Teilprojekt 1
Projektleitung: Michael Pauen
Mitarbeiter: Marisa Przyrembel
Das erste Teilprojekt greift die für das Gesamtprojekt
zentrale Annahme auf, dass eine adäquate Beschreibung geistiger Prozesse
eine Vielzahl unterschiedlicher Erklärungsperspektiven auf der neuronalen,
(sozial)psychologischen und philosophischen Ebene erfordert und widmet sich
der Frage nach einer sinnvollen Abgrenzung und Bedeutung dieser Perspektiven.
Ein Pluralismus unhintergehbarer Erklärungsperspektiven ist eine Bedingung
für die adäquate Erfassung von Geist und Gehirn. Dies soll am
Beispiel der Begriffe Selbstbewusstsein, Perspektive usw. demonstriert werden.
Das Erkenntnisinteresse richtet sich dabei zum einen auf die soziale Interaktion
(nicht nur in der frühen Kindheit) als einen substantiellen Beitrag
zum Verständnis der Phänomenologie, Funktion und Genese von Selbstbewusstsein.
Zum anderen aber steht auch der Blick auf die historische und wissenschaftstheoretische
Genese des philosophischen Denkens in Perspektiven im Fokus des Interesses,
gebunden an die Untersuchung spezieller neurowissenschaftlicher Phänomene,
die mit dem Modell des Perspektivenpluralismus in engem Kontakt stehen.
Methodisch unternimmt das Projekt zunächst den Versuch einer möglichst
genauen Bestimmung und Abgrenzung der drei Perspektiven. Dabei steht die
subjektive Perspektive der 1. Person für die unmittelbare, privilegierte
Erfahrung eigener mentaler Zustände, die objektive Perspektive der
3. Person für methodisch und apparativ gestützte wissenschaftliche
Beschreibungen und Erklärungen, z.B. durch die Neurobiologie oder die
Psychologie. Die intersubjektive oder „Beziehungsperspektive“
der 2. Person schließlich steht für den Zugang, den Personen
zueinander haben, wenn sie in sozialen Kontexten miteinander interagieren.
Klärungsbedürftig ist überdies die Verwendung von Termini,
die jeweils spezifisch für eine der Perspektiven sind.