jener Zeit schon in 180 bis 200 Einzelstücke aufgeteilt. Auch das immer zum Salhof gehörige Flurstück "Brühl" mit 12 Mannesmat Wiesen, fehlt nicht in unserem Markbild. Ein Auszug aus dem Lagerbuch vom Jahre 1611 gibt einen untersten Brühl an und einen äußersten, der am Rietweg lag. Diese Tatsachen würden allein schon genügen, das leiningische Hofgut als den ehemaligen Salhof des Ortsgründers zu betrachten. Das Gut der Pfalzgrafen mit 165 Morgen Feld bestand aus vielen kleinen Einzelstücken.

Zeit und Art des Überganges des Salhofes in den Besitz des Klosters Weißenburg bleiben dunkel. Fest steht aber, daß er so alt ist wie das aus ihm erwachsene Dorf.

4. Erpolzheim unter Leiningen

Es ist kaum nachweisbar, wann die Leininger Grafen als Hunderschaftsführer in Teilen des alten Wormsgaues und auch in unserem, zu diesem Gau gehörigen Dorf Herrschaftsrechte erworben haben [Knobloch, L., Agrar- und Verfassungsgeschichte des Wormsgaues im Mittelalter.]. 1237 gehörte zur Landvogtei im Speyergau auch das Geleitrecht auf der Straße von Oppenheim über Worms nach Oggersheim - Dürkheim. Graf Konrad der Rote von Worms, Herzog von Lothringen, der schon im Jahre 946 in Erpolzheim eine Mühle besaß, war wahrscheinlich im Besitze des Geleitrechtes und des Zolls zu Erpolzheim. Das salische Hausgut kam über das hohenstaufische Kaiserhaus durch Heirat an den Pfalzgrafen Heinrich II. aus dem Hause der Welfen (1195-1211) und als Mitgift an den Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach (1228-1253). Diesen Wechsel machte auch das ebenfalls aus dem salischen Erbe stammende Geleitrecht und der Zoll zu Erpolzheim mit, was aus der Tatsache hervorgeht, daß dieses ererbte Recht stets von den Pfalzgrafen an die Grafen der Linie Leiningen-Dachsburg verliehen wurde. 1467 fiel es als Mannlehen wieder an die Kurpfalz zurück und wurde auch nicht mehr weiter verliehen.

Das aus dem alten Sal- oder Herrenhof des Dorfgründers Erbold mit dem davon herrührenden Gerichts- und Grundherrenrecht erwachsene Dorf war aber stets ein Allod, d. h. ein freieigener Besitz der Grafen von Leiningen-Hardenberg. In einem Streit mit der kurpfälzischen Regierung lehnte Graf Johann Friedrich von Leiningen im Jahre 1716 die Durchführung deren Anordnung ab, mit der Begründung, daß sein Dorf Erpolzheim ein von Kaiser und Königen immediater (= ihnen nicht untergeordneter) Besitz sei, in dem ihm die hohe Obrigkeit allein zustehe [Staats-Archiv Speyer, Leiningen Akten 11 I.] Es sei mit keinem Lehnsnexus belastet. Unser Dorf gehörte zum ältesten freieigenen leiningischen Besitz der näheren Umgebung.

Bei der leiningischen Teilung im Jahre 1317 erhielt Graf Friedrich V. die Wiesen in Erpolzheim und das Dorf Dürkheim zur Hälfte und sein Bruder Joffried die Hälfte von Erpolzheim. Dieser Text ist etwas unklar, da nicht ganz genau zu ersehen ist, wer die andere Hälfte von Erpolzheim erhielt [Lehmann, J. G., Urkundl. Geschichte der Burgen und Bergschlösser der Pfalz Band III.]. Bei der Teilung der Grafschaft im Jahre 1448 erhielt aber Emich VII. das ganze Dorf und bei der Teilung im Jahre 1560 erhielt es Johann ebenfalls ganz [Lehmann, J. G., Urkundl. Geschichte der Burgen und Bergschlösser der Pfalz Band III.]. Das Dorf verblieb nun bei dessen Nachkommen bis zur franz. Revolution bzw. bis zum Frieden von Luneville im Jahre 1801. Fast 600 Jahre stand Erpolzheim unter der leiningischen Herrschaft von 17 Generationen leiningischer Grafen und Fürsten.

Fortsetzung folgt.

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