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Arbeitsgruppe Prof. Dr. Dr. hc. mult.
German Müller (Emeritus)
Anorganische Umwelt
- Geochemie
Background
Die Forschungsarbeit entstand im Rahmen des Leitprojekts
"Elbe 2000" des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft, Forschung und
Technologie (BMBF). Innerhalb des Programms der Internationalen Kommission zum
Schutz der Elbe (IKSE) umfaßt dieses Leitprojekt Forschung und Entwicklung zur
Sanierung der Elbe und ihres Einzugsgebietes. Dazu soll das Flußsystem umfassend
untersucht werden, um bis zum Jahre 2000 Grundlagen für ein ökologisch
ausgeglichenes, umweltverträglich zu nutzendes Gewässersystem zu
schaffen.
Das Projekt ist in drei Phasen unterteilt, welche jeweils
als Themenverbundprojekte angelegt sind. Die beiden ersten Phasen haben eine
Bestandsaufnahme der Schwermetallsituation in den Gewässersystemen der
Elbenebenflüsse zum Ziel. Dies wurde notwendig, da aufgrund der Charakteristik
und industriellen Struktur der Einzugsgebiete der Elbenebenflüsse geschlossen
werden konnte, daß ein Großteil der Elbebelastung aus ihnen stammt und nur ein
unzureichendes Datenmaterial dazu vorlag. In der dritten Phase erfolgt die
Erfassung und Beurteilung der Belastung der Elbe selbst mit Schadstoffen.
Mit einer Flußlänge von ca. 1100 km und einem hydrologischen
Einzugsgebiet von ca. 148000 km2 ist die Elbe einer der größten
Flüsse Mitteleuropas. Mit ihren Auen bildet sie in Mitteleuropa die einzige noch
weitestgehend intakte Flußlandschaft in der eine Vielzahl typischer und zum
größten Teil bedrohter Tier- und Pflanzengemeinschaften ihren Lebensraum haben.
Darüber hinaus haben sie und ihre Auen als Rast-, Durchzugs- und
Überwinterungsgebiet für viele Vogelarten überregionale Bedeutung. Zugleich
zählt die Elbe aber zu den am stärksten mit organischen und anorganischen
Schadstoffen belasteten Flüssen Europas, deren Eintrag in die Nordsee dort
bereits zu Störungen des Ökosystems geführt haben
Als einige der größten Nebenflüsse der Elbe sollten die hier
untersuchten Havel/Spree und Schwarze Elster einen wesentlichen Beitrag zum
Zustand des Flußsystems der Elbe liefern, wobei auch bei allen die Problematik
des nur in unzureichendem Ausmaß vorhandenen Datenmaterials, zu Tage tritt.
Größere Datenmengen sind nur für einzelne Regionen, wie z.B. den Raum Berlin,
vorhanden.
Im Gegensatz zu vielen organischen Schadstoffen, die erst
durch den Menschen in die Umwelt gebracht werden, sind Schwermetalle keine
naturfremden Substanzen (Xenobiotika). Wie andere Spurenelemente sind sie in
zahlreichen Mineralien und Gesteinen enthalten, so daß ihr Nachweis allein es
nicht rechtfertigt von Kontamination zu sprechen.
Bisherige Schwermetalluntersuchungen von Flußsedimenten im
Elbeeinzugsgebiet wiesen unterschiedlich hohe Konzentrationen auf, die z. T. auf
hohe Belastungen der Sedimente hindeuten. Dabei können Aussagen über die Höhe
der anthropogenen Schwermetall-anreicherungen nur bedingt erfolgen, da die Höhe
der anthropogen verursachten Kontaminationen nur dann sicher abgeschätzt werden
kann, wenn die natürlichen Schwermetallgehalte im jeweiligen Einzugsgebietes
bekannt sind
Ziel dieser Arbeit ist es den 'geogenen Background' in den
Einzugsgebieten der Havel, Spree und der Schwarze Elster für die in der
Klärschlammverordnung aufgeführten, umweltrelevanten Elemente ( Cd, Cr, Cu, Hg,
Ni, Pb, Zn) sowie As und Co zu bestimmen. In Ermangelung konkreter Daten werden
für den 'geogenen Background' eines Gebietes zuweilen Werte von fossilen, d.h.
zivilisatorisch nicht beeinflußten, Tongesteinen [z.B. 3] verwendet, die aber
die regionalen Gegebenheiten nicht berücksichtigen.
Auf der Basis regionaler Background-Werte können über die
bisherige Ermittlung des Ist-Zustandes hinaus Sanierungsschwerpunkte realistisch
formuliert werden.
Da der Elementgehalt stark von der untersuchten Korngröße
und damit der mineralogischen und chemischen Zusammensetzung sowie den
physikalischen Eigenschaften abhängig ist, ist dieses Vorgehen nur dann
näherungsweise als richtig anzusehen, wenn die Fraktion < 2 µm (=Tonfraktion,
d.h. die Fraktion aus der die Tongesteine überwiegend aufgebaut sind) betrachtet
wird. In jüngerer Zeit wird zunehmend die Kornfraktion < 20 µm zur
vergleichenden Beurteilung herangezogen, da diese einfacher von der Gesamtprobe
abgetrennt werden kann, während für die Gewinnung der Fraktion < 2 µm eine
aufwendige Sedimentationsanalyse notwendig ist, bei der die Probe z.T. mit
größeren Wassermengen (z.B. Atterberg-Methode, d.h. Trennung aufgrund
unterschiedlicher Sedimentationsgeschwindigkeit in Wasser) in Berührung kommt.
Da alle bisherigen Untersuchungen an Sedimenten der Elbe und ihres
Einzugsgebietes an der Kornfraktion < 20 µm durchgeführt wurden, wird auch
hier nur diese Fraktion betrachtet.
Ergebnisse und allgemeine Diskussion
|
[mg/kg] |
As |
Cd |
Co |
Cr |
Cu |
Hg |
Ni |
Pb |
Zn |
|
Maximum |
142 |
0,60 |
55 |
130 |
104 |
0,44 |
76 |
88 |
851 |
|
Minimum |
1 |
0,02 |
2 |
4 |
4 |
0,02 |
2 |
3 |
24 |
|
Median |
12 |
0,18 |
12 |
46 |
23 |
0,10 |
27 |
24 |
83 |
|
Mittelwert |
16 |
0,19 |
14 |
48 |
25 |
0,12 |
28 |
27 |
90 |
|
Std.-abw. (s) |
16 |
0,11 |
9 |
23 |
13 |
0,09 |
13 |
14 |
59 |
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
10er
Perzentil |
5 |
0,04 |
6 |
22 |
12 |
0,03 |
12 |
13 |
49 |
|
90er
Perzentil |
27 |
0,30 |
26 |
72 |
38 |
0,25 |
46 |
47 |
124 |
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Anzahl |
199 |
102 |
261 |
249 |
246 |
184 |
264 |
235 |
230 |
Tabelle 1 Interpretierte Daten (Havel/Spree)
|
[mg/kg] |
As |
Cd |
Co |
Cr |
Cu |
Hg |
Ni |
Pb |
Zn |
|
Maximum |
179 |
3,00 |
130 |
330 |
121 |
3,69 |
145 |
235 |
862 |
|
Minimum |
5 |
0,06 |
5 |
22 |
4 |
0,03 |
11 |
11 |
34 |
|
Median |
25 |
0,33 |
20 |
71 |
31 |
0,11 |
37 |
35 |
110 |
|
Mittelwert |
35 |
0,66 |
24 |
75 |
35 |
0,21 |
41 |
45 |
131 |
|
Std.-abw. (s) |
28 |
0,69 |
16 |
31 |
20 |
0,41 |
22 |
32 |
94 |
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
10er
Perzentil |
11 |
0,15 |
8 |
46 |
13 |
0,05 |
18 |
19 |
59 |
|
90er
Perzentil |
71 |
1,72 |
43 |
104 |
61 |
0,41 |
70 |
80 |
209 |
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Anzahl |
210 |
63 |
217 |
217 |
217 |
219 |
217 |
217 |
217 |
Tabelle 2 Interpretierte Daten (Schwarze
Elster)
Erwartungsgemäß konnten für die verschiedenen Lithotypen in
den Einzugsgebieten der Havel und der Schwarzen Elster unterschiedliche
natürliche Schwermetallgehalte ermittelt werden. Daher war es notwendigs deren
Ergebnisse getrennt darzustellen.
Die in den Tabellen dargestellten Werte stellen die geogenen
Schwermetallgehalte in den Auensedimenten (fluviatile Ablagerungen) der
Einzugsgebiete der Havel/Spree und der Schwarzen Elster dar.
Die Quantifizierung der geogenen Schwermetallgehalte ist
eine Voraussetzung für die Abschätzung anthropogener Schwermetalleinträge in
Böden. Maßgebend sind die lithogenen Grundgehalte im gesamten Profil. Dabei
werden die lithogenen Grundgehalte im Zuge unterschiedlicher Prozesse verändert.
An- und Abreicherungsvorgänge finden statt. Inwieweit die vertikale Verlagerung
von Schwermetallen in den Auensedimenten der untersuchten Gebiete
quantifizierbar ist, stellte eine der Schwierigkeiten dar, mit der die
geochemische Interpretation der Profilen behaftet ist.
Die Auensedimente erwiesen sich als inhomogen und zeigen bei
der Elementkonzentration eine große Variabilität auf. Generell können innerhalb
enger räumlicher Bereiche die Voraussetzungen zur Ablagerung und Fixierung von
Material und der in ihm enthaltenen Metallen sehr unterschiedlich sein. Diese
Problematik wird durch das angewandte Auswertungsverfahren, welches sowohl
Einzelkerne betrachtet, als auch die Summe aller vermessenen Proben ohne
Rücksicht auf deren Herkunft (Standort), abgemildert. Im Grunde genommen wird
dadurch mathematisch eine Mischprobe 'konstruiert', deren Fehler kleiner ist,
als der von Einzelproben. Dabei geht lediglich die Information über den
Einzelstandort verloren.
Der berechnete Schwankungsbereich kann von mehreren Faktoren
abhängig sein:
-Art und Anzahl der im betrachteten Gebiet vorhandenen
Ausgangsgesteine
-Homogenität des betrachteten Gebietes (großes s kann auch
ein Hinweis darauf sein, daß es nicht sinnvoll ist, das Gebiet als Ganzes zu
betrachten (z.B. aufgrund verschiedener lithologischer Einheiten)
-Güte der Trennung anthropogen beeinflußter von
unbeeinflußten Proben
-Art und Ausmaß der natürlichen Prozesse
-Güte der Messungen sowie der gesamten Probenahme und
Aufbereitung
Der Vergleich der Medianwerte der geogenen Schwermetall- und
Arsengehalte in den Auensedimenten der untersuchten Gebiete zeigt, daß generell
die Konzentrationen im Einzugsgebiet der Schwarzen Elster höher liegen als in
dem Einzugsgebiet der Havel/Spree. Eine Ausnahme stellen die Hg-Konzentrationen
dar, die größere Spannweite bei der Havel aufweisen
Der Vergleich der erhaltenen Daten mit dem
Tongesteinsstandard nach Turekian & Wedepohl (1961) zeigt, daß alle
Medianwerte mit Ausnahme von As (S. Elster), Pb (S.Elster, Havel) und Zn (S.
Elster) unterhalb dieser Werte liegen (Tab. 3 ).
In Tabelle 3 werden ebenfalls die erhaltenen Mediane im
Vergleich zu den Konzentrationen in den Sedimenten der Havel und der Schwarzen
Elster dargestellt. Dabei weisen die Sedimente eine hohe Akkumulation von
Schwermetallen und Arsen auf.
| mg/kg |
As |
Cd |
Co |
Cr |
Cu |
Hg |
Ni |
Pb |
Zn |
| Havel |
12 |
0,18 |
12 |
46 |
23 |
0,10 |
27 |
24 |
83 |
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| S.
Elster |
25 |
0,30 |
20 |
72 |
32 |
0,10 |
39 |
31 |
98 |
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| T &W |
13 |
0,3 |
19 |
90 |
45 |
0,4 |
68 |
20 |
95 |
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| Sediment |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| Havel |
k.A. |
0,3 (6,6) |
4 (5) |
20 (30) |
20 (190) |
k.A. |
k.A-40 ) |
40(280) |
170
(2030) |
| S. Elster |
n.b. |
3,1 |
39 |
210 |
75 |
1,7 |
78 |
125 |
720 |
Tab. 3 :Vergleich der ermittelten Werte mit dem
Tongesteinsstandard und den Konzentrationen der Sedimente (*) (**)
(***)
Anmerkungen zu Tabelle
(*) T & W : Tongesteinstandard nach
Turekian & Wedepohl (1961).
(**)
Havel-Sedimente: Medianwerte
der Gehalte der Havelsedimente (Schlammgreiferproben; Königswasser-Aufschluß der
Fraktion <20 µm) nach [5]. Angegeben sind die Medianwerte für die anthropogen
vermutlich gering belastete Obere Havel (12 Proben bis Fluß-km. 140) und in
Klammern die Medianwerte für die gesamte Havel (57 Proben). Für die Elemente Co
und Cr liegen nur die Ergebnisse der Proben bis Fluß-km. 196 (24 Proben) vor,
während für Ni nur die Gehalte der Proben ab Flußkilometer 196 (32 Proben)
bekannt sind. D.h. bei Co und Cr sind die vermutlich stärker belasteten Gebiete
noch nicht erfaßt, während bei Ni gerade diese berücksichtigt
wurden.
(**)
S.Elster-Sedimente: Medianwerte der
Gehalte der Havelsedimente (Schlammgreiferproben; Königswasser-Aufschluß der
Fraktion <20 µm) nach [6]. Angegeben sind die Medianwerte der letzten 60 km
vor der Mündung in die Saale.
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