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Können Sie das nebenstehende Wort sofort richtig lesen?
Dann haben Sie Talent – herzlichen Glückwunsch! Aber gestehen Sie
zu, daß das gleiche Wort in herkömmlicher Schreibweise – ganz
unten links – leichter zu erkennen ist? Ähnliche Beispiele sind Basssänger
oder Kongresssaal – die Neuregelung führt zum schlechteren Erkennen
von Wörtern (=reduziert die Lesbarkeit) und führt zu unästhetischen
sss-Gebilden. (Die “Abhilfe” der Auftrennung mit Bindestrich beseitigt
nur einen Mißstand, den man willkürlich erst herbeigeführt
hat – und ist noch uneleganter!) Unten links können Sie auch sehen,
daß die beiden Varianten der Neuregelung mehr Platz in Anspruch nehmen
– Bücher werden dadurch tatsächlich dicker – man glaubt es kaum.
Die Neuregelung führt zu mehr Fehlern in Schüleraufsätzen
(Prof. Marx, Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und pädagogische
Psychologie 31: 180-189) und in Zeitschriften und Tageszeitungen (Wrase
in www.rechtschreibreform.com).
Neu sind Fehler wie “Ärgerniss” oder “Verständniss”.
Die Hauptfehlerquelle in Schüleraufsätzen, die Unterscheidung
von daß und das, wird von der Neuregelung nicht tangiert, ihr Hauptziel
– eine Schreiberleichterung – kann sie von daher nicht erreichen.
Die Zahl der Nachteile ist aber noch weit größer. Einen schweren
Nachteil stellt dar, daß es überhaupt eine Änderung gibt.
Professor Ickler hat einmal sinngemäß geschrieben, daß
Sprachen von überregionaler Bedeutung sich heutzutage eine Rechtschreibreform
einfach nicht leisten können. Es ist eigentlich auch leicht zu verstehen,
warum nicht. Im Zeichen der internationalen Vernetzung werden Inhalte weltweit
nachgesucht – und sie müssen erkennbar bleiben. Wenn ich heute anstelle
des Suchworts “Meßsucher” auch “Messsucher” und “Mess-Sucher” alternativ
angeben muß, um die gleichen Inhalte zu finden, ist dies nur ein
kleines Beispiel für die (oft gar nicht vorausgesehenen) Verkomplizierungen.
Deutsch als Fremdsprache verliert an Attraktivität. Da fast alle
deutschsprachigen Texte nur in der bewährten Rechtschreibung vorliegen
– und dies wird auch über viele Jahre hinaus so bleiben – mutet man
mit einer Rechtschreibreform an unserer Sprache interessierten Fremdsprachlern
zu, zwei Orthographien parallel zu lernen – was, wenn man realistisch bleibt,
einfach nicht zu schaffen ist |