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Menschenversuche in der Weimarer Republik

Andreas Jens Reuland

Medizinische Menschenversuche ohne informierte Einwilligung der Probanden waren bis weit in die erste Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts nicht hinterfragter Teil klinischer Normalität. Versuche aller Art wurden im Rahmen therapeutischer Forschung oder zum Zwecke des allgemeinen Erkenntnisgewinns an Klinikpatienten ohne deren Wissen durchgeführt. Bei den Versuchspersonen handelte es sich meist um leidenserfahrene, autoritäts- und abhängigkeitsgewöhnte, sprach- und mittellose Patienten. Die überwiegende Zahl waren Frauen und Kinder aus den unteren Bevölkerungsschichten. Als Preis für ihre stationäre Behandlung wurde eine freie Verfügbarkeit über ihre Körper für wissenschaftliche Versuche erwartet.
Der Reichstagsabgeordnete und jüdische Sozialdemokrat Julius Moses wies gegen Ende der Weimarer Republik auf diese Missstände hin. Unter der Überschrift „100 Ratten und 20 Kinder! Arbeiterkinder als Experimentierkarnickel“ veröffentlichte er 1928 im „Vorwärts“ eine polemische Anklage gegen die Experimente eines Klinikarztes und brachte damit einen öffentlichen Skandal ins Rollen. Der Protest auf die entmündigenden Zustände im klinischen Forschungswesen während der Weimarer Republik und Moses’ „Kampf gegen die Experimentierwut“ führten schlussendlich zur Entwicklung von Forschungsrichtlinien.

Andreas Reuland hat selbst lange als forschender Arzt an der Heidelberger Universitätsklinik gearbeitet. Er promovierte über Medizingeschichte. Inzwischen arbeitet er als niedergelassener Augenarzt in Ludwigshafen.

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Ausgezeichnet mit dem Ruprecht-Karls Preis 2004 der Universität Heidelberg.

Eine ausführliche Rezension durch B. Elkeles erschien im Deutschen Ärzteblatt Nr. 49/2005 (9.12.2005).

ISBN: 3932114493

Menschenversuche in der Weimarer Republik

Webmaster Dr. M. Reuland, 17.12.2008