Das Portrait

Der (Sozial)-Demokratieforscher

Politologe Wolfgang Merkel fördert Vielfalt in der Lehre

Der Neue am Institut für Politische Wissenschaft der Universität Heidelberg ist eigentlich ein "Alter".
Wolfgang Merkel

Dies gilt keineswegs für die Jahre, die der neue Professor auf dem Buckel hat, sondern bezieht sich vielmehr auf seine wissenschaftliche Laufbahn. Denn Prof. Dr. Wolfgang Merkel ist am hiesigen Institut wissenschaftlich aufgewachsen. Der 1952 geborene Oberfranke aus Hof kam 1975 nach Heidelberg, um Politik, Geschichte und Sport zu studieren. Sein Staatsexamen – ursprünglich plante er, als Lehrer in den Schuldienst zu gehen – legte er fünf Jahre später ab. Danach zog es ihn erst einmal nach Italien. An einer Dependance der Johns-Hopkins-Universität in Bologna studierte er Politikwissenschaft, Ökonomie und Internationales Recht; ein Postgraduiertenstipendium machte es möglich.

Stationen in Bielefeld, Harvard und Mainz

Zurück in Heidelberg, wurde Wolfgang Merkel drei Jahre später promoviert mit einer Dissertation über den Wandel der Sozialistischen Partei in Italien. Danach ging er als Assistent ans Institut für Soziologie der Universität Bielefeld und anschließend als John F. Kennedy-Fellow an das "Center for European Study" der Harvard University. 1989 führte Merkels beruflicher Werdegang ihn wieder nach Heidelberg zurück: Als Assistent von Klaus von Beyme arbeitete er mehrere Jahre am Institut für Politische Wissenschaft und legte hier auch seine Habilitation ab. Erneut beschäftigte ihn die Sozialdemokratie, wie der Titel seiner Habilitationsschrift zeigt: "Ende der Sozialdemokratie? Machtressourcen und Regierungspolitik im westeuropäischen Vergleich".

"Spezialisiertes Expertentum ist unabdingbar"

Seine erste Professur trat Wolfgang Merkel an der Universität Mainz an. Diese hatte er von 1994 bis 1998 inne, ehe er erneut nach Heidelberg zurückkam. "Darüber habe ich mich sehr gefreut", bekennt er offen. Seit vergangenem Jahr lehrt er jetzt wieder hier. Im Wintersemester 1998/99 vertrat er sich zunächst selbst und seit diesem Sommersemester hat er eine Professur am hiesigen Institut für Politikwissenschaft inne. "Ich bin reumütig heimgekehrt", bekennt er lachend und fügt hinzu: "Aber das stimmt eigentlich nicht ganz, denn ich bin immer in Heidelberg wohnen geblieben und stets gependelt, ganz gleich wo ich beruflich gerade war." Planen oder gar voraussagen habe sich diese "Heimkehr" nicht, aber jetzt, wo sie gelungen ist, scheint Wolfgang Merkel sichtlich froh darüber zu sein.

"Spezialisiertes Expertentum" hält Merkel in der Forschung für unabdingbar, in der Lehre spricht er sich aber für ein breitgefächertes Angebot aus. Der Schwerpunkt seines Forschungsinteresses ist die Demokratieforschung. Dies zeigen seine wissenschaftlichen Veröffentlichungen, aber auch seine derzeitigen Forschungsvorhaben. Von Mainz hat er ein Drittmittelprojekt, finanziert von der VW-Stiftung, mitgebracht: "Defekte Demokratien". Im Zentrum stehen Probleme in noch nicht vollständig funktionierenden demokratischen Staaten, etwa Korruption, das Außerkraftsetzen von Grundrechten oder andere Verletzungen rechtsstaatlicher Prinzipien. Rußland, die Slowakei und Albanien, Taiwan, die Philippinen und Thailand sowie Argentinien, Peru und Mexiko untersuchen Merkel und seine Mitarbeiter.

In einem DFG-Projekt widmet sich Merkel dem Ausschuß der Regionen, wie ihn der Vertrag von Maastrich etabliert hat. "Es deutet derzeit alles darauf hin, dass dieses Gremium nicht die Bedeutung erlangen wird, wie die Initiatoren dies hofften", lautet seine erste Einschätzung des derzeitigen Forschungsstandes. In der Lehre beschäftigt sich Merkel zur Zeit u.a. mit politischer Philosophie und hält zu diesem Thema eine dreisemestrige Vorlesung. Seine Ziele für die kommenden Jahre in Heidelberg? "Ich bin dabei, eine Forschungsstelle für Demokratieforschung zu entwickeln, die auf längere Sicht hin zu einem interdisziplinären SFB-Projekt werden soll." Dies ist aber bislang noch Zukunftsmusik. Zunächst gilt es, Veränderungen im politikwissenschaftlichen Institut abzufangen: Prof. Klaus von Beyme, der renommierteste Heidelberger Politikwissenschaftler wurde zum Ende des Sommersemesters emeritiert. Seine Stelle ist bereits ausgeschrieben. Es wird aber wohl nicht leicht sein, gerade für ihn einen Nachfolger zu finden.

Katrin Bischl / Foto: Becker

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Updated: 12.11.99