Hintergründe
Seit der Inbetriebnahme eines kommerziellen E-Learning-Systems an der
Universität Heidelberg im
Jahr 2000 haben wir - das E-Learning-Team der
medizinischen Fakultät und
des Rechenzentrums -
wertvolle Erfahrungen gesammelt und viel dazugelernt; dies hat uns ganz
wesentliche Schritte vorangebracht, auch wenn der Weg zu einer
universitätsübergreifenden E-Learning Lösung nicht einfach
und mit vielen Problemen behaftet war.
Ein paar dieser Schwierigkeiten können auf dem Hintergrund
unserer Vorreiterrolle in Deutschland gesehen werden, Heidelberg war
immerhin die erste große deutsche Installation des
kommerziellen E-Learning-Systems. Grundlegende Probleme hatten wir mit
fehlenden Funktionalitäten, mit einer Software, die nicht auf
europäische Bedürfnisse ausgelegt war, und mit einer sehr
restriktiven Lizenzpolitik, die System-Modifikationen oder -Verbesserungen
erschwert bzw. unmöglich gemacht hat. Dies und die fehlenden
Möglichkeiten der Einflussnahme auf die Firma sowie die massiven
Lizenzänderungen in 2003 haben als Katalysator (Motor) gewirkt,
uns umgehend auf die Suche nach einem anderen, möglichst besseren
System zu machen.
Die Untersuchungen zu Alternativen im kommerziellen Bereich haben zu
keinem wirklich befriedigenden Ergebnis geführt, dagegen hat sich
"Open Source" als mögliche Lösung präsentiert. In
Cambridge, USA, wurden wir fündig.
DotLRN (http://dotlrn.org/), eine
ursprüngliche Entwicklung des Massachusetts Institute of Technology
(MIT), hat sich als überzeugender
Kandidat für die Universität Heidelberg erwiesen. Die
Hauptstärken von dotLRN haben bei der Wahl schließlich den
Ausschlag gegeben, starke kollaborative Werkzeuge und eine modulare
sowie robuste datenbankgestützte Architektur. Die Modularität
stellt eine Möglichkeit der massgeschneiderten Erweiterung der
Plattform dar, und eine grosse Palette von vorhandenen Modulen macht
diese Erweiterung einfach.
Warum "Open Source" Sinn macht
Der größte Vorteil bei "Open Source" liegt in dem Recht, den
Quellcode nicht nur lesen, sondern auch verändern und diese
Veränderungen zusammen mit dem originalen oder dem veränderten
Quellcode wiederum Dritten zugänglich machen zu dürfen.
"Open Source" hat viele Vorzüge. Bei richtiger Konzeption, ist es
nicht nur kosteneffizienter, es resultiert darüberhinaus in einer
höheren Qualität und ermöglicht eine
Hersteller-Unabhängigkeit. Systemanpassungen, Migration sowie
Schnittstellenanbindung können zum anderen wesentlich einfacher
umgesetzt werden.
Das Modell der "Open Source" Entwicklung erlaubt der Universität
Heidelberg dort aktiv mitzuwirken, wo es ihr nötig erscheint, ohne
gleichzeitg das Risiko einzugehen, alles selbst durchführen und
warten zu müssen. Auf diese Weise können wir von der
Entwicklungsarbeit anderer Einrichtungen im Bereich "Lernen" profitieren
und die akademische Tradition der offenen und frei verfügbaren
Informationen fortführen. Daher hat die Universität Heidelberg
- genauer die medizinische Fakultät und das Rechenzentrum - eine
Kooperation mit dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) vereinbart,
um die Entwicklung von .LRNTM
zu fördern.
"Open Source" heisst also nicht, dass man mit viel eigenem personellem
Aufwand die Software installieren, pflegen und betreiben muss. Vielmehr kann
man sie auch wie ein "kommerzielles" Produkt betreiben - allerdings mit
seriösen und planbaren finanziellen Bedingungen. Entwicklungen werden
in der Gemeinschaft der Betreiber abgestimmt und danach im Wettbewerb an eine
Firma vergeben. In gleicher Weise kann die Pflege durch einen Wartungsvertrag
mit einer Firma abgedeckt werden. Medizinische Fakultät und
Rechenzentrum der Universität Heidelberg haben genau diesen Weg
beschritten, um einen möglichst optimalen Betrieb der neuen Plattform
zu gewährleisten.
Wesentliche Unterschiede
Der wichtigste Unterschied zwischen alter und neuer E-Learning-Plattform
besteht im Wechsel von einem kurs-zentrierten zu einem
gruppen-zentrierten System. Während in einem kurs-zentrierten
System Gruppen nur im Rahmen von Kursen gebildet werden können, erlaubt
ein gruppen-zentriertes System die Bildung von vielen Gruppen, von denen
einige dann auch einen Kurs bilden können.
Mit "dotLRN" haben wir eine E-Learning-Plattform, die neue Lehr- und
Lernformen ermöglicht. Informationen können in
fachübergreifenden Gruppen genutzt und gemeinsam diskutiert werden.
Auch die tutoriell betreute Arbeit von Studierenden in Kleingruppen ist mit
diesem System möglich.
Dies kommt insbesondere (aber nicht nur) dem neuen klinischen
Reformcurriculum "HeiCuMed" der Medizinischen Fakultät zugute, das
genau dieses intendiert. So erfährt die den Studienaufbau in der
Medizin bestimmende Verzahnung von Vorklinik und Klinik sowie die
Interdisziplinarität in den klinischen Fächern durch die
Kollaborations- und Gruppenbildungsmöglichkeiten in "dotLRN" eine
optimale Unterstützung. Auch die im Zuge der neuen ärztlichen
Approbationsordnung zu berücksichtigenden neuen Querschnittsbereiche
sowie die fächerübergreifenden Leistungsnachweise erfordern
eine Ausrichtung auf ein gruppen-zentriertes System.
dotLRN wird auch mehrere Sprachen unterstützen (nicht nur Deutsch und
Englisch). Die Entwicklungsarbeit, die Heidelberg initiiert hat, macht dies
möglich, und erleichtert es, zusätzliche Sprachen mit einer
leicht zu bedienenden Übersetzungsoberfläche nach Bedarf
hinzuzufügen.
Die Mehrsprachigkeit ist auf dem Hintergrund des internationalen
Wissens- und Informationsaustausches und des Lernens über
Länder-Grenzen hinweg für die Universität Heidelberg
unerläßlich.
.LRNTM Features
Die Entwickler und Softwaredesigner von
.LRNTM haben bewusst ein System gestaltet,
das Administratoren von Gruppen (Klassen und Gemeinschaften), deren
inhaltliche Ansprüche und Zusammensetzungen unterschiedlich sind ,
so viel Kontrolle und Flexibilität wie möglich überträgt.
Der eine Professor wird z.B. lieber selbst an seinem Kurs mitgestalten
während ein anderer Professor das meiste seiner Arbeit an einen
Lehrassistenten übertragen wollen wird.
Für Systemadministratoren ist der
.LRNTM-Kernel, das
"OpenACS toolkit" (http://openacs.org),
leichter zu installieren als das derzeitige kommerzielle Produkt - und
Inhaltsmodule können als separate Pakete installiert werden. Das macht
es den Systemadministratoren möglich, ihr System bei der Installation
so anzupassen, dass nur die von ihnen benötigten Funktionalitäten
installiert werden müssen, was allgemeine Unkosten auf kurze Sicht
reduziert und Erweiterung über die Zeit hinweg möglich macht.
Die administrativen Tools des Systems gewährleisten auch ein Optimum an
Flexibilität und Kontrolle für Mitglieder mit
Verwaltungsaufgaben auf Gruppenebene.
Das Datei-Verwaltungs-Modul ist das Fundament des
Kurs-Management-Systems. Durch eine einfache Explorer-ähnliche
Oberfläche können Gruppen-Administratoren Ordner anlegen und
Dateien oder URLs hochladen. Dieser Inhalt kann dann als Kurs und
wiederverwendbares Archiv für künftige Semester benutzt werden.
Das Bulletin-Board-Modul bietet einen Platz für asynchrone
Kommunikation und Email-Benachrichtigungen. Dabei können
Administratoren für die gesamte Gruppe die Portal-Ansicht, die
Standardansicht der Nachrichten, die Möglichkeiten zum Versenden von
neuen Nachrichten und die Art der Benachrichtigung per Email kontrollieren.
Die Benutzer der Gruppe können selbst einige dieser Einstellungen
ändern wie z.B. die Ansicht der Nachrichten oder die Art und Weise der
Email-Benachrichtigung (sofort, stündlich, tägich).
Das Kalender-Modul funktioniert auf zwei Ebenen. Zum einen verwaltet
es die Gruppenveranstaltungen und zum anderen aggregiert es alle
Gruppeneinträge in den persönlichen Kalender eines Benutzers in
einer gemeinsamen, übersichtlichen Ansicht. Einzelne und wiederkehrende
Ereignisse können in Outlook importiert werden, so dass jeder Benutzer
seinen Abgleich mit einem PDA-Kalender auswählen kann. Administratoren
können an Ereignisse im Kalender Dateien und URLs anhängen und die
Ereignistypen an die Bedürfnisse ihrer Gruppe angepassen.
Das News-Modul ermöglicht Mitteilungen des
Gruppenadministrators an alle Mitglieder der Gruppe, wobei bei jedem Eintrag
ein Freigabe- und Verfallsdatum anzugeben ist.
Mittels Gruppen-Email-Modul kann ein Administrator individuelle
oder Gruppen-Emails an jeden Benutzer verschicken. Diese Emails können
HTML-Format beinhalten und werden für die Wiederverwendung oder
Referenzierung archiviert. Ebenso können Benutzer - soweit freigegeben
- auch Gruppen-Emails verschicken.
Für Hausaufgaben steht ein eigenes Modul zur Verfügung,
der den Studierenden das Hochladen und dem Tutor das
Kommentieren, Evaluieren und Zurückschicken von Hausaufgaben erlaubt.
Das einfache Test/Umfrage-Modul ermöglicht einfache Tests mit
verschiedenen Typen von Antworten (Multiple Choice). Desweiteren kann man
einstellen, ob ein Benutzer eine Frage verändern oder einen Test
wiederholen darf. Die Daten können online betrachtet werden oder in Exel
importiert und nachbearbeitet werden.
Beim erweiterten Test/Umfrage-Modul kommen weitere hochentwickelte
Funktionen hinzu wie Verzweigungsfragen, editierbare Antworten, ein
Feedback-Tool zum Verschicken von Formularen an andere Benutzer. Ausserdem
kann das Anschauen "alter" Antworten erlaubt bzw. verboten und Umfragen bzw.
Umfragedaten kopiert bzw. gelöscht werden. Mit diesem Module können
auch anonyme Umfragen gemacht werden.
Das Event-Management-Modul wurde gestaltet, um
E-Commerce-Fähigkeiten für jede Gruppe anzubieten, welche die
Verwaltung von bezahlten Mitgliedschaften oder die Registrierung und
Bezahlung von einzelnen Veranstaltungen benötigt.
Die Research Collaboration kann nicht als ein Modul bezeichnet
werden, sondern ist eine Sammlung von Werkzeugen, die die
Systemfunktionalität in zwei Ebenen erweitert. Zum einen wird die
gemeinsame Arbeit an einem Dokument ermöglicht und zum anderen wird
ein Workflow für den Publikationsprozess definiert. Jeder Benutzer,
besonders eine Fakultät, kann eine eigene Gruppe haben, in die
Teilnehmer und Mitarbeiter eingeladen werden können. Dokumente
können innerhalb dieser Gruppe gemeinsam erstellt und kommentiert
werden und dann durch den Autor im System veröffentlicht werden.
Außerdem kann das Dokument in der "public shell" des Systems
publiziert und so allen Internetbenutzern zugänglich gemacht werden.
Mit einer zusätzlichen Anpassung können diese Dokumente
archiviert oder in eine Forschungsdatenbank aufgenommen werden - für
den Autor ändert sich nichts, er hat einen einzigen Ansprechpunkt
für das Hochladen und Publizieren von Dokumenten.
|