Zum 50. Todestag von Otto Fritz Meyerhof am 6.10. 2001
Meyerhof in Heidelberg –
Der Aufbruch der Zellbiologie
von Heiner Schirmer und Stephan Gromer
Biochemie-Zentrum der Universität Heidelberg

Otto
Meyerhof war einer der größten Biochemiker und Biologen.[1]
Seine Heidelberger Arbeiten repräsentieren für den Historiker Thomas Kuhn eine
wissenschaftliche Revolution: Es gibt eine Biologie und Medizin vor
Meyerhof und seit Meyerhof. Die Meyerhof´schen Erkenntnisse gipfelten
zwischen 1930 und 1936 in der Formulierung des ATP-Zyklus. Otto Meyerhof war
der erste, der aufgrund seiner Daten für den Stoffwechsel aller Zellen
formulieren konnte: Das Prinzip ist einheitlich, die Vielfalt liegt im Detail.
Die Buntheit und Fülle - aber auch die Pathologie des Lebens - beruht auf
wenigen Themen mit unendlichen Variationen und Erweiterungen dieser
Grundmotive.
ATP – Meyerhofs spezifische operative Substanz
Im folgenden Bild ist ein Modell des Adenosintriphosphat
(ATP) dargestellt[2]. Dieses
Molekül und seine Bedeutung wurden um 1930 von Lohmann und Meyerhof entdeckt.
ATP ist die universelle Energiewährung der belebten Natur. ATP energetisiert
fast jede Leistung des Lebendigen: die Bewegungen der Muskeln, die Aktivität
des Herzens, die molekularen Ionenpumpen im Nervengewebe, den Stofftransport,
die Synthese der DNA, der Proteine und vieler anderer Schlüssel-Moleküle und
bei Leuchtinsekten auch die Lichtproduktion. Bei all diesen Prozessen wird ATP
in ADP und Phosphat gespalten. Die sogenannten energieliefernden Reaktionen in unserem Körper ermöglichen das
Recycling von ATP aus ADP und Phosphat. Man kann sich schwer vorstellen, dass
es einmal eine Zeit der biologischen Forschung gegeben hat, in der das ATP und
seine Bedeutung in zellbiologischen Stoffwechsel-Zyklen noch nicht entdeckt war
und in der die Rolle von Phosphat für die Biochemie ignoriert wurde. Insofern
gibt es eine Biologie vor 1935, sozusagen vor der Entdeckung des ATP und eine
Biologie seit Otto Meyerhof.

Das ATP–Modell.
Das Modell zeigt das Adenosintriphosphat (ATP) als naturgetreue
nano-anatomische Einheit in 100 millionenfacher Vergrößerung. Es besteht aus
Adenin, Ribose sowie aus drei Phosphatresten. Kohlenstoffatome sind schwarz,
Wasserstoffatome weiß, Sauerstoffatome rot, Stickstoffatome blau und
Phosphoratome gelb dargestellt. Rechts daneben ist das Molekül des
Adenosindiphosphat (ADP) sowie das vom ATP abgespaltene Phosphat
abgebildet.
1884-1910
Geboren wurde Otto Meyerhof am 12. April 1884 in Hannover.
Bald darauf zog die Familie nach Berlin. Es war eine jener Familien deutscher
Juden, die weit in das 20. Jahrhundert hinein den kulturellen und
wissenschaftlichen Fortschritt maßgeblich mitbestimmten und beflügelten. Nicht
ein einziges der in Deutschland gebliebenen Mitglieder dieser großen und
großartigen Familie Meyerhof hat die Hitlerzeit überlebt.
Schon als Jugendlicher, vor allem während einer schweren
Nierenerkrankung, die ihn monatelang ans Bett fesselte, beschäftigte sich Otto
Meyerhof intensiv mit Philosophie. Er wurde und blieb sein Leben lang ein Philosoph der Erkenntniskritik und der
Moralkritik der Kantianer Fries und Nelson. Meyerhof hat fast ein
Vierteljahrhundert in den philosophischen "Abhandlungen der Friesschen
Schule" publiziert und war lange Zeit einer der beiden Herausgeber dieser
Zeitschrift.
Außer für Philosophie und
Archäologie interessierte sich Meyerhof besonders auch für Geschichte,
einschließlich Kunst- und Literaturgeschichte. Zu seinen Lieblingsdichtern
gehörten Goethe und Rilke.
Nach dem
Abitur im Jahre 1903 studierte Meyerhof Medizin, zuerst in Berlin, dann in
Straßburg und Heidelberg, wo er 1909 promoviert wurde. Thema seiner
Doktorarbeit waren "Beiträge zur psychologischen Theorie der
Geistesstörung". Nach seiner Promotion wandte er sich eine Zeitlang der
Psychologie und Philosophie zu, veröffentlichte eine erweiterte Form seiner
Dissertation als Buch und schrieb seinen berühmten Aufsatz über Goethes
Methoden der Naturforschung.
Doch dann
kam die Hinwendung zur Biochemie. Der Ordinarius für Innere Medizin in
Heidelberg, Ludolf Krehl, war ein großer Förderer der Grundlagenforschung in
der Medizin. Als Assistent in
Krehls Klinik begegnete Meyerhof Otto Warburg, dessen feste Entschlossenheit,
die chemischen Reaktionen in der lebenden Zelle zu erforschen, einen tiefen
Eindruck auf Meyerhof machte. Warburg analysierte schon damals den molekularen
Mechanismus der Zellatmung, der biologischen Oxidation, an Krebszellen und vor
allem an Eizellen des Seeigels. Er war also molekularer Zellphysiologe und
arbeitete mit einer so glänzenden gedanklichen und experimentellen Methodik,
daß auch Meyerhof sich sofort und für immer der molekularbiologischen Forschung
verschrieb. Warburg beeinflusste Meyerhof, so wie ein großer Mensch den anderen
beeinflusst, nicht durch Reden und Überreden, sondern durch Beispiel. Dies galt
übrigens nicht nur für Forschergenies, sondern auch für die Ärzte in der Klinik bei Krehl.
Weshalb förderte Ludolf-Krehl wie kaum ein anderer Mediziner
der Welt die Grundlagenforschung in
seinem klinischen Labor? Nach Krehls Überzeugung war die Medizin am Anfang des
20. Jahrhunderts in einer Krise. Er befürchtete, die Medizin entferne sich von
der Betrachtung des Kranken als ganzen Menschen mit seinen Voraussetzungen und
Lebensbedingungen als Einheit und von der Wertung des Individuums als einer
besonderen Einheit. Krehl hielt die materialistische Interpretation des
Menschen für falsch, wonach Kranksein nach Art eines physikalischen und
chemischen Prozesses gedeutet werden könne, bei dem der Arzt einem Techniker
gleiche, der eine Maschine repariert. Der diagnostizierende Arzt habe den
ganzen Menschen, seine individuelle Persönlichkeit in ihrer Umwelt und
Geschichtlichkeit in den Blick zu nehmen und nicht nur die naturwissenschaftlich
deutbaren Lebensprozesse.
Den Positivisten unter Krehls Zeitgenossen - und das war die
Mehrheit - gefiel das gar nicht. Für sie war Krehl trotz seiner Verdienste um
die Pathophysiologie ein biologischer und ärztlicher Mystiker, der nicht
erkennen könne oder erkennen wolle, dass innerhalb von 10 Jahren die
psychischen und somatischen Phänomene eines kranken Menschen durch
physikalisch-chemische Modelle erklärbar seien. Krehl konterte, indem er mit
Warburg, Meyerhof, Siebeck und v. Weizsäcker junge Mediziner und Biologen
gewann, die die Erkenntnisse der Physik und Chemie auf Lebensvorgänge
anwendeten, um die ersten Einblicke in die komplexe Stoffwechsel-Chemie und die
biochemische Energetik der lebenden Zelle zu gewinnen.
So begann, vor allem mit Warburg und Meyerhof der Siegeszug
der molekularen Zellbiologie – nicht etwa in einem staubfreien
naturwissenschaftlichen Elitelabor der USA, sondern in der
Patienten-orientierten medizinischen Klinik in Heidelberg. Diesen
wissenschaftshistorischen Sachverhalt möchten wir immer gern von den
Medizinstudenten hören, wenn wir in Prüfungen nach den Wurzeln und dem
Durchbruch der modernen Biochemie und Biologie fragen. Und dazu gehört auch
unmittelbar die Frage nach der Psychosomatik, die damals in Heidelberg
entstand. Kennzeichnend für die Heidelberger Schule ist, daß die großen
Psychosomatiker im Rahmen ihrer medizinischen Doktorarbeiten bedeutende
naturwissenschaftliche Entdeckungen machten und daß andererseits große
Heidelberger Naturforscher wie Meyerhof ihre Promotionsarbeit und ihre
klinische Tätigkeit einem psychiatrisch-psychologischen Thema gewidmet haben.[3]
Die Heidelberger Biopsyche, im Ausland The Heidelberg Biosoul
genannt, wird als interdisziplinäre Forschung im Dienste der Patienten auch eine
der tragenden Stützen des Otto-Meyerhof-Zentrums für Klinische Forschung und
Ambulante Medizin werden.
Nicht nur in der Berufswahl entschied sich Meyerhof ein für
allemal, für ein ganzes Leben, in Heidelberg. Hier lernte er die Mathematikstudentin und Malerin Hedwig
Schallenberg kennen. Sie heirateten im Jahr 1914. Aus der Ehe gingen eine
Tochter und zwei Söhne hervor. Wir haben die einzigartige Freude, dass sie alle
zur Einweihung des OMZ gekommen sind. Gottfried (Professor emeritus für Civil
Engineering in Halifax, Kanada), Bettina (früher Kinderärztin in Seattle und
bei der US Army in Deutschland) und Walter (Professor emeritus für Physik an
der Stanford University). Gottfried Meyerhof danken wir vor allem dafür, dass
er den Nachlass seines Vaters geordnet und im Internet veröffentlicht hat, eine
einzigartige Quelle!
1912-1929.
Kiel, Nobelpreis 1922 und Berlin
1912 ging Meyerhof als Assistent an das kleine
Physiologische Institut der Universität Kiel. Seine Antrittsvorlesung als
Privatdozent „Zur Energetik der
Zellvorgänge“ wurde später als „Chemical dynamics of life phenomena“ die langlebigste und erfolgreichste wissenschaftliche
Monographie des letzten Jahrhunderts – sie war über 50 Jahre in den Charts.
Seinem Leitmotiv, der Frage nach der chemischen und
energetischen Kopplung der einzelnen Reaktionen innerhalb einer biologischen
Reaktionskette, konnte Otto Meyerhof
sich erst nach dem Ende des ersten Weltkriegs widmen. Schon seit 400 Jahren -
seit Leonardos bekanntem und detaillierten Vergleich des Lebens mit einer
Kerzenflamme - wußte die Menschheit eigentlich, daß das Leben materiell und
energetisch ein "stationärer Zustand" sei. Die schönste Beschreibung
eines stationären Zustands, wo Energie und Stoffe gleichzeitig ruhen und
strömen, ist Der Römische Brunnen von Conrad Ferdinand Meyer, den
Meyerhof gerne zitierte
Aufsteigt
der Strahl und fallend gießt
Er
voll der Marmorschale Grund,
Die,
sich verschleiernd, überfließt
In
einer zweiten Schale Grund;
Die
zweite gibt, sie wird zu reich,
Der
dritten wallend ihre Flut,
Und
jede nimmt und gibt zugleich
Und
strömt und ruht.
Erst durch Meyerhof wurde dieser Rahmen der Erkenntnis mit
konkretem Inhalt erfüllt, geschah der Schritt von der Betrachtung zur
Forschung: Denn Meyerhof zeigte als erster, daß dieser stationäre Zustand
lebender Systeme auf chemischen Kreisprozessen und vor allem, daß er auf einer
chemischen und energetischen Koppelung der Einzelschritte dieser Prozesse
beruht.

Als Objekt der neuen Forschungsrichtung verwendete Meyerhof
zunächst den Muskel. Der Muskel ist ein bequem zugängliches Gewebe, das in
großen und damit sehr genau meßbaren Beträgen chemische Energie in Wärme und in
mechanische Arbeit verwandelt. Es genügten 4 Jahre einsamer Arbeit in dem
kleinen Kieler Institut, damit Meyerhof für das Jahr 1922 zusammen mit seinem
Freund Archibald Vivian Hill den Nobelpreis für Medizin erhielt – Hill für
seine Entdeckungen auf dem Gebiet der Wärmeerzeugung im Muskel und Otto
Fritz Meyerhof für die Entdeckung des
Zusammenhangs zwischen Sauerstoffverbrauch und Milchsäure-Stoffwechsel im
Muskel. Dieser junge Ruhm hatte seinen Nährboden nicht in begeistertem
Verständnis der deutschen Universitäten für Meyerhofs Ergebnisse. So wurde am
Anfang des Nobeljahres 1922 an Meyerhofs Universität Kiel auf Initiative des
Physiologen Höber eine Abteilung für Physiologische Chemie eingerichtet. Die
Fakultät berief einen netten Mann namens Pütter, Meyerhof blieb Assistent![4]
Die Historiker erklären diese Entscheidung mit der antisemitischen Haltung der Kieler Fakultät. So einfach war es sicherlich nicht, denn die Bewerbungen des Nobelpreisträgers um eine unbefristete Stelle waren auch an anderen deutschen Universitäten, leider auch in Heidelberg, erfolglos. Im Ausland und außerhalb der Universitäten in Deutschland war man nicht so blind gegenüber dem Genie. 1924 wurde Meyerhof an das KWI für Biologie in Berlin berufen.
Gegen Ende des Jahres 1929 übersiedelten die Meyerhofs von
Berlin-Dahlem nach Heidelberg, in das neugegründete Kaiser-Wilhelm-Institut für
medizinische Forschung, das auf Initiative von Ludolf Krehl errichtet worden
war. Es handelt sich um das heutige Max-Planck-Institut für medizinische
Forschung.
Das Institut bestand aus vier Abteilungen: Physik (Hausser),
Chemie (Kuhn), Physiologie (Meyerhof) und Pathologie (Krehl). Zum ersten Mal
verfügte Meyerhof über hervorragende Arbeitsbedingungen. Die Laboratorien hatte
man nach seinen Plänen gebaut und alles organisiert, um ihm seine Arbeit mit
einer großen Zahl sehr empfindlicher Methoden und Geräte zu erleichtern. Die
Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft stellte ihm ein eigens für ihn gebautes großartiges
Haus mit einem schönen Garten zur Verfügung. Man kann sich leicht vorstellen,
wie glücklich er in Heidelberg war. Meyerhof war nun 46 Jahre alt und inmitten
einer aktiven und dynamischen Phase seiner Forschungen.
Karl Möhle hat oft erzählt wie es zu dem Slogan kam
Zum Meyerhof, da blüht die Welt,
nach Heidelberg
zum Meyerhof
im Neuenheimer Feld!
Ein junger Mann hatte sich auf die Anzeige Meyerhof im
Neuenheimer Feld sucht Elektriker beworben. Als Norddeutscher verstand er
unter einem Meierhof einen Bauernhof mit mehr als 7 Kühen und so suchte er im
Neuenheimer Feld ein Gehöft, bis er den
wahren Meyerhof fand, in einem Institut inmitten frühlingsduftender Bäume.
Meyerhof zog eine ganze Reihe bemerkenswerter Assistenten
und Studenten nach Heidelberg. Zum ursprünglichen Stamm gehörte Karl Lohmann,
ein großer Chemiker und der Erstbeschreiber des ATP, der fast 13 Jahre bei
Meyerhof arbeitete, und für - Meyerhof besonders wichtig - die großartigen und verlässlichen Techniker
Walter Schulz und Karl Möhle. Meyerhofs Name bürgte für Innovation und sein
ganzheitlicher Ansatz wirkte wie ein Magnet für junge Talente, die fast alle
nur ein Jahr blieben, aber in der Heidelberger Zeit für ihre eigenen späteren
wissenschaftliche Beiträge geprägt wurden. Berichtet sei zunächst vom Besuch
des Dänen Einar Lundsgaard.

Vor
dem Kaiser Wilhelm Institut für medizinische Forschung in Heidelberg (1930). Im
Vordergrund sitzen Otto Meyerhof und Sir Archibald V. Hill, die
Nobelpreisträger des Jahres 1922. Dahinter die stehen die Mitarbeiter
Meyerhofs, von links Karl Lohmann, Alexander von Muralt, Grigore
Alexandru Benetato, Hermann Blaschko, Arthur Grollmann, Hans Laser und die
Techniker Frau Fischer, Walter Schulz und Eric Boyland.
Als
Meyerhof gerade erst einige Monate in Heidelberg war, machte Lundsgaard in
Kopenhagen eine Reihe sehr wichtiger Beobachtungen. So fand er, dass mit bestimmten
Pharmaka behandelte Muskeln keine Milchsäure mehr bildeten, jedoch noch
weiterarbeiten, solange Kreatinphosphorsäure vorhanden war. In eleganten
Experimenten maß er die Arbeitsleistung und setzte sie mit der Wärmebildung
beim Kreatinphosphorsäurezerfall in Beziehung. Lundsgaard schickte Meyerhof
einen Vorabdruck des noch nicht publizierten Manuskriptes und bat ihn, die
Richtigkeit der Entdeckungen unter Meyerhofs Anleitung testen zu dürfen, da sie
im Gegensatz zu dessen Theorie zu stehen schienen. Dies zeigt Lundsgaards
wissenschaftliche Einstellung, nämlich seine Suche nach Wahrheit unter
strengster Kontrolle.[5]
Die Heidelberger antworteten prompt auf
Lundsgaards Bitte, indem sie ihn nach Heidelberg einluden. Als er am
Heidelberger Bahnhof ankam, brachten ihn Meyerhof und Lohmann sofort ins Labor
und die Experimente begannen, bevor Lundsgaards überhaupt auspacken konnten. Er
blieb 1930 sechs Monate in Heidelberg, und in dieser Zeit wurde ein
einheitliches Konzept zur Energetik des Kreatinphosphats und des von Meyerhof
entdeckten Argininphosphats entwickelt.
Bei Untersuchungen der Wechselwirkungen zwischen Kreationphosphat und ATP ergab sich, dass ATP ein ebenso guter Energieträger wie Kreatinphosphat ist. Die Messungen von Meyerhof und Lohmann zeigten, dass bei dieser reversiblen Reaktion 100% der chemischen Energie erhalten bleibt und keine Wärme entsteht. Da ATP in jeder Zelle der belebten Natur vorkommt, Kreatinphosphat aber nur in Hochleistungszellen und auch dort nur im Verbund mit ATP wirksam ist, führten diese Experimente zur Entdeckung der einzigartigen Rolle von ATP für die Energetik aller Lebensprozesse.
Meyerhofs Jahre in Heidelberg stellen die wichtigste und produktivste Phase seiner
brillanten Laufbahn dar. Thomas Kuhn kommt zu dem Schluss, dass gerade die
Arbeiten aus den 30er Jahren alle Merkmale einer echten wissenschaftlichen
Revolution tragen. In der Heidelberger Zeit publizierten Meyerhof und seine
Assistenten über 250 Originalartikel; sie spielten in der Tat die zentrale
Rolle in der monumentalen Aufgabe, das Riesenpuzzle der Glykolyse
zusammenzusetzen. Dies war Beginn und zugleich Höhepunkt der Aufklärung des
intermediären Stoffwechsels. In Meyerhofs Institut wurde nicht nur ein Großteil
der Substanzen gefunden, die in der Glykolyse eine Rolle spielen; es wurde auch
entdeckt, wie und in welcher Sequenz diese Verbindungen miteinander reagieren.
Es waren auch die Pionierarbeiten für unser Verständnis, wie Energie
biochemisch umgewandelt, gespeichert und für die Leistungen der Zelle in Form von
ATP zur Verfügung gestellt wird.
Meyerhofs
breiter philosophischer Forschungsansatz und seine persönliche Großzügigkeit
bestimmten den Ton einer begeisterten Atmosphäre intensiver Zusammenarbeit in
seinem Labor. Aber zu jeder Zeit gab es nur sehr wenige Wissenschaftler in
seiner Abteilung, was für die Entwicklung einer engen Beziehung zwischen ihnen
und Meyerhof und auch untereinander sehr wichtig war. Wie David Nachmansohn
beobachtete, war Otto Meyerhof im Grunde ein schüchterner Mensch und fühlte sich
am wohlsten, wenn nur wenige Leute da waren. Die Wirkung Meyerhofs auf die
Menschen seiner Umgebung hatte, wie Hans-Hermann Weber beschreibt, beinahe
etwas Magisches: Denn er war nicht eigentlich liebenswürdig. Er war vielmehr
völlig sachlich und überhaupt nicht auf Menschenfang aus. Aber unter der
spröden Oberfläche verbarg sich ein starkes Gefühl: wen er gewogen und nicht zu
leicht befunden hatte, dem blieb er treu.
Zwischen
1929 und 1938 waren bei Meyerhof unter anderen Fritz Lipmann, David
Nachmansohn, Ken Iwasaki, Paul Rothschild, Dubuisson, George Wald, Alexander
von Muralt, André Lwoff, Walter Kiessling, Lehmann und Paul Ohlmeyer. Als
Gastwissenschaftler trugen Forscher wie Archibald V. Hill, Otto Warburg und
Hans Krebs und - als guter Nachbar aus der Abteilung Chemie - Richard Kuhn zum
intellektuellen Flair bei. Wie States in seiner Meyerhof-Biographie
schreibt, trugen damals die jungen Leute enthusiastisch die Fackel der
Erkenntnis aus Heidelberg hinaus und erhellten damit andere Forschungsstätten
in fernen Ländern – ein großartiges Bild! Vier Mitarbeiter Meyerhofs aus dieser
Zeit wurden später mit dem Nobelpreis ausgezeichnet: Fritz Lipmann für seine
Entdeckungen zum Fettstoffwechsel, Severo Ochoa für seine Beiträge zum
genetischen Code und die Entdeckung der RNA-Polymerase, André Lwoff für seine
Arbeiten zur Genomorganisation in Bakterien und George Wald für seine Beiträge
zur Molekularbiologie des Sehens.

Mitarbeiter Meyerhofs, die später
den Nobelpreis erhielten: von links, Fritz Lipmann, Severo Ochoa, André
Lwoff und George Wald
1938-1951. Flucht aus Heidelberg. Paris. Philadelphia
Die hier
skizzierten epochalen Arbeiten und viele andere bedeutende Projekte der
unerhört fruchtbaren Heidelberger Periode endeten im September 1938 durch
Meyerhofs Flucht vor Hitler. Meyerhof entkam mit Hilfe seines ehemaligen
Schülers A. von Muralt in die Schweiz. Er ging von dort nach Frankreich als
"Directeur de Recherches" am "Institut de Biologie
Physicochemique", während Meyerhofs letzter deutscher Schüler Ohlmeyer das
wissenschaftliche Erbe in Heidelberg abwickelte. Schon vor der Flucht aus
Heidelberg war alles, dank der Bemühungen von René Wurmser, Henri Laugier, Jean
Perrin und David Nachmansohn, für seine Aufnahme in Paris vorbereitet. Und so
wurde Meyerhof mit Begeisterung in Paris aufgenommen - seit Heinrich Heine, so
hieß es, habe es nicht mehr einen so gebildeten Deutschen in Paris gegeben!
Aber bereits nach 20 Monaten musste Meyerhof vor dem Einmarsch der deutschen
Armee weiterfliehen.
1940
gelangte er schließlich über Spanien und Portugal in die Vereinigten Staaten.
Auch hier fand Meyerhof auf Grund seines Ruhms und durch A. V. Hills
warmherzige und kluge Fürsprache bald eine Position: Die Universität
Philadelphia und die Rockefeller Foundation
richteten für ihn eine Stelle als "Research Professor" und ein
Laboratorium im Department von Wright Wilson ein. Hier hat er bis zu seinem
frühen Tod am 6. Oktober 1951 weitergearbeitet. Sein wissenschaftliches
Hauptwerk aber hatte er in Heidelberg vollbracht, wo 350 seiner 440
Publikationen entstanden.
Auch in
Amerika hat er sein aktives Interesse an der Philosophie nie aufgegeben: 1949,
zu Goethes 200. Geburtstag, präsentierte er in New York eine tiefgehende
kritische Auswertung von Goethes wissenschaftlichen Ideen.
1944
erlitt Meyerhof eine Herzattacke und 1951 eine weitere, die er nicht überlebte.
Fast 40
Jahre lang hat Otto Meyerhof seiner Frau Hedwig immer wieder, formvollendete
liebevolle Gedichte gewidmet, die nach Hedwig Meyerhofs Tod gefunden wurden.
Wie Hans-Hermann Weber nüchtern konstatiert, sind Liebesgedichte, die sich ein
ganzes Leben lang an dieselbe Frau
richten, in der Weltliteratur extrem selten.

Woods Hole 1951: von links, Edith Nachmansohn, Otto Meyerhof, David Nachmansohn und Hedwig Meyerhof.
Ich möchte
aus einem Gedicht zitieren, das Otto Meyerhof heute vor 50 Jahren, Ostern 1951,
seiner Frau schrieb:
...
Wars mir
vergönnt, auch einen Faden nur
Klar zu
erschaun an Gottes Mantels Saume,
So bleibt
ein Hauch von meiner Erdenspur
Unlösbar
ausgestreut im Sternenraume.
Und alle
Liebe, die wir uns geschenkt
In Stunden
voller Angst, in Glück und Sehnen
Ward in
des Weltalls Tiefe eingesenkt
Und glänzt
vor Ihm wie eines Engels Tränen.
So sei
getrost, dass nimmer wir vergehn,
Auch wenn
wir lösen uns vom Erdenstaube.
Die Seele
sucht ein reines Auferstehn
Des
Wissens Stückwerk überwölbt der Glaube.
Weber schildert auch, wie Meyerhofs Mitarbeiter an ihm
hingen. Ein Beispiel:
Als Meyerhof 1938 geflohen war, beschloß sein Technischer
Assistent Walter Schulz das zurückgelassene Eigentum seines ehemaligen Chefs zu
retten. Er ermittelte zunächst auf sehr inoffiziellem Wegen, wann es als
"jüdisches Eigentum" versteigert werden sollte. Schon das war gar
nicht so einfach und ungefährlich. Dann nahm er seine bescheidenen Ersparnisse
und ersteigerte die Dinge, die nach seiner Meinung für Meyerhof einen hohen
Gefühlswert besaßen und leicht transportabel waren. Darüber hinaus aber hatte
er daran gedacht, sich auf der Versteigerung eine Adressenliste aller Leute
zuzulegen, die das übrige Meyerhofsche Eigentum (z.B. Meyerhofs Mobiliar)
ersteigert hatten. So konnte er nach dem Krieg auch dieses mit Hilfe des
Wiedergutmachungsgesetzes zurückholen. Dann ließ Schulz alles von einem
Spediteur nach USA schicken. So viel Mühe und gleichzeitig Umsicht beruhen auf
Liebe, nicht nur Verehrung!
Zur
Wirkungsgeschichte von Meyerhof in Heidelberg
Meyerhof-Mitarbeiter
fühlten sich immer sofort verbunden, auch wenn sie sich vor ihrer Begegnung nie
gesehen hatten, weil sie zu ganz verschiedenen Zeiten und an verschiedenen
Orten mit Meyerhof zusammengearbeitet hatten! Und dies setzte sich – auch am
Heidelberger MPI – fort. Es war eine Freude, mit den Meyerhof-Hoferben in
zweiter und dritter Generation Hans Hermann Weber, Wilhelm Hasselbach, Hartmut
Hoffmann-Berling und Ken Holmes zusammenzuarbeiten. Allen gemeinsam ist, daß
sie bahnbrechende Entdeckungen gemacht haben; aber ebenso bemerkenswert sind
ihre Großzügigkeit gegenüber anderen - vor allem jüngeren Forschern – sowie
ihre persönliche Weisheit und Bescheidenheit.
Georg Schulz und einer der
Autoren (H.S.) haben 1972 bei Holmes die erste Struktur eines ATP-bindenden
Proteins aufgeklärt. Dieses Enzym, die Myokinase oder Adenylatkinase, setzt
ATP, AMP und ADP miteinander ins Gleichgewicht und gibt die für die Dynamik des
Energiestoffwechsels entscheidenden Signale. Als wir Weber davon berichteten,
sagte er nur, das Enzym sei 1935 von Otto Meyerhof und Walter Kiessling
entdeckt, und Meyerhof hätte sich sicherlich über diese ästhetische Struktur gefreut,
die vielleicht in vielen Proteinen vorkomme - und so fühlten auch wir uns
zugehörig.[6]-
Meyerhof war auch Leitfigur der unruhigen jungen Wissenschaftler am
Max-Planck-Institut von 1968 bis 1972; denn Meyerhof vertrat ja die Philosophie
des antirestaurativen Heidelberger Philosophen Karl Jakob Fries (1773-1843) und
hatte selbst immer ein aktives Interesse an sozialen Problemen gehabt. Schon
als Student in Berlin gab Meyerhof an der Universität Unterrichtskurse für
Arbeiter, nicht nur, um deren Bildung zu verbessern, sondern um bei den
Studenten das Gefühl sozialer Verpflichtung zu wecken und damit zur Milderung
sozialer Ungerechtigkeit beizutragen. Das Ziel des wissenschaftlichen
Fortschritts sah Otto Meyerhof deshalb ähnlich wie Roosevelt (1937):
The test for our progress is
not whether we add more to the abundance of those who have much; it is whether
we provide enough to those who have too little.
Meyerhof hat auch den berühmten Aufsatz von A. V.
Hill aus dem Jahre 1946 über Medical Ethics mitgetragen. Hill stellt angesichts
der Entwicklung der Atombombe und der Verirrrungen und Auswüchse der
Forschung während des Zweiten Weltkriegs die Forderung auf, dass der
Hippokratische Eid nicht nur für die Medizin sondern für alle Disziplinen der
Wissenschaft gelten müsste. Der hippokratische Eid verpflichtet den Arzt, sein
Wissen und seine Kenntnisse nur zum Wohle und nicht zum Schaden des Menschen
einzusetzen.
Um 1970 haben wir auch die Diskussion geführt, unter
welchen Menschen, insbesondere welchen Kollegen Meyerhof im
Nationalsozialistischen Deutschland gelitten haben könnte und wer sich hätte
anders verhalten müssen oder können. Damals war eine Aufarbeitung noch aktuell,
zumal Adolf Butenandt als Präsident an der Spitze der Max-Planck-Gesellschaft stand.
Heute sollten wir uns sehr in der Beurteilung und Verurteilung zurückhalten.
Die wenigsten von uns wissen, was es bedeutet, in einer menschenverachtenden,
selbstbewussten und erfolgreichen Diktatur handeln und leben zu müssen.
Meyerhof selbst warnte immer wieder davor, tiefgreifende Ereignisse, die man
nicht selbst erlebt hat, begrifflich zu bewältigen.
Was
Meyerhofs Judentum betrifft, beziehen wir uns auf David Nachmansohn. Meyerhof
war entsprechend seinem familiären Hintergrund völlig assimiliert. Wie für
viele andere Juden seiner Generation hatte sein jüdisches Erbe und die jüdische
Religion wenig Bedeutung für ihn. Er war sich aber stets seiner jüdischen
Abstammung bewusst und ließ sich auch nicht christlich taufen. Als dann nach
dem Ersten Weltkrieg die antisemitische Bewegung in Deutschland zu Gewalttaten
ausartete, beunruhigte ihn insbesondere der Gedanke, dass dieser Extremismus
die Bemühungen um die Gründung einer liberalen, fortschrittlichen und
demokratischen Republik schwer beeinträchtigen könnte. Selbst die Katastrophe
der Hitlerzeit, die Judenverfolgung und das namenlose Leid, das die Nazis ihm
und seiner Familie zufügten, änderte seine grundsätzliche Einstellung nicht. Er
betrachtete diesen heftigen Ausbruch des Nationalismus und Antisemitismus als
einen Rückfall in das Mittelalter, als eine böse Macht, die mit dem Fortschritt
der menschlichen Gesellschaft verschwinden würde. Als nach dem Krieg dann die
unvorstellbar schrecklichen Ereignisse des Holocaust bekannt wurden, war er
fassungslos. Otto Meyerhof fühlte sich nie in der Lage zu urteilen. Eine der
Hauptgründe war, dass er - wie viele andere - nicht begreifen konnte, was
geschehen war. Wenn man die Briefe liest, die Meyerhof nach dem Krieg an
frühere Kollegen und Mitarbeiter richtete, wird deutlich, wie sehr er versuchte
wieder Kontakte zu etablieren, die während des Nationalsozialismus und des
zweiten Weltkriegs verloren gegangen waren. Bei der Interpretation dieser
Briefe stellt Hans-Georg Schweiger resümierend fast resignierend fest. Er war..., er war ein guter Mensch.
Schluß
Meyerhof war einer der ganz großen
Forscher des 20. Jahrhunderts. Es gibt eine Biologie und Medizin vor Meyerhof
und eine Biologie seit Meyerhof. Seine großen Entdeckungen waren um 1936 in
Heidelberg mit der Formulierung des ATP-Zyklus abgeschlossen.
Er war der erste, der
aufgrund seiner Daten für den Stoffwechsel aller Zellen formulieren konnte: Das
Prinzip ist einheitlich, die Vielfalt liegt im Detail. Die Buntheit und Fülle -
aber auch die Pathologie des Lebens -
beruht auf wenigen Themen mit unendlichen Variationen dieser Grundmotive.
Obwohl Otto Meyerhof es nie ausgesprochen hat, herrschte in
seiner Umgebung so etwas wie der Kantsche kategorische Imperativ. Die Gruppe
verhielt sich so, als könne ihr Verhalten – wie man miteinander und der Welt
umgeht – modellhaft für die Gesellschaft insgesamt sein und, wie Kant sagen
würde, Grundlage einer allgemeinen Gesetzgebung werden. Hermann Blaschko
meinte, bei Meyerhof lernte man fast unbewusst, wie man den Versuchungen der
Macht widersteht und im eigenen Kreise zum Entstehen einer Gesellschaft
beiträgt, bei denen sich alle freudig tätig weiterentwickeln.
Ludolf Krehl und Otto Fritz Meyerhof waren große Verehrer
von Rainer Maria Rilke, und deshalb möchten wir mit einem Rilke-Gedicht
schließen, das auch Gadamer seiner Wahrheit und Methode voranstellt. Für
Otto Meyerhof treffen diese Zeilen zu wie für ganz wenige Menschen.
Solang du Selbstgeworfnes fängst, ist alles
Geschicklichkeit und lässlicher Gewinn -;
erst wenn du plötzlich Fänger wirst des Balles,
den eine ewige Mitspielerin
dir zuwarf, deiner Mitte, in genau
gekonntem Schwung, in einem jener Bögen
aus Gottes großem Brückenbau:
erst dann ist Fangen-können ein Vermögen -
nicht deines, einer Welt.
LITERATUR
Biographies
of Otto Fritz Meyerhof in English
http://www.nobel.se/medicine/laureates/1922/meyerhof-bio.html and
http://sun0.mpimf-heidelberg.mpg.de/History/Meyerhof.html
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Und „über allem waltet die Persönlichkeit des
Arztes“ – Ludolf von Krehls Suche nach der Einheit im Kranksein und Heilen
In: ars medica Verlorene Einheit der Medizin?
(Kröner, P., Rütten, T., Weisemann, K. und Wiesing U eds) pp 85-95
Gustav Fischer Verlag, Stuttgart
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Neue oder anthropologische Kritik der reinen
Vernunft, 3 Bände
Fritz-Wolf, K., Schnyder T.,
Wallimann T. und Kabsch W. (1996)
Structure
of mitochondrial creatine kinase
Nature 381, 341-345
Hasselbach, W. (2001)
Erinnerungen
und Gedanken - der Wiederaufbau des Instituts für Physiologie am
Max-Planck-Institut für medizinische Forschung; im Druck;
Wilhelm.Hasselbach@t-online.de
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Scientific
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Chemical
and Engineering News 24, 1343-1346
Kant, I. (1797)
Von der Macht des Gemüts des Menschen, über seine
krankhaften Gefühle durch den bloßen festen Vorsatz Meister zu sein
Hufelands Journal der praktischen Heilkunde Jahrgang
97(II), 6-22
Nachdruck bei den Technischen Lehranstalten
Offenbach am Main 1824
Meyerhof, G. G. (1990)
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1900-1980
http://www.archives.upenn.edu/info/Meyerhof.html
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[1] For a recent account of Meyerhof´s
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2 Der Beitrag ist eine erweiterte Fassung des von H.S. gehaltenen Vortrags am 25. April 2001. Der Anlaß war die feierliche Übergabe des Otto-Meyerhof-Zentrums für Ambulante Medizin und Klinische Forschung des Universitätsklinikums Heidelberg. Anwesend waren zahlreiche Verwandte von Otto Meyerhof, darunter seine Tochter Bettina sowie die Söhne Georg Gottfried und Walter.
[3] Ein aktuelles Beispiel: In diesem Jahr erscheint das Buch Psychosomatik, Psychotherapie und Gehirn – verfasst von dem Molekularen Zellphysiologen Johann Caspar Rüegg.
[4] Erst im Jahre 1922 fand sich auch der erste akademische Mitarbeiter bei Meyerhof ein. Dies war Hans-Hermann Weber, der gerade sein medizinisches Staatsexamen hinter sich hatte und der bereits nach einem halben Jahr wieder ging - weil er eine bezahlte Stellung annehmen musste.
[5] Was hätte Lundsgaard in
einem Forschungsklima wie im Jahre 2001 getan? (Patentanmeldung; Firmengündung
mit Diagnostika für den Herzinfarkt; Beratervertrag mit Spitzensportlern,
Sponsorenvertrag bei Colas; Auseinandersetzung mit der Erkenntnis, dass die
Suche nach Wahrheit als Forschungskonzept oft nicht die höchste Priorität
hat...).
[6] Auch die Struktur des oktameren Lohmann-Meyerhof-Enzyms Kreatinkinase wurde - von Wolfgang Kabsch und Mitarbeitern (Fritz-Wolf et al. 1996) - am MPI für medizinische Forschung in Heidelberg aufgeklärt.