Humboldt hat von Anfang an diesen Gegensatz zwischen zweckfreier Bildung und berufsvorbereitendem Studium nicht gesehen, das ist eine Erfindung von uns.
Humboldt war wirklich der Ansicht dass, wenn Menschen sich 4, 5 Jahre erst mal herausnehmen aus den gesellschaftlichen Vollzügen, sie dann soviel an Individualität und Stärke entwickelt haben, dass sie dann in der Lage sind, eigenständige Persönlichkeiten zu sein, eigene Bürger zu sein, die dann auch fähig sind sozusagen diesen neuen Staat zu tragen.
Also, er war sich durchaus bewusst, dass man hinterher Lehrer oder Administrat in irgendeinem Ministerium wird. Aber er sagt, dafür kann man keinen ausbilden. Da kann man nur Bildung für betreiben, und wenn derjenige fertig ist, dann wird er das schon schaffen.
Dieses Bildungsideal hat unglaublich viel mit Vertrauen zu tun, also mit Vertrauen in die Menschen. Das ist ein unglaublich postives Menschenbild, was wir, ehrlich gesagt, glaube ich, heute nicht mehr haben.