Editorial

Strauß sucht Millionen

"If you bury your head in the sand, your back and other sensitive parts of you will stand out..." Diese Worte stammen nicht aus einem Kommentar zur anwidernden Kongreß-Affäre um Clinton und Starr. Sie wurden nicht auf CNN gesprochen, sondern in einem Allerheiligsten der abendländischen Kultur: der Alten Aula der Universität Heidelberg. Just von jenem Redepult aus, das 1886 die 500jährige Tradition der ältesten Universität Deutschlands symbolisieren sollte und von dem aus, 60 Jahre später, Karl Jaspers die moralische Mitschuld der Universitäten am Nazi-Terror thematisierte. Und jetzt, im September 1998, dieses Bild des Vogel Strauß? Wen meinte Klaus Landfried, der Präsident der deutschen Hochschulrektoren? An anderer Stelle sagte er den 200 anwesenden Uni-Pressesprechern aus ganz Europa klarer, was er denkt: "Die traditionelle Universität ist in erster Linie eine selbstgenügsame, selbstbezogene, sich aus ihrem Innern ergänzende, sich selber beurteilende, allerdings fremdfinanzierte Republik vorgeblich elitärer und angeblich gleicher Amateure, die auf der Suche nach der Wahrheit sind, aber Management geringschätzen." Sicher, Selbstkritik tut not – gerade über die Kommunikationspolitik deutscher Universitäten. Aber die Frage muß weiter reichen: Warum ist der niederländischen Politik die kleine Uni Groningen so viel wert, daß ihre Öffentlichkeitsarbeit jedes Jahr drei Millionen Gulden erhält während es in Deutschland nur Peanuts sind?

Michael Schwarz, Christoph Becker


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Updated: 09.11.98 at 19:34:42