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Die Neuregelung der deutschen Rechtschreibung
trifft bei den wichtigsten Schriftstellern, den Fachwissenschaftlern und
der Mehrzahl der Bevölkerung nach wie vor auf Ablehnung. Einen Aufruhr
deshalb gibt es aber nicht: “Es gibt Wichtigeres!” – dieser zentrale Satz
in der Desinformationskampagne der Reformbetreiber erfüllt vollauf
seinen Zweck.
Nun gibt es Punkte an der Rechtschreibreform, die kraß gegen die
Grammatik verstoßen (“heute Abend”, “es tut mir sehr Leid” usw.),
die schon von daher keinen Bestand haben dürfen. Sie sind natürlich
“wichtiger”. Wichtiger ist auch die Wortvernichtung der Reform und der
damit einhergehende – und nicht hinnehmbare – Verlust von Differenzierungsmöglichkeiten.
Die ss/ß-Regelung ist aber das quantitativ bedeutendste Element der
Reform. Viele Mitbürger machen mit der Beachtung dieser Regel ihr
einziges Zugeständnis an die Rechtschreibreform, wenn sie an Behörden
oder Zeitungen schreiben. Andererseits ist die Beachtung dieser Regel so
etwas wie ein Lackmus-Test: Wer sie mißachtet, lehnt die Reform grundsätzlich
ab; wer sie hinnimmt, verbeugt sich vor der “Regelungsgewalt”. Deshalb
scheint eine separate Darstellung der Problematik geboten. |