Geschichte der Kurpfalz von Jochen Goetze
 

CARL THEODOR (Forts.)

er das unter Karl Philipp begonnene Schloß fertigstellen, und in den 70er Jahren entstanden die monumentalen Bauten des Zeughauses, der achteckige Bau der Sternwarte für den Hofastronomen Christian Mayer und die Kirche des katholischen Bürgerhospitals. Eine weitere Residenz errichtete er 1758 im linksrheinischen Frankenthal. Hier allerdings hinterließ er wenige Spuren in Form von Bauwerken, vielmehr förderte er die Stadt durch großzügige Anlagen von Industrien. Zur Verkehrserschließung wurde der alte holländische Kanal durch einen neuen zum Rhein ersetzt, und ab 1755 entstand zunächst aus privaten Anfängen die spätere kurfürstliche Manufaktur für Porzellane, in
den 60er Jahren Seidenindustrie und Weberei und später auch eine Glockengießerei.

Die Landwirtschaft des Territoriums förderte Carl Theodor durch den Tabakanbau, so daß für eine kurze Zeit die massenweise Auswanderung zurückging.

Doch verschlangen die kostspieligen Bauten und die

 

Unterhaltung einer Armee zunehmend mehr Geld, die Verwaltung erlahmte, der Reformeifer ließ nach und bald war alles wieder beim alten. Der Ämterkauf entstand wieder und verstärkte die Mißwirtschaft entschieden.

Neben den drei Residenzen Mannheim, Heidelberg und Frankenthal lag Carl Theodor besonders auch der Ausbau des Schwetzinger Schlosses am Herzen. Die Orangerie wurde angefügt und der herrliche Garten mit seinen Bauten im Stil der englischen
Landschaftsgärten erweitert, das Theater errichtet und der Ortskern nach Umsiedlung der Bewohner in einen barocken Residenzplatz umgewandelt. Wie vieles war auch dieses eine artifizielle Schöpfung, die nur aus der ständigen inflationären Erweiterung der Planung leben konnte. Als Carl Theodor 1778 die Residenz in München nahm, brach alles in sich zusammen.

 

 
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