Verbale Spitzen

Diskussion um Gesundheitsreform

Gesundheitsreform
Das deutsche Gesundheitswesen steckt in einer tiefen Krise. Für junge Mediziner und solche, die es werden wollen, ist der Wind auf dem Arbeitsmarkt merklich rauher geworden.

So nimmt es nicht wunder, dass die Podiumsdiskussion mit dem Titel "Patient Gesundheitssystem – Das deutsche Gesundheitswesen zwischen Kostenexplosion und Rationalisierungszwang?" der European Medical Students‚ Association (EMSA) Heidelberg eine sehr gut besuchte Veranstaltung war. Viele Medizinstudierende verfolgten die Auseinandersetzung zwischen Ärzten, Interessenvertretern, Politikern und einem Krankenkassenvertreter. Deutlich wurde: alle Redner kannten die Fakten. Deutlich wurde aber auch schnell, dass die Fronten an diesem Abend nicht aufbrechen würden Es diskutierten Prof. Dr. Eike Martin, Klinikumsvorstand Universität Heidelberg, Dr. Jörg Weidenhammer, Projektentwickler für Krankenhäuser, Dr. Walter Müller (MdL), Sozialpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, Dr. Frank Ullrich Montgomery, Bundesvorsitzender des Marburger Bundes und Präsident der Ärztekammer Hamburg, Dr. A. Hildebrandt (MdL) von den Grünen, Christoph Pannen, stellvertretender Leiter des Stabsbereichs Politik des AOK-Bundesverbandes und Dr. Manfred Schmid, Vorsitzender des Landesverbandes Baden-Württemberg des Bundes Deutscher Allgemeinmediziner. Die Moderation hatte Prof. Dr. Konrad Beyreuther, Direktor des Zentrums für Molekulare Biologie Heidelberg.

Der Versuch, die Belange der Studierenden stärker zu berücksichtigen, ging mehrmals im verbalen Schlagabtausch unter. Gleiches galt für die mehrmals formulierte Forderung, die verschiedenen Interessengruppen sollten bei sich selbst Lösungswege suchen, anstatt sie von anderen zu fordern. Einsparungsmöglichkeiten sahen die meisten Referenten gleichwohl fast durchgängig bei den anderen: Die Krankenkassen bei allen Medizinern, die Hausärzte bei den Unikliniken, die Unikliniken bei den Hausärzten, die Politiker bei den Ärzten. Wer die Standpunkte der verschiedenen Interessenparteien zum Thema Gesundheitswesen noch nicht kannte, der nahm von dieser Podiumsdiskussion einen Informationsgewinn mit nach Hause, wer über das Thema schon informiert war, dem bot der Abend wenig Neues. Aber unterhaltsam war die Podiumsdiskussion allemal, denn die Referenten zeigten sich rhetorisch versiert und zielsicher beim Abschießen verbaler Spitzen.

Katrin Bischl

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Updated: 12.11.99