Unklare Fragen, falsche Zahlen

Physiker bemängeln Fehler in neuen Hochschulcharts

Die Zeitschriften "stern", "start" und das Centrum für Hochschulent-wicklung (CHE) haben im Juni einen neuen Studienführer vorgelegt. Seine Verfasser preisen ihn als "neuen Maßstab für die Qualität von Hochschulen". Dagegen erhebt die Fakultät für Physik und Astronomie der Universität Heidelberg den Vorwurf, dass die Hochschulcharts zum Teil "grobe Fehlinformationen enthalten".

Die Heidelberger Physiker befürworten grundsätzlich externe Evaluationen. Doch seien stern, start und CHE "unpräzise Fragestellungen, mangelnde Kontrolle der Datenkonsistenz und unzureichende Rückmeldung der Ergebnisse an die Fachbereiche" vorzuwerfen, vor allem aber eine falsche Wahl der für das Ranking benutzten Indikatoren, wie es in der von Dekan Prof. Franz Eisele verfassten Stellungnahme der Fakultät heißt. Als Kriterium für die Betreuung der Studierenden wählten die Autoren des Studienführers die Zahl von Prüfungen pro Professor. Diese Zahl führt in Heidelberg in die Irre, denn über 50 Prozent aller Diplom- und Doktorarbeiten im Fach Physik werden an anderen in- und außeruniversitären Einrichtungen verfaßt. "Den Autoren scheint als Ideal eine kleine Fakultät vorzuschweben, an der jeder Professor einen Diplomanden und Doktoranden betreut – je weniger Studenten, desto besser. Dies halten wir für sehr fragwürdig", so die Heidelberger Wissenschaftler. Ein Physiker lerne am besten in einer "größeren, gut funktionierenden Arbeitsgruppe, die eine ausreichende Anzahl von Postdocs, Doktoranden und Diplomanden umfasst".

Brauchbare Methoden, schlechte Ausführung

Beim Kriterium "Forschungsaktivitäten" sei die Summe der eingeworbenen Drittmittel irreführenderweise auf alle der Fakultät zugewiesenen Wissenschaftlerstellen bezogen und zudem seien falsche Zahlen verwendet worden. Die Frage nach der internationalen Ausrichtung sei unklar formuliert gewesen. Nach inoffiziellen Zählungen der Fakultät gehen über 15 Prozent aller Heidelberger Physikstudierenden zeitweise ins Ausland, die meisten nutzen dabei die Kontakte der Fakultät und nehmen keine organisierten Austauschprogramme in Anspruch. Diese Zahl erfordere "keine weiteren Maßnahmen", so Dekan Eisele. Zudem wurden grob falsche Zahlen bei den Bibliotheksmitteln und der Anzahl der Rechnerarbeitsplätze pro Student angegeben. Die Studierenden, deren Urteil über die Bibliothek der einzige Maßstab war, haben den Zugang zu den Büchern schlecht bewertet, was auf Grund der räumlichen Trennung der Bibliotheken nachvollziehbar sei, mit der Ausstattung aber nichts zu tun habe. "Nach dem Ergebnis unserer Evaluation der Hochschulcharts bezweifeln wir, daß das CHE beurteilen kann, wie eine Physikfakultät evaluiert werden muss oder was für Physikstudenten gut ist. Da die Physik nur einer von vielen Fachbereichen ist, wäre es verwunderlich, wenn das Bild anderswo besser wäre." Die Fakultät versucht jetzt, mit Hilfe des Wissenschaftsrats die Fehler zu korrigieren und Verbesserungen für die Zukunft zu erreichen. "Die Methoden der Evaluation sind brauchbar, doch uns stört die Ausführung und der fehlende Sachverstand im Fach Physik", so Dekan Eisele. Siehe auch www.physik.uni-heidelberg.de/uni-charts.html

bec

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Updated: 11.11.99