Orte der Wissenschaft

q 000-weg.jpg Wegplan

S 002-File0989.jpg Merian: Heidelberg um 1620

Pfalz: Ruprecht I, Kurfürst (seit 1353), * Wolfratshausen 9. 6. 1309, + Neustadt an der Weinstraße 16.12. 1390; pfälz. Wittelsbacher, Neffe Kaiser LUDWIGS IV., DES BAYERN; erwirkte mit seinem Bruder RUDOLF II. (*1306, + 1353; Pfalzgraf seit 1327 und Kurfürst seit 1329), die Selbstständigkeit der Kurpfalz, deren spätere Gestalt er wesentlich bestimmte. Gründer (1386) der Univ. Heidelberg.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 18, 644 )

q 003-File0321.jpg Walpergen: Schloss und Stadt um 1750

Q a0-0221.JPG Universitaetsbibliothek


Universitätsbibliothek
Plöck 107-09
1901-05
Josef Durm

Das selbstbewußt-eigenwillig anmutende Gebäude der Univesitätsbibliothek befindet sich an der Stelle des früheren Schwarznonnenklosters in unmittelbarer Nachbarschaft zur Peterskirche (vgl. Nr. 7) und zum Gebäude der Neuen Universität (vgl. Nr. 205). Es handelt sich um eine große Vierflügelanlage mit reich gegliederten Schaufronten in rotem Sandstein um einen Innenhof.
Dabei steht der Südflügel mit seiner Fassade im Stil der deutschen und französischen Renaisance für den eher herkömmlichen Typ einer Saalbibliothek.
Die Magazinflügel bestehen im Innern aus einer Stahlkonstruktion. Nach Außen ist der Rasterbau zusätzlich noch mit einer konventionellen Sandsteinfassade verkleidet, die jedoch erste Jugendstilelemente erkennen läßt. Deutlich zeigt die Anlage den Übergang von der Saal- zur Magazinbibliothek.
Besonders markant erscheinen der mächtige runde, einst mit einem Kupferhelm bedeckte Eckturm, der indessen nicht aus der Gebäudeflucht heraustritt, wie die bewegte Dachsilhouette mit nicht weniger als sechs unterschiedlichen Turmspitzen.
Der Formenschmuck der Außenfassade setzt sich auch beim Eingangsportal sowie im Gebäudeinnern fort. Die Karlsruher Bildhauer Hermann Volz, der auch das Bunsendenkmal (heute vor dem Gebäude Hauptstraße 47-51) schuf, und Hermann Binz führen die figürlichen und ornamentalen Arbeiten aus.
Die Universitätsbibliothek verwahrt Kostbarkeiten, wie die im frühen 14. Jh. entstandene Große Heidelberger Liederhandschrift, den sogenannten ,,Codex Manesse'', und ist die größte wissenschaftliche Bibliothek im Land Baden-Württemberg.
Heute ist die Bibliothek mit einem Tiefmagazin unter dem Hof der ,,Neuen Universität'' verbunden. Sie verfügt damit über eine Stellkapazität von ca. drei Millionen Bänden.

(Quelle: Müller, Nr. 130 - S. 138)

q a0-2888.jpg Alter Lesesaal

Q a0-2967.jpg Vorgaengerbau Ecke Grabengasse/Ploeck

Creuzer, Creutzer, Georg Friedrich, klass. Philologe, * Marburg 10. 3. 1771, + Heidelberg 16. 2. 1858; Prof. in Marburg, Leiden und Heidelberg. Sein Hauptwerk »Symbolik und Mythologie der alten Völker, besonders der Griechen« (4 Bde., 1810-12) im Geist der Heidelberger Romantik hatte starken Einfluss auf F. SCHELLING, HEGEL und J. J. BACHOFEN.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 4, 731 )

H a1-0328.JPG Schule


Neues Schulhaus
Sandgasse 14
1867/78
Ludwig Lang, Philipp Reichard

Es ist der erste Volksschulneubau im Stadtgebiet. Mit Einführung der Simultanschule wird das im ehemaligen Friesschen Garten bei der Peterskirche errichtete Gebäude fortan als ,,Neues Schulhaus'' bezeichnet.
Die Gestaltungselemente und die verwendeten Materialien erinnern noch an den Romantischen Klassizismus (abgetreppte Dreierfenster im zweiten Obergeschoß). Das Gebäude mit dem wuchtigen abgeschrägten Eckbauwerk besitzt zwei getrennte Eingänge und ,,stattliche, geschmückte'' Treppenhäuser. Hauptlehrer Roeck hebt bei den Einweihungsfeiern hervor, wie ,,helle und licht, wie zweckmäßig und gesund'' die neuen Räume des imposanten dreigeschossigen Bauwerks sind. Außer den ,,komfortabel'' ausgestatteten Klassenräumen und dem Lehrerzimmer nimmt das neue Schulhaus auch die Lehrerwohnungen auf. In den 20er Jahren wird die Schule nach Reichspräsident Friedrich Ebert benannt.

(Quelle: Müller, Nr. 120 - S. 132)

Q a1-Fries.jpg Alte Anatomie an der Peterskirche

Voß, Johann Heinrich, Schriftsteller, * Sommerstorf (heute zu Grabowhöfe, Landkreis Müritz) 20. 2. 1751, + Heidelberg 29. 3. 1826; aus einfachen Verhältnissen - einer ehem. leibeigenen Familie - stammend; nach Schulbesuchen in Penzlin und Neubrandenburg 1769-72 Hauslehrer in Ankershagen, danach Studium, zunächst der Theologie, dann der Philologie und Philosophie in Göttingen; Bekanntschaft mit H. C. BOIE, L. C. H. HÖLTY und M. CLAUDIUS; 1772 Mitbegründer des »Göttinger Hains«; 1775 als Herausgeber des »Göttinger Musenalmanachs« in Wandsbek, wo er 1777 BOIES Schwester ERNESTINE heiratete. 1778 Rektor in Otterndorf, dann, durch Vermittlung seines Freundes F. L. Graf zu STOLBERG-STOLBERG, mit dem er sich später überwarf, Leiter der Lateinschule in Eutin. 1802-05 Privatgelehrter in Jena, ab 1805 in Heidelberg, wo er wegen seines Festhaltens an einem starren Klassizismus in heftigen Konflikt mit den Protagonisten der Heidelberger Romantik kam. V. schrieb zunächst Lyrik unter dem Einfluss F. G. KLOPSTOCKS und J. G. HERDERS, dann Idyllen (»Luise«, 1795). Diese z.T. in niederdt. Mundart geschriebenen lyrisch-epischen Dichtungen verbinden inniges Naturgefühl, breit angelegte Landschaftsschilderungen und behaglich ausgemalte Szenen des bürgerl. Lebens mit gelehrter Bildung, aufgeklärtem Protestantismus und sozialkrit. Tendenzen. Einen deutlich anderen Ton schlägt V. in seinen Polemiken an, so gegen den Übertritt STOLBERG-STOLBERGS zum Katholizismus (»Wie ward Fritz Stolberg zum Unfreien?«; in: Sophronizon, Bd. l, 1819). Bleibendes schuf V. durch die Übersetzungen: Mit seinen Nachdichtungen von HOMER, OVID, VERGIL, HORAZ, HESIOD und ARISTOPHANES erschloss er seiner Zeit ein neues Verhältnis zur Antike.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 23, 438 )

Q a2-0325.JPG Jaspers- und Bluntschlihaus

Jaspers, Karl, Philosoph und Psychiater, * Oldenburg (Oldenburg) 23. 2. 1883, + Basel 26.2. 1969; Studium der Medizin in Berlin, Göttingen und Heidelberg, danach Assistent an der psychiatr. Klinik in Heidelberg, seit 1916 Prof. für Psychologie in Heidelberg, seit 1920 für Philosophie ebd., unter dem Nationalsozialismus Lehrverbot (1933-45), weil seine Ehefrau Jüdin war; nach Kriegsende wieder Prof. in Heidelberg. Aus Enttäuschung über die polit. Entwicklung verließ J. Dtl. und war 1948-61 Prof. für Philosophie in Basel. J. erhielt 1958 den Friedenspreis des Dt. Buchhandels, 1959 den Erasmuspreis. - J. war auf drei Gebieten tätig: 1) der Psychiatrie, 2) der Philosophie, 3) als polit. Schriftsteller. Im Zentrum aller seiner Aktivitäten stand jedoch seine Philosophie der mögl. Existenz.
Zunächst schuf J. eine geisteswissenschaftlich orientierte Psychopathologie des »einfühlenden Verstehens« (»Allgemeine Psychopathologie«, 1913). Bereits mit dem von W. DILTHEY und M. WEBER beeinflussten Versuch einer Typologie der mögl. Weltanschauungen (»Psychologie der Weltanschauungen«, 1919) wandte er sich aus der Erfahrung der Begrenztheit und Ergänzungsbedürftigkeit rationalwiss. Welterkenntnis der -> Existenzphilosophie zu. In seinem ersten philosoph. Hauptwerk, das er »Philosophie« (1932, 3 Bde.) betitelte, greift er die drei großen Themenfelder traditioneller Philosophie - Welt, Seele (Existenz) und Gott - auf und zeigt deren Verknüpftheit sowie ihre je spezif. Zugangsweise: Die »philosoph. Weltorientierung« klärt die Kategorien der sich dem Menschen als unbegreiflich und nicht wissenschaftlich fassbar darstellenden Realität und steckt die Grenzen menschl. Wissens ab. In der »Existenzerhellung«, zu der der Mensch über die Erfahrung von -> Grenzsituationen wie Schuld, Leiden und Tod gelangt, werden die Signa der Existenz (z.B. Kommunikation, Geschichtlichkeit, Freiheit) herausgestellt; Existenz wird dabei als getragen durch etwas »Umgreifendes«, Transzendentes bewusst gemacht. Die »Metaphysik« thematisiert schließlich die -> Chiffren der Transzendenz als das menschl. Fragen sich darbietende Absolute, wie Gott, Eines oder Ursprung. Die Methode seines Philosophierens, die den Übergang von einem zum anderen Bereich ermöglicht, nennt J. »Transzendieren«. Mögliche Existenz kann nur in der Form indirekter Mitteilung bzw. appellierend angesprochen und in der Kommunikation mit dem Anderen verwirklicht werden.
In seinem zweiten philosoph. Hauptwerk, »Von der Wahrheit« (1947), erweitert und vertieft J. seine Philosophie der mögl. Existenz zu einer Lehre vom Umgreifenden (»Periechontologie«) und stellt dabei Existenz und Vernunft als die Pole unseres Seins heraus, die in allen Weisen des Umgreifenden (Dasein, Bewusstsein überhaupt, Geist, Welt, Existenz und Transzendenz) sich begegnen. Beide sind wechselweise aufeinander angewiesen: »Existenz wird nur durch Vernunft sich hell; Vernunft hat nur durch Existenz Gehalt.«
J. kennzeichnet sein Philosophieren, das sich ausdrücklich zur Philosophia perennis bekennt und den Dialog mit den »Großen Philosophen« und die geschichtl. »Aneignung« ihres Philosophierens sucht, als »philosoph. Glauben«, d.h. als einen Glauben, der sich nicht auf die Offenbarung und das Dogma stützt, sondern immer im Bunde mit dem Wissen ist, der sich mit I. KANT der prinzipiellen Grenzen der wiss. Welterkenntnis bewusst ist, der aber zugleich weiß, dass das Denken nicht dort aufzuhören braucht, wo die wiss. Erkenntnis nicht hinreicht, vielmehr sich dort anderer Methoden der Vergewisserung und Wahrheitsfindung bedienen kann.
Der zutiefst ethische Charakter des Philosophierens von J. führte insbesondere nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges zu einem engagierten polit. Schriftstellertum. J.' Maxime lautete: » Philosophie und Politik sollten sich treffen«; denn die Philosophie der Freiheit muss sich in der Politik bewähren. Letztes Kriterium aller polit. Kritik von J., die sich bes. gegen die totalitären Systeme und die freiheitsgefährdende Atom- und Blockpolitik der Weltmächte, aber auch gegen polit. Vorgänge in der BRD nach dem Zweiten Weltkrieg richtete (in »Die Schuldfrage«, 1946, über die Frage einer kollektiven Kriegsschuld der Deutschen; in »Wohin treibt die Bundesrepublik?«, 1966, u.a. zur Entwicklung oligarch. Regierungsstrukturen), ist die Wahrung der (existenziellen und polit.) Freiheit.
Nach J.' Tod an den dt. Univ. zunächst weitgehend in Vergessenheit geraten, erfuhr sein philosoph. Denken seit den 80er-Jahren - auch international - wieder zunehmende Würdigung, wobei v. a. auch das Verhältnis von J. und M. HEIDEGGER, die seit 1920 freundschaftlich verbunden waren, nach 1933 aber auch durch HEIDEGGERs polit. Verhalten getrennte Wege gingen, großes Interesse fand.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 11, 145-146 )

Q a3-0329.JPG Bluntschlihaus

Bluntschli, Alfred Friedrich, schweizer. Baumeister, * Zürich 29. 1. 1842, + ebd. 27. 7. 1930, Vater von [Hans Hermann B.]; Schüler von G. SEMPER, in dessen sachlich-zweckbetontem Stil auch die Bauten B.s gehalten sind. Ab 1881 war B. Prof. in Zürich. Er erbaute u.a. das Hotel »Frankfurter Hof« in Frankfurt am Main (1875/76), die Ref. Kirche in Zürich-Enge (1892-94), Schlösser und Villen.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 3, 451 )


Weizsäcker, Viktor Freiherr von, Arzt, * Stuttgart 21.4. 1886, + Heidelberg 8.1. 1957, Bruder von [Ernst Freiherr von W.]; zunächst Internist, dann Neurologe, 1922 Prof. in Heidelberg, 1941 in Breslau und 1946 wiederum in Heidelberg. W. untersuchte u. a. die Abbaubedingungen und -formen der Sensibilität, des opt. Systems und der Motilität. Zur Beschäftigung mit Tiefenpsychologie und Psychoanalyse wurde er v. a. angeregt durch eine Begegnung mit S. FREUD (1926), durch die soziale Problematik einiger Neurosen sowie die Notwendigkeit, den Menschen »als Subjektx (d.h. als Individuum) i n die Pathologie einzuführen. W. befürwortete eine psychosomat. Medizin; er verstand Krankheit als eine patholog. Form der Selbstverwirklichung und als Teil der individuellen Lebensgeschichte. In seiner Lehre vom -> Gestaltkreis werden Seelisches und Körperliches in ihrer funktionalen Verschränkung beschrieben.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 23, 716 )

Q a3p-0783.JPG Grabstein von Johann Caspar Bluntschli

Bluntschli, Johann Caspar, schweizerisch-dt. Staats- und Völkerrechtslehrer, * Zürich 7. 3. 1808, + Karlsruhe 21.10. 1881; wurde 1833 Prof. in Zürich, 1848 in München, 1861 in Heidelberg. Von der histor. Rechtsschule F. K. VON SAVIGNYS kommend, war B. einer der führenden Staatstheoretiker der konstitutionellen Epoche. Als Politiker war er im Sinn des gemäßigten Liberalismus Mitgl. der bad. Ersten Kammer und seit 1867 des Dt. Zollparlaments.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 3, 451-452 )

H a4-0219.JPG Peterskirche


St. Peterskirche
Plöck 70 . 1485-96 / 1693 / 1864-70 / 1963
Bernhart von Knittlingen, Nikolaus Eseler
(Ludwig Franck-Marperger, Hermann Behaghel)

Die Ersterwähnung des ältesten erhaltenen Gotteshauses der Altstadt geht zurück auf das Jahr 1357. Der Vorgängerbau stammt aus dem 12. Jh. Bis 1392 ist die Kirche - ehemals Bergheimer Filialkirche, dann selbst Pfarrkirche, schließlich Mutterkirche von Heiliggeist - außerhalb der Stadtmauern gelegen. Als Baumeister werden Steinmetz Bernhart von Knittlingen (Kraichgau) und Nikolaus Eseler angenommen.
1485-96 erfolgt der stätgotische Neubau mit einer flachen Decke über stützenfreien Raum. Es folgt der Anbau der Universitätskapelle und die Entwicklung zur Universitätskirche (Patronatsrecht - Abhaltung von Seminargottesdiensten).
Nach schweren Zerstörungen im Orléansschen Krieg erfährt das Gotteshaus eine barocke Umgestaltung, 1864-70 eine neugotische Renovierung durch Kirchenbaumeister Ludwig Franck-Marperger und dessen Nachfolger Behaghel. In der Folge kommt es zum Umbau zu einer dreischiffigen, gewölbten Hallenkirche mit vier unterschiedlichen Seitenkapellen im Langhaus. Die Verkleidung der Turmspitze mit einem Kupferhut ist jüngeren Datums (1963).
An den Innen- und Außenwänden finden sich fast 150 Grabmale vor allem für kurfürstliche Hofleute und Universitätsprofessoren vom 16. bis zum frühen 20. Jh., darunter das des Gründungsrektors der Universität.

(Quelle: Müller, Nr. 7 - S. 23)

q a4A-File3365.jpg Peterskirche auf dem Stich von Merian

q a4B-File2266.jpg Peterskirche um 1840

q a4C-File2458.jpg Peterskirche um 1890

H a4D-File0999.jpg Inneres der Peterskirche

Marsilius, M. von Inghen, scholast. Philosoph und Theologe, * um 1330, + Heidelberg 20. 8. 1396; 1367 und 1371 Rektor der Univ. Paris, 1386 der erste Rektor der Univ. Heidelberg. M. schrieb Kommentare zu ARISTOTELES und als theolog. Hauptwerk einen Sentenzenkommentar. Er hat zur Verbreitung der Philosophie WILHELMS VON OCKHAM in Dtl. beigetragen. In der Physik nahm er gegen ARISTOTELES' Lehre von der Bewegung in Anlehnung an seinen Lehrer J. BURIDAN einen eigenen Impetus im Objekt als Ursache für dessen Bewegung an.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 14, 267 )


Pitiscus, Bartholomeo, Mathematiker und Theologe, * Grünberg i. Schlesien 24. 8. 1561, + Heidelberg 2. 7. 1613; wirkte als Hofkaplan (1594 Oberhofprediger) in Heidelberg. P. wurde mit seinem einflussreichen Werk »Trigonometria: sive de solutione triangulorum tractatus brevis et perspicuus« (1595) zum Begründer der systemat. ebenen Trigonometrie. Der »Thesaurus mathematicus« (1613) verbesserte die trigonometr. Tafeln des G. J. RHETICUS.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 17, 192 )

h a4p-File0150.jpg Wilhelm Xylander

Q a6-1209.JPG Suevia


Haus der Suevia
Klingenteichstraße 4
1911
Rudolf Tilessen, Peter Graf

Nachdem das Vereinslokal des bereits 1810 gegründeten Corps Suevia im ,,Eisenhardt'schen Keller'' sich zunehmend als zu klein erweist, ersteht in nur zweijähriger Bauzeit an gleicher Stelle und nach den Plänen des Mannheimer Architekten Rudolf Tilessen das neue Corpshaus.
Zur Talseite zeigt sich eine reich dekorierte Schaufassade in Rotsandstein mit geschwungenem Giebel und großen Saalfenstern, beiderseits flankiert von großen Korbbogenloggien. Neobarocke Gestaltungselemente überlagern sich mit Jugendstildetails. In der Diele hängt ein Ölporträt des ehemaligen Corpsbruders Hanns Martin Schleyer, des 1977 entführten und ermordeten Arbeitgeberpräsidenten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg richteten die amerikanischen Militärbehörden in dem Corpshaus für einige Jahre eine Synagoge ein (als Ersatz für die 1938 in der Großen Mantelgasse 1 zerstörte).

(Quelle: Müller, Nr. 135 - S. 141)


Schleyer. Hanns-Martin, Industriemanager, * Oftenburg 1. 5. 1915, + (ermordet aufgefunden in Mülhausen) 18. 10. 1977; Vorstands-Mitgl. der Daimler-Benz AG, seit Dezember 1973 Präs, der Bundesvereinigung der Dt. Arbeitgeberverbände e.V., seit Januar 1977 Präs, des Bundesverbandes der Dt. Industrie e.V.; wurde am 5. 9. 1977 von Mitgl. der Rote-Armee-fraktion (RAF) entführt.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 19, 363 )

s a6-File3346.jpg Vorgaengerbau der Suevia

H a7-u332.JPG Maler-Schmitt-Haus

Schmitt, Georg Philipp, Maler, * Spesbach (heute zu Hütschenhausen, Landkreis Kaiserslautern) 28.10. 1808, + Heidelberg 19. 1. 1873; Vertreter der Heidelberger Romantik, Schüler von P. VON CORNELIUS in München. S. malte religiöse Bilder in der Art der Nazare ner sowie in Aquarell ausgeführte heimatl. Landschaften, Stadtansichten und Porträts. - Seine Söhne GUIDO (* 1834, + 1922; in England tätig 1859-90) und NATHANAEL (* 1847, + 1918) malten v. a. Porträts.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 19, 396 )

Q a7-u476.JPG Allegorie der Kunst, Fliesenbild

Mombert, Alfred, Schriftsteller, * Karlsruhe 6. 2. 1872, + Winterthur 8.4. 1942; 1899-1906 Rechtsanwalt in Heidelberg; widmete sich dann nur noch seiner Dichtung, unternahm weite Reisen; lehnte 1933, trotz Gefährdung wegen jüd. Abstammung und Ausschluss aus der dt. Dichterakademie, eine Emigration ab; 1940 kam er in das Konzentrationslager Gurs in den frz. Pyrenäen, von dort durch Bemühungen von Freunden in die Schweiz. Ekstatisch-visionärer Lyriker, Frühexpressionist, der in seine Dramen und Gedichte auch gnost. Elemente aufnahm. Einige Gedichte wurden von A. BERG vertont.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 15, 55 )

q a8-0229.JPG Peterskirche: Gedenkktafel vom Uni-Jubilaeum 1961

h a8p-File0147.jpg Rektor Gottfried Koethe

H a9-0230.JPG Haus des Historikers Schlosser

Schlosser, Friedrich Christoph, Historiker * Jever 17. 11. 1776, + Heidelberg 23.9. 1861; ab 1817 Prof. in Heidelberg; untersuchte die Literatur der Vergangenheit nach ihrer historisch-polit. Bedeutung und machte die Prinzipien der Aufklärung zur Grundlage der histor. Urteilsbildung. S. prägte in hohem Maß das Geschichtsbild des liberalen Bürgertums.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 19, 372 )

Q b10-0233.JPG Collegium Academicum


Seminarium Carolinum - Collegium Academicum
Seminarstraße 2
1750-65
Franz Wilhelm Rabaliatti

Als letztes Bauwerk der Jesuiten entsteht das schloßähnliche Wohn- und Unterrichtsgebäude des Ordens.
Es handelt sich um eine große dreigeschossige Flügelanlage um einen Ehrenhof. Der Cour de Honneur ist durch eine Mauer und ein Eingangsbauwerk von der Straße abgetrennt. Mit der Aufhebung des Ordens (1773) beginnt für das Carolinum eine wechselvolle Geschichte. 1826-43 nimmt es die von Pforzheim nach Heidelberg verlegte Irrenanstalt auf. 1844-76, d.h. bis zu ihrem Umzug nach Bergheim, befindet sich hier das Akademische Krankenhaus. Das Militär nutzt das Gebäude seit 1881 als Kaserne. Nach dem Zweiten Weltkrieg regt der erste Nachkriegsrektor Professor Karl Heinrich Bauer die Einrichtung eines Internats für Studenten aller Fakultäten an. Die Bezeichnung Collegium Academicum überdauert, auch wenn das Gebäude bereits seit 1978 die Zentrale Universitätsverwaltung beherbergt.

(Quelle: Müller, Nr. 83 - S. 86)

H b11-1187.JPG Ehemaliges Amtsgericht


Amtsgericht
Seminarstraße 2
1847-49
Ludwig Lendorff, Friedrich T. Fischer


In der Nähe des Amtsgefängnisses (vgl. Nr. 99) baut Ludwig Lendorff fast zeitgleich das Gerichtsgebäude. Der palastartige Sandsteinbau ist ursprünglich nur dreigeschossig.
In den beiden unteren Geschossen befinden sich die Gerichtsräume, im zweiten Obergeschoß - durch ein separates Treppenhaus am östlichen Flurende (nicht mehr vorhanden) erschlossen - Dienstwohnungen.
Der mit Heinrich Hübsch abgestimmte Entwurf zeigt deutlich den von Hübsch propagierten Rundbogenstil. Beteiligt am Entwurf ist ebenfalls Friedrich Theodor Fischer (bekannt durch das von ihm entworfene Hauptgebäude des Polytechnikums in Karlsruhe).
Eine Mischung von Gestaltungselementen der Romanik (Rundbogenfenster) und der italienischen Renaissance (Eckpilaster, Friese, Gesimse) zeigt den Weg vom Historismus auf. 1899 und 1905 erweitert, wird das Mezzaningeschoß 1953 aufgestockt.
Heute ist es Institutsgebäude der Universität

(Quelle: Müller, Nr. 100 - S. 106)

Q b12-0236.JPG Jesuitengymnasium


Jesuitengymnasium
Augustinergasse 15
1715-17 / 1846
Johann Adam Breunig

Für 12-14jährige Schüler bauen die Jesuiten ein Gymnasium, die sogenannte ,,Schola Inferiores''.
In vielen Details (Doppeleingang, Kapitelle, Gewände) gleicht das schlichte Gebäude der Alten Universität (vgl. Nr. 73). Im Mittelteil liegen die Klassenzimmer an den Enden der Säle und im zweiten Obergeschoß ein Theatersaal.
1822 wird das Gebäude unter Johann Andreas von Traitteur umgebaut. Über dem Erdgeschoß entsteht ein Mezzaningeschoß mit halbkreisförmigen Lünettenfenstern. Die großen Räume werden in kleinere Wohnräume unterteilt.
1845 wird das steile, barocke Dach wegen Einsturzgefahr zugunsten einer wesentlich flacheren Konstruktion entfernt.
1827 bis 1905 ist hier die Universitätsbibliothek (vgl. Nr.130) untergebracht.
Heute befinden sich darin das Philosophische und das Slavistische Seminar der Universität.

(Quelle: Müller, Nr. 82 - S 85)

q b12-File0274.jpg Jesuitengymnasium

H b13-0237.JPG Marsiliusplatz

Kepler, Johannes, Astronom und Mathematiker, * Weil (heute Weil der Stadt) 27. 12. 1571, + Regensburg 15.11. 1630. K., der aus bescheidenen Verhältnissen stammte, besuchte die Lateinschule in Leonberg. 1583 legte er das »Landexamen« ab, was ihm die Berechtigung verschaffte, ein Theologiestudium als Stipendiat zu absolvieren. Er besuchte die Klosterschulen in Adelberg (1584) und Maulbronn (1586) und kam 1589 an die Univ. Tübingen, um dort ev. Theologie zu studieren. Sein wichtigster Lehrer war der Mathematiker und Astronom MICHAEL MÄSTLIN, der ihn mit dem kopernikan. Weltbild vertraut machte. 1594 ging K. als »Lehrer der Mathematik und der Moral« an die ev. Stiftsschule nach Graz. Zugleich wurde er Mathematiker der Landes-Reg. und erstellte in dieser Eigenschaft Kalender mit »Prognostica«. Da seine Voraussagen für das Jahr 1594 (kalter Winter, Türkeneinfall) weitgehend zutrafen, wurde K. als Astrologe schnell berühmt. 1596 erschien das »Mysterium cosmographicum« (»Das Weltgeheimnis«), in dem K. in spekulativer Weise das kopernikan. System mit den fünf platon. Körpern verknüpfte.
1600 wurde K. mit seiner Familie im Zuge der Gegenreformation aus Graz vertrieben und siedelte nach Prag über, wo er Assistent von T. BRAHE, nach dessen Tod (1601) sein Nachfolger als kaiserl. Mathematiker Kaiser RUDOLFS II. wurde. Bei der Auswertung des ihm von BRAHE überlassenen Beobachtungsmaterials erkapnte K., dass nur die Annahme einer Ellipsenbahn für den Mars mit den Daten vereinbar war. Indem K. die Erfahrung in ihrem Aussagewert über die Autoritäten und über die Bibel stellte, vollzog er eine für die neuzeitl. Naturwiss. entscheidende Wendung. In der Folgezeit beschäftigte sich K. intensiv mit der antiken Kegelschnittlehre (APOLLONIOS VON PERGE) und erkannte, dass sich die Parabel als Grenzfall von Ellipse und Hyperbel auffassen lässt. Er stellte auch als Erster Brennpunktsgleichungen für die Kegelschnitte auf. Seine Entdeckung des ersten und zweiten -> keplerschen Gesetzes teilte er 1609 in der »Astronomia nova« (»Neue Astronomie«) mit. Das dritte keplersche Gesetz findet sich erst in »Harmonices mundki« (»Weltharmonik«) von 1619. Wichtig für die weitere Entwicklung der Physik war K.s These (1621), eine von der Sonne ausgehende Kraft (lat. »vis«) verursache die Planetenbewegung. Unter dem Eindruck zunehmender Repressionen nahm K. 1611 eine Anstellung als Mathematiker in Linz an. Im gleichen Jahr erschien seine »Dioptrice« (»Dioptrik«), die die geometr. Optik behandelt und in der er den Strahlengang in dem heute nach ihm benannten Fernrohr konstruierte.
K.s wichtigster Beitrag zur Mathematik ist die »Nova stereometria doliorum vinariorum« (»Neue Stereometrie der Fässer«) aus dem Jahre 1615, in der er Flächen und Volumina mithilfe von Indivisibilien berechnete ( -> keplersche Fassregel). Der Umgang mit dem Unendlichen, den K. hier vorführte, hat entscheidend zur Entstehung der modernen Infinitesimalrechnung beigetragen. K.s Ansatz wurde u. a. von GALILEI und B. CAVALIERI aufgegriffen.
Bereits seit 1601 arbeitete K. an der Erstellung eines Tafelwerkes mit Sonnen-, Mond- und Planetenörtern. Erst mithilfe der neu entdeckten Logarithmen (J. NAPIER, 1614) gelang es ihm schließlich, die aufwendigen Rechnungen, die hierfür erforderlich waren, durchzuführen. Die »Tabulae Rudolphinae« ( -> Rudolfinische Tafeln) erschienen nach vielen Schwierigkeiten 1627 und bildeten von da an für 200 Jahre die Grundlage vieler astronom. Berechnungen. Mit seiner Einleitung in das Rechnen mit Logarithmen (»Chilias logarithmorum«, 1624) trug K. zur Verbreitung der neuen Rechenart in Dtl. bei.
Nachdem 1626 die Gegenreformation in Linz gesiegt hatte, verbrachte K mehrere Jahre auf Reisen, v. a. auf der Suche nach einem Verleger für die » Rudolfin. Tafeln«. Ein vorteilhaftes Angebot des Kaisers, das an die Bedingung geknüpft war, katholisch zu werden, lehnte K. ab. 1628 trat er als Mathematiker in die Dienste von A. VON WALLENSTEIN und ließ sich in Sagan (Schlesien) nieder. K. starb auf einer Reise nach Linz in Regensburg. Sein letztes Werk war die utop. Beschreibung »Somnium seu astronomia lunaris« (»Traum oder Astronomie des Mondes«, 1634), in der das Leben der Mondbewohner schilderte.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 11, 642-643 )

h b13-1180.JPG Marsiliusplatz

Q b13-1182.JPG Arbeitszimmer von Hans-Georg Gadamer

Gadamer, Hans-Georg, Philosoph, * Marburg 11. 2. 1900; wurde 1937 Prof. in Marburg, 1939 in Leipzig, 1947 in Frankfurt am Main und 1949 in Heidelberg. G. ist v. a. durch seine »philosoph. Hermeneutik« bekannt geworden, die wesentl. Impulse von W. DILTHEY, E. HUSSERL und M. HEIDEGGER aufgenommen und verbreitet hat. In seinem programmat. Werk »Wahrheit und Methode« (1960) geht es ihm um Erfahrungsmöglichkeiten von Wahrheit (in Philosophie, Kunst und Geschichte), die nicht nur jenseits des neuzeitl., sich wissenschaftlich verstehenden Methodenbewusstseins liegt, sondern die menschl. Welterfahrung überhaupt betrifft. Bedingung der Erfahrung von Wahrheit ist das Verstehen der Überlieferung, das immer durch »Wirkungsgeschichte« bestimmt ist. Im Unterschied zu bestimmten älteren Theorien der Hermeneutik rückt das Verstehen der Überlieferung damit in das Ganze unserer sprachlich vermittelten Welterkenntnis und Weltorientierung ein (Hermeneutik als Philosophie).

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 8, 97 )

q b13-File0273.jpg Merian: Die Gebaeude der Universitaet

Q b14-1179.JPG Augustinergasse 9

Pufendorf, Samuel Freiherr von (seit 1694), Jurist und Historiker, * Dorfchemnitz (bei Chemnitz) 8. 1. 1632, + Berlin 26. 10. 1694; wurde 1661 Prof. des Natur- und Völkerrechts in Heidelberg (erster dt. Lehrstuhl für Naturrecht), ab 1668 in Lund, 1677 schwed. Historiograph und Staats-Sekr. in Stockholm, 1688 brandenburg. Historiograph und Geheimer Rat in Berlin. - Auf der Grundlage der herrschenden rationalist. Naturrechtsauffassungen entwickelte P. das im aufgeklärten Absolutismus führende System der Staatslehre und des Vernunftrechts; P. führte die Lehren H. GROTIUS' fort, die von der Erkenntnis der ursprüngl. Hilflosigkeit (»imbecillitas«) und des damit verbundenen Geselligkeitsbedürfnisses (»socialitas«) des mit freiem Willen begabten und nach Selbsterhaltung strebenden Menschen ausgehen. Die Bereitschaft des Menschen, seine Freiheit staatl. Herrschaft zu unterwerfen, sei Ausdruck seines Willens, sich mit einem Schutz zu umgeben gegen die Übel, die ihm von den Menschen drohen. Er verschmolz die humanist. Ideale der Menschenwürde und Freiheit mit den neuen Lebensgesetzen des Staates, der Staatsräson und der Souveränität in einer Recht und Moral streng trennenden Pflichtenlehre und durch ein naturrechtlich begründetes Völkerrecht. Die unter dem Pseudonym Severinus de Monzambano veröffentlichte Schrift »De statu imperii germanici, ...« (1667) zeigte die Irregularität der Reichs-Verf. nach den Maßstäben des modernen souveränen Staates, wonach das Reich, staatsrechtlich betrachtet, einem Monstrum vergleichbar (»monstro simile«) sei. Die Lehren P.s, bes. sein Hauptwerk »De jure naturae et gentium libri octo« (1672), gewannen in Dtl. beherrschenden Rang, der bis I. KANT fortdauerte.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 17, 609 )

Q b15-1184.JPG Augustinergasse 7

Thibaut, Anton Friedrich Justus, Jurist, * Hameln 4. 1. 1772, + Heidelberg 28. 3. 1840; wurde 1798 Prof. in Kiel, 1802 in Jena, 1806 in Heidelberg. T. trat für die Schaffung eines einheitl. dt. bürgerl. Gesetzbuches ein; gegen diesen Plan wandte sich F. C. VON SAVIGNY mit der Schrift »Vom Beruf unserer Zeit...« (1815) und führte so den langen Streit zw. der »histor.« (SAVIGNY) und der »rechtsphilosoph.« (T.) Rechtsschule. T. machte sich auch als Kenner der älteren Musik (G. P. DA PALESTRINA) einen Namen.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 22, 32 )

H b15-1186.JPG Augustinergasse 7

Nadler, Karl Christian Gottfried, Schriftsteller, * Heidelberg 19. 8. 1809, + ebd. 26. 8. 1849; ab 1834 Rechtsanwalt; v. a. durch Gedichte in Pfälzer Mundart (»Fröhlich Palz, Gott erhalts!«, 1847) bekannt.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 15, 328 )

q b15-File2113.jpg Merian: zwischen Augustiner- und Heugasse

Q c16-0238.JPG Neue Universitaet


Neue Universität
Grabengasse 3-5
1930-31, 1934 (Südflügel)
Karl Gruber

In den 20er Jahren bemüht sich die Universität, das Raumangebot um den Ludwigsplatz (heute Universitätsplatz) zu verbessern. Mehrere Umbauprojekte scheitern an den fehlenden Mitteln, bis der amerikanische Botschafter in Berlin - ein ehemaliger Heidelberger Student - Jacob Gould Schurman eine finanzielle Spende amerikanischer Bürger in Aussicht stellt. Die Mittel sind jedoch an einen Neubau - ,,University Hall'' - gebunden. Nach einem Architektenwettbewerb erhält der Danziger Architekt Profssor Karl Gruber den Auftrag für einen Neubau. An der Südseite des Platzes muß das von Friedrich Arnold 1828 errichtete Gebäude der Museumsgesellschaft weichen. Der Entwurf sieht einen Gebäudekomplex vor, der sich um einen Innenhof entwickelt. Im Hauptgebäude auf der Nordseite befinden sich mehrere Hörsäle und die große Aula im Obergeschoß, im West- und Südflügel weitere Hörsäle und Institutsflächen. Beide Flügel umschließen den mittelalterlichen ,,Hexenturm'' (vgl. Nr. 11). Von Professor Karl Albiger ist die ,,Athena'' über dem Hauptportal mit der Inschrift ,,Dem lebendigen Geist'' von Professor Friedrich Gundolf. Unter dem Nationalsozialismus wird die ,,Athena'' 1939-1945 durch einen Adler ersetzt mit der Inschrift ,,Dem Deutschen Geist''.
Gruber entschließt sich für eine ,,zeitgemäße und sachliche Architektur, aber nicht im Sinne der Moderne''. Geschickt sind seine Anspielungen auf mittelalterliche Bauformen wie bei den hohen schmalen Fenstern des Hauptbaus, der Flachdecke über der Aula und beim mächtigen Dachüberstand.
Zusammen mit dem Gebäude der Alten Universität (vgl. Nr. 73) und dem Triplexkomplex (vgl. Nr. 258) entsteht hier das eigentliche Zentrum der Universität. Das Kunstwerk ,,Die Waage des Cusanus'' im Innenhof über dem Tiefmagazin der Universitätsbibliothek ist von Michael Witlatschil (1995).

(Quelle: Müller, Nr. 205 - S. 196)

s c16-File0267-a.jpg Merian: Augustinerkloster

q c16-File0801.jpg Ausgrabung des Augustinerklosters

q c16-File0997.jpg Musaeum

q c16-File2462.jpg Musaeum

q c16-File2463.jpg Musaeum

q c16-File2802a.jpg Eingangshalle des Musaeums

Q c17-0242.JPG Alte Universitaet


Alte Universität
1712-35 / 1885/86
Johann Adam Breunig

Das alte Hauptgebäude der Universität - Domus Wilhelmina nach Kurfürst Johann Wilhelm, auf den die Anregung zum Bau zurückgeht - steht an der Stelle eines Vorgängerbaus aus dem 16. Jh. (Collegium Casimirianum, 1588-91). Diesem voran geht wiederum das 1396 gestiftete Dionysianum, eine Armenburse (Burse = gemeinschaftliche Wohnung mehrerer Studenten unter Aufsicht eines Magisters; modern ausgedrückt ein Studentenheim) für mittellose Studierende.
Der barocke, eher schlichte gehaltene Winkelbau mit seinem kleinen über dem Westflügel plazierten Uhrturm begrenzt mit seinen Fassaden die beiden Platzflächen. Daß sich hinter einem Teil der Fassade im ersten und zweiten Obergeschoß die zweigeschossige Aula befindet, ist der regelmäßig geteilten Lochfassade nicht anzusehen.
1786 stattet Johann Andreas Traitteur die beiden Bibliothekssäle (EG-Westflügel) im Louis-Seize-Stil aus. Im heutigen Senatssaal ist die einzige noch erhaltene Stuckdecke aus dem 18. Jh. zu sehen.
Zur 500-Jahr-Feier der Universität im Jahr 1886 gestaltet der Architekt Professor Josef Durm die zweigeschossige Aula im Stil der Neorenaissance um. Wände und Decken sind phantasievoll mit Holzverkleidungen dekoriert. Den Höhepunkt der Innenarchitektur bildet die Aulastirnwand mit der Marmorbüste des Großherzogs Friedrich I. von Baden von Friedrich Moest und das Lünettenbild ,,Einzug der Pallas Athene in die Stadt Ruprechts I.'' von Ferdinand Keller. Neben diesen repräsentativen Räumlichkeiten beherbergt das Gebäude das Rektorat der Universität.
Unter der barocken Treppenanlage sind noch die alten Karzerräume des 18. Jh.s vorhanden. Sie werden Ende des Jh.s in das Nachbargebäude Augustinergasse 2 (vgl. Nr. 74) verlegt.
Seit 1996 beherbergt das Erdgeschoß das neu eingerichtete Museum der Universität.

(Quelle: Müller, Nr. 73 - S. 80)

q c17-0243.JPG Loewenbrunnen vor der Universitaet

q c17-File0068.jpg Casimirianum

q c17-File0270-a.jpg Senatssaal

q c17-File0896.jpg Alte Aula 1889

h c17p0-File0932.jpg Grossherzog Karl Friedrich

H c17p0-File0969.jpg Grossherzog Friedrich I.

Baden: Friedrich I., Großherzog (seit 1856), * Karlsruhe 9. 9. 1826, + Insel Mainau 28. 9. 1907; übernahm 1852 für seinen kranken Bruder LUDWIG die Regentschaft. F. verfolgte eine ausgesprochen liberale Politik, die die einzig dauerhafte Verbindung zw. Monarchie und Liberalismus in Dtl. darstellte. Unter dem Einfluss von F. VON ROGGENBACH und durch seine verwandtschaftl. Beziehungen zum preuß. Königshaus (seit 1856 Schwiegersohn von WILHELM I.) bestimmt, trat F. energisch für die nat. Einigung unter preuß. Führung ein. Unter dem Einfluss der öffentl. Meinung musste er sich 1866 auf die österr. Seite stellen, schloss jedoch sofort nach der Niederlage ein Bündnis mit Preußen und setzte sich 1870/71 für die Reichsgründung ein.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 7, 715 )

h c17pp-File0971.jpg Ernst Immanuel Bekker

Q c17pr-0591.JPG Kuno Fischer (Grabstein)

Fischer, Kuno, Philosoph, * Sandewalde (bei Guhrau) 23. 7. 1824, + Heidelberg 5. 7. 1907; war seit 1856 Prof. in Jena, seit 1872 in Heidelberg. In seiner Schrift »Logik und Metaphysik oder Wissenschaftslehre« (1852) versuchte F. eine Verbindung der Dialektik G.W.F. HEGELS mit Elementen des modernen Evolutionismus, wobei er in der 2. Auflage (1865) zudem einen Ausgleich zw. den Positionen I. KANTS und HEGELS intendierte. F.s Kantmonographie gehörte zu den Grundlagen für den Neukantianismus. Die historische Entwicklung des Philosophie verstand F. als einen Prozess fortschreitender Selbsterkenntnis des menschl. Geistes (in seinem Hauptwerk »Geschichte der neueren Philosophie«, 8 Bde., 1852-93; Jubiläums-Ausg., 10 Bde., 1897-1904). Er verfasste daneben Arbeiten zur Ästhetik und Literaturgeschichte.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 7, 347 )

q c17ps-putlitz_1.jpg Gisbert zu Putlitz

h c17ps-putlitz.jpg Gisbert zu Putlitz

q c17-uni-1897.jpg Alte Universitaet 1897

q c17-wile0269.jpg Alte Universitaet

H c18-0248.JPG Karzer


Studentenkarzer
Augustinergasse 2
1736

Das einfache Barockhaus des Sattlermeisters Ernst Coblitz entwickelt sich 1784 zunächst zum Pedellenhaus (Dienstwohnung des Universitätshausmeisters) und nach und nach zum Karzergebäude der Univesität. 1823 wird das Dachgeschoß durch Anheben des Satteldachs von der Straßenseite ausgebaut. Hierin befinden sich fünf Diziplinarkarzerräume, eine Kammer für den Hausknecht und der sogenannte ,,Thronsaal'' (Klosett). Eine Besonderheit stellt die Bemalung der Wände und Decken durch die Insassen dar. Mit Kerzenruß sind die Silhouetten der Köpfe, Namen und de Haftdauer aufgetragen

(Quelle: Müller, Nr. 74 - S. 81)

H c18-Heffter.jpg Lothar Heffter

Heffter, Lothar (Wilhelm Julius), Mathematiker * Köslin 11. 6. 1862, + Freiburg im Breisgau 1. 1. 1962; Prof. in Aachen (1904), Kiel und Freiburg im Breisgau (ab 1910); Beiträge zur Theorie der Differenzialgleichungen und zu den Grundlagen der Geometrie.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 9, 604 )

H c19-0254.JPG Haus Loerinck


Haus Lörinck
Schulgasse 2
1718
Sigismund Zeller

Das Haus des Universitätsbuchhändlers Lörinck am Platz vor der Jesuitenkirche besitzt ursprünglich vermutlich offene Eckarkaden für eine Ladennutzung im Erdgeschoß.
Im 19. Jh. erfolgt der Umbau des Mansardgeschosses zu einem vollwertigen zweiten Obergeschoß.
Die barocke Madonnengruppe in einer überwölbten Ecknische wird Peter van den Branden zugeschrieben. Sie zeigt Maria zum Siege, mit dem Christuskind bei der Vernichtung des Bösen mittels einer Kreuzlanze. Blickpunkt auf der Seite der Schulgasse ist das Eingangsportal mit Segmentgiebel und profiliertem Ohrengewände.
Heute nutzt die Juristische Fakultät der Universität das Haus als Institutsgebäude.

(Quelle: Müller, Nr. 55 - S. 69)

H c19-File0253-b.jpg Haus Loerinck

Mendelejew, Mendeleev, Dmitrij (Iwanowitsch), russ. Chemiker, * Tobolsk 8.2. 1834, + Sankt Petersburg 2. 2. 1907; seit 1856 Prof. in Petersburg; arbeitete v. a. auf dem Gebiet der physikal. Chemie und förderte die technolog. Erschließung Russlands. M. stellte gleichzeitig und unabhängig von J. L. MEYER 1869 ein Periodensystem der chem. Elemente auf, aufgrund dessen er Vorhandensein und Eigen- Schäften neuer Elemente voraussagte.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 14, 481 )

H c20-0252.JPG Jesuitenkirche


Jesuitenkirche
Merianstraße 2
1712-23 / 1748-59 / 1866-72
Joh. Adam Breunig, Franz Wilhelm Rabaliatti

Die Jesuiten errichten mit ihrer barocken Kirche das katholische Pendant zu der von den Reformierten genutzten mittelalterlichen Heiliggeistkirche. Im Zentrum des Jesuitenviertels liegt sie mit 65m Länge und 30 m Breite an der Längsseite des unmittelbar angrenzenden Jesuitenkollegs (vgl. Nr. 81). Die Kirche ist dem Heiligen Geist und dem Ordengründer Ignatius von Loyola geweiht. Eine Besonderheit ist die barocke, dreischiffige, auf die Spätgotik verweisende Hallenkonstruktion ohne Empore. Interessant ist auch der Bezug auf die Gotik beim Maßwerk der großen Fenster.
In einem ersten Bauabschnitt entstehen von 1712-23 der Chorbereich und ein Teil des Langhauses. Die Fertigstellung insbesondere der charakteristischen Hauptfassade nach dem römischen Vorbild ,,Il Gesu'' (Mutterkirche der Jesuiten) erfolgt von 1749-59. Dagegen wird der Turm erst zwischen 1866 und 1872 von dem erzbischöflichen Baumeister Friedrich Federle vollendet.
Der Figurenschmuck der Nordfassade ist der Werkstatt Paul Egells zuzuschreiben. Die Hauptfiguren sind: Über den Seitenportalen links Ignatius von Loyola, rechts der hl. Franz Xaver, in der Giebelmitte Christus mit Weltkugel und Kreuz, auf der Giebelspitze und auf beiden Seiten der Scheinfassade die Darstellung der Kardinalstugenden Glauben (oben), Liebe (links) und Hoffnung(rechts). Im Innern finden sich drei Hauptgemälde aus der Zeit der Umgestaltung von 1870/72. So das Hochaltargemälde ,,Ausgießung des Heiligen Geistes'' von Professor Andreas Müller, im östlichen Seitenschiff über dem Marienaltar das Bild ,,Himmelfahrt'' von Professor Ferdinand Keller und im westlichen Seitenschiff über dem Josephsaltar das Werk ,,Joseph mit dem Jesuskind''. Außerdem beherbergt die Kirche heute ein Museum für sakrale Kunst und Liturgie.

(Quelle: Müller, Nr. 80 - S. 84)

q c20-0257.JPG Jesuitenkirche

h c20-0259.jpg Jesuitenkirche

Q c20A-0249.JPG Jesuitenkolleg


Jesuitenkolleg
Kettengasse 14-16
1703-34
Johann Adam Breunig

Kurfürst Johann Wilhelm ermöglicht den Jesuiten 1703 die Gründung und den Bau eines Kollegiums.
Das drei-, ehemals vierflügelige, kasernenartige Kollegiengebäude umschließt mit der Kirche (vgl. Nr. 80) den 1976 wieder hergestellten ,,Klostergarten''. Die Räume sind zur Gartenseite, die Flure zur Straßenseite hin orientiert (einbündig). Den Haupteingang am Merianplatz schmückt ein barockes Portal mit dem Wappen des Kurfürsten, der mehr oder minder einzige herausragende Schmuck eines sonst eher durch seine Abmessungen imponierenden Bauwerks. Die beiden Heiligen Ignatius und Franz Xaver verehren die Heilige Dreifaltigkeit (Christus, die Taube des Heiligen Geistes und Gottvater). Im Gefolge der Auflösung des Jesuitenordens (1773) wird das Gebäude durch Militär und nach einem Umbau (1835) auch als Schule (Helmholtzgymnasium) genutzt. Heute ist es Institutsgebäude (Neuphilologische Fakultät) der Universität.

(Quelle: Müller, Nr. 81 - S. 85)

h c20B-0250.jpg Jesuitenkolleg

s c20p-File0152.jpg Christian Mayer

q d22-0263.JPG Ingrimstrasse

H d22-1190.JPG Ingrimstrasse 3

Staeck, Klaus, Grafiker, Jurist und Verleger, * Pulsnitz 28.2. 1938; übersiedelte 1956 in die Bundesrepublik Dtl, 1986-88 Gastprof. an der Kunstakademie Düsseldorf. S. gestaltet in der Nachfolge J. HEARTFIELDS und der russ. Konstruktivisten v. a. polit. Plakate, Postkarten, Aufkleber u.a., die durch ihre bissige Satire provozieren.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 20, 719 )

H d23-1192.JPG Ingrimstrasse 8

Süß-Oppenheimer, Josef Süß, gen. Jud Süß, Finanzier (Hoffaktor), * Heidelberg 1698 oder 1699 (nach anderen Quellen 1692 oder 1693), + (hingerichtet) Stuttgart 4. 2. 1738; betrieb nach Wander- und Lehrjahren (1713-17) in Frankfurt am Main und Mannheim ein privilegiertes Wechsel- und Warengeschäft im Dienste mehrerer dt. Fürsten; lernte 1732 den späteren Herzog KARL ALEXANDER von Württemberg kennen, der ihn 1736 als Geheimen Finanzrat sowie polit. Ratgeber nach Stuttgart berief und seinen raschen Aufstieg ermöglichte. O. steigerte - ohne ständ. Zustimmung - die herzogl. Einnahmen durch merkantilistisch-staatsmonopolist. Neuerungen (Abgaben, Steuern). Noch am Todestag KARL ALEXANDERS (12. 3. 1737) verhaftet und u.a. auf dem Hohenasperg inhaftiert, wurde O. wegen angebl. Verfassungsbruchs (v. a. Majestätsbeleidigung, Hochverrat, Münzfrevel) zum Tode verurteilt, wobei die »ständ. Restauration« den latenten Antisemitismus nutzte. - Das Schicksal O.s wurde seit dem frühen 19 Jh literarisch bearbeitet, u.a. von W. HAUFF (1827) und L. FEUCHTWANGER (1928). V. HARLAN machte aus dem Stoff, äußerlich an FEUCHTWANGER orientiert 1940 einen antisemit. NS-Film.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 16, 254 )

h d24-1195.JPG Ingrimstrasse 16

H d25-1198.JPG Kraemergasse 6

Zuckmayer, Carl, Schriftsteller, * Nackenheim 27. 12. 1896, + Visp (Schweiz) 18. 1. 1977; nach Teilnahme am Ersten Weltkrieg Studium in Frankfurt am Main und Heidelberg, danach Dramaturg in Kiel, München und Berlin (gemeinsam mit B. BRECHT am Dt. Theater). Wegen seiner öffentl. Stellungnahmen gegen die Nationalsozialisten wurde die Aufführung seiner Stücke 1933 in Dtl. verboten. Z. lebte 1926-38 meist in Henndorf bei Salzburg; 1938 emigrierte er in die Schweiz, 1939 in die USA, wo er als Drehbuchautor und Dozent, später als Farmer arbeitete. Nach dem Krieg Rückkehr nach Dtl.; lebte ab 1958 in Saas Fee in der Schweiz, 1966 erhielt er die schweizer. Staatsbürgerschaft. Z. war ein äußerst erfolgreicher Schriftsteller, viele seiner Stücke und Romane wurden verfilmt oder für die Bühne bearbeitet. Nach expressionist. Anfängen auf dem Theater gelang ihm mit dem Lustspiel »Der fröhl. Weinberg« (1925) im Rückgriff auf die Traditionen des Volksstücks ein großer Publikumserfolg, den er mit »Schinderhannes« (1927), v. a. aber mit der Satire auf den preuß. Militarismus »Der Hauptmann von Köpenick« (1930; -> Köpenickiade) fortführte. Z. verknüpfte geschickt lebendige Charakterzeichnung mit Natürlichkeit, Sinnenfreude, Humor und Satire; häufig verwendete er die rhein-hess. Mundart. Für den Film »Der blaue Engel« (nach H. MANNS »Professor Unrat«, Regie J. VON STERNBERG, 1930) schrieb er das Drehbuch. Von den späteren Werken ist bes. das Drama »Des Teufels General« (1946) zu nennen: Z. gestaltet hier effektvoll einen unmittelbar zeitgeschichtl. Stoff (das Schicksal eines dt. Fliegergenerals im Zweiten Weltkrieg), z.T. kolportagehaft und historisch fragwürdig (deshalb 1966 überarbeitete Fassung). Seine Autobiographie »Als war's ein Stück von mir« (1966) ist ein wichtiges Dokument zur Literaturgeschichte des 20. Jh. Z. erhielt u. a. 1925 den Kleist-Preis und 1929 den Georg-Büchner-Preis.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 24, 635-636 )

Q d26-0269.JPG Prinz Carl, Spiegelsaal

Kirchhoff, Gustav Robert, Physiker, * Königsberg (heute Kaliningrad) 12. 3. 1824, + Berlin 17. 10. 1887. Bereits als Student in Königsberg (1845/46) entdeckte K. die Gesetze der Stromverzwejgung ( -> kirchhoffsche Regeln). 1850 wurde K. nach Breslau berufen, wo er im folgenden Jahr R. BUNSEN kennen lernte, dem er 1854 nach Heidelberg folgte. Zus. mit diesem entwickelte K. die Spektralanalyse (1859/60). In diesen Zeitraum fällt auch die Formulierung des -> kirchhoffschen Strahlungsgesetzes (1859) und die Definition des schwarzen Strahlers (1862). Mithilfe des von ihm entdeckten Gesetzes gelang es K., die -> fraunhoferschen Linien zu erklären. Andere Beiträge betrafen die Mechanik, die Akustik (Erklärung der -> Chladni-Figuren) und die Elektrizitätsleitung, wobei er erkannte, dass diese annähernd mit Lichtgeschwindigkeit erfolgt (1857). 1875-86 war K. Prof. in Berlin.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 12, 24 )

q d26-abschied-4.gif Prinz Carl 1875

Q d27-0270.JPG Kornmarkt


Kornmarkt-Mariensäule
Kornmarkt
1718
Peter van den Branden

Bereits auf einer Ansicht Walpergens aus dem Jahr 1663 ist auf dem Kornmarkt ein Brunnen abgebildet.
Der Platz in seinem heutigen Zuschnitt entsteht nach 1693. Hier setzt 1718 die Gegenreformation mit der Aufstellung der Kornmarktmadonna ein Zeichen. Eine von Englein getragene Wolkenpyramide trägt eine goldene Erdkugel mit der Muttergottes und dem Jesusknaben. Er tötet mit der Kreuzlanze die zu Füßen lauernde Drachenschlange. Die Inschrift lautet ,,Noch Stein, noch Bild, noch Säulen hier, das Kind und Mutter ehren wir''. Es handelt sich nicht allein um ein Monument der Marienverehrung (,,Maria vom Siege''), sondern zugleich um eine Provokation gegenüber den Protestanten.
Im 19. Jh. wird die Brunnenanlage wiederholt umgestaltet. Das ursprünglich oktogonale Becken wird dabei durch vier Muschelbecken ersetzt. Erst aus diesem Jh. ist das getreppte Podest mit Kettenpfosten.

(Quelle: Müller, Nr. 72 - S. 79)

h d27-File0912.jpg Kornmarkt

Q d28-0272.JPG Palais Graimberg


Palais Graimberg
Kornmarkt 5
1. Hälfte 18. Jh.

Die Kernanlage entsteht Anfang des 18. Jh.s. Vier Flügel mit einem großen Walmdach umschließen eine fast quadratischen Innenhof mit Brunnen. 1839 baut es der französische Graf - und Retter der Schloßruine - Charles de Graimberg zu seinem Wohnhaus und zum Museum seiner Altertümersammlung um. Die nach seinen Tod durch die Stadt erworbene Sammlung bildet später den Grundstock des Kurpfälzischen Museums. Ungewöhnlich ist das gotisierende Maßwerk in den Balkongeländern und in den Rundbogenöffnungen (mit goldener Inschrift) im Erdgeschoß aus der Zeit der Romantik.
Hier eröffnet 1911 Charles' Enkelin Maria von Graimberg die erste Katholische Soziale Frauenschule im Deutschen Reich, in der über 1.000 angehende Sozialarbeiterinnen ihre Ausbildung absolvieren.
Seit 1978 ist das Palais Dienstsitz städtischer Baudezernenten und Ersten Bürgermeisters der Stadt.

(Quelle: Müller, Nr. 56 - S. 70)

h d28-File0987.jpg Palais Graimberg

Q d29-0274.JPG Bergbahn


Kornmarkt-Parkhaus
Zwingerstraße 20
1969-71
Gerhard Hauss, Hans Richter & Partner

Im Rahmen der ersten Sanierungsmaßnahmen in der Altstadt wird dieses multifunktionale Gebäude an einer besonders kritischen Stelle errichtet. Es ist in erster Linie Parkhaus mit ca. 280 Stellplätzen. Daneben beinhaltet es die Talstation der Bergbahn, ein Restaurant, Läden und ein kleines Hotel im Dachgeschoßbereich.
Es bleibt der einzige Versuch, in der Altstadt den ruhenden Verkehr in einem oberirdischen Parkhaus unterzubringen. Die Hangsituation ermöglicht die Einfahrt ins Parkhaus auf halber Höhe. Die Architekten reagieren auf die Altstadtsituation mit einer differentzierten Baukörper- und Dachgestaltung sowie kleinteiligen Waschbetonfassadenplatten im Bereich der Parkgeschosse. Ohne historisierende und angepaßte Gestaltungselemente fügt sich das Bauwerk in die Altstadtsituation ein. Besonders gelungen ist dies beim Blick vom Schloß auf die Dachlandschaft.

(Quelle: Müller, Nr. 257 - S. 242)

q d30-0277.JPG Karlstrasse 2

Q d31-0279.JPG Karlstrasse 4, Grossherzogliches Palais


Großherzogliches Palais
Karlstraße 4
1717-19

Mit dem Bau des Adelspalastes wird unter Carl Philipp Freiherr von Hundheim begonnen. Baumeister ist der Darmstädter Hofarchitekt Louis Remy de la Fosse. Doch schon während der Bauphase folgen mehrere Eigentümerwechsel.
Wie bei dem gegenüberliegenden Palais Boisserée handelt es sich um ein langgestrecktes, zweigeschossiges Zeilenhaus, das 1843 klassizistisch umgestaltet wird. Auf der Südseite bilden die abgerückten Nebengebäude mit Freitreppe zum Garten und dem Hauptbaukörper eine Hofsituation. Zum Karlsplatz hin markiert ein Rundbogenrisalit die mittige Eingangssituation. Über eine dreiläufige Treppenanlage gelangt man in die Bel Etage. Hier befinden sich drei Appartements. Die beiden wichtigsten auf der Hofseite sind durch einen Saal miteinander verbunden, während das Appartement der Dame auf der östlichen Platzseite liegt. Damit befinden sich die repräsentativen Räume auf der rückwärtigen Seite und nicht - wie zunächst vielleicht vermutet - hinter den Balkonfenster der Bel Etage. Auch die Treppe ist direkt an die Lochfassade rechts vom Eingang herangerückt. Stukkaturen sind aus der Erbauungszeit im Treppenhaus und insbesondere im südlichen Saal vorhanden. Aus der Werkstatt von Joseph Anton Pozzi sind die klassizistischen Stuckarbeiten in den Haupträumen auf der Platzseite.
Seit 1767 ist hier die kurpfälzische Landschreiberei untergebracht. Mit dem Übergang an Baden wird der stattliche zweigeschossige Putzbau als Wohnhaus für die Studienaufenthalte der großherzoglichen Söhne hergerichtet. Auch wird die Fassade klassizistisch umgearbeitet.
Seit den 20er Jahren dieses Jh.s hat hier die Akademie der Wissenschaften ihren Sitz. In der Platzmitte befindet sich der 1978 von Michael Schoenholtz errichtete Sebastian-Münster-Brunnen. (Quelle: Müller, Nr. 69 - S. 77)

q d31-File0002.jpg Sitzungssaal der Akademie

q d31-File0996.jpg Sitzungssaal

S d31-File0998.jpg Karlstrasse 4

Nikolaus, N. von Kues, N. von Cusa, N. Cusanus, eigtl. N. Chrypffs oder N. Krebs, Theologe und Philosoph, * Kues (heute zu Bernkastel-Kues) 1401, + Todi (Umbrien) 11. 8. 1464; vermutlich bei den Brüdern vom gemeinsamen Leben in Deventer erzogen und in die Geisteshaltung der Devotio moderna eingeführt, studierte N. 1416/17 Philosophie in Heidelberg, bis 1423 in Padua kanon. Recht (Promotion) und Mathematik; seit 1425 beschäftigte er sich mit Theologie in Köln, wobei er bes. mit dem Werk des R. LULLUS in Berührung kam. 1427 wurde er Stiftsdekan in Koblenz, 1435 Propst von Münstermaifeld, 1448 Kardinal und 1450 Fürstbischof von Brixen. Er bemühte sich intensiv um die Reform von Kirche und Reich; so nahm er seit 1432 am Basler Konzil teil, beteiligte sich 1439 am Unionskonzil von Florenz sowie an den Verhandlungen zum Wiener Konkordat (1448). 1450-52 bemühte er sich in ausgedehnten Reisen um eine Reform des Ordenslebens in Dtl. und bereitete als Generalvikar durch ein umfassendes Gutachten (»Reformatio generalis«) die Reform des röm. Klerus vor.
Lehre und Werk: Beeinflusst durch MEISTER ECKHART und den Nominalismus W. VON OCKHAMS, steht N. in seinem theologisch-philosoph. Denken in der Tradition des christl. Neuplatonismus, den er durch die Vermittlung des JOHANNES SCOTUS ERIUGENA kennen lernte. In seinem 1440 erschienenen philosoph. Hauptwerk (»De docta ignorantia«, Von der gelehrten Unwissenheit) sucht er Bedingungen und Möglichkeiten menschl. Erkennens durch seine Vorstellung vom Zusammenfallen der Gegensätze in Gott (»Coincidentia oppositorum«) zu erweitern, wobei er konsequent die Methoden der negativen Theologie anwendet. Zw. der geschaffenen Welt als der Entfaltung Gottes ins Nichts und Gott selbst, der als das All-Eine alle Gegensätzlichkeit in sich aufhebt, vermittelt CHRISTUS als der verkörperte Logos. Welt und Mensch (Mikrokosmos) werden so zum Abbild eines Universums, in dem alles Seiende hierarchisch gegliedert ist. In seinem gesamten Werk bedient sich N. bevorzugt mathemat. Denkweisen, die er auch auf theologisch-philosoph. Sachverhalte anzuwenden versteht. So wendet er mathemat. Verfahren und Begriffe wie Extrapolation und Limes auf das Verhältnis von Gott und Welt an, um Einheit und Vielheit gleichzeitig aussagen zu können; mithilfe der Unendlichkeitsvorstellung erarbeitet er neue Hypothesen in der Theologie, Anthropologie und Kosmologie. Über theolog, und mathemat. Spekulationen hinaus bemühte sich N. intensiv um das Studium der Natur und eine neue Methodologie der Naturforschung, die auf Einsichtigkeit und Nützlichkeit gerichtet war. Gegenstand seiner naturwissenschaftl. Überlegungen waren u. a. die Kalenderreform und die Achsendrehung der Erde. Als einer der ersten dt. Humanisten befasste sich N. mit der historisch-philolog. Untersuchung antiker Handschriften und erwies die Konstantin. Schenkung als Fälschung. Als Mathematiker beschäftigte sich N. v. a. mit der Quadratur des Kreises (»De circuli quadratura«, 1450), wobei er einen gegenüber ARCHIMEDES verbesserten Näherungswert für pi angab, mit dem Problem der Kontingenzwinkel und mit dem Status der Zwischenwerteigenschaft. Seine »Perfectio mathematica« (1458) antizipiert infinitesimale Methoden.
Zu seinen theolog. Hauptwerken gehören seine Reformschrift »De concordantia catholica« (1434) sowie »De visione Dei« (»Über die Schauung Gottes«, 1453), »De principio« (»Über den Ursprung« 1459), »De possest« (»Über das Können-Ist, d.h. Gott«, 1460), »De cribratione Alchoran« (»Sichtung des Koran«, 1461).

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 15, 673-674 )

h d31p-lanz.jpg Stifter Heinrich Lanz

h d31p-LeoK1886.jpg Leo Koenigsberger 1886

s d31p-LeoK.jpg Leo Koenigsberger 1913

H d32-0696.JPG Karlstrasse 8


Haus Mittermaier
Karlstraße 8
Anfang 18. Jh. / 1785-90

Das zu Anfang des 18. Jh.s erbaute Haus bewohnen ab etwa 1770 der Medizinprofessor Franz Innozenz Gabriel Schoemezel und ab 1785 der Medizinprofessor Franz Anton Mai. Dessen Schwiegersohn, Peter Anton von Verschaffelt, läßt das Haus 1785-90 umbauen und vor allem innen völlig neu ausgestalten. Es ist ein Beispiel für ein typisches, noch dazu in Heidelberg am besten erhaltenes, barockes Bürgerhaus des 18. Jh.s.
Auf der Gartenseite bilden zwei Flügel einen Hofraum. Von da erschließt eine gerundete Sandsteintreppe die terrassierte Gartenanlage. Zwischen 1821 und 1867 wohnt hier der Badische Liberale und Strafrechtler Carl Joseph Anton Mittermaier. Er wird 1838 zum Ehrenbürger der Stadt Heidelberg ernannt und gehört 1848/49 dem sogenannten ,,Vorparlament'' (als Präsident) und der Deutschen Nationalversammlung in Frankfurt an.

(Quelle: Müller, Nr. 64 - S. 74)

q d32-0698.JPG Karlstrasse 8, Haus Mittermaier

Q d33-0286.JPG Karlsplatz mit Sebastian-Muenster-Brunnen

Münster, Sebastian, Hebraist und Kosmograph, * Ingelheim am Rhein 20. 1. 1488, + Basel 26. 5. 1552; zuerst Franziskaner, schloss sich dann den Reformatoren an. M. war 1524-27 Prof. in Heidelberg, seit 1529 in Basel. Erlangte durch die von ihm herausgegebene erste christl. Ausgabe der hebr. Bibel (1534-35, 2 Bde.), eine größere Reihe von Ausgaben alttestamentl. und jüd. Werke sowie grammatikal. und lexikal. Arbeiten hohes Ansehen. Seine »Cosmographia« beschrieb bes. die Länder und Städte Dtl.s (1544; mit 471 Holzschnitten und 26 Karten; bis 1628 erschienen 21 dt., insgesamt 36 Ausgaben).

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 15, 242 )

q d33-File3366.jpg Merian: Franziskanerkloster

Q d34-0283.JPG Palais Boisseree


Palais Boisserée
Hauptstr. 209
1703-05

Das Palais mit der Kanzlei des kurpfälzischen Hofkammerpräsidenten Franz von Sickingen markiert mit dem gegenüberliegenden Großherzoglichen Palais die Mitte des Karlsplatzes.
Beim Bau werden auch Steine des gesprengten Dicken Turms der Schloßanlage verwendet. Das Anwesen dient als Wohnhaus und Kanzleigebäude. Daher erklärt sich der einbündige Grundriß, d.h. der Flur entlang der Nordseite mit Treppenhaus erschließt die zum Platz hin orientierten Räume.
Im Erdgeschoß beginden sich Büros, Küche und die Zimmer der Bediensteten. Die Wohnräume liegen auf der Bel Etage. 1810-19 beherbergt das Haus die Wohnung und Kunstsammlung der aus Maastricht stammenden Brüder Sulpiz und Melchior Boisserée. Für ihre Sammlung altdeutscher und niederländischer Gemälde, die letztlich den Grundstock der Alten Pinakothek in München bilden wird, interessiert sich auch Johann Wolfgang von Goethe während zweier Heidelbergaufenthalte (1814/15).
Nach Erwerb des Palais durch den badischen Staat 1826 erfolgt die Umgestaltung der Fassade, wie sie auch heute noch zu sehen ist. In der barocken ,,Originalfassung'' liegen zwischen den Fenstern vom Sockel bis zum Traufgesims die Vertikale betonende Putzstreifen. Oval aufgebrachte Putzflächen füllen die Fensterbrüstungen des ersten Obergeschosses. Verändert werden ebenfalls die Portalzone und der Balkon des Mittelrisalits. So entsteht insgesamt ein klassizistisches Erscheinungsbild im Stil etwa der Weinbrennerbauten in Karlsruhe.
Seit dem Umbau durch die Badische Landesregierung wird es als Verwaltungsgebäude genutzt, 1923 als Sitz des Landratsamts und von 1933-37 von der Polizeidirektion. Heute befindet sich in dem Gebäude das Germanistische Seminar der Universität.

(Quelle: Müller, Nr. 68 - S. 76)


Boisserée, Sulpiz, Kunstgelehrter und Kunstsammler, * Köln 2. 8. 1783, + Bonn 2. 5. 1854; setzte sich gemeinsam mit seinem Bruder MELCHIOR (* 1786, + 1851) für die Vollendung des Kölner Doms ein. Ihre bedeutende Sammlung dt. und niederländ. Malerei des MA. wurde 1827 von König LUDWIG I. von Bayern für die Alte Pinakothek in München erworben. Die von B. hinterlassenen Tagebücher sind aufschlussreich für die Geschichte der dt. Romantik und die Goetheforschung.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 3, 523 )

H d35-0701.JPG Seppl

Gasthaus ,,Seppl''
Hauptstraße 213
1704

Ein Lokal an dieser Stelle läßt sich bereits für das 17. Jh. nachweisen. Nach 1700 entsteht der Gasthof nicht etwa - wie zu erwarten wäre - als traufständiges Barockhaus, sondern mit der für die Zeit untypisch reich dekorierten Spitzgiebelfassade. Diese fällt an den Ortgangprofilen besonders ins Auge.
Seit 1884 ist es auch Corpslokal.
Im Sepp'l-Zimmer sind die Wappenritter von fünf Heidelberger Corps in Glasfenstern dargestellt.
Der Name des Lokals geht zurück auf den damaligen Besitzer Josef (Sepp'l) Ditteney.
Heute ist das Gasthaus eine Touristenattraktion, das bekannteste Heidelberger Studentenlokal überhaupt.

(Quelle: Müller, Nr. 41 - S. 62)

h d35-File3350.jpg Seppl

h e36-1298.JPG Walpergenhaus

h e36-1300.JPG Wiss.-Theologisches Seminar mit altem Portal

q e36-1304.JPG Hauptstrasse

H e37-1299.JPG Sudpfanne

Goethe, August von, sachsen-weimar. Kammerherr und Kammerrat, * Weimar 25.12. 1789, + Rom 27.10. 1830, Sohn von [Johann Wolfgang von G.], Vater von [Walter von G.] und [Wolfgang von G.]; seit 1817 unglücklich verheiratet mit der geistvollen und exzentr. OTTILIE Freiin VON POGWISCH, an deren Zeitschrift »Chaos« er unter Pseudonym mitarbeitete.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 8, 669 )

h e38-1297.JPG Rhenaniahaus

s e38-File3345.jpg Rhenaniahaus 1886

Q e39-0426.JPG Haus Buhl


Haus Buhl
Hauptstraße 232-34
1722
Johann Jakob Rischer

Bauherr ist der Hofgerichtsrat und Mathematikprofessor Friedrich Gerhard von Lünenschloß. Ein kompakter, rechteckiger Grundriß und das gewalmte Mansarddach lassen das Gebäude trotz seiner Anbauten als Solitär erscheinen. Möglicherweise ist der hohe Sockel auf die Kellerkonstruktion eines Vorgängerbaus zurückzuführen. Auf beiden Seiten des Mittelflurs liegen zwei Treppenläufe, die sich im Obergeschoß auf dem Ausgangspodest zum Südbalkon vereinen.
Zwischen 1770 und 1784 erlebt das Palais eine einschneidende Umgestaltung im Louis-Seize-Stil. Außen verändern sich die doppelte Freitreppe und die Portalumrahmung.
Ab 1889 ist das Haus im Besitz des Juristen und Universitätsprofessors Heinrich Buhl, der es 1907 der Universität schenkt. Seitdem dient es als Gästehaus, in dem auch Konzerte und Theateraufführungen stattfinden. 1986 wird die Bel Etage im Stil des ausgehenden 18. Jh. restauriert.

(Quelle: Müller, Nr. 61 - S. 72)

s e39-File0279.jpg Haus Buhl

h e39-File0914.jpg Haus Buhl

Q e40-0422.JPG Palais Weimar


Palais Weimar
Hauptstraße 235
1714
Johann Adam Breunig

Der Stadtkommandant General Johann Hermann von Freudenberg-Mariotte läßt sich ab 1714 dieses Stadtpalais als Dreiflügelanlage mit Mansarddach und Cour d'Honneur bauen. Zur Hofseite (Ehrenhof) zeigt sich ein mächtiger Mittelrisalit mit dem Eingangsportal. Ansonsten handelt es sich um einen eher schlichten Bau, weitgehend ohne dekorative Elemente. Später geht das kurzzeitig auch als Kattunmanufaktur genutzte Anwesen in den Besitz des Prinzen von Sachsen-Weimar über. Von ihm erhält das Gebäude seinen Namen. Auf der Neckarseite stützt eine Schwibbogenkonstruktion die große Gartenterrasse. Die Arkadenanlage nimmt das Motiv der Scheffelterrasse des Hortus Palatinus wieder auf. 1921 begründet hier der neue Eigentümer Mineralogieprofessor Victor Goldschmidt die ,,Josefine und Eduard von Portheim-Stiftung für Wissenschaft und Kunst''. Heute beherbergt das Palais das Völkerkundemuseum der von Portheim-Stiftung.

(Quelle: Müller, Nr. 60 - S. 72)

Q e40-0704.JPG Palais Weimar

Jung-Stilling, Johann Heinrich, eigtl. J. H. JUNG, Schriftsteller und Arzt, * Grund (heute zu Hilchenbach) 12 9. 1740, + Karlsruhe 2.4. 1817; in dörfl. Milieu pietistisch erzogen, wurde nach vielseitiger autodidakt. Bildung Lehrer, konnte mithilfe von Gönnern in Straßburg ab 1770 Medizin studieren, fand dort Anschluss an den Kreis um J. G. HERDER und GOETHE. Dieser gab 1777 die ihm von J.-S. überlassene Lebensgeschichte u.d.T. »Henrich Stillings Jugend« heraus und begründete damit J.-S.s literar. Ruhm ohne dessen Wissen zu einem Zeitpunkt, da dieser schon ein bekannter Augenarzt war. 1787 folgte er einem Ruf nach Kaiserslautern als Prof. für Kameralwiss.en Von 1803 an lehrte J.-S. Staatswiss.en in Heidelberg 1806 berief ihn der bad. Kurfürst mit der Bitte, »Religion und prakt. Christentum« zu befördern, zum Hofrat, eine Stellung, die es J.-S. ermöglichte, als freier Schriftsteller in Karlsruhe zu leben. Auch mit den Fortsetzungen seiner Autobiographie (insgesamt 6 Bde.) hatte J.-S. bei den Zeitgenossen Erfolg. Darüber hinaus gab er der Autobiographie im dt. Sprachraum mit seiner Mischung aus pietist. Frömmigkeit, Humanitätsstreben und psycholog. Selbsterforschung neue Impulse.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 11, 308 )


Drais, Karl (Friedrich), Freiherr von Sauerbronn Erfinder, * Karlsruhe 29.4. 1785, + ebd. 10. 12. 185l; 1810-18 Forstmeister in Gengenbach; entwickelte 1813 einen vierrädrigen Wagen mit Fußkurbelantrieb (»Fahrmaschine«) und erfand 1817 die -> Draisine sowie 1820 eine »Schnellschreibmaschine« mit 16 Tasten.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 5, 666 )


Chulalongkorn, als Rama V. König von Siam (1868- 1910), * Bangkok 20.9.1853, + ebd. 23. 10. 1910; gehört mit seinem Vater MONGKUT (RAMA IV., 1851-68) und seinem Sohn WACHIRAWUT (RAMA VI., 1910-25) zu den bedeutendsten Herrschern der Chakridynastie. C., der 1873 gekrönt wurde, gab seinem Land wichtige Modernisierungsimpulse (Post 1883, Bahnbau 1892, Reform der Rechtsprechung), hob die Sklaverei auf und richtete eine moderne Staatsverwaltung ein. Durch Gebietsabtretungen (an Frankreich 1907 Battambang und Siemreap, an Großbritannien 1909 die malaischen Sultanate Perlis, Kedah, Kelantan und Trengganu) konnte er Thailand vor der europ Kolonialherrschaft bewahren.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 4, 568 )

Q e40-File0314.jpg Palais Weimar

Weber, Alfred, Volkswirtschaftler, Soziologe und Kulturphilosoph, * Erfurt 30. 7. 1868, + Heidelberg 2. 5. 1958, Bruder von [Max W.]; war 1904-07 Prof. in Prag, 1907-33 und erneut ab 1945 in Heidelberg. W. begründete zunächst die industrielle Standortlehre, verfasste dann Arbeiten zu Wirtschaftstheorie, Sozialpolitik und Kultursoziologie und rückte damit auch in den Bereich der damals von O. SPENGLER und A. TOYNBEE dominierten Kultur- und Geschichtsphilosophie. Bei der Analyse der kulturgeschichtl. Prozesse unterscheidet W. zw den Sphären Gesellschaft, zu der neben der Sozialstruktur auch die polit. und sozialen Organisationsformen und Handlungsgebiete gehören, Zivilisation, zu der W. Technik, Wiss. und deren wirtschaftl. Anwendungen zählt, und Kultur, die in W.s Vorstellung die Teilgebiete Kunst, Philosophie, Mythen und Religion umfasst. Entwicklungen der Geschichte werden nun dadurch bestimmbar, dass sich die versch. Teilbereiche in unterschiedl. Weise und nach unterschiedl. Gesichtspunkten entwickeln können; daneben können aktuelle Probleme und Konflikte auch dadurch erklärt werden, dass zwar das Feld der Zivilisation als Reich der Vernunft allen Menschen zugänglich ist, damit auch generalisierbar erscheint und so auf zwischengesellschaftl. Ausgleich zielt, dass aber das Gebiet der Kultur auf jeweils eigenständige und damit unübertragbare Ausbildung von Individualitäten festgelegt ist. Für die Gegenwart diagnostiziert W. eine Verselbstständigung der Zivilisation, was zu einer Auflösung überkommener Bindungen führe und den modernen Menschen heimatlos mache.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 23, 631 )

H e40p-File0702.jpg Alfred Pringsheim

Pringsheim, Alfred, Mathematiker, * Ohlau 2.9. 1850, + Zürich 25. 6. 1941, Vater von [Peter P.] Schwiegervater von T. MANN; ab 1886 Prof. in München. P. trat in der Mathematik v. a. als Vertreter der weierstraßschen Strenge (bes. in der Analysis) auf. Seine eigenständigen Arbeiten betrafen v. a. die Analysis (bes. die Theorie der Potenzreihen) und die Gesch. der Mathematik.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 17, 490 )

h e40p-File0705.jpg Alfred Pringsheim

Q e41-0711.JPG Schmitthennerhaus

Schmitthennerhaus
Heiliggeiststr. 17
1790-97
Nicolas de Pigage

Zwischen Mönchgasse, Neckar und der heutigen Heiliggeiststraße befinden sich vor der Zerstörung von 1693 die Mühle und der Mönchhof der Zisterzienser aus Schönau. An dieser Stelle baut die Pflege Schönau ihr zweistöckiges Verwaltungsgebäude für die Kirchenratskanzlei bereits mit klassizistischen Gestaltungselementen. Typisch für die Zeit des Übergangs ist die Ausbildung des Giebels mit dem Girlandenmotiv (Zopfstil) am hervorgehobenen Mittelteil.
Von 1890-1907 wohnt hier der Stadtpfarrer der Heiliggeistkirche und Dichter Adolf Schmitthenner sowie ab 1915 dessen Nachfolger und - aufgrund seines beispielhaften Eintretens gegen das NS-Regime - Ehrenbürger der Stadt Hermann Maas.

(Quelle: Müller, Nr. 87 - S. 98)

h e41-1306.JPG Schmitthennerhaus

H e42-0712.JPG Palais Nebel

Haus Nebel
Heiliggeiststraße 7
1710

1710 erhält das Haus des kurpfälzischen Leibarztes und Hofapothekers Caspar Daniel Nebel seine heutige Form.
An dem breiten, schlicht gestalteten Bürgerpalais fallen vor allem die beiden Eingangsportale mit den gesprengten Giebeln ü,ber den Oberlichtern und die gußeisernen Gitterkörbe an den Erdgeschoßfenstern ins Auge. Über dem rechten Portal erkennt man das Wappen des Hofapothekers Nebel. Es stammt vermutlich von dem Vorgängerbau am Marktplatz (vgl. Nr. 48).

(Quelle: Müller, Nr. 57 - S. 70)

Q e42-0715.JPG Palais Nebel

Görres, (Johann) Joseph von (seit 1839), Publizist und Gelehrter, * Koblenz 25.1. 1776, + München 29.1. 1848; war zunächst ein überzeugter Anhänger der Frz. Revolution und einer rhein. Republik. G. war 1799 - 1800 Mitgl. einer Deputation, die in Paris die Einverleibung des linken Rheinufers forderte. Vom Pariser Revolutionsterror enttäuscht, wurde er 1801 Lehrer der Naturgesch. und Physik in Koblenz, später Privatdozent in Heidelberg; er verfasste naturrwiss. Schriften, beschäftigte sich mit Fragen des Volkstums und schrieb »Die teutschen Volksbücher« (1807), wodurch er mit dem Kreis um A. VON ARNIM und C. BRENTANO in Berührung kam. Seit 1814 war er Hg. des »Rhein. Merkur«. Er kämpfte leidenschaftlich gegen den frz. Kaiser und engagierte sich für ein geeintes Dt. Reich in »föderalist. Sinne«. Gleich anderen forderte er die Rückgabe des Elsass und Lothringens. Neben E. M. ARNDT wurde G. der bedeutendste Publizist der Befreiungskriege; er schrieb eine kraftvolle, bilderreiche Prosa. G. war zugleich der Sprecher des kath. Volksteils; er befürwortete zunächst eine Verständigung mit dem Protestantismus. Wegen seiner liberalen Haltung wurde der »Rhein. Merkur«, obwohl G. die Verbindung der Rheinlande mit Preußen begrüßte, im Januar 1816 von der preuß. Regierung verboten. Schließlich musste sich G. einem Haftbefehl durch die Flucht nach Straßburg entziehen, nachdem er sich in der Schrift »Teutschland und die Revolution« (1819) scharf gegen die Politik der Restauration gewandt hatte. 1827 wurde er als Prof. der Gesch. nach München berufen. Anlässlich des Kölner Kirchenstreits griff er in der Streitschrift »Athanasius« (1838) auf das Schärfste die preuß. Politik an und bestärkte die Abneigung gegen Preußen im kath. Süden. 1838 war er Mitbegründer der »Historisch-Polit. Blätter für das kath. Deutschland« (1838 ff.).

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 8, 721 )


Schleiermacher, Friedrich (Daniel Ernst), ev. Theologe und Philosoph, * Breslau 21.11. 1768, + Berlin 12.2. 1834. Aus reformiertem Elternhaus, wurde S. in seiner Bildung intensiv von der Tradition des Pietismus der Herrnhuter Brüdergemeine geprägt. Nach dem Studium der Philosophie, Theologie und der alten Sprachen (1787-89) in Halle (Saale) zunächst als Hauslehrer (1790-93) und Hilfsprediger (1794-96) tätig, wurde er 1796 Prediger an der Berliner Charité. In engem Kontakt mit den Romantikern um K. W. F. SCHLEGEL entstand hier 1799 anonym sein religiös-philosoph. Frühwerk »Über die Religion. Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern«. Seit 1802 Hofprediger in Stolp und 1804 als außerordentl. Prof. für Theologie und Universitätsprediger nach Halle (Saale) berufen, arbeitete er nach der Schließung der dortigen Univ. politisch engagiert in Berlin (seit 1807); dort wirkte er mit W. VON HUMBOLDT an der Vorbereitung der Univ.-Gründung mit und wurde 1809 Pfarrer der Dreifaltigkeitskirche, 1810 Prof. an der neuen Univ. sowie 1811 Mitgl. der Preuß. Akademie der Wissenschaften.
Die weit reichende Beachtung, die S. bereits von seinen Zeitgenossen zuteil wurde, gründete nicht zuletzt in der Universalität seines umfangreichen Werkes: Er galt als hervorragender Prediger, war Verfasser von Predigtsammlungen und theolog. Schriften sowie Übersetzer der Schriften PLATONS und befasste sich mit der philosoph. Ethik, mit Fragen der Hermeneutik, der Ästhetik und Pädagogik.
...

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 19, 345 )


Günderode, Günderrode, Karoline von, Dichterin, * Karlsruhe 11. 2. 1780, + Winkel (heute zu Oestrich-Winkel) 26. 7. 1806; lebte als Stiftsdame in Frankfurt am Main; war befreundet mit BETTINA VON ARNIM und C. BRENTANO, veröffentlichte unter dem Pseud. Tian romantisch-schwermütige »Gedichte und Phantasien« (1804) und»Poet. Fragmente« (1805). Ihre unglückl. Liebe zu G. F. CREUZER trieb sie zum Selbstmord.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 9, 290 )

h e43-1308.JPG Haus von 1698 Ecke Heiliggeist-/Semmelsgasse

H e43-1311.JPG Fischergasse 11, Haus von 1698

Fachwerkhaus
Fischergasse 11
1698/99

Nach der Zerstörung der Stadt wird dieses Fachwerkhaus auf einem mittelalterlichen Kellergeschoß mit Kreuzgratgewölben und einem massiv gemauerten Erdgeschoß 1698/99 wiedererrichtet. Steinmetzzeichen auf der massiven Sandstein-Wendeltreppe weisen auf das 15. oder 16. Jh. Die Erdgeschoßfenster werden um die Jahrhundertwende zu Schaufenstern vergrößert. Dagegen erinnert das Zwerchhaus über der durchlaufenden Traufe noch an den mittelalterlichen Giebeltyp. Original sind außerdem das typische barocke Gewände der Eingangstür mit vergittertem Oberlicht sowie mehrere barocke Türen und Fenstergewände im ersten Stock. 1988 erfolgt eine grundlegende Sanierung und Modernisierung, wobei das überputzte Holzfachwerk der Obergeschosse wieder freigelegt wird. Das Wohnhaus besitzt heute eine Wohnfläche von 217qm.

(Quelle: Müller, Nr. 43 - S. 63)

q e43-1312.JPG Fischergasse 11

Q f44-0294.JPG Rathaus


Rathaus
Marktplatz 10
1701-05
J. Flemal

Bei dem Heidelberger Rathaus handelt es sich um einen mehrfach umgebauten und erweiterten Gebäudekomplex, also zumindest entstehungsgeschichtlich um keinen homogenen Baukörper. An der Stelle eines 1689 zerstörten Vorgängerbaus entsteht der barocke Kernbau, der am heutigen Mittelteil der Marktplatzfassade noch zu erkennen ist. Der abgerundete Zwerchhausgiebel mag an die Herkunft des Architekten aus einer Lütticher Künstlerfamilie erinnern. Die fast zeitgleiche bauliche Ausführung mit dem in Wien errichteten Gartenpalais Liechtenstein deutet zugleich Einflüsse des Wiener ,,Stararchitekten'' Domenico Martinelli an - zumal dieser sich 1699 in Heidelberg aufhält. Von dem ungarischen Bildhauer Heinrich Charrasky stammt das heute durch eine Kopie ersetzte kurpfälzische Allianzwappen über der Balkontüre. Der Heidelberger Schlossermeister Thomas Pfeterle fertigt das schmiedeeiserne Balkongeländer, möglicherweise nach einem Entwurf von Franz Wilhelm Rabaliatti.
Hermann Lender erweitert das Rathaus um den, gegenüber Flemals Mitteltrakt in seinen Dimensionen monströsen, Nordflügel 1886-90. Erhalten ist im zweiten Obergeschoß der Rathaussaal im Stil der Neorenaissance. Ihn zieren Ausmalungen des Münchner Historienmalers Wilhelm Lindenschmit und Glasfenster des Karlsruher Kunstgewerbeschuldirektors Professor Karl Hofacker mit Motiven aus der pfälzischen Geschichte. Im Gefolge des Rathausbrands von 1908 geht aus einem nationalen Architektenwettbewerb Willy Graf aus Stuttgart als Sieger hervor. Die Stadt beauftragt indessen Franz-Sales Kuhn mit der neobarocken Erweiterung zum Marktplatz und zur Hauptstraße hin. Die Bauarbeiten dauern bis Mitte der 20er Jahre an. Von Kuhn ist auch das neobarocke Foyer mit Treppenhaus und das Trauzimmer mit ovaler Kuppeldecke und roten Marmorsäulen. Der kleine festliche Raum zeigt eine Mischung aus Gestaltungselementen des Historismus, des Jugendstils und des Neoklassizismus.
1959-61 erweitert der Leiter des städtischen Hochbauamts Heinrich Liedvogel das Rathaus entlang der Hauptstraße und abgewinkelt zur Mönchgasse (Südflügel) hin. Aus dieser Zeit stammt ebenfalls das Dachtürmchen mit dem Glockenspiel auf dem Westgiebel.

(Quelle: Müller, Nr. 70 - S. 78)


Feuerbach, Ludwig (Andreas), Philosoph, * Landshut 28. 7. 1804, + auf dem Rechenberg bei Nürnberg 13.9. 1872, Sohn von [Paul Johann Anselm Ritter von F.]; ab 1822 Studium der Theologie, 1825 Philosophiestudium bei G. W. F. HEGEL. 1828 Privatdozent in Erlangen; aufgrund von Anfeindungen von theolog. Seite gab er die Bemühungen um eine akadem. Laufbahn auf. Ab 1836 lebte er auf Schloss Bruckberg bei Ansbach. 1848/49 hielt er auf Einladung von Studenten in Heidelberg Vorlesungen über das Wesen der Religion. Ab 1860 lebte er auf dem Rechenberg in bescheidensten Vermögensverhältnissen. F. entwickelte seine sich aus seiner Anthropologie ergebende Theologiekritik zunächst negativ in Auseinandersetzung mit dem endgeschichtl. Anspruch der hegelschen Philosophie. Seine Kritik betrifft HEGELS Konzept des »absoluten Geistes«, seine intellektualist. und monolog. Einseitigkeit und seine Vernachlässigung der Sinnlichkeit des Menschen. F. begründete seine Anthropologie in dem dialog. Verhältnis von »Ich und Du«, das er als »Liebe« definierte. Aus ihr und der dabei gemachten sinnl. Erfahrung resultieren Sinn und Objektivität. - Mit seiner Theologiekritik befindet sich F. im Kontext linkshegelian. Argumentationen. Nur ist sein Ziel eine philosoph. Kritik der Theologie überhaupt und soll zu einer Anthropologisierung der Religion führen. - Seine gegen die philosoph. Tradition gerichtete »neue Philosophie« sollte den Menschen als leibl. Sinnenwesen und auf andere Menschen bezogenes Gattungswesen zum Gegenstand haben. In seinem Hauptwerk »Das Wesen des Christentums« (1841) begreift F. Gott als Projektion des menschl. Vollkommenheitsstrebens, bes. im Hinblick auf Unsterblichkeit, wobei sich in Wahrheit echte Unsterblichkeit nur in den eigenen Leistungen der menschl. Gattung manifestiere. F.s Anthropologie wurde insbesondere für den frühen K. MARX und für F. ENGELS bedeutsam (u. a. F.s Begriff der Entfremdung).

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 7, 258 )

H f44-File0910.jpg Rathaus mit Herkulesbrunnen


Herkulesbrunnen
Marktplatz
1703 / 1705/06
Heinrich Charrasky

Mitten auf dem Marktplatz zwischen Heiliggeistkirche und Rathaus steht der Herkulesbrunnen. Die Form der Brunnenschale bildet ein Quadrat mit Viertelkreisen zwischen den Ecken. Der Brunnenstock besteht aus einem quadratischen Sockel und einer korinthischen Säule mit vergoldetem Kapitell. Darauf ruht eine Herkulesfigur mit Keule und Löwenfell, die oft fälschlich als dem sogenannten Herkules Farnese in Rom nachempfunden bezeichnet wird. Schmiedeeiserne Gitter führen die Wasserspeier aus den Löwenmäulern.
In der Zeit des Wiederaufbaus ist der Herkules mit dem lebensspendenden Wasser auch ein Sinnbild für die enorme Kraftanstrengung der Bevölkerung.
Die originale Herkulesfigur befindeet sich längst im Kurpfälzischen Museum. Auf dem Marktplatz steht eine von Bildhauer Bergner 1953 geschaffene Kopie; eine noch ältere von Bildhauer Georg Hess aus dem Jahr 1898 ist bereits früher ,,dahingegangen''.

(Quelle: Müller, Nr. 71 - S. 79)

Q f45-0292.JPG Modellhaeuser


Modellhäuser
Marktplatz Nordseite
um 1700
J. Flemal

Nach dem Willen von Kurfürst Johann Wilhelm sollen die zerstörte Stadt und die Häuser großzügig, als auch nach einheitlichem Muster wieder aufgebaut werden. Dabei ist auch an eine Begradigung der Altstadtstraßen gedacht. Doch verhindern Stadtrat und Bürgerschaft aus finanziellen Gründen den kurfürstlichen Plan.
Zur Ausführung kommen so nur die Modellhäuser auf der Nordseite des Marktplatzes. Planer ist Johann Wilhelms Düsseldorfer Ober-Ingenieur J. Flemal.
Entwickelt werden Häuser mit einheitlichen Geschoß- und Traufhöhen. Trotzdem bleibt innerhalb der Fassadenfläche genügend Gestaltungsspielraum, um jeden Haus einen eigenständigen Charakter zu verleihen. Zum Teil sind es sehr tiefe Grundrisse mit langen Erschließungsfluren zu den auf der Rückseite liegenden Treppenhäusern. Das Haus Nr. 7 verfügt über einen kleinen Lichthof zur Belichtung der mittleren Wohnflächen. Auffallend bei den Modellhäusern ist die im Vergleich gute Bausubstanz. Die Begradigung der Platzfront hat zur Folge, daß das vorhandene mittelalterliche Kellergewölbe von Haus Nr. 6 unter dem Marktplatz sich fortsetzt. Ansatzweise zeigen diese Modellhäuser eine Blockrandbebauung, wie sie in vielen deutschen und französischen barocken Städten auf Kosten mittelalterlicher Bausubstanz realisiert wird.

(Quelle: Müller, Nr. 39 - S. 61)


Paulus, Heinrich Eberhard Gottlob, ev. Theologe, * Leonberg 1. 9. 1761, + Heidelberg 10. 8. 1851; zunächst Prof. der oriental. Sprachen (Jena 1789), dann der Theologie (Jena 1793; Würzburg 1803; Heidelberg 1811). P. verteidigte J. G. FICHTE im Atheismusstreit (1799) und bekämpfte F. W. J. SCHELLING. Seine angestrebte »Denkgläubigkeit« zeigte sich u. a. in einer konsequent rationalist. Erklärung der Wunder JESU.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 16, 651 )

Q f46-0296.JPG Hofapotheke


Hofapotheke
Hauptstraße 190
1701
Johann Jakob Rischer

Auf der südlichen Marktplatzseite errichtet Rischer auf einem langgestreckten mittelalterlichen Grundriß 1701 einen der frühesten Barockbauten in der Altstadt, die Kurfürstliche Hofapotheke. Bereits 1403 wird hier eine Apotheke erwähnt. Den Eingang des repräsentativen Wohn- und Geschäftshauses schmückt im Sprenggiebel das allerdings erst unter Kurfürst Karl Theodor geführte Allianzwappen. Über dem mit drei Rundbogenöffnungen gegliederten Erdgeschoß befinden sich zwei Wohngeschosse und ein Mansarddach mit großem Zwerchhaus.
Typisch für Rischer sind die schwülstigen bzw. opulent ausgeführten Sandsteindetails. Unverkennbar ist die Absicht des Architekten, mit der Hofapotheke ein Gegenstück zur Renaissancefassade des Hotels zum Ritter St. Georg (vgl. Nr. 36) zu schaffen.

(Quelle: Müller, Nr. 48 - S. 66)

Q f47-0291.JPG Heiliggeistkirche


Heiliggeistkirche
Hauptstr. 189
1398-1441 / 1508-44 / 1941

1398 erfolgt durch Kurfürst Ruprecht III. (1400-10 König Ruprecht I.) die Grundsteinlegung zu einer spätgotschen Hallenkirche. Zwei Vorgängerbauten an gleicher Stelle sind erstmals 1239 erwähnt. Die Erhebung in den Rang einer Kollegiatskirche nach Loslösung von der Mutterkirche St. Peter datiert auf das Jahr 1400. Baumeister sind der einer angesehenen Heidelberger Familie entstammende Arnold Rype (bis 1423) sowie dessen Nachfolger Steinmetz Hans Marx (bis 1426) und Steinmetzmeister Jörg (bis 1439; Langhaus).
Die Vollendung des Hallenchors und die Überführung des Kirchenschatzes vom Schloß fallen in das Jahr 1400. 1441 datiert die Fertigstellung des Langhauses. Kriegerische Verwicklungen verzögern die Vollendung des Turmes durch Lorenz Lechler (bis 1471 Nikolaus Eseler der Ältere) auf die Zeit nach 1508. Anfangs des 18. Jh.s erhält das Turmdach seine barocke Form.
Im Chor befindet sich die Grablege der Kurfürsten von der Pfalz. Indessen entgeht von insgesamt 54 Epitaphien allein die Grabplatte des Kirchengründers den Zerstörungen von 1693 (Brand und Verwüstung). Die bis 1623 auf den Emporen aufgestellte - damals reichste - Bibliothek Europas, die ,,Bibliotheca Palatina'' wandert nach der Eroberung Heidelbergs durch Tilly als Kriegsbeute zu Maximilian von Bayern nach München, der sie dem Papst in Rom zum Geschenk macht.
1705 - 1936 teilt eine Scheidewand die simultan genutzte Kirche. Der Chor ist den Katholiken, das Landhaus den Protstanten zugeordnet. Ab 1941 führt Otto Bartning Umgestaltungen im Chor- und Altarbereich durch. Ein neuer Hochaltar entsteht durch Bildhauer Edzard Hobbing. Das Langhaus verfügt über das ,,Physikfenster'' von Johannes Schreiter und fünf 1998 neugestaltete Fenster von Hella Santarossa.

(Quelle: Müller, Nr. 6 - S. 22)

q f47-0297.JPG Heiliggeistkirche, Innenraum

q f47-File0064.jpg Merian: Heiliggeistkirche

h f47-File0239.jpg Heiliggeistkirche

h f47-File0942.jpg Heiliggeistkirche

Q f48-0299.JPG Fischmarkt 5

Wohn- und Geschäftshaus
Fischmarkt 5
1698

Es handelt sich um einen der ersten Versuche nach der Zerstörung von 1693, ein großzügiges Giebelhaus über zwei mittelalterlichen Hauseinheiten mit enger Fenstereinteilung zu bauen.
Darin kommt der Wunsch nach größeren Wohnflächen ebenso zum Ausdruck wie nach einem höheren Fensteranteil als in den schmalen mittelalterlichen Hauseinheiten. In Mode kommen nunmehr auch verputzte Fachwerkkonstruktionen. Besonders charakteristisch ist das Überschieben der Fachwerkstruktur im Bereich des Geschoßwechsels aus konstruktiven Gründen; einerseits zum Schutz der Fassade (Abtropfkante) und andererseits, um mehr Wohnfläche zu erzielen.
Das Erdgeschoß wird in der Folge mehrfach umgebaut.

(Quelle: Müller, Nr. 40 - S. 62)

Q f49-0298.JPG Haus Traitteur


Haus Traitteur
Fischmarkt 4
1778
Johannes Andrea Traitteur

Der Großmeister der Geistlichen Administration Johannes Andrea Traitteur erwirbt das Anfang des 18. Jh.s an der Stelle der ehemaligen Stiftspfisterei errichtete Patrizierhaus und baut es ab 1778 zu seinem Wohnhaus um. Die wichtigsten äußeren Veränderungen sind die abwechselnd runden und dreieckigen Fensterverdachungen und die große Vase mit Zopfgehänge über dem neuen Eingangsportal.
An der Ecke zum Heumarkt steht im ersten Obergeschoß in einer Nische eine barocke Hausmadonna mit Kind. Die Darstellung der ,,Maria vom Siege'', wie sie an mehreren Heidelberger Patrizierhäusern zu sehen ist, muß auch hier im Zusammenhang mit der Gegenreformation gesehen werden.

(Quelle: Müller, Nr. 67 - S. 75)

h f49-File0255-b.jpg Portal vom Haus Traitteur

H f50-1119.JPG Ritter


Haus zum Ritter St. Georg
Hauptstr. 178
1592

Der hugenottische Tuchhändler Charles Bélier errichtet 1592 sein Wohn- und Geschäftshaus auf einem bereits vorhandenen Erdgeschoß. Namengebend ist die über dem Giebel angebrachte Ritterfigur.
Deutlich ist die Asymmetrie zu den Obergeschossen zu erkennen. Der Baumeister dieses reich verzierten Bürgerhauses der Spätrenaissance ist nicht bekannt. Möglicherweise aber bestehen Verbindungen zu den Meistern des Braunschweiger Gewandhauss um Hans Lampe und Balthasar Kircher.
Die Fassade ist horizontal wie vertikal stark gegliedert; vor allem durch die beiden Erkerzonen im ersten und zweiten Obergeschoß, in denen sich die Hauptwohnräume befinden. Im rechten Brüstungsfeld des zweiten Obergeschosses sind der Bauherr und seine Gattin dargestellt. Im darunterliegenden Geschoß die Kinder des Ehepaares. Am untersten Giebelgeschoß zeigen vier Medaillons die fränkischen Könige Childebert, Theoderich, Chilperich und Childerich.
Darüber hinaus zieren drei lateinische Inschriften die Fassade: ,,Si Jehova non / aedificet domum / Frustra laborant / aedificantes eam'' - Wenn der Herr nicht das Haus baut, arbeiten umsonst, die daran bauen; ,,Persta invicta Venus'' - Bleibe stets unbesiegt, Schönheit! ,,Soli Deo Gloria'' - Gott allein die Ehre.
Als eines der nur gering zerstörten Steinhäuser wird es 1694 bis 1703 Interimsrathaus.
Seither ist es, wie bereits nach dem Dreißigjährigen Krieg, wiederum Hotel und Gasthof.

(Quelle: Müller, Nr. 36 - S. 52)

h f50-1200.JPG Ritter, Fassade

H f51-0300.JPG Haus Cajeth


Haus Cajeth
Haspelgasse 12
1735
Alessandro Galli da Bibiena

Auf dem Gelände eines ehemaligen Tanz- und Kaufhauses errichtet der kurpfälzische Münzwart Anton Cajeth sein Wohnhaus. In der Fassadenmitte des reich gegliederten Zeilenhauses befindet sich das auf beiden Seiten mit Hermen verzierte Eingangsportal, das sich mit dem volutenumrahmten Obergeschoßfenster verbindet. Die Fassade wird begrenzt von den beiden Eckpilastern mit Band- und Blumenornamenten. Dem Regence-Stil zuzurechnen sind auch die Gußbaluster im Treppenhaus. Das Haus erinnert stark an Häuser, die Hofarchitekt Alessandro Galli da Bibiena in Mannheim baut, der sich damit auch hier als möglicher Architekt aufdrängt. Die Portalskulpturen verweisen dagegen auf die Umgebung des Hofbildhauers Paul Egell. Anfang des 19. Jh.s werden die Erdgeschoßfenster für eine Ladennutzung nach unten verlängert. Heute befinden sich in dem schmucken Barockhaus mit seinem Innenhof und den umlaufenden Galerien eine Buchhandlung und ein Museum.

(Quelle: Müller, Nr. 65 - S 74)

h f51-File0255.jpg Haus Cajeth

q f52-0302.JPG Haus Cajeth mit Schnookeloch

H f53-1147.JPG Hollaender Hof

Holländer Hof
Neckarstaden 66
1. Hälfte 18. Jh.

Als eines der größten Hotels seiner Zeit steht der Holländer Hof beim Brückentor am ehemaligen Stadteingang.
Die abgerundete Zwerchhausgiebel verweisen auf die Rathausarchitektur (vgl. Nr. 70) und auf das Haus zum Riesen (vgl. Nr. 52). Doch verliert das Haus infolge der Errichtung des ersten Bahnhofs im Westen der Stadt nach 1840 seine zentrale Bedeutung.
1903 wird das Gebäude aufgestockt. Dabei ist eine Anpassung an die gestalterischen Vorgaben der Barockarchitektur unverkennbar.
Vorübergehend wird das Haus zu einem ,,Christlichen Hospiz'' und nach einer umfassenden Renovierung (1977/78) erneut ein Hotel.

(Quelle: Müller, Nr. 53 - S. 68)


Jean Paul , eigtl. Johann Paul Friedrich Richter, Schriftsteller, *Wunsiedel 21. 3. 1763, + Bayreuth 14. 11. 1825. Studierte nach entbehrungsreicher Jugend Theologie und Philosophie in Leipzig, brach aus finanziellen Gründen das Studium ab, wurde 1786 Hauslehrer auf Schloss Töpen bei Hof; 1790-94 leitete er in Schwarzenbach eine Privatschule und lebte dann bis zum Tod seiner Mutter in Hof, 1797 in Leipzig, auf Veranlassung CHARLOTTE VON KALBs 1798-1800 in Weimar, dort Freundschaft mit HERDER, während GOETHE und SCHILLER ihm reserviert begegneten; 1800/01 hielt er sich in Berlin auf, heiratete CAROLINE MAYER (* 1777, + 1860), zog dann für zwei Jahre nach Meiningen, für ein weiteres Jahr nach Coburg und nahm 1804 seinen ständigen Wohnsitz in Bayreuth. Von 1808 an erhielt er eine von K. T. VON DALBERG, dem Fürstprimas des Rheinbundes, gewährte und später von Bayern übernommene jährliche Pension.
J. P. begann sein Schriftsteller. Werk als Satiriker im Geist der Aufklärung und des Rationalismus unter dem Einfluss J. SWIFTs, A. POPEs und J.-J. ROUSSEAUs. In der Erzählung »Leben des vergnügten Schulmeisterleins Maria Wuz in Auenthal. Eine Art Idylle« (1793) nimmt er die Idylle auf einer höheren Stufe die Thematik der Satire wieder auf, zeigt die kleinbürgerl. Welt in ihrer Beschränkung, den Rückzug in die Innerlichkeit. Das Romanfragment »Die unsichtbare Loge. Eine Biographie« (1793, 2 Bde.) begründete J. P.s eigentüml. humorist. Erzählstil, in dem sich - in der Nachfolge L. STERNEs und H. FIELDINGs - empfindsame Elemente mit satir. Entlarvung der Wirklichkeit verbinden.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 11, 154-155 )


Busch, Wilhelm, Maler, Zeichner und Dichter, * Wiedensahl (bei Stadthagen) 15. 4. 1832, + Mechtshausen (heute zu Seesen) 9.1. 1908; besuchte die Akademien in Düsseldorf, Antwerpen und München, zog sich dann nach seinem Geburtsort, 1898 nach Mechtshausen zurück. B. wurde mit seinen Bildgeschichten der volkstümlichste Humorist Dtl.s. Seine Wirkung liegt in der verblüffenden Einheit von witzig-simplen Knittelversreimen und pointiert-vereinfachender Konturzeichnung, beide von großer Charakterisierungskunst. B.s Bildgeschichten werden zur Satire, wenn es sich darum handelt, Selbstgerechtigkeit, Scheinmoral und falsche Frömmigkeit zu entlarven. Er schuf auch Gedankenlyrik und Prosa. Der Pessimismus in seinen Werken steht A. SCHOPENHAUERS Philosophie nahe. - Seine kleinformatigen Ölbilder waren zunächst von der niederländ. Malerei des 17. Jh. beeinflusst, ab 1887 malte er zunehmend expressiv mit lebhaftem Pinselduktus. - Nachlass (auch Ölgemälde) im W.-B.-Museum Hannover und im Geburtshaus in Wiedensahl.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 4, 217 )

Q g54-0304.JPG Neckarschule


Neckarschule
Obere Neckarstraße 1
1706

Die Neckarschule (Schola Nicrina) am Brückentor ist die älteste Schule der Stadt. Sie wird bereits vor dem Jahr 1425 als städtische Schule für Bürgerkinder gegründet. Die Stadtansichten von 1550 und 1620 zeigen den Vorgängerbau, auf dessen Grundmauern es nach der Zerstörung von 1693 zum Neuaufbau kommt. 1709 werden darin 12 Schüler unterrichtet. Im Sockelgeschoß befindet sich asymmetrisch das ,,Tränktor'' der alten Stadtbefestigung. Die Mitte des barocken Wohnhauses betonen der Balkon und das breite Zwerchhaus im abgewalmten Mansarddach.
Nach anhaltenden Klagen über schlechte Disziplin in der Anstalt und die Rohheit der Schüler hebt der Kurfürst 1805 die Anstalt auf. In der Folgezeit wohnt hier der Zeichenlehrer der Universität Friedrich Rottmann, der Vater des über Heidelberg hinaus bedeutenden Malers Karl Rottmann. Nach mehreren Umbauten wird es heute als Wohngebäude genutzt.

(Quelle: Müller, Nr. 75 - S. 81)

Q g54-0312.JPG Neckarschule

Rottmann, Friedrich, Maler und Radierer, getauft Handschuhsheim (heute zu Heidelberg) 19. 12. 1768, + Heidelberg 29.1. 1816, Vater von [Carl R.]; von W. VON KOBELL beeinflusst, malte er Landschaftsveduten (nach denen er auch Radierungen anfertigte) aus der Umgebung von Heidelberg, auch Idyllen und Grotesken.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 18, 572 )


Rottmann, Carl Anton Joseph, Maler, * Handschuhsheim (heute zu Heidelberg) 11. 1. 1797, + München 7. 7. 1850, Sohn von [Friedrich R.]; ausgebildet u. a. von seinem Vater und an der Münchner Akad. Seine Landschaftsaquarelle und Ölstudien zeigen anfangs den Einfluss von G. A. WALLIS. Nach zwei Italienreisen (1826/27 und 1828/29) schuf R. 1830-34 im Auftrag LUDWIGS I. 29 Fresken mit ital. Landschaften in den Münchner Hofgartenarkaden (28 erhalten, heute im Münchner Residenzmuseum); in ihnen festigte sich sein Stil im Sinn der klassisch- heroischen Landschaft. Nach einer Griechenlandreise (1834/35) entstanden 23 griech. Landschaften in enkaust. Technik auf Schieferplatten (1838-50; München, Neue Pinakothek).

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 18, 571-572 )

q g55-1317.JPG Alte Bruecke

Q g55-2216.jpg Alte Bruecke


Karl-Theodor-Brücke - Alte Brücke
Am Brückentor
1786-88
Mathias Maier

Bereits im 13. Jh. steht hier die erste Brücke über den Neckar. Sie wird 1288 durch Hochwasser zerstört. Weitere sieben hölzerne Brücken folgen, denen in der Regel durch Eisgang ein vorzeitiges Ende beschieden ist, ehe 1786-88 die steinerne, aus rotem Sandstein zusammengefügte neunte Brücke errichtet und zu einem Heidelberger Wahrzeichen wird.
Noch bis ins 19. Jh. bildet die Brücke einen Hauptzugang zur Stadt.
Auf der Brücke stehen zwei Skulpturengruppen von Konrad Linck aus Speyer. Eine zeigt Kurfürst Karl Theodor mit den pfälzischen Hauptflüssen Neckar, Rhein, Main und Donau. Die andere zeigt Pallas Athene, der allegorische Frauengestalten zu Füßen liegen, verkörpernd Gerechtigkeit, Frömmigkeit, Landbau und Handel. Charakteristisch sind die zur Mitte hin größer werdenden Bogenöffnungen und die Aussichtsbalkone in den Pfeilern.
Zwei schlanke Türme flankieren das Brückentor stadtseitig und verweisen noch auf die spätgotischen Vorläufer des Tors. Der westliche Turm birgt drei niedrige Kerkerräume. Im östlichen Turm ersteigt man über eine Wendeltreppe eine über dem Tor gelegene kleine Wohnung (nach dem Zweiten Weltkrieg von dem Architekten Rudolf Steinbach bewohnt).
Das mittelalterliche Brückentor wird 1788 umgestaltet. Dabei ersetzen barocke Turmhelme die spitzen Kegeldächer.
Am 29. März 1945 wird die Alte Brücke in einer bereits militärisch sinnlosen Aktion gesprengt. Dank großem bürgerschaftlichen Engagements erfolgt aber schon am 26. Juli 1947 ihre feierliche Wiedereröffnung.

(Quelle: Müller, Nr. 85 - S. 87)

q g55-File0070.jpg Merian: Alte Bruecke

H g55-File0894.jpg Alte Bruecke um 1890

Pfalz: Karl (IV.) Theodor, Kurfürst von der Pfalz (seit 1742) und Kurfürst von Bayern (seit 1777), * Schloss Droogenbosch (bei Brüssel) 11. 12. 1724, + München 16. 2. 1799; aus dem wittelsbach. Haus Pfalz-Sulzbach (Herzog seit 1741); vereinigte durch Erbfolge (1742/77) alle pfälz. und bayer. Besitzungen der Wittelsbacher in seiner Hand, war zugleich Markgraf von Bergen op Zoom (seit 1728/29), Herzog von Pfalz-Neuburg (seit 1733) und Jülich-Berg (seit 1742). In jedem seiner Länder regierte er föderalistisch unter Beachtung der versch. Verf. (v. a. in den beiden Kurfürstentümern um Verwaltungsreform, Verbesserung der Justiz und Förderung der Wirtschaft bemüht); er war ein bedeutender Förderer der Künste, bes. der Baukunst (Schwetzingen) und der Musik ( -> Mannheimer Schule). Seine Residenz verlegte er 1778 von Mannheim nach München. Außenpolitisch war er antihabsburgisch orientiert und lehnte sich an Frankreich an. Pläne mit Kaiser JOSEPH II. zum Tausch Bayerns gegen die Österr. Niederlande (heute Belgien), zunächst im Vorfeld des Bayer. Erbfolgekrieges 1777/78 und erneut 1784/85, scheiterten nicht nur am Einspruch der Reichsfürsten und europ. Mächte, sondern auch an den bayer. Ständen.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 11, 501 )

Q g56-0310.JPG Noerdliches Ufer mit Haus Fallenstein

Haus Fallenstein
Ziegelhäuser Landstraße 17
1847

Bei dem Haus des Geheimen Finanzrats Georg Friedrich Fallenstein handelt es sich um das traditionsreichste Professorenwohnhaus in Heidelberg.
Fallenstein bewohnt mit seiner Familie das Erd-und Obergeschoß. Im zweiten Obergeschoß befindet sich die Wohnung des Geschichtsprofessors Gottfried Gervinus, einer der ,,Göttinger Sieben'' und Abgeordneter des Frankfurter Paulskirchenparlaments.
Die herrschaftliche Villa am Berghang gegenüber Schloß und Altstadt umgibt ursprünglich eine ca. 3.000qm große Parkanlage. Der Architekt ist aus dem Kreis um Heinrich Hübsch und Ludwig Lendorff zu vermuten. Darauf verweist das Arkadenmotiv vor der Eingangs-und Balkonloggia. Dieses typische Gestaltungselement des romantischen Klassizismus ist auch am Gebäude der Alten Anatomie (vgl. Nr. 97), dem Haus Bienenstraße 7 und am Haupteingang des Stadttheaters (vgl. Nr. 101) zu erkennen. In der Bel Etage im ersten Obergeschoß liegt der große Salon mit vorgelagertem Balkon. Auf ihm entsteht 1851 das Gemälde von Georg 0. E. Saal (siehe S. 92).
1910 beziehen der Enkel der Fallensteins, der Nationalökonom, Jurist und Soziologe Max Weber mit Ehefrau Marianne sowie der Religionshistoriker Ernst Troeltsch das Haus. In den 20er Jahren, nach dem Tod Max Webers, ist es der Ort der ,,Sonntagnachmittaggespräche'', an denen sich Marianne und Alfred Weber mit berühmten Persönlichkeiten wie Karl Jaspers, Gustav Radbruch, Karl Mannheim und Ernst Bloch - um hier nur einige zu nennen - treffen. Über allem steht der ,,lebendige, liberale Geist'' dieser Zeit.
Seit 1992 beherbergt das sogenannte Max-Weber-Haus das Internationale Studienzentrum der Universität und die Max-Weber-Gedächtnisstätte.

(Quelle: Müller, Nr. 98 - S. 105)

Q g56p-0605.JPG Gervinus, Grabbueste

Gervinus, Georg Gottfried, Historiker, Literar-historiker und Politiker, * Darmstadt 20. 5. 1805, + Heidelberg 18. 3. 1871; urspr. Kaufmann, während seines Geschichtsstudiums (seit 1826) Schüler und Freund F. C. SCHLOSSERS; wurde 1835 Prof. in Heidelberg, 1836 in Göttingen, 1837 als einer der -> Göttinger Sieben amtsenthoben. 1844 Honorar-Prof. in Heidelberg, gehörte G. 1848 vorübergehend der Frankfurter Nationalversammlung an. Seine von demokrat. Idealen - nach dem Scheitern der bürgerlichen dt. Revolution ruhte seine Hoffnung v. a. auf dem vierten Stand - und dem Glauben an einen unaufhaltsamen Fortschritt der Völker zur Freiheit getragene Geschichtsauffassung trug ihm 1853 den Entzug der Lehrbefugnis und ein Hochverratsverfahren ein. Seitdem lebte er, politisch enttäuscht, in wachsender Verbitterung als Privatgelehrter in Heidelberg, in Opposition auch zu der späteren polit. Entwicklung in Dtl., die seiner liberalen Geschichtsauffassung nicht gemäß war. Das Werk L. VON RANKES kritisierte er scharf. - Als Literarhistoriker hat G. als Erster die dt. Literatur im Zusammenhang mit der geschichtl. Entwicklung unter Akzentuierung der polit. Bezüge dargestellt.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 8, 420 )

h g56p-File0153.jpg Gervinus, Portrait im Rundzimmer

Q g56-1132.jpg Haus Fallenstein

Weber, Max, Soziologe, Volkswirtschaftler und Wirtschaftshistoriker, * Erfurt 21.4.1864, + München 14.6. 1920, Bruder von [Alfred W.], oo mit [Marianne W.]; studierte Rechtswissenschaften, Geschichte, Nationalökonomie und Philosophie in Heidelberg, Straßburg und Berlin. Bereits in seiner Dissertation »Zur Geschichte der Handelsgesellschaften im MA.« (1889) und in seiner Habilitationsschrift »Die röm. Agrargeschichte in ihrer Bedeutung für das Staats- und Privatrecht« (1891) untersuchte er den Wirkungszusammenhang von rechtl., wirtschaftl. und sozialen Faktoren. W. war Prof. für Handelsrecht in Berlin (1893), für Nationalökonomie in Freiburg im Breisgau (1894-97) und in Heidelberg (1897-1903). Aus gesundheitl. Gründen erfolgten ab 1898 häufige Unterbrechungen, 1903 die Einstellung der Lehrtätigkeit, die er erst 1918 in Wien (Prof. für Soziologie) fortsetzte. Ab 1919 bis zu seinem Tod war W. Prof. in München. - Ab 1903 war er Herausgeber des »Archivs für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik«, daneben Mitarbeiter des Vereins für Socialpolitik und Mitbegründer der Dt. Demokrat. Partei.
...

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 23, 633 )

H g56-1133.jpg Haus Fallenstein

Weber, Marianne, Frauenrechtlerin, Malerin und Publizistin, * Oerlinghausen 2. 8. 1870, + Heidelberg 12. 3. 1954, oo mit [Max W.]; ab 1897 in Heidelberg, ab 1898 in der dt. Frauenbewegung aktiv (1919-23 Vors. des Bundes Dt. Frauenvereine) und 1919 Abg. der Bad. Nationalversammlung, wo sie sich u. a. für die rechtl. Gleichstellung der Frau einsetzte. W. trug durch die Herausgabe der nachgelassenen Schriften ihres Mannes und ihre 1926 veröffentlichte Biographie über ihn wesentlich zu dessen Anerkennung und dadurch auch zur Entwicklung der Soziologie in Dtl. bei. Ihr Haus entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem bedeutenden Gesellschaftszirkel, in dem Schriftsteller, Politiker, Philosophen u. a. Wissenschaftler verkehrten und der Heidelberg in der Zeit zw. den Weltkriegen zu einem geistigen Zentrum Dtl.s machte.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 23, 633 )

Q g57-1138.JPG Ziegelhaeuser Landstrasse 19

Hettner, Alfred, Geograph, * Dresden 6.8. 1859, + Heidelberg 31. 8. 1941, Sohn von [Hermann H.]; ab 1894 Prof. in Leipzig, ab 1897 in Tübingen und ab 1899 in Heidelberg. Forschungsreisen in Südamerika, Europa, Ost- und Südasien sowie Nordafrika. Seine Bedeutung liegt v. a. in seinen Beiträgen zur Methodologie der Geographie, die er in »Die Geographie, ihre Geschichte, ihr Wesen und ihre Methoden« (1927) und in der von ihm 1895 gegründeten »Geograph. Zeitschrift« (Herausgeber bis 1935) veröffentlichte.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 10, 51 )

Q g58-0307.JPG Neuenheimer Landstrasse 2

Auerbach, Berthold, eigtl. Moses Baruch Auerbacher, Schriftsteller, * Nordstetten (heute zu Horb am Neckar) 28.2. 1812, + Cannes 8.2. 1882; studierte in Tübingen und München, saß 1837 wegen Teilnahme an burschenschaftl. Bestrebungen zwei Monate in Haft auf dem Hohenasperg; wurde mit seinen »Schwarzwälder Dorfgeschichten« (4Bde., 1843-54; 10 Bde., 1884) einer der meistgelesenen Erzähler der 2. Hälfte des 19. Jh.; pointierte Gegenüberstellung von Land und Stadt; bes. später Idealisierung des Bauernlebens. A. war Liberaler, Pantheist (er übersetzte B. SPINOZA), Verfechter jüd. Emanzipation.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 2, 317-318 )


Scheffel, (Joseph) Victor von (seit 1876), Schriftsteller, * Karlsruhe 16. 2. 1826, + ebd. 9. 4. 1886; studierte in München, Heidelberg und Berlin Jura, wurde 1848 Sekretär des bad. Bundesabgesandten K. T. WELCKER in Frankfurt am Main und 1850 Rechtspraktikant in Säckingen und Bruchsal, ging dann als Malerpoet nach Italien, kehrte 1853 nach Dtl. zurück und lebte v. a. am Bodensee, in München, wo er Verbindung zum Münchner Dichterkreis aufnahm und in Donaueschingen, wo er 1857 Archivar und Bibliothekar im Schloss wurde. - S.s Schriften sind gekennzeichnet durch freiheitl. Gesinnung, romant. Naturfreude und Vagantenlust; größter Beliebtheit beim Publikum, z.T. bis ins 20. Jh., erfreuten sich die Verserzählung »Der Trompeter von Säkkingen« (1854), der Roman »Ekkehard. Eine Gesch. aus dem 10. Jh.« (1855) sowie seine Studentenlieder, die launig auselassene, zuweilen auch rührselige Feuchtfröhlichkeft spiegeln (»Gaudeamus«, 1868). Von seiner Hand sind auch Skizzenbücher sowie fast 400 Zeichnungen und Aquarelle erhalten. Dem Andenken S.s und der S Forschung widmen sich v. a. der 1890 ins Leben gerufene »Österr. Scheffelbund« sowie der 1924 in Karlsruhe gegründete »Dt. Scheffelbund«.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 19, 260 )


Lenard, Philipp, Physiker, * Preßburg 7. 6. 1862, + Messelhausen (heute zu Lauda-Königshofen) 20. 5. 1947; Schüler von H. HERTZ, Prof. in Breslau, Aachen und Heidelberg. L. schuf mit der durch die HERTZ angeregten Fensterröhre (L.-Fenster) erstmals die Möglichkeit, Kathodenstrahlen als freie Elektronen unabhängig von ihren Entstehungsbedingungen zu untersuchen. Er war führend an der Klärung der Natur dieser Strahlen beteiligt und wurde 1905 für seine Kathodenstrahluntersuchungen mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet. L. untersuchte u. a. die Wechselwirkungen zw. Elektronen und Licht (Photoeffekt, Phosphoreszenz) und schuf damit die experimentelle Grundlage für das von A. EINSTEIN aufgestellte photoelektr. Grundgesetz. Sein Dynamidenmodell ( -> Atommodell) war ein Vorläufer des rutherfordschen Kernmodells des Atoms. Von L. wurde das Elektronenvolt (eV) als Energiemaß in die Physik eingeführt. - Als Antisemit und Gegner der Relativitätstheorie verfasste L. später eine 4-bändige »Dt. Physik« als Gegenstück zur »jüd. Phvsik«.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 13, 281 )

q g59-0308.JPG Neuenheimer Landstrasse 8

H g60-1150.JPG Neckarstaden 62

Keller, Gottfried, schweizer. Schriftsteller. * Zürich 19. 7. 1819, + ebd. 15. 7. 1890. K. wuchs in städtisch-kleinbürgerl. Milieu auf; der Vater starb früh. Im September 1845 entschloss sich K. - nach künstler. Ausbildung in München (1840-42) - zur Aufgabe der Malerei als Beruf. Seine Entscheidung zum Schriftstellerturn war dabei mitbeeinflusst von den Erfahrungen während der schweizer. Auseinandersetzungen zw. liberalen und kath.-konservativen Kantonen, in denen sich K. literarisch engagierte. Nach dem Vorbild der Polit. Lyrik G. HERWEGHS und F. FREILIGRATHS (die sich damals als Emigranten in der Schweiz aufhielten) schrieb er »Gedichte«, die 1846 in Buchform erschienen. Ihr Erfolg verschaffte ihm ein Stipendium der liberalen Züricher Regierung. Hierdurch wurde es K. möglich, zunächst 1848-50 nach Heidelberg (Einfluß von H. HETTNER und L. FEUERBACH, die dort wirkten), dann 1850-55 nach Berlin zu gehen. In dieser Zeit griff K. das Thema der bildenden Kunst als literar. Thema auf und gestaltete es in »Der grüne Heinrich«, seinem ersten Roman. Dieser steht in der Tradition des Bildungsromans und orientiert sich in Aufbau und Sprache stark an GOETHES »Wilhelm Meister«, z. T. auch an JEAN PAUL. Schließt die erste Fassung (1854/55, 4 Bde.) mit dem Motiv der Schwermut über verfehltes Leben und der Sühne durch den Tod, so änderte K. später das Schlussmotiv in Buße durch Arbeit und Bewährung (1879/80, 4 Bde.). Die Erziehung des Menschen zum Staatsbürger ist ein zentrales Thema seines Werkes.

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(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 11, 621-622 )

q g61-1153.JPG Lauerstrasse 5

q h62-0317.JPG Dreikoenigstrasse 1

q h63-1159.JPG Dreikoenigstrasse 4-8

q h63-1207.JPG Dreikoenigstrasse 4-10

h h64-1163.JPG Dreikoenigstrasse 10

h h64-1206.JPG Dreikoenigstr. 10

Q h65-0319.JPG Dreikoenigstrasse 25


Wohn- und Geschäftshaus Wilckenhausen
Dreikönigstr. 25
18. Jh. - Johann Adam Breunig ?

Bei dem Eckhaus an der Dreikönigstraße / Untere Straße handelt es sich um das Wohn- und Geschäftshaus der aus Langenberg bei Elberfeld stammenden Kaufherrenfamilie Wilckenhausen.
Hier ist beispielhaft zu erkennen, wie sich das mittelalterliche Giebelmotiv zu einem fassadenbündigen Zwerchhaus reduziert. Häuser dieses Fassadentyps sind in der Heidelbrger Altstadt häufig zu finden. Von besonderem Interesse ist gerade dieses Haus, da sich zu beiden Straßenseiten hin ein Zwerchhaus zeigt.
Auffällig ist ferner das reich verzierte und stark profilierte Eingangsportal mit typisch barocken Oberlicht. Es verweist wie gleichfalls die Ausführung der Fenstergewände auf den Architekten Johann Adam Breunig.

(Quelle: Müller, Nr. 42 - S. 63)

h h65-0320.JPG Dreikoenigstrasse 25

s h65-File2116.jpg Marienkapelle

H j66-0718.JPG Haus Meder

Haus Meder
Hauptstraße 168
1721-24
Johann Adam Breunig

Es ist ein Kaufmann, der sich 1721 wohl eines der schönsten barocken Bürgerhäuser errichten läßt. Das schmale Eckhaus hat zur Kettengasse hin eine weniger schmuckvolle, zur Hauptstraße dagegen die eigentliche Schaufassade mit insgesamt drei eng gestellten Fensterachsen.
Einen Blickfang bildet in Höhe des ersten Obergeschosses eine Muschelnische mit Hausmadonna und Heilandsknäblein von Peter van den Branden. Eine weitere Plastik, die Heilige Dreifaltigkeit und die Inschrift ,,Wer Gott verdraut, hatt wohl gebaudt'' im Hochrelief der Fensterbrüstung des zweiten Obergeschosses lassen auf einen gläubigen Bauherrn schließen.

(Quelle: Müller, Nr. 50 - S. 67)

h j66-File0251-b.jpg Haus Meder

H j67-1169.JPG Hauptstrasse 169

Hettner, Hermann, Kunst- und Literarhistoriker, * Nieder Leisersdorf (Gem. Leisersdorf, bei Goldberg, Schlesien) 12. 3. 1821, + Dresden 29. 5. 1882, Vater von [Alfred H.]; wurde 1851 Prof. in Jena, 1855 in Dresden Direktor der Antikensammlung und Prof. für Kunstgeschichte und Literatur an der Akad. der bildenden Künste, 1868 Leiter des Historischen, 1869 auch des Rietschel-Museums und Prof. an der TH. Seine literatur-histor. Werke beeinflussen mit ihrem (neuartigen) geistesgeschichtl. Ansatz und ihrer Periodisierung die dt. Literaturgeschichtsschreibung bis in die Gegenwart.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 10, 51 )

h j68-0720.JPG Hauptstrasse 167

Q j69-1170.JPG Gasthaus zu den Drei Koenigen

Schumann, Robert (Alexander), Komponist, *Zwickau 8. 6. 1810, + Endenich (heute zu Bonn) 29. 7. 1856; erhielt früh Klavierunterricht, war auch literarisch hoch begabt, studierte 1828/29 Jura in Leipzig und Heidelberg, widmete sich aber bald ganz der Musik. Neben dem Unterricht in Klavier (F. WIECK) und Theorie trieb er eigene Studien anhand von J. S. BACHS »Wohltemperiertem Klavier«, die später in den B-A-C-H-Fugen op. 60 (1845) aufgegriffen und intensiviert wurden. Eine Fingerzerrung vereitelte die Virtuosenlaufbahn. Zugleich entstanden die ersten Kompositionen, bis 1839 fast ausschließlich für Klavier. 1834 gründete S. die »Neue Zeitschrift für Musik«, in der die erfundenen »Davidsbündler« (v. a. Eusebius und Florestan, Personifikationen zweier Seiten seines eigenen Wesens) für eine neue, wahrhafte und poet. Musikauffassung, für echte, produktive Kritik sowie gegen Kunstphilistertum und seichte Salonmusik stritten. 1840 heiratete S. gegen den Widerstand F. WIECKS dessen Tochter CLARA. Im gleichen Jahr komponierte er etwa 150 Klavierlieder; 1841 entstanden, oft in kürzester Zeit, eine Reihe bedeutender Kammermusikwerke und 1842, teils ähnlich rasch und eruptiv, zwei Sinfonien und weitere Musik für Orchester, darunter der erste Satz des Klavierkonzerts a-Moll op. 54. 1843 kam S. durch F. MENDELSSOHN BARTHOLDY, mit dem er eng befreundet war, an das neu gegründete Leipziger Konservatorium, 1844 als Chorleiter nach Dresden. 1850 wurde er Stadt. Musikdirektor in Düsseldorf (hier besuchte ihn 1853 J. BRAHMS), war jedoch nach einiger Zeit Demütigungen und Intrigen ausgesetzt. Eine schon in jungen Jahren sich ankündigende Gemütskrankheit (Depressionen, Wahnideen) kam 1854 vollends zum Ausbruch. Nach einem Selbstmordversuch (Sturz in den Rhein) blieb er bis zu seinem Tode in einer Heilanstalt.
...

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 19, 513 )

H j70-0321.JPG Palais Rischer


Haus Rischer
Untere Straße 11
1711
Johann Jakob Rischer

Nach Genueser Vorbildern baut der Architekt 1711 an ungewöhnlicher Stelle sein eigenes Wohnhaus im Stil eines italienischen Palazzo in strenger, gleichwohl aber reich geschmückter Fassadengliederung.
Die schmale Hauptfassade verfügt nur über drei Fensterachsen. Auffallend ist, daß das Erdgeschoß und das oberste, mezzaninähnliche Geschoß besonders betont sind. Alle Öffnungen sind von starken Profilen umrahmt. Im zweiten Obergeschoß wachsen die seitlichen Steinkonsolen an den Fenstern und die dekorierten Stürze in das Traufgesims hinein. An den einfacheren mittleren Fenstern zieren Männerköpfe die Schlußsteine. Im Innern befindet sich ein origineller Treppenhof.
Seit 1959 wird das Gebäude von der Akademisch-musischen Studentenvereinigung Stauffia als Wohnheim genutzt.

(Quelle: Müller, Nr. 49 - S. 66)

h j70-0322.JPG Palais Rischer

h j70-File0247-b.jpg Palais Rischer

H j71-1171.JPG Hauptstrasse 146

Lenau, Nikolaus, eigtl. N. Franz Niembsch Edler von Strehlenau (seit 1820), österr. Schriftsteller, * Csatád (Ungarn, heute Lenauheim, Rumänien) 13. 8. 1802, + Oberdöbling (heute zu Wien) 22.8. 1850. Erste dichter. Versuche (1822) zeigen den Einfluss L. C. H. HÖLTYS und F. G. KLOPSTOCKS. In Wien hatte er Umgang mit F. GRILLPARZER, J. C. VON ZEDLITZ, F. RAIMUND, A. GRÜN, J. STRAUSS (Vater) und E. VON FEUCHTERSLEBEN. Seit 1830 war er infolge einer Erbschaft finanziell unabhängig. 1831 hielt sich L. in Schwaben auf und stand dort mit der schwäb. Dichterschule in Verbindung (G. SCHWAB, L. UHLAND, J. KERNER u.a.); 1832/33 besuchte er Amerika. Die unglückl. Liebe zu SOPHIE VON LÖWENTHAL, der Frau seines Freundes, steigerte seine Schwermut bis zur geistigen Krankheit. Nach dem körperl, und seel. Zusammenbruch (1844) lebte L. bis zu seinem Tod in Heilanstalten. - L. ist einer der großen Lyriker der Melancholie, dem die Natur zum beseelten Träger seiner Stimmungen und Erlebnisse wird; seine Einsamkeit, Heimatlosigkeit und ruhelose Zerrissenheit spiegeln sich in weiten Steppenlandschaften; Herbstwälder und Stürme, Felsenklüfte und Gewitterhimmel sind wiederkehrende Motive (»Gedichte«, 1832, erweitert 1834; »Neuere Gedichte«, 1838). Formal unbewältigt, mit eklekt. und rhetor. Zügen und z.T. fragmentarisch blieben seine episch-dramat. Dichtungen um Stoffe der Weltliteratur (»Faust«, Fragment; 1836; »Savonarola«, 1837; »Die Albigenser«, 1842; »Don Juan«, Fragment im Nachlass), die lyrisch empfunden sind und gedanklich den freiheitl. Anschauungen des Jungen Deutschlands nahe kommen.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 13, 281-282 )

H j72-1175.JPG Hauptstrasse 151

Arnim, Achim von, eigtl. Ludwig Joachim von A., Dichter, * Berlin 26. 1. 1781, + Wiepersdorf (bei Jüterbog) 21.1. 1831; studierte Naturwissenschaften 1798/99 in Halle und 1800/01 in Göttingen, wo er sich mit C. BRENTANO befreundete. Mit ihm und J. GÖRRES lebte er seit 1805 in Heidelberg, das durch sie zum Mittelpunkt der jüngeren Romantik wurde. Ihr Organ war die von A. und BRENTANO herausgegebene »Zeitung für Einsiedler« (1808; in Buchform »Trösteinsamkeit« gen.) - In gemeinsamer Arbeit mit BRENTANO entstand in Heidelberg die Volksliedsammlung (vielfach Nachdichtungen) »Des Knaben Wunderhorm « (3 Bde., 1806-08, -> Wunderhorn). 1808-12 lebte A. in Berlin, hatte dort Verbindung zu den die Befreiung Preußens anstrebenden Patrioten (ADAM MÜLLER, FOUQUE, KLEIST). 1811 heiratete er BRENTANOs Schwester BETTINA. Nach den Freiheitskriegen widmete sich A. der Bewirtschaftung seiner Güter in Wiepersdorf. - Seine Dichtungen verbinden konservatives mit romantisch-phantast. Lebensgefühl. In dem Roman »Armut, Reichtum, Schuld und Buße der Gräfin Dolores« (1810) fand die romant. Kunst- und Lebensauffassung ihren wohl deutlichsten Niederschlag; mit dem unvollendeten Werk »Die Kronenwächter« (Bd. l: 1817) prägte A. den Typ des dt. histor. Romans. Als novellist. Meisterwerk gilt »Der tolle Invalide auf dem Fort Ratonneau« (1818).

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 2, 146-147 )


Brentano, Clemens, Dichter, * Ehrenbreitstein (heute zu Koblenz) 9.9. 1778, + Aschaffenburg 28.7. 1842, Sohn von [Maximiliane B.], Bruder von BETTINA VON ARNIM. B. ist neben ACHIM VON ARNIM ein Hauptvertreter der jüngeren Romantik. Er trat als Student in Jena mit dem Kreis der Frühromantiker in Verbindung, lernte auch WIELAND, HERDER und GOETHE kennen. Der »verwilderte«, als lockere Brieffolge angelegte Roman »Godwi oder Das steinerne Bild der Mutter« (1800-01) ist ein Aufbegehren gegen bürgerl. Moralkonventionen. Das Verhältnis zu der Professorengattin SOPHIE MEREAU (die sich 1801 scheiden ließ und B. 1803 heiratete) galt den Zeitgenossen als abschreckendes Beispiel freier »romant.« Lebensweise. In Göttingen schloss B. Freundschaft mit ARNIM, der 1811 seine Schwester BETTINA heiratete. Mit ihm gab er 1805-08 in Heidelberg die Sammlung »Des Knaben Wunderhorn. Alte deutsche Lieder« mit Volks- und Kunstliedern, die beide häufig selbst bearbeiteten, heraus. B trug auch zu ARNIMs »Zeitung für Einsiedler« (als Buch: »Trösteinsamkeit«, 1808) bei, schrieb Gedichte Märchen und Erzählungen. Nach dem Tod SOPHIEs 1806 ging B. eine neue, unglückl. Ehe mit der 16-jährigen AUGUSTE BUSSMANN ein (1812 geschieden). Er wurde 1809 in Berlin mit ARNIM, F. FOUQUE, H. VON KLEIST Mitgl. der »Christlich-Teutschen Tischgesellschaft« B. lebte später auf einem Familiengut in Böhmen, in Wien, Berlin, Frankfurt am Main, München. Durch LUISE HENSEL, mit der ihn eine unerfüllte Liebe verband, wandte er sich 1817 dem kath. Mystizismus zu. 1819-24 weilte er häufig am Krankenbett der stigmatisierten Nonne ANNA KATHARINA EMMERICK in Dülmen (bei Münster), nach ihrem Tod zeichnete er ihre Visionen auf (u. a. in »Das bittere Leiden unseres Herrn Jesu Christi«, 1833).
B.s Bedeutung liegt in erster Linie in seinen Erzählungen und Märchen sowie den Gedichten, die häufig in diesen enthalten sind. Die Märchen sind bewusst als Kunstmärchen angelegt, in denen sich - im Gegensatz zu den Volksmärchen der Brüder GRIMM - volkstüml. mit iron. und satir. Elementen verbinden. Die frühen Gedichte sind vielfach geprägt von Musikalität und Rhythmik (zahlr. Vertonungen), aber auch bereits von artist. Formgebung. In einer Schaffens- und Sprachkrise (seit 1811) verlor B. das Vertrauen in das poet. Wort, danach entstanden v. a. religiöse Lieder sowie - in der Spätzeit - Liebesgedichte (an die Malerin EMILIE LINDER) und einige hochartifizielle Gedichte, die auf die Moderne weisen. Die religiösen Schriften wurden viel übersetzt und waren als Andachtsliteratur verbreitet.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 3, 704 )

H j73-1176.JPG Hauptstrasse 139

Trübner, Wilhelm, Maler, * Heidelberg 3.2. 1851, + Karlsruhe 21. 12. 1917, Bruder von [Karl Ignaz T.]; studierte in Karlsruhe, Stuttgart und bei W. VON DIEZ in München. 1871 lernte er W. LEIBL kennen, dessen Kreis er sich anschloss. 1872 reiste er mit C. SCHUCH nach Italien. 1875-96 lebte er vorwiegend in München, unterrichtete dann am Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt am Main und ab 1903 an der Kunstakademie in Karlsruhe. T., der zu den bedeutendsten Vertretern des Realismus in Dtl. gehört, verdankte G. COURBET, E. MANET und LEIBL wichtige Impulse. Seine Porträts und Landschaften der Frühzeit zeichnen sich durch meisterhafte Technik und nüchterne Sachlichkeit aus.
Nach dem Auseinandergehen des Leiblkreises wandte er sich mytholog. und religiösen Thernen zu. Mit seinen ab 1891 in breiten Pinselstrichen gemalten Porträts und Landschaften näherte er sich dem Impressionismus.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 22, 354 )

h j74-File3425.jpg Hauptstrasse 136

s j74p-File0151.jpg Johann Leuneschlos

h k75-1177.JPG Sibley-Haus

h k75-File0251.jpg Sibley-Haus

H k76-0325.JPG Hauptstrasse 126-128


Oberrheinische Bank
Hauptstr. 126-28
1900-01
Jakob Henkenhaf, Friedrich Ebert

Das dreigeschossige Bank- und Wohnhaus steht an der Stelle eines barocken Hauses, das ursprünglich mit dem Mitteltor (Stadttor, 1827 abgebrochen) verbunden ist. Wie der Vorgängerbau schließt man wieder an das Gebäude der Alten Universität (vgl. Nr. 73) an. Der dreiseitig freistehende Bau verfügt über zwei reich gestaltete Fassaden mit mit Stilelementen der Spätrenaissance und des Manierismus. Henkenhaf und Ebert bauten das Haus fast gleichzeitig mit der Stadthalle (vgl. Nr. 129). Zahlreiche Gestaltungsparallelen sind etwa an den dreiteiligen Fensterelementen und an den Giebeln erkennbar. Bemerkenswert ist ferner der turmartige Erker mit Dachlaterne. Der alte Eingang durch das Doppelportal auf der Westseite ist heute nicht mehr möglich. Über dem Publikums- und Kassenraum im Erdgeschoß befinden sich die Buchhaltung, im zweiten Obergeschoß Wohnungen.
Seit 1939 wird das Gebäude von der Universität genutzt.

(Quelle: Müller, Nr. 128 - S. 136)

h k76-K0605.jpg Hauptstrasse 126-128

H k79-1178.JPG Pfaelzer Hof


Pfälzer Hof
Hauptstr. 127
1721-24
Johann Jakob Rischer

Das Gebäude des ehemaligen Gasthauses Pfälzer Hof mit dem abgewalmten Mansarddach hat noch die schmale hohe Form eines Giebelhauses. Die barocke Fassadengestaltung verweist jedoch auf die Rastatter Bauschule um Domenico Egidio Rossi. Interessant ist die Umrahmung des Fassadenfelds im ersten und zweiten Obergeschoß durch das mit Halbbalustern geschmückte Gesimsband über dem Erdgeschoß, den Eckpilastern und dem Gesims unter der Traufe, in das die oberen Fenstergewände gleichsam hineinwachsen. Die Fenster im ersten Obergeschoß sind mit Giebeln überspannt. Der rote Anstrich des Sandsteins betont zusätzlich die Umrahmungen.

(Quelle: Müller, Nr. 51 - S. 67)

h k79-File0253.jpg Pfaelzer Hof

Q k80-0210.JPG Haus Neukirch


Haus Neukirch
Hauptstraße 120
1724
Johann Jakob Rischer

Bauherr des Bürgerpalais ist der kurpfälzische Hofgerichtsrat und Stadtschultheiß (allein dem Kurfürsten verantwortlicher Beamter an der Spitze der Stadt) Burkard Neukirch. Das Giebelportal der Hofdurchfahrt (Mitte 18. Jh.) umrahmen toskanische Pilaster. Auffallend sind die nach allen Seiten gekröpften Fenstergewände und die Eisenbrüstungen im Obergeschoß.
Unmittelbar an der Hofdurchfahrt beginnt eine offene Treppe. Sie endet im ersten Obergeschoß der Bel Etage in einem Vestibül. Dort zeigt sich eine reiche Stuckdekoration mit mehreren Supraporten, vermutlich aus der Werkstatt von Joseph Anton Pozzi. Auch findet sich im Obergeschoß ein - ganz im Gegensatz zu seiner beschaulichen Größe - aufwendig gestalteter WC-Raum.
Neben den Geschäften (Ladeneinbauten im 19. Jh.) im Erdgeschoß wird das Haus heute hauptsächlich von der Universität genutzt.

(Quelle: Müller, Nr. 58 - S 71)


Cantor, Moritz (Benedikt), Mathematikhistoriker, * Mannheim 23. 8. 1829, + Heidelberg 10. 4. 1920; Prof. in Heidelberg (1863-1913); war der erste Prof. für Gesch. der mathemat. Wissenschaften; seine »Vorlesungen über Gesch. der Mathematik« (4 Bde., 1880-1908) waren die erste umfassende Darstellung seines Faches.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 4, 299 )

H k80p-jolly.jpg Philipp Jolly

Jolly, Philipp (Johannes Gustav) von, Physiker, * Mannheim 26.9. 1809, + München 24.12. 1884, Bruder von [Julius J.]; Prof. in Heidelberg (1839 für Mathematik, 1846 für Physik) und (seit 1854) in München, wo er an der Reorganisation der bayerischen techn. Lehranstalten beteiligt war. J. ist v. a. als Experimentalphysiker (u.a. Messung der Fallbeschleunigung mithilfe von Präzisionswaagen) und als Instrumentenbauer bekannt geworden. Ein weiteres Arbeitsgebiet war die Osmose.

(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 11, 225 )