Menschliche Identität in
Gesundheit und Krankheit
Wissenschaftstheoretisches Kolloquium an der
Medizinischen Fakultät Heidelberg im Wintersemester 2009/10
zugleich vorklinisches Wahlfach gemäß § 2 Absatz 8
ÄAppO
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Die Kolloquien werden seit 1997 veranstaltet vom
Arbeitskreis
Wissenschaftlichkeit in der Medizin an der Universität Heidelberg:
Prof. Dr.
med. Axel W. Bauer (Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin)
Prof. Dr.
med. Wolfgang Eich (Psychosomatische und Allgemeine Klinische Medizin)
Prof. Dr.
med. Wolfgang Herzog (Psychosomatische und Allgemeine Klinische Medizin)
Prof.
Dr. med. Anthony D. Ho (Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie)
Prof. em. Dr. med. Johann Caspar
Rüegg, Ph.D. (Physiologie)
Prof. Dr.
rer. nat. Thomas Wetter (Medizinische Informatik)
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Zeit: Donnerstag 18.00 - 19.30 Uhr
Ort: Hörsaal der
Medizinischen Universitätsklinik, Im Neuenheimer Feld 410, 69120 Heidelberg
Bushaltestelle Medizinische
Klinik
19. November 2009:
Leibgedächtnis und Identität.
Prof.
Dr. med. Dr. phil. Thomas Fuchs
Klinik
für Allgemeine Psychiatrie, Universitätsklinikum Heidelberg
03. Dezember 2009:
Wenn Speziesgrenzen brüchig werden: Chimären und Hybride als biotechnologische
Konstrukte.
Prof. Dr. med. Axel W. Bauer
Mitglied
des Deutschen Ethikrates
Institut für Geschichte der Medizin, Medizinische Fakultät Heidelberg
17. Dezember 2009:
Wir erinnern, was wir
sind. Wir sind, was wir erinnern? Philosophische Reflexionen zum Verhältnis von
personaler Identität und Gedächtnis.
Michael
Jungert, M. A.
Graduiertenkolleg Bioethik
Internationales Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW), Universität Tübingen
07.
Januar 2010:
Verleihung des Forschungspreises der Joachim Siebeneicher-Stiftung
Prof.
Dr. med. Joachim Kirsch (Prodekan für Forschung der Medizinischen Fakultät
Heidelberg)
Norbert
Mahlke, Robert Schilling (Vorstand der Joachim Siebeneicher-Stiftung)
“Identitätskrise“
nach adulter Stammzelltransplantation - Selbstfindung nach lebensbedrohlicher
Erkrankung.
Prof. Dr. med. Peter Dreger, Prof. Dr. med. Anthony D. Ho
Innere Medizin V: Hämatologie – Onkologie - Rheumatologie, Universitätsklinikum Heidelberg
14.
Januar 2010:
Lernen und Gedächtnis:
von Menschen und Mäusen.
Prof. Dr. med. Hannah Monyer
Klinische Neurobiologie, Universitätsklinikum Heidelberg
21. Januar 2010:
Identitätsverlust bei Altersdemenz?
Prof.
Dr. med. Johannes Pantel
Professur
für Gerontopsychiatrie
Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
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Menschliche
Identität in Gesundheit und Krankheit
Wissenschaftstheoretisches
Kolloquium an der Medizinischen Fakultät Heidelberg
im Wintersemester 2009/10
Axel
W. Bauer
Rhein-Neckar-Zeitung Nr. 254 vom 3. November 2009, S. 28.
Das 24. Kolloquium des Arbeitskreises Wissenschaftlichkeit in der
Medizin an der Universität Heidelberg trägt den Titel „Menschliche Identität in Gesundheit und
Krankheit“.
Unser
Gedächtnis enthält nicht nur Erinnerungen an Vergangenes, sondern auch erlernte
Gewohnheiten, Fähigkeiten und Bereitschaften – das „Gedächtnis des
Leibes“. In ihm haben sich unsere persönlichen Erfahrungen in einer Weise
niedergeschlagen, die uns die Welt vertraut macht und die oft unbewusst unsere
Beziehungen mit anderen beeinflusst. Der Heidelberger Psychiater und Philosoph
Professor Thomas Fuchs beschreibt im ersten Vortrag am 19. November die
verschiedenen Formen des Leibgedächtnisses und ihren Zusammenhang mit der
eigenen Identität.
Die Chimäre wird in Homers Ilias als
Feuer speiendes Mischwesen mit drei Köpfen
beschrieben, vorne dem Haupt eines Löwen, im Nacken dem Kopf einer Ziege und auf dem Schwanz dem Angesicht einer Schlange. Mischwesen zwischen Mensch und Tier
können heute dank des Erfindungsreichtums der Molekular- und Zellbiologie durch
eine Vielzahl von Prozessen entstehen, bei denen Gene, Zellen, Gewebe oder
Organe vom Mensch zum Tier oder umgekehrt verpflanzt werden. Über die mit der
Herstellung von Mischwesen für Forschungszwecke verbundenen Gefahren für die
Würde des Menschen spricht am 3. Dezember der Heidelberger Medizinethiker
Professor Axel W. Bauer, Mitglied des Deutschen Ethikrates, in dem Beitrag
„Wenn
Speziesgrenzen brüchig werden: Chimären und Hybride als biotechnologische
Konstrukte“.
Erinnerungen sind eine
zentrale Quelle unseres Selbstwissens und bilden die Grundlage der
biographischen Identität. Zwar ist das Verhältnis von Gedächtnis und Identität,
etwa bei John Locke (1632-1704), in philosophischen Diskursen schon lange
prominent, jedoch stellen sich im Kontext aktueller Erkenntnisse der
empirischen Gedächtnisforschung zahlreiche neue Fragen, etwa die nach der
Zuverlässigkeit und „Echtheit“ unserer Erinnerungen und deren Implikationen
für das Verständnis personaler Identität. Diese Zusammenhänge analysiert der
Tübinger Philosoph Michael Jungert am 17. Dezember in seinem Vortrag „Wir
erinnern, was wir sind. Wir sind, was wir erinnern? Philosophische Reflexionen
zum Verhältnis von personaler Identität und Gedächtnis“.
Bei
schweren hämatologischen Erkrankungen wie dem Blutkrebs oder malignen Lymphomen
können heute in bestimmten Fällen adulte Blutstammzellen von fremden Spendern
„allogen“ transplantiert werden. Die auf diese Weise erzielten
Behandlungsergebnisse sind durchaus ermutigend, doch muss dabei eine
immunologische Identitätsfindung, gleichsam eine Erkennung des
„Ich“ durch das neue Spenderimmunsystem erfolgen. Die beiden
Heidelberger Hämatologen Professor Anthony D. Ho und Professor Peter Dreger
werden am 7. Januar in ihrem gemeinsamen Vortrag
„’Identitätskrise’ nach adulter Stammzelltransplantation
– Selbstfindung nach lebensbedrohlicher Erkrankung“ auf die damit
verbundenen biologischen und anthropologischen Fragen eingehen.
Die meisten der etwa 10
Billionen Nervenzellen des menschlichen Gehirns kommunizieren mit anderen
Nervenzellen, indem sie diese erregen. Nur etwa 10-15 Prozent der Zellen haben
eine hemmende Wirkung; ihre Aktivität garantiert, dass es nicht zu Zuständen
der Übererregbarkeit kommt, wie dies bei bestimmten Erkrankungen wie zum
Beispiel der Epilepsie der Fall ist. Neben der hemmenden Funktion können diese
Nervenzellen in großen Zellverbänden „den Takt angeben“, indem sie
die Aktivität von Hunderten oder gar Tausenden Nervenzellen koordinieren und
synchronisieren. Synchrone Aktivität vieler Nervenzellen spielt bei
unterschiedlichen Formen von Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis eine große Rolle.
Man kann davon ausgehen, dass beim Lernen molekulare, aber auch strukturelle
Veränderungen im Gehirn erfolgen. Der Vortrag der Heidelberger Neurobiologin
Professor Hannah Monyer „Lernen und Gedächtnis: von Menschen
und Mäusen“ am 14. Januar soll zeigen, wie komplexe Lernvorgänge im Labor auf
molekularer, zellulärer und auf Verhaltensebene untersucht werden können.
Immer wieder erfährt man in
den Medien, dass Demenz mit einem schleichenden Verlust der Persönlichkeit
einhergehe. Tatsächlich kann es im Verlauf der Krankheit zu einer bisweilen schweren Schädigung neuronaler
Strukturen kommen, die als zerebrale Grundlage für das Denken, die Wahrnehmung
und die Emotionsverarbeitung angesehen werden. Was machen diese biologischen
Veränderungen jedoch mit dem "ganzen Menschen", seiner Fähigkeit zur
Kommunikation und seiner Möglichkeit zu sozialer Teilhabe? Wie können
Angehörige und Pflegekräfte mit den krankheitsbedingten Störungen von
Wahrnehmung und Kommunikation umgehen,
um einen zwischenmenschlichen Kontakt möglichst lange aufrecht zu erhalten? In
seinem Vortrag „Identitätsverlust bei Altersdemenz?“ wird der Frankfurter Gerontopsychiater Professor Johannes
Pantel am 21. Januar sowohl die neurobiologischen und neuropsychologischen
Grundlagen der häufigsten Demenzformen darstellen als auch mögliche Wege
aufzeigen, wie man mit dem durch die Krankheit drohenden Identitätsverlust
umgehen kann.
Die sechs Vorträge mit
anschließender Diskussion finden jeweils donnerstags von 18.00 bis 19.30 Uhr im
Hörsaal der Medizinischen Klinik (Im Neuenheimer Feld 410) statt. Das Programm
kann im Internet unter http://www.wissmed.uni-hd.de/ abgerufen werden.
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Die Fotos von
unseren Arbeits-Spaziergängen und die Themen unserer Kolloquien
Axel W. Bauer's Virtual Office for
History, Theory, and Ethics in Medicine
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