Streitpunkt Studiengebühren

Einigkeit über fehlenden Konsens beim "Spiegel"-Forum

"Studiengebühren – Elite-Uni statt Massen-Uni?" war das Thema einer gutbesuchten Podiumsdiskussion in der Aula der Neuen Universität, zu der im Juli "Der Spiegel" eingeladen hatte.
Der Ansicht, Studiengebühren seien verfassungswidrig, weil sie gegen das Grundrecht auf Ausbildungsfreiheit verstoßen, hielt der baden-württembergische Wissenschaftsminister Klaus von Trotha entgegen: Eine allgemeine Studiengebühr sei gar nicht geplant, denn man habe das Modell der Bildungsguthaben. Ein akademischer Abschluß biete jedoch erhebliche Vorteile, etwa ein höheres Einkommen und ein geringeres Arbeitsplatzrisiko. Deshalb sei es gerechtfertigt, Studierende an den Kosten zu beteiligen. "Ein Studium plus vier Toleranzsemester akzeptieren wir, und ab dem 14. Semester muß gezahlt werden."

Von Trothas rheinland-pfälzischer Kollege Jürgen Zöllner unterstrich die soziale Problematik der Studiengebühren. Sie seien wissenschaftsfeindlich und schädlich für den Standort Deutschland. Außerdem führe die Langzeitstudiengebühr zu Wettbewerbsverzerrungen: "Ich habe überhaupt nichts dagegen, daß es in Rheinland-Pfalz Langzeitstudenten gibt. Ich will auch die Studenten haben, die nebenher jobben oder möglicherweise ein Unternehmen betreiben. Aber ich habe etwas dagegen, daß die alle von Baden-Württemberg über den Rhein nach Rheinland-Pfalz kommen," so Zöllner.

Neun oder zehn Semester Regelstudienzeit?

Rektor Jürgen Siebke sah keine sozialpolitischen Gründe, eine Studiengebühr generell abzulehnen. Langzeitstudiengebühren seien allerdings kein Element einer Hochschulreform. Beifall aus dem Auditorium bekam der Vertreter der Fachschaftskonferenz, Peter Böhme, als er feststellte, Studiengebühren schreckten vom Studium ab. Aufgrund der restriktiven Bafög-Regelung sei die Bildungsbeteiligung aus sozial schwächeren Schichten schon jetzt von 23 Prozent im Jahr 1982 auf 14 Prozent zurückgegangen. Studierende aus dem Auditorium machten die Ausstattung der Universitäten für das unnötig lange Studium verantwortlich: überfüllte Seminare, zu wenig Tutoren und Betreuung durch die Professoren. Studienzeitverlängernd wirke außerdem gesellschaftliches Engagement, das eine Bildungselite erst ausmache. Klaus von Trotha bestand auf einer Regelstudienzeit von acht Semestern plus einem Prüfungssemester: Peter Böhme stellte klar: In den Heidelberger Prüfungsordnungen ist zusätzlich zum Prüfungssemester noch eines für die Abschlußarbeit festgelegt – das macht zehn Semester, und nicht neun.

Ob Studiengebühren mit Stipendiensystem, ob Akademikersteuer oder staatliche Alimentierung – ein Konsens darüber, wie eine Finanzierung der Hochschulen aussehen könnte, blieb erwartungsgemäß aus. Einigkeit bestand lediglich darüber, daß an den deutschen Unis etwas geschehen muß.

Susanne Bressan


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Updated: 16.11.98 at 17:08:57