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Die Kunst
Christos und Jeanne Claudes ist ein untrennbarer Verlauf von Vision, Realisation,
Imagination und Erinnerung:
Vision:
Den Beginn der Arbeiten von Christo und Jeanne Claude bilden Visionen,
gedachte Bilder, erfundene Realitäten, die zu neuen Wirklichkeiten
führen, frei von allen enigmatischen Irritationen, weil denkbar und
durch die vorgefundene Realität vorformuliert.
Imagination
- Christo und Jeanne Claude als Grafiker:
Alle Projekte werden auf dem Papier entworfen, aufgezeichnet und weiterentwickelt.
Dabei steht jedoch nicht die Suche nach immer neuen grafischen Ausdrucksformen
im Mittelpunkt. Vielmehr sind Christos Zeichnungen Vorstufen eines dreidimensionalen
Zeichnen, das Christo und Jeanne Claude an ihren realen Projekten ausführen.
Linien und Schatten werden in den Verhüllungen durch Stricke und
Stoff wirklich und führen zu einer neuen und bisher nicht gedachten
Realität.
Realisation:
Die Objekte werden verhüllt, verschnürt, verdeckt und sind so
den Blicken entzogen. Gerade bei den frühen Objekten wird durch die
Verpackung das Interesse auf den verborgenen, erinnerten Inhalt gelenkt,
der zwar nicht real sichtbar ist, aber sich doch erahnen lässt (anders
als Popart). Diese Verfremdung steigert sich in den Monumentalprojekten.
Eigentlich an sich nicht veränderbare, räumlich feste Gegenstände/Bauwerke,
die unveränderbare Bestandteile der alltäglichen Sehgewohnheiten
zu sein scheinen, werden durch ihre Verhüllung dem Blick entzogen,
entrückt, der Normalität entzogen, zu einem besonderen und vergänglichen
Ereignis gestaltet.
Erinnerung
- "Ich suche die eigenwillige Schönheit des Nichtdauerhaften":
Diese Ereignishaftigkeit von Christos und Jeanne Claudes Werken -Taten?
- stellt sich den (Seh-)Gewohnheiten der Gesellschaft entgegen, die überflutet
wird von sich ständig wiederholenden Invitationen, Reizen, angenäherten
Realitäten. Der Reiz des Einmaligen stellt sich auch gegen das Bedürfnis
der Menschen nach Beständigkeit, die sie von Kunstwerken fordern,
die "ewig" zu bestehen haben sollen. Christos und Jeanne Claudes
Werke dagegen leben eigentlich von der Erinnerung. Erst das Ende, die
endgültige Auflösung ihrer "Zeichnung" bedeutet Vollendung.
Die geplante
Folge von Realisation und Erinnerung - in Fotografien etc. - ist wesentlicher
Bestandteil des Kunstwerks Christos und Jeanne Claudes, das sich nicht
allein auf das sichtbare Objekt beschränkt. Entwurf, Verwirklichung,
Vergehen und Zerstörung sind im Werk beider untrennbar aneinandergekettet.
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