Zielschießen mit Punk-Ball

Erfolgreiche Sportforen – "Fenster in die Zukunft"

Der Tennisball war rasiert, sozusagen halbnackt, und hatte alles andere als eine stabile Flugbahn. Ob sich die per Rasierklinge seines zarten gelben Flaums beraubte Filzkugel nun schämte – sie eierte jedenfalls unberechenbar für die Kinder übers Netz, setzte auf und war kaum zu erreichen.

"Punk-Ball" nannten die Trainer das, weil der rasierte Ball einem echten Punk mit Irokesen-Frisur ähnelte. Das war nur eine Variante aus der Trickkiste der Verbandstrainerin Susanne Schaffner-Hamsen, um "neue Trends und Konzepte im Kindertennis" aufzuzeigen. Sie tat das sehr eindrucksvoll in ihrer Praxis-Demonstration im Rahmen des "Sportforums Tennis: Fenster in die Zukunft" am Institut für Sport und Sportwissenschaft (ISSW). Überhaupt zeigte Susanne Schaffner-Hamsen eine Menge Sachen, die vor allem Spaß machten und das Tennis beleben: Luftballons jonglieren, Kleinfeld-Tennis mit sehr langsamen Bällen spielen oder Zielschießen – alles gehörte zur spielerischen Tennis-Schulung. Jürgen Müller, Honorartrainer des Deutschen Tennis-Bundes (DTB), veranschaulichte alles durch eine umsichtige Moderation.

Diskussionsrunde mit Anke Huber und Charly Steeb

Die rund 400 Teilnehmer an dieser Veranstaltung bekamen einiges geboten: den Abschluß bildete eine Diskussionsrunde mit Spitzen-Tennisspielerin Anke Huber, Davis-Cup-Teamchef Charly Steeb und Otto Dreßler, dem Vorsitzenden der Lehrkommission des Badischen Tennis-Verbandes. Organisiert hatte diese Veranstaltung der Badische Tennis-Verband unter Federführung seines Präsidenten Wolf-Dieter Späth, gemeinsam mit Gerhard Hamsen, dem Fachleiter Tennis am ISSW. Der gab ein dickes Lob an seine Studenten weiter: "Was meine Schwerpunktfächler hier alleine an Organisationsarbeit geleistet haben, ist sensationell." Schon die erste von bisher drei Veranstaltungen lief rund. Dietmar Chounard, Trainer des Badischen Leichtathletik-Verbandes, demonstrierte in der Sporthalle des ISSW, wie man Leichtathletik kindgemäß in der Schule darbieten kann und sollte. Eine Diskussionsrunde mit dem Thema "Leichtathletik – Perspektiven für die Zukunft" war die Auftaktveranstaltung im Rahmen des Heidelberger Sportforums. Prof. Klaus Roth, Direktor des ISSW, zeigte sich mit der Premiere sehr zufrieden. "Wir haben eine hochinformative Veranstaltung erlebt, und, wie ich glaube, trotz der schwierigen Terminlage während der Fußball-Weltmeisterschaft, eine recht gute Resonanz erzielt."

Prof. Klaus Roth: "ISSW kein Elfenbeininstitut…"

Die Initiatoren wollten der Heidelberger Sportöffentlichkeit, also Vertretern aus Vereinen und Verbänden, ermöglichen, mit hochrangigen Persönlichkeiten des Sports in Kontakt zu treten und damit die Kooperation fördern. Prof. Klaus Roth: "Wir wollen kein Elfenbein-Institut, sondern eine offene Begegnungsstätte sein, in der sich auch andere Menschen außer Studenten und Dozenten treffen. Wir wollen etwas für das Publikum, nicht etwas für uns machen." Die Bilanz nach den ersten drei Veranstaltungen mit den Sportarten Tennis, Leichtathletik und Turnen: "Wir hatten insgesamt 700 Teilnehmer – mit steigender Tendenz. Damit können wir vorerst zufrieden sein." Das Sportforum soll zu einer festen Institution werden. Für das Frühjahr 1999 sind weitere Veranstaltungen zu den Themen Fußball und Breitensport geplant.
Dieter Müller

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Updated: 16.11.98 at 19:50:24