3.4.1997

Rektor Prof. Dr. Peter Ulmer:
„Ernst-Blickle-Preis an Prof. Manfred Rose stellt eine verdiente Anerkennung des neuartigen Steuerkonzepts des Heidelberger Wirtschaftswissenschaftlers dar“ – Aufbau Kroatien: „Einmalig in der gesamten Steuergeschichte“

Prof. Rose erneuert seine Kritik an den Steuerreformplänen der Bundesregierung. Das von ihm geprägte Konsumsteuersystem Kroatiens sei „auch ein Zukunftsmodell für Deutschland“

Professor Dr. Manfred Rose von der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Heidelberg ist der Preisträger 1996 des von der SEW-EURODRIVE-Stiftung vergebenen Ernst-Blickle-Preises, der mit 100 000 Mark dotiert ist. Rektor Prof. Dr. Peter Ulmer gratulierte dem Wissenschaftler und betonte, der Preis sei auch eine Auszeichnung für die wirtschaftswissenschaftliche Forschung an der Ruprecht-Karls-Universität. Seit Jahren stünden Fragen der Steuerreform im Mittelpunkt der Forschungen von Professor Rose. „Seine international ausgerichteten steuertheoretischen und steuerpolitischen Arbeiten haben dazu beigetragen, daß das Konzept einer konsumorientierten Neuordnung der Einkommens- und Gewinnbesteuerung in der Steuerwissenschaft wie auch in der Steuerpolitik zunehmende Beachtung findet“, sagte Ulmer in Heidelberg. Nach Ansicht der SEW-EURODRIVE-Stiftung ist Roses zukunftsweisender Grundsatz der Besteuerung „geeignet, in unserer Volkswirtschaft Wachstumskräfte freizusetzen“.

Prof. Rose lehrt seit 1971 als ordentlicher Professor für Volkswirtschaftslehre das Fach Finanzwissenschaft an der Universität Heidelberg. Bei seinem Konzept geht es ihm letztlich darum, über eine einmalige Besteuerung des Einkommens eines Steuerpflichtigen auch eine einmalige steuerliche Belastung seines hiermit finanzierbaren Konsums zu erreichen. „Ein solches Steuersystem ist marktwirtschaftlich höchst effizient, fair, transparent und auch einfach zu verwalten“, so Professor Rose. Der Heidelberger Wirtschaftswissenschaftler wies auch darauf hin, daß das neue Steuersystem der Republik Kroatien nach den konzeptionellen und praktischen Vorschlägen einer von ihm geleiteten Gruppe deutscher Steuerexperten völlig konsumorientiert ausgestaltet wurde. „Dies ist ein in der gesamten Steuergeschichte einmaliger Vorgang, denn noch nie wurde ein ganzes Steuersystem nach einem wissenschaftlichen Modell vollständig neu geprägt.“ Hierbei wirkten im Rahmen eines Projekts des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sowie der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) neben Wissenschaftlern aus der betriebswirtschaftlichen Steuerlehre auch deutsche Praktiker aus der Finanzverwaltung Baden-Württembergs mit.

Die Steuerreformpläne der Bundesregierung bewertet Professor Rose als halbherzigen Schritt zurück in das vergangene Jahrhundert, in dem das heute leider immer noch dominierende steuerpolitische Ideal einer sogenannten „umfassenden“ Einkommensteuer entwickelt wurde, die nachweislich nicht nur das Sparen diskriminiere, sondern auch die Investitionen. Verantwortlich hierfür sei die steuerliche Belastung einer marktüblichen Verzinsung des Spar- und Investitionskapitals, obwohl dieses aus bereits versteuertem Einkommen gebildet wurde. „Eine solche steuerliche Doppelbelastung des Sparens und Investierens vernichtet Arbeitsplätze und beeinträchtigt auch die gewünschten Anreize für eine private Altersvorsorge“, so Rose.

In einem konsumorientierten System der Einkommens- und Gewinnbesteuerung würde es zu diesen „fatalen Wirkungen“ (Rose) nicht kommen, weil die marktübliche Verzinsung des versteuerten Kapitals vor einer erneuten steuerlichen Belastung geschützt ist und Steuern somit grundsätzlich entscheidungsneutral wären.

Nach Auffassung von Professor Rose ist das seit 1994 erfolgreich funktionierende Konsumsteuersystem Kroatiens deshalb auch ein Zukunftsmodell für Deutschland. Vor allem entfielen die steuerlichen Beeinträchtigungen unternehmerischer Investitionen, und über den hiermit ausgelösten außerordentlichen Investitionsschub könnten auch in beträchtlichem Umfang mehr Arbeitsplätze geschaffen werden. Weiterhin könnte „das gegenwärtige Chaos“ bei der Besteuerung des Sparens für die Altersvorsorge (Lebensversicherungen, Renten etc.) auf systematischer und fairer Grundlage beseitigt werden.

Michael Schwarz

Hinweis an die Redaktionen: Prof. Rose steht Ihnen für weitere Details gerne Rede und Antwort: Alfred Weber-Institut für Sozial- und Staatswissenschaften der Universität Heidelberg, Grabengasse 14, 69117 Heidelberg, Tel. 06221 542953, Fax 543154

Für die Printmedien liegen Portraitfotos von Prof. Rose bei der Pressestelle der Universität Heidelberg bereit (presse@urz.uni-heidelberg.de)


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Created: 07.04.97 Updated: 07.04.97