(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 18, 644 )
Das selbstbewußt-eigenwillig anmutende
Gebäude der Univesitätsbibliothek befindet
sich an der Stelle des früheren Schwarznonnenklosters
in unmittelbarer Nachbarschaft
zur Peterskirche (vgl. Nr. 7) und zum
Gebäude der Neuen Universität (vgl. Nr. 205).
Es handelt sich um eine große Vierflügelanlage
mit reich gegliederten Schaufronten in
rotem Sandstein um einen Innenhof.
Dabei steht der Südflügel mit seiner Fassade
im Stil der deutschen und französischen
Renaisance für den eher herkömmlichen Typ
einer Saalbibliothek.
Die Magazinflügel bestehen im Innern aus
einer Stahlkonstruktion. Nach Außen ist der
Rasterbau zusätzlich noch mit einer konventionellen
Sandsteinfassade verkleidet, die
jedoch erste Jugendstilelemente erkennen
läßt. Deutlich zeigt die Anlage den Übergang
von der Saal- zur Magazinbibliothek.
Besonders markant erscheinen der mächtige
runde, einst mit einem Kupferhelm bedeckte
Eckturm, der indessen nicht aus der Gebäudeflucht
heraustritt, wie die bewegte Dachsilhouette
mit nicht weniger als sechs unterschiedlichen
Turmspitzen.
Der Formenschmuck der Außenfassade setzt
sich auch beim Eingangsportal sowie im
Gebäudeinnern fort. Die Karlsruher Bildhauer
Hermann Volz, der auch das Bunsendenkmal
(heute vor dem Gebäude Hauptstraße 47-51)
schuf, und Hermann Binz
führen die figürlichen und ornamentalen
Arbeiten aus.
Die Universitätsbibliothek verwahrt Kostbarkeiten,
wie die im frühen 14. Jh. entstandene
Große Heidelberger Liederhandschrift, den
sogenannten ,,Codex Manesse'', und ist die
größte wissenschaftliche Bibliothek im Land
Baden-Württemberg.
Heute ist die Bibliothek mit einem Tiefmagazin
unter dem Hof der ,,Neuen Universität''
verbunden. Sie verfügt damit über eine Stellkapazität
von ca. drei Millionen Bänden.
(Quelle: Müller, Nr. 130 - S. 138)
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 4, 731 )
Es ist der erste Volksschulneubau im Stadtgebiet.
Mit Einführung der Simultanschule
wird das im ehemaligen Friesschen Garten bei
der Peterskirche errichtete Gebäude fortan
als ,,Neues Schulhaus'' bezeichnet.
Die Gestaltungselemente und die verwendeten
Materialien erinnern noch an den Romantischen
Klassizismus (abgetreppte Dreierfenster
im zweiten Obergeschoß). Das Gebäude
mit dem wuchtigen abgeschrägten Eckbauwerk
besitzt zwei getrennte Eingänge und
,,stattliche, geschmückte'' Treppenhäuser.
Hauptlehrer Roeck hebt bei den Einweihungsfeiern
hervor, wie ,,helle und licht, wie zweckmäßig und gesund''
die neuen Räume des imposanten dreigeschossigen Bauwerks sind.
Außer den ,,komfortabel'' ausgestatteten
Klassenräumen und dem Lehrerzimmer nimmt
das neue Schulhaus auch die Lehrerwohnungen
auf. In den 20er Jahren wird die
Schule nach Reichspräsident Friedrich Ebert
benannt.
(Quelle: Müller, Nr. 120 - S. 132)
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 23, 438 )
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 11, 145-146 )
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 3, 451 )
Weizsäcker, Viktor Freiherr von, Arzt, * Stuttgart 21.4. 1886, + Heidelberg 8.1. 1957, Bruder von [Ernst Freiherr von W.]; zunächst Internist, dann Neurologe, 1922 Prof. in Heidelberg, 1941 in Breslau und 1946 wiederum in Heidelberg. W. untersuchte u. a. die Abbaubedingungen und -formen der Sensibilität, des opt. Systems und der Motilität. Zur Beschäftigung mit Tiefenpsychologie und Psychoanalyse wurde er v. a. angeregt durch eine Begegnung mit S. FREUD (1926), durch die soziale Problematik einiger Neurosen sowie die Notwendigkeit, den Menschen »als Subjektx (d.h. als Individuum) i n die Pathologie einzuführen. W. befürwortete eine psychosomat. Medizin; er verstand Krankheit als eine patholog. Form der Selbstverwirklichung und als Teil der individuellen Lebensgeschichte. In seiner Lehre vom -> Gestaltkreis werden Seelisches und Körperliches in ihrer funktionalen Verschränkung beschrieben.
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 23, 716 )
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 3, 451-452 )
Die Ersterwähnung des ältesten erhaltenen
Gotteshauses der Altstadt geht zurück
auf das Jahr 1357. Der Vorgängerbau stammt
aus dem 12. Jh. Bis 1392 ist die Kirche -
ehemals Bergheimer Filialkirche, dann selbst
Pfarrkirche, schließlich Mutterkirche von
Heiliggeist - außerhalb der Stadtmauern gelegen.
Als Baumeister werden Steinmetz
Bernhart von Knittlingen (Kraichgau) und
Nikolaus Eseler angenommen.
1485-96 erfolgt der stätgotische Neubau mit
einer flachen Decke über stützenfreien
Raum. Es folgt der Anbau der Universitätskapelle
und die Entwicklung zur Universitätskirche
(Patronatsrecht - Abhaltung von Seminargottesdiensten).
Nach schweren Zerstörungen im Orléansschen
Krieg erfährt das Gotteshaus eine barocke
Umgestaltung, 1864-70 eine neugotische
Renovierung durch Kirchenbaumeister Ludwig
Franck-Marperger und dessen Nachfolger
Behaghel. In der Folge kommt es zum Umbau
zu einer dreischiffigen, gewölbten Hallenkirche
mit vier unterschiedlichen Seitenkapellen
im Langhaus. Die Verkleidung der
Turmspitze mit einem Kupferhut ist jüngeren
Datums (1963).
An den Innen- und Außenwänden finden
sich fast 150 Grabmale vor allem für kurfürstliche
Hofleute und Universitätsprofessoren
vom 16. bis zum frühen 20. Jh., darunter das des
Gründungsrektors der Universität.
(Quelle: Müller, Nr. 7 - S. 23)
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 14, 267 )
Pitiscus, Bartholomeo, Mathematiker und Theologe, * Grünberg i. Schlesien 24. 8. 1561, + Heidelberg 2. 7. 1613; wirkte als Hofkaplan (1594 Oberhofprediger) in Heidelberg. P. wurde mit seinem einflussreichen Werk »Trigonometria: sive de solutione triangulorum tractatus brevis et perspicuus« (1595) zum Begründer der systemat. ebenen Trigonometrie. Der »Thesaurus mathematicus« (1613) verbesserte die trigonometr. Tafeln des G. J. RHETICUS.
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 17, 192 )
Nachdem das Vereinslokal des bereits
1810 gegründeten Corps Suevia im ,,Eisenhardt'schen
Keller'' sich zunehmend als
zu klein erweist, ersteht in nur zweijähriger
Bauzeit an gleicher Stelle und nach den Plänen
des Mannheimer Architekten Rudolf Tilessen
das neue Corpshaus.
Zur Talseite zeigt sich eine reich dekorierte
Schaufassade in Rotsandstein mit geschwungenem
Giebel und großen Saalfenstern,
beiderseits flankiert von großen Korbbogenloggien.
Neobarocke Gestaltungselemente
überlagern sich mit Jugendstildetails. In der
Diele hängt ein Ölporträt des ehemaligen
Corpsbruders Hanns Martin Schleyer, des 1977
entführten und ermordeten Arbeitgeberpräsidenten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg richteten die
amerikanischen Militärbehörden in dem
Corpshaus für einige Jahre eine Synagoge ein
(als Ersatz für die 1938 in der Großen
Mantelgasse 1 zerstörte).
(Quelle: Müller, Nr. 135 - S. 141)
Schleyer. Hanns-Martin, Industriemanager, * Oftenburg 1. 5. 1915, + (ermordet aufgefunden in Mülhausen) 18. 10. 1977; Vorstands-Mitgl. der Daimler-Benz AG, seit Dezember 1973 Präs, der Bundesvereinigung der Dt. Arbeitgeberverbände e.V., seit Januar 1977 Präs, des Bundesverbandes der Dt. Industrie e.V.; wurde am 5. 9. 1977 von Mitgl. der Rote-Armee-fraktion (RAF) entführt.
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 19, 363 )
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 19, 396 )
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 15, 55 )
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 19, 372 )
Als letztes Bauwerk der Jesuiten entsteht das
schloßähnliche Wohn- und Unterrichtsgebäude des Ordens.
Es handelt sich um eine große dreigeschossige
Flügelanlage um einen Ehrenhof. Der Cour de Honneur ist durch
eine Mauer und ein Eingangsbauwerk von der Straße
abgetrennt. Mit der Aufhebung des Ordens (1773) beginnt für
das Carolinum eine wechselvolle Geschichte. 1826-43 nimmt es
die von Pforzheim nach Heidelberg verlegte Irrenanstalt auf.
1844-76, d.h. bis zu ihrem Umzug nach Bergheim, befindet sich
hier das Akademische Krankenhaus. Das Militär nutzt das
Gebäude seit 1881 als Kaserne.
Nach dem Zweiten Weltkrieg regt der erste
Nachkriegsrektor Professor Karl Heinrich Bauer die
Einrichtung eines Internats für Studenten aller Fakultäten
an. Die Bezeichnung Collegium Academicum überdauert, auch
wenn das Gebäude bereits seit 1978 die
Zentrale Universitätsverwaltung beherbergt.
(Quelle: Müller, Nr. 83 - S. 86)
In der Nähe des Amtsgefängnisses (vgl. Nr. 99)
baut Ludwig Lendorff fast zeitgleich das
Gerichtsgebäude. Der palastartige Sandsteinbau
ist ursprünglich nur dreigeschossig.
In den beiden unteren Geschossen befinden
sich die Gerichtsräume, im zweiten Obergeschoß -
durch ein separates Treppenhaus am östlichen Flurende
(nicht mehr vorhanden) erschlossen - Dienstwohnungen.
Der mit Heinrich Hübsch abgestimmte Entwurf
zeigt deutlich den von Hübsch propagierten
Rundbogenstil. Beteiligt am Entwurf ist
ebenfalls Friedrich Theodor Fischer (bekannt
durch das von ihm entworfene Hauptgebäude
des Polytechnikums in Karlsruhe).
Eine Mischung von Gestaltungselementen der Romanik
(Rundbogenfenster) und der italienischen Renaissance
(Eckpilaster, Friese, Gesimse) zeigt den Weg vom
Historismus auf.
1899 und 1905 erweitert, wird das Mezzaningeschoß 1953 aufgestockt.
Heute ist es Institutsgebäude der Universität
(Quelle: Müller, Nr. 100 - S. 106)
Für 12-14jährige Schüler bauen die Jesuiten
ein Gymnasium, die sogenannte ,,Schola
Inferiores''.
In vielen Details (Doppeleingang, Kapitelle,
Gewände) gleicht das schlichte Gebäude der
Alten Universität (vgl. Nr. 73). Im Mittelteil
liegen die Klassenzimmer an den Enden der
Säle und im zweiten Obergeschoß ein
Theatersaal.
1822 wird das Gebäude unter Johann Andreas
von Traitteur umgebaut. Über dem Erdgeschoß
entsteht ein Mezzaningeschoß mit
halbkreisförmigen Lünettenfenstern. Die
großen Räume werden in kleinere Wohnräume unterteilt.
1845 wird das steile, barocke Dach wegen
Einsturzgefahr zugunsten einer wesentlich
flacheren Konstruktion entfernt.
1827 bis 1905 ist hier die Universitätsbibliothek
(vgl. Nr.130) untergebracht.
Heute befinden sich darin das Philosophische
und das Slavistische Seminar der Universität.
(Quelle: Müller, Nr. 82 - S 85)
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 11, 642-643 )
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 8, 97 )
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 17, 609 )
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 22, 32 )
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 15, 328 )
In den 20er Jahren bemüht sich die Universität,
das Raumangebot um den Ludwigsplatz
(heute Universitätsplatz) zu verbessern.
Mehrere Umbauprojekte scheitern an den
fehlenden Mitteln, bis der amerikanische Botschafter
in Berlin - ein ehemaliger Heidelberger
Student - Jacob Gould Schurman eine
finanzielle Spende amerikanischer Bürger in
Aussicht stellt. Die Mittel sind jedoch an
einen Neubau - ,,University Hall'' - gebunden.
Nach einem Architektenwettbewerb erhält
der Danziger Architekt Profssor Karl Gruber
den Auftrag für einen Neubau. An der
Südseite des Platzes muß das von Friedrich
Arnold 1828 errichtete Gebäude der
Museumsgesellschaft weichen. Der Entwurf
sieht einen Gebäudekomplex vor, der sich
um einen Innenhof entwickelt. Im Hauptgebäude
auf der Nordseite befinden sich mehrere
Hörsäle und die große Aula im Obergeschoß,
im West- und Südflügel weitere
Hörsäle und Institutsflächen. Beide Flügel
umschließen den mittelalterlichen ,,Hexenturm''
(vgl. Nr. 11). Von Professor Karl
Albiger ist die ,,Athena'' über dem Hauptportal
mit der Inschrift ,,Dem lebendigen Geist''
von Professor Friedrich Gundolf. Unter
dem Nationalsozialismus wird die ,,Athena''
1939-1945 durch einen Adler ersetzt mit der
Inschrift ,,Dem Deutschen Geist''.
Gruber entschließt sich für eine ,,zeitgemäße
und sachliche Architektur, aber nicht im
Sinne der Moderne''. Geschickt sind seine
Anspielungen auf mittelalterliche Bauformen
wie bei den hohen schmalen Fenstern des
Hauptbaus, der Flachdecke über der Aula und
beim mächtigen Dachüberstand.
Zusammen mit dem Gebäude der Alten Universität
(vgl. Nr. 73) und dem Triplexkomplex
(vgl. Nr. 258) entsteht hier das eigentliche
Zentrum der Universität. Das Kunstwerk
,,Die Waage des Cusanus'' im Innenhof über
dem Tiefmagazin der Universitätsbibliothek
ist von Michael Witlatschil (1995).
(Quelle: Müller, Nr. 205 - S. 196)
Das alte Hauptgebäude der Universität -
Domus Wilhelmina nach Kurfürst Johann Wilhelm,
auf den die Anregung zum Bau zurückgeht -
steht an der Stelle eines Vorgängerbaus
aus dem 16. Jh. (Collegium Casimirianum,
1588-91). Diesem voran geht wiederum
das 1396 gestiftete Dionysianum, eine Armenburse
(Burse = gemeinschaftliche Wohnung
mehrerer Studenten unter Aufsicht eines
Magisters; modern ausgedrückt ein Studentenheim)
für mittellose Studierende.
Der barocke, eher schlichte gehaltene Winkelbau
mit seinem kleinen über dem Westflügel
plazierten Uhrturm begrenzt mit seinen
Fassaden die beiden Platzflächen. Daß sich
hinter einem Teil der Fassade im ersten und
zweiten Obergeschoß die zweigeschossige
Aula befindet, ist der regelmäßig geteilten
Lochfassade nicht anzusehen.
1786 stattet Johann Andreas Traitteur die
beiden Bibliothekssäle (EG-Westflügel) im
Louis-Seize-Stil aus. Im heutigen Senatssaal
ist die einzige noch erhaltene Stuckdecke
aus dem 18. Jh. zu sehen.
Zur 500-Jahr-Feier der Universität im Jahr
1886 gestaltet der Architekt Professor Josef
Durm die zweigeschossige Aula im Stil der
Neorenaissance um. Wände und Decken sind
phantasievoll mit Holzverkleidungen dekoriert.
Den Höhepunkt der Innenarchitektur
bildet die Aulastirnwand mit der Marmorbüste
des Großherzogs Friedrich I. von Baden von
Friedrich Moest und das Lünettenbild ,,Einzug
der Pallas Athene in die Stadt Ruprechts I.''
von Ferdinand Keller. Neben diesen repräsentativen
Räumlichkeiten beherbergt das
Gebäude das Rektorat der Universität.
Unter der barocken Treppenanlage sind noch
die alten Karzerräume des 18. Jh.s vorhanden.
Sie werden Ende des Jh.s in das Nachbargebäude
Augustinergasse 2 (vgl. Nr. 74)
verlegt.
Seit 1996 beherbergt das Erdgeschoß das neu
eingerichtete Museum der Universität.
(Quelle: Müller, Nr. 73 - S. 80)
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 7, 715 )
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 7, 347 )
Das einfache Barockhaus des Sattlermeisters Ernst Coblitz entwickelt sich 1784 zunächst zum Pedellenhaus (Dienstwohnung des Universitätshausmeisters) und nach und nach zum Karzergebäude der Univesität. 1823 wird das Dachgeschoß durch Anheben des Satteldachs von der Straßenseite ausgebaut. Hierin befinden sich fünf Diziplinarkarzerräume, eine Kammer für den Hausknecht und der sogenannte ,,Thronsaal'' (Klosett). Eine Besonderheit stellt die Bemalung der Wände und Decken durch die Insassen dar. Mit Kerzenruß sind die Silhouetten der Köpfe, Namen und de Haftdauer aufgetragen
(Quelle: Müller, Nr. 74 - S. 81)
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 9, 604 )
Das Haus des Universitätsbuchhändlers Lörinck
am Platz vor der Jesuitenkirche besitzt
ursprünglich vermutlich offene Eckarkaden
für eine Ladennutzung im Erdgeschoß.
Im 19. Jh. erfolgt der Umbau des Mansardgeschosses
zu einem vollwertigen zweiten
Obergeschoß.
Die barocke Madonnengruppe in einer
überwölbten Ecknische wird Peter van den
Branden zugeschrieben. Sie zeigt Maria
zum Siege, mit dem Christuskind bei der Vernichtung
des Bösen mittels einer Kreuzlanze.
Blickpunkt auf der Seite der Schulgasse ist das
Eingangsportal mit Segmentgiebel und
profiliertem Ohrengewände.
Heute nutzt die Juristische Fakultät der Universität
das Haus als Institutsgebäude.
(Quelle: Müller, Nr. 55 - S. 69)
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 14, 481 )
Die Jesuiten errichten mit ihrer barocken
Kirche das katholische Pendant zu der von
den Reformierten genutzten mittelalterlichen
Heiliggeistkirche. Im Zentrum des
Jesuitenviertels liegt sie mit 65m Länge und
30 m Breite an der Längsseite des unmittelbar
angrenzenden Jesuitenkollegs (vgl. Nr. 81).
Die Kirche ist dem Heiligen Geist und dem
Ordengründer Ignatius von Loyola geweiht.
Eine Besonderheit ist die barocke, dreischiffige,
auf die Spätgotik verweisende
Hallenkonstruktion ohne Empore. Interessant
ist auch der Bezug auf die Gotik beim Maßwerk
der großen Fenster.
In einem ersten Bauabschnitt entstehen von
1712-23 der Chorbereich und ein Teil des
Langhauses. Die Fertigstellung insbesondere
der charakteristischen Hauptfassade nach dem
römischen Vorbild ,,Il Gesu'' (Mutterkirche
der Jesuiten) erfolgt von 1749-59. Dagegen
wird der Turm erst zwischen 1866 und
1872 von dem erzbischöflichen Baumeister
Friedrich Federle vollendet.
Der Figurenschmuck der Nordfassade ist der
Werkstatt Paul Egells zuzuschreiben. Die
Hauptfiguren sind: Über den Seitenportalen
links Ignatius von Loyola, rechts der hl.
Franz Xaver, in der Giebelmitte Christus mit
Weltkugel und Kreuz, auf der Giebelspitze
und auf beiden Seiten der Scheinfassade die
Darstellung der Kardinalstugenden Glauben
(oben), Liebe (links) und Hoffnung(rechts).
Im Innern finden sich drei Hauptgemälde aus
der Zeit der Umgestaltung von 1870/72.
So das Hochaltargemälde ,,Ausgießung des
Heiligen Geistes'' von Professor Andreas
Müller, im östlichen Seitenschiff über dem
Marienaltar das Bild ,,Himmelfahrt'' von
Professor Ferdinand Keller und im westlichen
Seitenschiff über dem Josephsaltar das Werk
,,Joseph mit dem Jesuskind''. Außerdem
beherbergt die Kirche heute ein Museum für
sakrale Kunst und Liturgie.
(Quelle: Müller, Nr. 80 - S. 84)
Kurfürst Johann Wilhelm ermöglicht den
Jesuiten 1703 die Gründung und den Bau
eines Kollegiums.
Das drei-, ehemals vierflügelige, kasernenartige
Kollegiengebäude umschließt mit der
Kirche (vgl. Nr. 80) den 1976 wieder hergestellten
,,Klostergarten''. Die Räume sind
zur Gartenseite, die Flure zur Straßenseite hin
orientiert (einbündig). Den Haupteingang
am Merianplatz schmückt ein barockes Portal
mit dem Wappen des Kurfürsten, der mehr
oder minder einzige herausragende Schmuck
eines sonst eher durch seine Abmessungen
imponierenden Bauwerks. Die beiden Heiligen
Ignatius und Franz Xaver verehren die
Heilige Dreifaltigkeit (Christus, die Taube des
Heiligen Geistes und Gottvater). Im Gefolge
der Auflösung des Jesuitenordens (1773) wird
das Gebäude durch Militär und nach einem
Umbau (1835) auch als Schule (Helmholtzgymnasium)
genutzt. Heute ist es Institutsgebäude
(Neuphilologische Fakultät) der
Universität.
(Quelle: Müller, Nr. 81 - S. 85)
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 20, 719 )
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 16, 254 )
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 24, 635-636 )
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 12, 24 )
Bereits auf einer Ansicht Walpergens aus dem
Jahr 1663 ist auf dem Kornmarkt ein Brunnen
abgebildet.
Der Platz in seinem heutigen Zuschnitt entsteht
nach 1693. Hier setzt 1718 die Gegenreformation
mit der Aufstellung der Kornmarktmadonna
ein Zeichen. Eine von Englein
getragene Wolkenpyramide trägt eine goldene
Erdkugel mit der Muttergottes und dem
Jesusknaben. Er tötet mit der Kreuzlanze
die zu Füßen lauernde Drachenschlange. Die
Inschrift lautet ,,Noch Stein, noch Bild, noch
Säulen hier, das Kind und Mutter ehren wir''.
Es handelt sich nicht allein um ein Monument
der Marienverehrung (,,Maria vom Siege''),
sondern zugleich um eine Provokation gegenüber
den Protestanten.
Im 19. Jh. wird die Brunnenanlage wiederholt
umgestaltet. Das ursprünglich oktogonale
Becken wird dabei durch vier Muschelbecken
ersetzt. Erst aus diesem Jh. ist das getreppte
Podest mit Kettenpfosten.
(Quelle: Müller, Nr. 72 - S. 79)
Die Kernanlage entsteht Anfang des 18. Jh.s.
Vier Flügel mit einem großen Walmdach
umschließen eine fast quadratischen Innenhof
mit Brunnen. 1839 baut es der französische
Graf - und Retter der Schloßruine -
Charles de Graimberg zu seinem Wohnhaus
und zum Museum seiner Altertümersammlung
um. Die nach seinen Tod durch die
Stadt erworbene Sammlung bildet später den
Grundstock des Kurpfälzischen Museums.
Ungewöhnlich ist das gotisierende Maßwerk
in den Balkongeländern und in den Rundbogenöffnungen
(mit goldener Inschrift) im
Erdgeschoß aus der Zeit der Romantik.
Hier eröffnet 1911 Charles' Enkelin Maria von
Graimberg die erste Katholische Soziale
Frauenschule im Deutschen Reich, in der über
1.000 angehende Sozialarbeiterinnen ihre
Ausbildung absolvieren.
Seit 1978 ist das Palais Dienstsitz städtischer
Baudezernenten und Ersten Bürgermeisters
der Stadt.
(Quelle: Müller, Nr. 56 - S. 70)
Im Rahmen der ersten Sanierungsmaßnahmen
in der Altstadt wird dieses multifunktionale
Gebäude an einer besonders kritischen Stelle
errichtet. Es ist in erster Linie Parkhaus mit
ca. 280 Stellplätzen. Daneben beinhaltet es
die Talstation der Bergbahn, ein Restaurant,
Läden und ein kleines Hotel im Dachgeschoßbereich.
Es bleibt der einzige Versuch, in der Altstadt
den ruhenden Verkehr in einem oberirdischen
Parkhaus unterzubringen. Die Hangsituation
ermöglicht die Einfahrt ins Parkhaus auf halber
Höhe. Die Architekten reagieren auf die
Altstadtsituation mit einer differentzierten
Baukörper- und Dachgestaltung sowie kleinteiligen
Waschbetonfassadenplatten im Bereich
der Parkgeschosse. Ohne historisierende
und angepaßte Gestaltungselemente fügt
sich das Bauwerk in die Altstadtsituation ein.
Besonders gelungen ist dies beim Blick vom
Schloß auf die Dachlandschaft.
(Quelle: Müller, Nr. 257 - S. 242)
Mit dem Bau des Adelspalastes wird unter Carl
Philipp Freiherr von Hundheim begonnen.
Baumeister ist der Darmstädter Hofarchitekt
Louis Remy de la Fosse. Doch schon während
der Bauphase folgen mehrere Eigentümerwechsel.
Wie bei dem gegenüberliegenden Palais
Boisserée handelt es sich um ein langgestrecktes,
zweigeschossiges Zeilenhaus, das 1843
klassizistisch umgestaltet wird. Auf der Südseite
bilden die abgerückten Nebengebäude
mit Freitreppe zum Garten und dem Hauptbaukörper
eine Hofsituation. Zum Karlsplatz
hin markiert ein Rundbogenrisalit die mittige
Eingangssituation. Über eine dreiläufige
Treppenanlage gelangt man in die Bel Etage.
Hier befinden sich drei Appartements.
Die beiden wichtigsten auf der Hofseite sind
durch einen Saal miteinander verbunden,
während das Appartement der Dame auf der
östlichen Platzseite liegt. Damit befinden
sich die repräsentativen Räume auf der rückwärtigen
Seite und nicht - wie zunächst
vielleicht vermutet - hinter den Balkonfenster
der Bel Etage. Auch die Treppe ist direkt an
die Lochfassade rechts vom Eingang herangerückt.
Stukkaturen sind aus der Erbauungszeit
im Treppenhaus und insbesondere im
südlichen Saal vorhanden. Aus der Werkstatt
von Joseph Anton Pozzi sind die klassizistischen
Stuckarbeiten in den Haupträumen auf
der Platzseite.
Seit 1767 ist hier die kurpfälzische Landschreiberei
untergebracht. Mit dem Übergang
an Baden wird der stattliche zweigeschossige
Putzbau als Wohnhaus für die Studienaufenthalte
der großherzoglichen Söhne
hergerichtet. Auch wird die Fassade klassizistisch
umgearbeitet.
Seit den 20er Jahren dieses Jh.s hat hier die
Akademie der Wissenschaften ihren Sitz.
In der Platzmitte befindet sich der 1978 von
Michael Schoenholtz errichtete Sebastian-Münster-Brunnen.
(Quelle: Müller,
Nr. 69 - S. 77)
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 15, 673-674 )
Das zu Anfang des 18. Jh.s erbaute Haus
bewohnen ab etwa 1770 der Medizinprofessor
Franz Innozenz Gabriel Schoemezel und ab
1785 der Medizinprofessor Franz Anton Mai.
Dessen Schwiegersohn, Peter Anton von
Verschaffelt, läßt das Haus 1785-90 umbauen
und vor allem innen völlig neu ausgestalten.
Es ist ein Beispiel für ein typisches, noch dazu
in Heidelberg am besten erhaltenes, barockes
Bürgerhaus des 18. Jh.s.
Auf der Gartenseite bilden zwei Flügel einen
Hofraum. Von da erschließt eine gerundete
Sandsteintreppe die terrassierte Gartenanlage.
Zwischen 1821 und 1867 wohnt hier der
Badische Liberale und Strafrechtler Carl Joseph
Anton Mittermaier. Er wird 1838 zum Ehrenbürger
der Stadt Heidelberg ernannt und
gehört 1848/49 dem sogenannten ,,Vorparlament''
(als Präsident) und der Deutschen
Nationalversammlung in Frankfurt an.
(Quelle: Müller, Nr. 64 - S. 74)
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 15, 242 )
Das Palais mit der Kanzlei des kurpfälzischen
Hofkammerpräsidenten Franz von Sickingen
markiert mit dem gegenüberliegenden
Großherzoglichen Palais die Mitte des Karlsplatzes.
Beim Bau werden auch Steine des gesprengten
Dicken Turms der Schloßanlage verwendet.
Das Anwesen dient als Wohnhaus und Kanzleigebäude.
Daher erklärt sich der einbündige
Grundriß, d.h. der Flur entlang der Nordseite
mit Treppenhaus erschließt die zum Platz
hin orientierten Räume.
Im Erdgeschoß beginden sich Büros, Küche
und die Zimmer der Bediensteten. Die Wohnräume
liegen auf der Bel Etage. 1810-19
beherbergt das Haus die Wohnung und Kunstsammlung
der aus Maastricht stammenden
Brüder Sulpiz und Melchior Boisserée. Für ihre
Sammlung altdeutscher und niederländischer
Gemälde, die letztlich den Grundstock
der Alten Pinakothek in München bilden
wird, interessiert sich auch Johann Wolfgang
von Goethe während zweier Heidelbergaufenthalte
(1814/15).
Nach Erwerb des Palais durch den badischen
Staat 1826 erfolgt die Umgestaltung der Fassade,
wie sie auch heute noch zu sehen ist.
In der barocken ,,Originalfassung'' liegen
zwischen den Fenstern vom Sockel bis zum
Traufgesims die Vertikale betonende
Putzstreifen. Oval aufgebrachte Putzflächen
füllen die Fensterbrüstungen des ersten
Obergeschosses. Verändert werden ebenfalls
die Portalzone und der Balkon des Mittelrisalits.
So entsteht insgesamt ein klassizistisches
Erscheinungsbild im Stil etwa der
Weinbrennerbauten in Karlsruhe.
Seit dem Umbau durch die Badische Landesregierung
wird es als Verwaltungsgebäude
genutzt, 1923 als Sitz des Landratsamts und
von 1933-37 von der Polizeidirektion.
Heute befindet sich in dem Gebäude das
Germanistische Seminar der Universität.
(Quelle: Müller, Nr. 68 - S. 76)
Boisserée, Sulpiz, Kunstgelehrter und Kunstsammler, * Köln 2. 8. 1783, + Bonn 2. 5. 1854; setzte sich gemeinsam mit seinem Bruder MELCHIOR (* 1786, + 1851) für die Vollendung des Kölner Doms ein. Ihre bedeutende Sammlung dt. und niederländ. Malerei des MA. wurde 1827 von König LUDWIG I. von Bayern für die Alte Pinakothek in München erworben. Die von B. hinterlassenen Tagebücher sind aufschlussreich für die Geschichte der dt. Romantik und die Goetheforschung.
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 3, 523 )
Ein Lokal an dieser Stelle läßt sich bereits
für das 17. Jh. nachweisen. Nach 1700 entsteht
der Gasthof nicht etwa - wie zu
erwarten wäre - als traufständiges Barockhaus,
sondern mit der für die Zeit untypisch reich
dekorierten Spitzgiebelfassade. Diese fällt an
den Ortgangprofilen besonders ins Auge.
Seit 1884 ist es auch Corpslokal.
Im Sepp'l-Zimmer sind die Wappenritter von
fünf Heidelberger Corps in Glasfenstern dargestellt.
Der Name des Lokals geht zurück auf den
damaligen Besitzer Josef (Sepp'l) Ditteney.
Heute ist das Gasthaus eine Touristenattraktion,
das bekannteste Heidelberger Studentenlokal
überhaupt.
(Quelle: Müller, Nr. 41 - S. 62)
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 8, 669 )
Bauherr ist der Hofgerichtsrat und Mathematikprofessor
Friedrich Gerhard von Lünenschloß.
Ein kompakter, rechteckiger Grundriß
und das gewalmte Mansarddach lassen
das Gebäude trotz seiner Anbauten als Solitär
erscheinen. Möglicherweise ist der hohe
Sockel auf die Kellerkonstruktion eines Vorgängerbaus
zurückzuführen. Auf beiden
Seiten des Mittelflurs liegen zwei Treppenläufe,
die sich im Obergeschoß auf dem Ausgangspodest
zum Südbalkon vereinen.
Zwischen 1770 und 1784 erlebt das Palais
eine einschneidende Umgestaltung im Louis-Seize-Stil.
Außen verändern sich die doppelte
Freitreppe und die Portalumrahmung.
Ab 1889 ist das Haus im Besitz des Juristen
und Universitätsprofessors Heinrich Buhl,
der es 1907 der Universität schenkt. Seitdem
dient es als Gästehaus, in dem auch Konzerte
und Theateraufführungen stattfinden.
1986 wird die Bel Etage im Stil des ausgehenden
18. Jh. restauriert.
(Quelle: Müller, Nr. 61 - S. 72)
Der Stadtkommandant General Johann Hermann von Freudenberg-Mariotte läßt sich ab 1714 dieses Stadtpalais als Dreiflügelanlage mit Mansarddach und Cour d'Honneur bauen. Zur Hofseite (Ehrenhof) zeigt sich ein mächtiger Mittelrisalit mit dem Eingangsportal. Ansonsten handelt es sich um einen eher schlichten Bau, weitgehend ohne dekorative Elemente. Später geht das kurzzeitig auch als Kattunmanufaktur genutzte Anwesen in den Besitz des Prinzen von Sachsen-Weimar über. Von ihm erhält das Gebäude seinen Namen. Auf der Neckarseite stützt eine Schwibbogenkonstruktion die große Gartenterrasse. Die Arkadenanlage nimmt das Motiv der Scheffelterrasse des Hortus Palatinus wieder auf. 1921 begründet hier der neue Eigentümer Mineralogieprofessor Victor Goldschmidt die ,,Josefine und Eduard von Portheim-Stiftung für Wissenschaft und Kunst''. Heute beherbergt das Palais das Völkerkundemuseum der von Portheim-Stiftung.
(Quelle: Müller, Nr. 60 - S. 72)
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 11, 308 )
Drais, Karl (Friedrich), Freiherr von Sauerbronn Erfinder, * Karlsruhe 29.4. 1785, + ebd. 10. 12. 185l; 1810-18 Forstmeister in Gengenbach; entwickelte 1813 einen vierrädrigen Wagen mit Fußkurbelantrieb (»Fahrmaschine«) und erfand 1817 die -> Draisine sowie 1820 eine »Schnellschreibmaschine« mit 16 Tasten.
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 5, 666 )
Chulalongkorn, als Rama V. König von Siam (1868- 1910), * Bangkok 20.9.1853, + ebd. 23. 10. 1910; gehört mit seinem Vater MONGKUT (RAMA IV., 1851-68) und seinem Sohn WACHIRAWUT (RAMA VI., 1910-25) zu den bedeutendsten Herrschern der Chakridynastie. C., der 1873 gekrönt wurde, gab seinem Land wichtige Modernisierungsimpulse (Post 1883, Bahnbau 1892, Reform der Rechtsprechung), hob die Sklaverei auf und richtete eine moderne Staatsverwaltung ein. Durch Gebietsabtretungen (an Frankreich 1907 Battambang und Siemreap, an Großbritannien 1909 die malaischen Sultanate Perlis, Kedah, Kelantan und Trengganu) konnte er Thailand vor der europ Kolonialherrschaft bewahren.
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 4, 568 )
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 23, 631 )
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 17, 490 )
Zwischen Mönchgasse, Neckar und der
heutigen Heiliggeiststraße befinden sich vor
der Zerstörung von 1693 die Mühle und
der Mönchhof der Zisterzienser aus Schönau.
An dieser Stelle baut die Pflege Schönau
ihr zweistöckiges Verwaltungsgebäude für
die Kirchenratskanzlei bereits mit klassizistischen
Gestaltungselementen. Typisch für die
Zeit des Übergangs ist die Ausbildung des
Giebels mit dem Girlandenmotiv (Zopfstil) am
hervorgehobenen Mittelteil.
Von 1890-1907 wohnt hier der Stadtpfarrer
der Heiliggeistkirche und Dichter Adolf
Schmitthenner sowie ab 1915 dessen Nachfolger
und - aufgrund seines beispielhaften
Eintretens gegen das NS-Regime - Ehrenbürger
der Stadt Hermann Maas.
(Quelle: Müller, Nr. 87 - S. 98)
1710 erhält das Haus des kurpfälzischen
Leibarztes und Hofapothekers Caspar Daniel
Nebel seine heutige Form.
An dem breiten, schlicht gestalteten Bürgerpalais
fallen vor allem die beiden Eingangsportale
mit den gesprengten Giebeln ü,ber
den Oberlichtern und die gußeisernen Gitterkörbe
an den Erdgeschoßfenstern ins Auge.
Über dem rechten Portal erkennt man das
Wappen des Hofapothekers Nebel. Es stammt
vermutlich von dem Vorgängerbau am
Marktplatz (vgl. Nr. 48).
(Quelle: Müller, Nr. 57 - S. 70)
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 8, 721 )
Schleiermacher, Friedrich (Daniel Ernst), ev.
Theologe und Philosoph, * Breslau 21.11. 1768, + Berlin
12.2. 1834. Aus reformiertem Elternhaus, wurde S.
in seiner Bildung intensiv von der Tradition des Pietismus
der Herrnhuter Brüdergemeine geprägt. Nach
dem Studium der Philosophie, Theologie und der
alten Sprachen (1787-89) in Halle (Saale) zunächst
als Hauslehrer (1790-93) und Hilfsprediger (1794-96)
tätig, wurde er 1796 Prediger an der Berliner
Charité.
In engem Kontakt mit den Romantikern um K. W. F.
SCHLEGEL entstand hier 1799 anonym sein
religiös-philosoph. Frühwerk »Über die Religion. Reden
an die
Gebildeten unter ihren Verächtern«. Seit 1802
Hofprediger in Stolp und 1804 als außerordentl. Prof.
für
Theologie und Universitätsprediger nach Halle
(Saale) berufen, arbeitete er nach der Schließung der
dortigen Univ. politisch engagiert in Berlin (seit
1807); dort wirkte er mit W. VON HUMBOLDT an der
Vorbereitung der Univ.-Gründung mit und wurde
1809 Pfarrer der Dreifaltigkeitskirche, 1810 Prof. an
der neuen Univ. sowie 1811 Mitgl. der Preuß. Akademie
der Wissenschaften.
Die weit reichende Beachtung, die S. bereits von seinen
Zeitgenossen zuteil wurde, gründete nicht zuletzt in
der Universalität seines umfangreichen Werkes: Er galt
als hervorragender Prediger, war Verfasser von
Predigtsammlungen und theolog. Schriften sowie
Übersetzer der Schriften PLATONS und befasste sich mit
der philosoph. Ethik, mit Fragen der Hermeneutik, der
Ästhetik und Pädagogik.
...
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 19, 345 )
Günderode, Günderrode, Karoline von, Dichterin, * Karlsruhe 11. 2. 1780, + Winkel (heute zu Oestrich-Winkel) 26. 7. 1806; lebte als Stiftsdame in Frankfurt am Main; war befreundet mit BETTINA VON ARNIM und C. BRENTANO, veröffentlichte unter dem Pseud. Tian romantisch-schwermütige »Gedichte und Phantasien« (1804) und»Poet. Fragmente« (1805). Ihre unglückl. Liebe zu G. F. CREUZER trieb sie zum Selbstmord.
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 9, 290 )
Nach der Zerstörung der Stadt wird dieses Fachwerkhaus auf einem mittelalterlichen Kellergeschoß mit Kreuzgratgewölben und einem massiv gemauerten Erdgeschoß 1698/99 wiedererrichtet. Steinmetzzeichen auf der massiven Sandstein-Wendeltreppe weisen auf das 15. oder 16. Jh. Die Erdgeschoßfenster werden um die Jahrhundertwende zu Schaufenstern vergrößert. Dagegen erinnert das Zwerchhaus über der durchlaufenden Traufe noch an den mittelalterlichen Giebeltyp. Original sind außerdem das typische barocke Gewände der Eingangstür mit vergittertem Oberlicht sowie mehrere barocke Türen und Fenstergewände im ersten Stock. 1988 erfolgt eine grundlegende Sanierung und Modernisierung, wobei das überputzte Holzfachwerk der Obergeschosse wieder freigelegt wird. Das Wohnhaus besitzt heute eine Wohnfläche von 217qm.
(Quelle: Müller, Nr. 43 - S. 63)
Bei dem Heidelberger Rathaus handelt es sich
um einen mehrfach umgebauten und erweiterten
Gebäudekomplex, also zumindest entstehungsgeschichtlich
um keinen homogenen Baukörper.
An der Stelle eines 1689 zerstörten
Vorgängerbaus entsteht der barocke Kernbau,
der am heutigen Mittelteil der Marktplatzfassade
noch zu erkennen ist. Der abgerundete
Zwerchhausgiebel mag an die Herkunft
des Architekten aus einer Lütticher Künstlerfamilie
erinnern. Die fast zeitgleiche bauliche
Ausführung mit dem in Wien errichteten
Gartenpalais Liechtenstein deutet zugleich
Einflüsse des Wiener ,,Stararchitekten'' Domenico
Martinelli an - zumal dieser sich 1699
in Heidelberg aufhält. Von dem ungarischen
Bildhauer Heinrich Charrasky stammt das
heute durch eine Kopie ersetzte kurpfälzische
Allianzwappen über der Balkontüre. Der
Heidelberger Schlossermeister Thomas Pfeterle
fertigt das schmiedeeiserne Balkongeländer,
möglicherweise nach einem Entwurf von
Franz Wilhelm Rabaliatti.
Hermann Lender erweitert das Rathaus um den,
gegenüber Flemals Mitteltrakt in seinen Dimensionen
monströsen, Nordflügel 1886-90.
Erhalten ist im zweiten Obergeschoß der Rathaussaal
im Stil der Neorenaissance. Ihn zieren
Ausmalungen des Münchner Historienmalers
Wilhelm Lindenschmit und Glasfenster des
Karlsruher Kunstgewerbeschuldirektors Professor
Karl Hofacker mit Motiven aus der pfälzischen
Geschichte. Im Gefolge des Rathausbrands von
1908 geht aus einem nationalen Architektenwettbewerb
Willy Graf aus Stuttgart als Sieger
hervor. Die Stadt beauftragt indessen Franz-Sales
Kuhn mit der neobarocken Erweiterung
zum Marktplatz und zur Hauptstraße hin.
Die Bauarbeiten dauern bis Mitte der 20er Jahre
an. Von Kuhn ist auch das neobarocke Foyer
mit Treppenhaus und das Trauzimmer mit ovaler
Kuppeldecke und roten Marmorsäulen. Der
kleine festliche Raum zeigt eine Mischung aus
Gestaltungselementen des Historismus, des
Jugendstils und des Neoklassizismus.
1959-61 erweitert der Leiter des städtischen
Hochbauamts Heinrich Liedvogel das Rathaus
entlang der Hauptstraße und abgewinkelt
zur Mönchgasse (Südflügel) hin. Aus dieser Zeit
stammt ebenfalls das Dachtürmchen mit dem
Glockenspiel auf dem Westgiebel.
(Quelle: Müller, Nr. 70 - S. 78)
Feuerbach, Ludwig (Andreas), Philosoph, * Landshut 28. 7. 1804, + auf dem Rechenberg bei Nürnberg 13.9. 1872, Sohn von [Paul Johann Anselm Ritter von F.]; ab 1822 Studium der Theologie, 1825 Philosophiestudium bei G. W. F. HEGEL. 1828 Privatdozent in Erlangen; aufgrund von Anfeindungen von theolog. Seite gab er die Bemühungen um eine akadem. Laufbahn auf. Ab 1836 lebte er auf Schloss Bruckberg bei Ansbach. 1848/49 hielt er auf Einladung von Studenten in Heidelberg Vorlesungen über das Wesen der Religion. Ab 1860 lebte er auf dem Rechenberg in bescheidensten Vermögensverhältnissen. F. entwickelte seine sich aus seiner Anthropologie ergebende Theologiekritik zunächst negativ in Auseinandersetzung mit dem endgeschichtl. Anspruch der hegelschen Philosophie. Seine Kritik betrifft HEGELS Konzept des »absoluten Geistes«, seine intellektualist. und monolog. Einseitigkeit und seine Vernachlässigung der Sinnlichkeit des Menschen. F. begründete seine Anthropologie in dem dialog. Verhältnis von »Ich und Du«, das er als »Liebe« definierte. Aus ihr und der dabei gemachten sinnl. Erfahrung resultieren Sinn und Objektivität. - Mit seiner Theologiekritik befindet sich F. im Kontext linkshegelian. Argumentationen. Nur ist sein Ziel eine philosoph. Kritik der Theologie überhaupt und soll zu einer Anthropologisierung der Religion führen. - Seine gegen die philosoph. Tradition gerichtete »neue Philosophie« sollte den Menschen als leibl. Sinnenwesen und auf andere Menschen bezogenes Gattungswesen zum Gegenstand haben. In seinem Hauptwerk »Das Wesen des Christentums« (1841) begreift F. Gott als Projektion des menschl. Vollkommenheitsstrebens, bes. im Hinblick auf Unsterblichkeit, wobei sich in Wahrheit echte Unsterblichkeit nur in den eigenen Leistungen der menschl. Gattung manifestiere. F.s Anthropologie wurde insbesondere für den frühen K. MARX und für F. ENGELS bedeutsam (u. a. F.s Begriff der Entfremdung).
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 7, 258 )
Mitten auf dem Marktplatz zwischen Heiliggeistkirche
und Rathaus steht der Herkulesbrunnen.
Die Form der Brunnenschale bildet
ein Quadrat mit Viertelkreisen zwischen den
Ecken. Der Brunnenstock besteht aus einem
quadratischen Sockel und einer korinthischen
Säule mit vergoldetem Kapitell. Darauf ruht
eine Herkulesfigur mit Keule und Löwenfell,
die oft fälschlich als dem sogenannten Herkules
Farnese in Rom nachempfunden bezeichnet
wird. Schmiedeeiserne Gitter führen die
Wasserspeier aus den Löwenmäulern.
In der Zeit des Wiederaufbaus ist der Herkules
mit dem lebensspendenden Wasser auch
ein Sinnbild für die enorme Kraftanstrengung
der Bevölkerung.
Die originale Herkulesfigur befindeet sich
längst im Kurpfälzischen Museum. Auf dem
Marktplatz steht eine von Bildhauer Bergner
1953 geschaffene Kopie; eine noch ältere
von Bildhauer Georg Hess aus dem Jahr 1898
ist bereits früher ,,dahingegangen''.
(Quelle: Müller, Nr. 71 - S. 79)
Nach dem Willen von Kurfürst Johann Wilhelm
sollen die zerstörte Stadt und die Häuser
großzügig, als auch nach einheitlichem Muster
wieder aufgebaut werden. Dabei ist auch
an eine Begradigung der Altstadtstraßen
gedacht. Doch verhindern Stadtrat und Bürgerschaft
aus finanziellen Gründen den
kurfürstlichen Plan.
Zur Ausführung kommen so nur die Modellhäuser
auf der Nordseite des Marktplatzes.
Planer ist Johann Wilhelms Düsseldorfer Ober-Ingenieur
J. Flemal.
Entwickelt werden Häuser mit einheitlichen
Geschoß- und Traufhöhen. Trotzdem bleibt
innerhalb der Fassadenfläche genügend
Gestaltungsspielraum, um jeden Haus einen
eigenständigen Charakter zu verleihen.
Zum Teil sind es sehr tiefe Grundrisse mit langen
Erschließungsfluren zu den auf der
Rückseite liegenden Treppenhäusern. Das
Haus Nr. 7 verfügt über einen kleinen
Lichthof zur Belichtung der mittleren Wohnflächen.
Auffallend bei den Modellhäusern
ist die im Vergleich gute Bausubstanz. Die Begradigung
der Platzfront hat zur Folge, daß
das vorhandene mittelalterliche Kellergewölbe
von Haus Nr. 6 unter dem Marktplatz sich
fortsetzt. Ansatzweise zeigen diese Modellhäuser
eine Blockrandbebauung, wie sie in
vielen deutschen und französischen barocken
Städten auf Kosten mittelalterlicher Bausubstanz
realisiert wird.
(Quelle: Müller, Nr. 39 - S. 61)
Paulus, Heinrich Eberhard Gottlob, ev. Theologe, * Leonberg 1. 9. 1761, + Heidelberg 10. 8. 1851; zunächst Prof. der oriental. Sprachen (Jena 1789), dann der Theologie (Jena 1793; Würzburg 1803; Heidelberg 1811). P. verteidigte J. G. FICHTE im Atheismusstreit (1799) und bekämpfte F. W. J. SCHELLING. Seine angestrebte »Denkgläubigkeit« zeigte sich u. a. in einer konsequent rationalist. Erklärung der Wunder JESU.
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 16, 651 )
Auf der südlichen Marktplatzseite errichtet
Rischer auf einem langgestreckten mittelalterlichen
Grundriß 1701 einen der frühesten
Barockbauten in der Altstadt, die Kurfürstliche
Hofapotheke. Bereits 1403 wird hier eine
Apotheke erwähnt.
Den Eingang des repräsentativen Wohn- und
Geschäftshauses schmückt im Sprenggiebel
das allerdings erst unter Kurfürst Karl Theodor
geführte Allianzwappen. Über dem mit drei
Rundbogenöffnungen gegliederten Erdgeschoß
befinden sich zwei Wohngeschosse
und ein Mansarddach mit großem Zwerchhaus.
Typisch für Rischer sind die schwülstigen bzw.
opulent ausgeführten Sandsteindetails.
Unverkennbar ist die Absicht des Architekten,
mit der Hofapotheke ein Gegenstück zur
Renaissancefassade des Hotels zum Ritter
St. Georg (vgl. Nr. 36) zu schaffen.
(Quelle: Müller, Nr. 48 - S. 66)
1398 erfolgt durch Kurfürst Ruprecht III.
(1400-10 König Ruprecht I.) die Grundsteinlegung
zu einer spätgotschen Hallenkirche.
Zwei Vorgängerbauten an gleicher Stelle
sind erstmals 1239 erwähnt. Die Erhebung in
den Rang einer Kollegiatskirche nach Loslösung
von der Mutterkirche St. Peter datiert
auf das Jahr 1400. Baumeister sind der
einer angesehenen Heidelberger Familie entstammende
Arnold Rype (bis 1423) sowie
dessen Nachfolger Steinmetz Hans Marx
(bis 1426) und Steinmetzmeister Jörg
(bis 1439; Langhaus).
Die Vollendung des Hallenchors und die
Überführung des Kirchenschatzes vom Schloß
fallen in das Jahr 1400. 1441 datiert die
Fertigstellung des Langhauses. Kriegerische
Verwicklungen verzögern die Vollendung
des Turmes durch Lorenz Lechler (bis 1471
Nikolaus Eseler der Ältere) auf die Zeit
nach 1508. Anfangs des 18. Jh.s erhält das
Turmdach seine barocke Form.
Im Chor befindet sich die Grablege der
Kurfürsten von der Pfalz. Indessen entgeht
von insgesamt 54 Epitaphien allein die
Grabplatte des Kirchengründers den Zerstörungen
von 1693 (Brand und Verwüstung).
Die bis 1623 auf den Emporen aufgestellte
- damals reichste - Bibliothek Europas,
die ,,Bibliotheca Palatina'' wandert nach der
Eroberung Heidelbergs durch Tilly als
Kriegsbeute zu Maximilian von Bayern nach
München, der sie dem Papst in Rom zum Geschenk
macht.
1705 - 1936 teilt eine Scheidewand die simultan
genutzte Kirche. Der Chor ist den
Katholiken, das Landhaus den Protstanten
zugeordnet. Ab 1941 führt Otto Bartning
Umgestaltungen im Chor- und Altarbereich
durch. Ein neuer Hochaltar entsteht durch
Bildhauer Edzard Hobbing. Das Langhaus verfügt
über das ,,Physikfenster'' von Johannes
Schreiter und fünf 1998 neugestaltete
Fenster von Hella Santarossa.
(Quelle: Müller, Nr. 6 - S. 22)
Es handelt sich um einen der ersten Versuche
nach der Zerstörung von 1693, ein großzügiges
Giebelhaus über zwei mittelalterlichen
Hauseinheiten mit enger Fenstereinteilung
zu bauen.
Darin kommt der Wunsch nach größeren Wohnflächen
ebenso zum Ausdruck wie nach einem höheren Fensteranteil
als in den schmalen mittelalterlichen Hauseinheiten.
In Mode kommen nunmehr auch verputzte
Fachwerkkonstruktionen. Besonders charakteristisch
ist das Überschieben der Fachwerkstruktur
im Bereich des Geschoßwechsels
aus konstruktiven Gründen; einerseits zum
Schutz der Fassade (Abtropfkante) und andererseits,
um mehr Wohnfläche zu erzielen.
Das Erdgeschoß wird in der Folge mehrfach umgebaut.
(Quelle: Müller, Nr. 40 - S. 62)
Der Großmeister der Geistlichen Administration
Johannes Andrea Traitteur erwirbt das Anfang
des 18. Jh.s an der Stelle der ehemaligen
Stiftspfisterei errichtete Patrizierhaus und
baut es ab 1778 zu seinem Wohnhaus um.
Die wichtigsten äußeren Veränderungen sind
die abwechselnd runden und dreieckigen
Fensterverdachungen und die große Vase mit
Zopfgehänge über dem neuen Eingangsportal.
An der Ecke zum Heumarkt steht im ersten
Obergeschoß in einer Nische eine barocke
Hausmadonna mit Kind. Die Darstellung der
,,Maria vom Siege'', wie sie an mehreren
Heidelberger Patrizierhäusern zu sehen ist,
muß auch hier im Zusammenhang mit der
Gegenreformation gesehen werden.
(Quelle: Müller, Nr. 67 - S. 75)
Der hugenottische Tuchhändler Charles Bélier
errichtet 1592 sein Wohn- und Geschäftshaus
auf einem bereits vorhandenen Erdgeschoß.
Namengebend ist die über dem Giebel
angebrachte Ritterfigur.
Deutlich ist die Asymmetrie zu den Obergeschossen
zu erkennen. Der Baumeister dieses
reich verzierten Bürgerhauses der Spätrenaissance
ist nicht bekannt. Möglicherweise
aber bestehen Verbindungen zu den Meistern
des Braunschweiger Gewandhauss um
Hans Lampe und Balthasar Kircher.
Die Fassade ist horizontal wie vertikal stark
gegliedert; vor allem durch die beiden Erkerzonen
im ersten und zweiten Obergeschoß,
in denen sich die Hauptwohnräume befinden.
Im rechten Brüstungsfeld des zweiten
Obergeschosses sind der Bauherr und seine
Gattin dargestellt. Im darunterliegenden
Geschoß die Kinder des Ehepaares. Am untersten
Giebelgeschoß zeigen vier Medaillons
die fränkischen Könige Childebert, Theoderich,
Chilperich und Childerich.
Darüber hinaus zieren drei lateinische Inschriften
die Fassade: ,,Si Jehova non / aedificet domum /
Frustra laborant / aedificantes eam''
- Wenn der Herr nicht das Haus baut,
arbeiten umsonst, die daran bauen; ,,Persta
invicta Venus'' - Bleibe stets unbesiegt,
Schönheit! ,,Soli Deo Gloria'' - Gott allein
die Ehre.
Als eines der nur gering zerstörten Steinhäuser
wird es 1694 bis 1703 Interimsrathaus.
Seither ist es, wie bereits nach dem Dreißigjährigen
Krieg, wiederum Hotel und Gasthof.
(Quelle: Müller, Nr. 36 - S. 52)
Auf dem Gelände eines ehemaligen Tanz- und Kaufhauses errichtet der kurpfälzische Münzwart Anton Cajeth sein Wohnhaus. In der Fassadenmitte des reich gegliederten Zeilenhauses befindet sich das auf beiden Seiten mit Hermen verzierte Eingangsportal, das sich mit dem volutenumrahmten Obergeschoßfenster verbindet. Die Fassade wird begrenzt von den beiden Eckpilastern mit Band- und Blumenornamenten. Dem Regence-Stil zuzurechnen sind auch die Gußbaluster im Treppenhaus. Das Haus erinnert stark an Häuser, die Hofarchitekt Alessandro Galli da Bibiena in Mannheim baut, der sich damit auch hier als möglicher Architekt aufdrängt. Die Portalskulpturen verweisen dagegen auf die Umgebung des Hofbildhauers Paul Egell. Anfang des 19. Jh.s werden die Erdgeschoßfenster für eine Ladennutzung nach unten verlängert. Heute befinden sich in dem schmucken Barockhaus mit seinem Innenhof und den umlaufenden Galerien eine Buchhandlung und ein Museum.
(Quelle: Müller, Nr. 65 - S 74)
Als eines der größten Hotels seiner Zeit steht
der Holländer Hof beim Brückentor am
ehemaligen Stadteingang.
Die abgerundete Zwerchhausgiebel verweisen
auf die Rathausarchitektur (vgl. Nr. 70)
und auf das Haus zum Riesen (vgl. Nr. 52).
Doch verliert das Haus infolge der Errichtung
des ersten Bahnhofs im Westen der Stadt
nach 1840 seine zentrale Bedeutung.
1903 wird das Gebäude aufgestockt. Dabei
ist eine Anpassung an die gestalterischen
Vorgaben der Barockarchitektur unverkennbar.
Vorübergehend wird das Haus zu einem
,,Christlichen Hospiz'' und nach einer umfassenden
Renovierung (1977/78) erneut ein Hotel.
(Quelle: Müller, Nr. 53 - S. 68)
Jean Paul , eigtl. Johann Paul Friedrich Richter,
Schriftsteller, *Wunsiedel 21. 3. 1763, + Bayreuth 14.
11. 1825. Studierte nach entbehrungsreicher Jugend
Theologie und Philosophie in Leipzig, brach aus
finanziellen Gründen das Studium ab, wurde 1786
Hauslehrer auf Schloss Töpen bei Hof; 1790-94 leitete
er in Schwarzenbach eine Privatschule und lebte dann
bis zum Tod seiner Mutter in Hof, 1797 in Leipzig, auf
Veranlassung CHARLOTTE VON KALBs 1798-1800 in
Weimar, dort Freundschaft mit HERDER, während
GOETHE und SCHILLER ihm reserviert begegneten; 1800/01
hielt er sich in Berlin auf, heiratete CAROLINE MAYER (*
1777, + 1860), zog dann für zwei Jahre nach Meiningen,
für ein weiteres Jahr nach Coburg und nahm 1804 seinen
ständigen Wohnsitz in Bayreuth. Von 1808 an erhielt er
eine von K. T. VON DALBERG, dem Fürstprimas des
Rheinbundes, gewährte und später von Bayern
übernommene jährliche Pension.
J. P. begann sein Schriftsteller. Werk als Satiriker im Geist
der Aufklärung und des Rationalismus unter dem
Einfluss J. SWIFTs, A. POPEs und J.-J. ROUSSEAUs. In
der Erzählung »Leben des vergnügten Schulmeisterleins
Maria Wuz in Auenthal. Eine Art Idylle« (1793) nimmt er
die Idylle auf einer höheren Stufe die Thematik der Satire
wieder auf, zeigt die kleinbürgerl. Welt in ihrer
Beschränkung, den Rückzug in die Innerlichkeit. Das
Romanfragment »Die unsichtbare Loge. Eine
Biographie« (1793, 2 Bde.) begründete J. P.s eigentüml.
humorist. Erzählstil, in dem sich - in der Nachfolge L.
STERNEs und H. FIELDINGs - empfindsame Elemente mit
satir. Entlarvung der Wirklichkeit verbinden.
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 11, 154-155 )
Busch, Wilhelm, Maler, Zeichner und Dichter, * Wiedensahl (bei Stadthagen) 15. 4. 1832, + Mechtshausen (heute zu Seesen) 9.1. 1908; besuchte die Akademien in Düsseldorf, Antwerpen und München, zog sich dann nach seinem Geburtsort, 1898 nach Mechtshausen zurück. B. wurde mit seinen Bildgeschichten der volkstümlichste Humorist Dtl.s. Seine Wirkung liegt in der verblüffenden Einheit von witzig-simplen Knittelversreimen und pointiert-vereinfachender Konturzeichnung, beide von großer Charakterisierungskunst. B.s Bildgeschichten werden zur Satire, wenn es sich darum handelt, Selbstgerechtigkeit, Scheinmoral und falsche Frömmigkeit zu entlarven. Er schuf auch Gedankenlyrik und Prosa. Der Pessimismus in seinen Werken steht A. SCHOPENHAUERS Philosophie nahe. - Seine kleinformatigen Ölbilder waren zunächst von der niederländ. Malerei des 17. Jh. beeinflusst, ab 1887 malte er zunehmend expressiv mit lebhaftem Pinselduktus. - Nachlass (auch Ölgemälde) im W.-B.-Museum Hannover und im Geburtshaus in Wiedensahl.
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 4, 217 )
Die Neckarschule (Schola Nicrina) am Brückentor
ist die älteste Schule der Stadt. Sie wird
bereits vor dem Jahr 1425 als städtische Schule
für Bürgerkinder gegründet. Die Stadtansichten
von 1550 und 1620 zeigen den Vorgängerbau,
auf dessen Grundmauern es nach der
Zerstörung von 1693 zum Neuaufbau kommt.
1709 werden darin 12 Schüler unterrichtet.
Im Sockelgeschoß befindet sich asymmetrisch
das ,,Tränktor'' der alten Stadtbefestigung.
Die Mitte des barocken Wohnhauses betonen
der Balkon und das breite Zwerchhaus im
abgewalmten Mansarddach.
Nach anhaltenden Klagen über schlechte Disziplin
in der Anstalt und die Rohheit der
Schüler hebt der Kurfürst 1805 die Anstalt
auf. In der Folgezeit wohnt hier der Zeichenlehrer
der Universität Friedrich Rottmann, der
Vater des über Heidelberg hinaus bedeutenden
Malers Karl Rottmann. Nach mehreren
Umbauten wird es heute als Wohngebäude
genutzt.
(Quelle: Müller, Nr. 75 - S. 81)
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 18, 572 )
Rottmann, Carl Anton Joseph, Maler, * Handschuhsheim (heute zu Heidelberg) 11. 1. 1797, + München 7. 7. 1850, Sohn von [Friedrich R.]; ausgebildet u. a. von seinem Vater und an der Münchner Akad. Seine Landschaftsaquarelle und Ölstudien zeigen anfangs den Einfluss von G. A. WALLIS. Nach zwei Italienreisen (1826/27 und 1828/29) schuf R. 1830-34 im Auftrag LUDWIGS I. 29 Fresken mit ital. Landschaften in den Münchner Hofgartenarkaden (28 erhalten, heute im Münchner Residenzmuseum); in ihnen festigte sich sein Stil im Sinn der klassisch- heroischen Landschaft. Nach einer Griechenlandreise (1834/35) entstanden 23 griech. Landschaften in enkaust. Technik auf Schieferplatten (1838-50; München, Neue Pinakothek).
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 18, 571-572 )
Bereits im 13. Jh. steht hier die erste Brücke
über den Neckar. Sie wird 1288 durch
Hochwasser zerstört. Weitere sieben hölzerne
Brücken folgen, denen in der Regel durch
Eisgang ein vorzeitiges Ende beschieden ist,
ehe 1786-88 die steinerne, aus rotem
Sandstein zusammengefügte neunte Brücke
errichtet und zu einem Heidelberger Wahrzeichen wird.
Noch bis ins 19. Jh. bildet die Brücke einen
Hauptzugang zur Stadt.
Auf der Brücke stehen zwei Skulpturengruppen
von Konrad Linck aus Speyer. Eine
zeigt Kurfürst Karl Theodor mit den pfälzischen
Hauptflüssen Neckar, Rhein, Main und
Donau. Die andere zeigt Pallas Athene, der
allegorische Frauengestalten zu Füßen liegen,
verkörpernd Gerechtigkeit, Frömmigkeit,
Landbau und Handel. Charakteristisch sind die
zur Mitte hin größer werdenden Bogenöffnungen
und die Aussichtsbalkone in den Pfeilern.
Zwei schlanke Türme flankieren das Brückentor
stadtseitig und verweisen noch auf die
spätgotischen Vorläufer des Tors. Der westliche
Turm birgt drei niedrige Kerkerräume.
Im östlichen Turm ersteigt man über eine
Wendeltreppe eine über dem Tor gelegene
kleine Wohnung (nach dem Zweiten Weltkrieg
von dem Architekten Rudolf Steinbach
bewohnt).
Das mittelalterliche Brückentor wird 1788
umgestaltet. Dabei ersetzen barocke Turmhelme
die spitzen Kegeldächer.
Am 29. März 1945 wird die Alte Brücke in
einer bereits militärisch sinnlosen Aktion gesprengt.
Dank großem bürgerschaftlichen
Engagements erfolgt aber schon am 26. Juli
1947 ihre feierliche Wiedereröffnung.
(Quelle: Müller, Nr. 85 - S. 87)
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 11, 501 )
Bei dem Haus des Geheimen Finanzrats Georg Friedrich Fallenstein
handelt es sich um das traditionsreichste Professorenwohnhaus in Heidelberg.
Fallenstein bewohnt mit seiner Familie das Erd-und Obergeschoß.
Im zweiten Obergeschoß befindet sich die Wohnung des
Geschichtsprofessors Gottfried Gervinus, einer der ,,Göttinger Sieben''
und Abgeordneter des Frankfurter Paulskirchenparlaments.
Die herrschaftliche Villa am Berghang gegenüber Schloß und Altstadt
umgibt ursprünglich eine ca. 3.000qm große Parkanlage.
Der Architekt ist aus dem Kreis um Heinrich Hübsch und
Ludwig Lendorff zu vermuten. Darauf verweist das Arkadenmotiv
vor der Eingangs-und Balkonloggia. Dieses typische
Gestaltungselement des romantischen Klassizismus ist auch
am Gebäude der Alten Anatomie (vgl. Nr. 97), dem Haus
Bienenstraße 7 und am Haupteingang des Stadttheaters
(vgl. Nr. 101) zu erkennen. In der Bel Etage
im ersten Obergeschoß liegt der große Salon mit
vorgelagertem Balkon. Auf ihm entsteht 1851 das
Gemälde von Georg 0. E. Saal (siehe S. 92).
1910 beziehen der Enkel der Fallensteins, der Nationalökonom,
Jurist und Soziologe Max Weber mit Ehefrau Marianne
sowie der Religionshistoriker Ernst Troeltsch das Haus.
In den 20er Jahren, nach dem Tod Max Webers, ist es der Ort
der ,,Sonntagnachmittaggespräche'', an denen sich Marianne
und Alfred Weber mit berühmten Persönlichkeiten wie
Karl Jaspers, Gustav Radbruch, Karl Mannheim und
Ernst Bloch - um hier nur einige zu nennen - treffen.
Über allem steht der ,,lebendige, liberale Geist''
dieser Zeit.
Seit 1992 beherbergt das sogenannte Max-Weber-Haus
das Internationale Studienzentrum der Universität und
die Max-Weber-Gedächtnisstätte.
(Quelle: Müller, Nr. 98 - S. 105)
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 8, 420 )
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 23, 633 )
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 23, 633 )
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 10, 51 )
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 2, 317-318 )
Scheffel, (Joseph) Victor von (seit 1876), Schriftsteller, * Karlsruhe 16. 2. 1826, + ebd. 9. 4. 1886; studierte in München, Heidelberg und Berlin Jura, wurde 1848 Sekretär des bad. Bundesabgesandten K. T. WELCKER in Frankfurt am Main und 1850 Rechtspraktikant in Säckingen und Bruchsal, ging dann als Malerpoet nach Italien, kehrte 1853 nach Dtl. zurück und lebte v. a. am Bodensee, in München, wo er Verbindung zum Münchner Dichterkreis aufnahm und in Donaueschingen, wo er 1857 Archivar und Bibliothekar im Schloss wurde. - S.s Schriften sind gekennzeichnet durch freiheitl. Gesinnung, romant. Naturfreude und Vagantenlust; größter Beliebtheit beim Publikum, z.T. bis ins 20. Jh., erfreuten sich die Verserzählung »Der Trompeter von Säkkingen« (1854), der Roman »Ekkehard. Eine Gesch. aus dem 10. Jh.« (1855) sowie seine Studentenlieder, die launig auselassene, zuweilen auch rührselige Feuchtfröhlichkeft spiegeln (»Gaudeamus«, 1868). Von seiner Hand sind auch Skizzenbücher sowie fast 400 Zeichnungen und Aquarelle erhalten. Dem Andenken S.s und der S Forschung widmen sich v. a. der 1890 ins Leben gerufene »Österr. Scheffelbund« sowie der 1924 in Karlsruhe gegründete »Dt. Scheffelbund«.
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 19, 260 )
Lenard, Philipp, Physiker, * Preßburg 7. 6. 1862, + Messelhausen (heute zu Lauda-Königshofen) 20. 5. 1947; Schüler von H. HERTZ, Prof. in Breslau, Aachen und Heidelberg. L. schuf mit der durch die HERTZ angeregten Fensterröhre (L.-Fenster) erstmals die Möglichkeit, Kathodenstrahlen als freie Elektronen unabhängig von ihren Entstehungsbedingungen zu untersuchen. Er war führend an der Klärung der Natur dieser Strahlen beteiligt und wurde 1905 für seine Kathodenstrahluntersuchungen mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet. L. untersuchte u. a. die Wechselwirkungen zw. Elektronen und Licht (Photoeffekt, Phosphoreszenz) und schuf damit die experimentelle Grundlage für das von A. EINSTEIN aufgestellte photoelektr. Grundgesetz. Sein Dynamidenmodell ( -> Atommodell) war ein Vorläufer des rutherfordschen Kernmodells des Atoms. Von L. wurde das Elektronenvolt (eV) als Energiemaß in die Physik eingeführt. - Als Antisemit und Gegner der Relativitätstheorie verfasste L. später eine 4-bändige »Dt. Physik« als Gegenstück zur »jüd. Phvsik«.
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 13, 281 )
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 11, 621-622 )
Bei dem Eckhaus an der Dreikönigstraße / Untere
Straße handelt es sich um das Wohn- und
Geschäftshaus der aus Langenberg
bei Elberfeld stammenden Kaufherrenfamilie
Wilckenhausen.
Hier ist beispielhaft zu erkennen, wie sich
das mittelalterliche Giebelmotiv zu einem
fassadenbündigen Zwerchhaus reduziert.
Häuser dieses Fassadentyps sind in der
Heidelbrger Altstadt häufig zu finden. Von
besonderem Interesse ist gerade dieses
Haus, da sich zu beiden Straßenseiten hin
ein Zwerchhaus zeigt.
Auffällig ist ferner das reich verzierte und stark
profilierte Eingangsportal mit typisch barocken
Oberlicht. Es verweist wie gleichfalls die
Ausführung der Fenstergewände auf den
Architekten Johann Adam Breunig.
(Quelle: Müller, Nr. 42 - S. 63)
Es ist ein Kaufmann, der sich 1721 wohl
eines der schönsten barocken Bürgerhäuser
errichten läßt. Das schmale Eckhaus hat zur
Kettengasse hin eine weniger schmuckvolle,
zur Hauptstraße dagegen die eigentliche
Schaufassade mit insgesamt drei eng gestellten
Fensterachsen.
Einen Blickfang bildet in Höhe des ersten
Obergeschosses eine Muschelnische mit Hausmadonna
und Heilandsknäblein von Peter
van den Branden. Eine weitere Plastik, die
Heilige Dreifaltigkeit und die Inschrift
,,Wer Gott verdraut, hatt wohl gebaudt'' im
Hochrelief der Fensterbrüstung des zweiten
Obergeschosses lassen auf einen gläubigen
Bauherrn schließen.
(Quelle: Müller, Nr. 50 - S. 67)
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 10, 51 )
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 19, 513 )
Nach Genueser Vorbildern baut der Architekt
1711 an ungewöhnlicher Stelle sein
eigenes Wohnhaus im Stil eines italienischen
Palazzo in strenger, gleichwohl aber reich
geschmückter Fassadengliederung.
Die schmale Hauptfassade verfügt nur über
drei Fensterachsen. Auffallend ist, daß
das Erdgeschoß und das oberste, mezzaninähnliche
Geschoß besonders betont sind.
Alle Öffnungen sind von starken Profilen umrahmt.
Im zweiten Obergeschoß wachsen
die seitlichen Steinkonsolen an den Fenstern
und die dekorierten Stürze in das Traufgesims
hinein. An den einfacheren mittleren
Fenstern zieren Männerköpfe die Schlußsteine.
Im Innern befindet sich ein origineller Treppenhof.
Seit 1959 wird das Gebäude von der Akademisch-musischen
Studentenvereinigung
Stauffia als Wohnheim genutzt.
(Quelle: Müller, Nr. 49 - S. 66)
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 13, 281-282 )
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 2, 146-147 )
Brentano, Clemens, Dichter, * Ehrenbreitstein (heute zu
Koblenz) 9.9. 1778, + Aschaffenburg 28.7. 1842, Sohn
von [Maximiliane B.], Bruder von BETTINA VON ARNIM. B. ist neben
ACHIM VON ARNIM ein Hauptvertreter der jüngeren
Romantik. Er trat als Student in Jena mit dem Kreis
der Frühromantiker in Verbindung, lernte auch
WIELAND, HERDER und GOETHE kennen. Der
»verwilderte«, als lockere Brieffolge angelegte
Roman »Godwi oder Das steinerne Bild der Mutter«
(1800-01) ist ein Aufbegehren gegen bürgerl.
Moralkonventionen. Das Verhältnis zu der
Professorengattin SOPHIE MEREAU (die sich 1801
scheiden ließ und B. 1803 heiratete) galt den
Zeitgenossen als abschreckendes Beispiel freier
»romant.« Lebensweise. In Göttingen schloss B.
Freundschaft mit ARNIM, der 1811 seine Schwester
BETTINA heiratete. Mit ihm gab er 1805-08 in Heidelberg
die Sammlung »Des Knaben Wunderhorn. Alte
deutsche Lieder« mit Volks- und Kunstliedern, die
beide häufig selbst bearbeiteten, heraus. B trug auch
zu ARNIMs »Zeitung für Einsiedler« (als Buch:
»Trösteinsamkeit«, 1808) bei, schrieb Gedichte Märchen
und Erzählungen. Nach dem Tod SOPHIEs 1806 ging B.
eine neue, unglückl. Ehe mit der 16-jährigen AUGUSTE
BUSSMANN ein (1812 geschieden). Er wurde 1809 in Berlin
mit ARNIM, F. FOUQUE, H. VON KLEIST Mitgl. der
»Christlich-Teutschen Tischgesellschaft« B. lebte später
auf einem Familiengut in Böhmen, in Wien, Berlin,
Frankfurt am Main, München. Durch LUISE HENSEL,
mit der ihn eine unerfüllte Liebe verband, wandte er
sich 1817 dem kath. Mystizismus zu. 1819-24 weilte er
häufig am Krankenbett der stigmatisierten Nonne ANNA
KATHARINA EMMERICK in Dülmen (bei Münster), nach
ihrem Tod zeichnete er ihre Visionen auf (u. a. in »Das
bittere Leiden unseres Herrn Jesu Christi«, 1833).
B.s Bedeutung liegt in erster Linie in seinen
Erzählungen und Märchen sowie den Gedichten, die
häufig in diesen enthalten sind. Die Märchen sind
bewusst als Kunstmärchen angelegt, in denen sich - im
Gegensatz zu den Volksmärchen der Brüder GRIMM -
volkstüml. mit iron. und satir. Elementen verbinden.
Die frühen Gedichte sind vielfach geprägt von
Musikalität und Rhythmik (zahlr. Vertonungen), aber
auch bereits von artist. Formgebung. In einer
Schaffens- und Sprachkrise (seit 1811) verlor B. das
Vertrauen in das poet. Wort, danach entstanden v. a.
religiöse Lieder sowie - in der Spätzeit - Liebesgedichte
(an die Malerin EMILIE LINDER) und einige
hochartifizielle Gedichte, die auf die Moderne weisen.
Die religiösen Schriften wurden viel übersetzt und
waren als Andachtsliteratur verbreitet.
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 3, 704 )
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 22, 354 )
Das dreigeschossige Bank- und Wohnhaus
steht an der Stelle eines barocken Hauses,
das ursprünglich mit dem Mitteltor (Stadttor,
1827 abgebrochen) verbunden ist. Wie der
Vorgängerbau schließt man wieder an das Gebäude
der Alten Universität (vgl. Nr. 73) an.
Der dreiseitig freistehende Bau
verfügt über zwei
reich gestaltete Fassaden mit mit Stilelementen
der Spätrenaissance und des Manierismus.
Henkenhaf und Ebert bauten das Haus fast
gleichzeitig mit der Stadthalle (vgl. Nr. 129).
Zahlreiche Gestaltungsparallelen sind etwa an
den dreiteiligen Fensterelementen und an
den Giebeln erkennbar. Bemerkenswert ist ferner
der turmartige Erker mit Dachlaterne.
Der alte Eingang durch das Doppelportal auf
der Westseite ist heute nicht mehr möglich.
Über dem Publikums- und Kassenraum im
Erdgeschoß befinden sich die Buchhaltung,
im zweiten Obergeschoß Wohnungen.
Seit 1939 wird das Gebäude von der
Universität genutzt.
(Quelle: Müller, Nr. 128 - S. 136)
Das Gebäude des ehemaligen Gasthauses Pfälzer Hof mit dem abgewalmten Mansarddach hat noch die schmale hohe Form eines Giebelhauses. Die barocke Fassadengestaltung verweist jedoch auf die Rastatter Bauschule um Domenico Egidio Rossi. Interessant ist die Umrahmung des Fassadenfelds im ersten und zweiten Obergeschoß durch das mit Halbbalustern geschmückte Gesimsband über dem Erdgeschoß, den Eckpilastern und dem Gesims unter der Traufe, in das die oberen Fenstergewände gleichsam hineinwachsen. Die Fenster im ersten Obergeschoß sind mit Giebeln überspannt. Der rote Anstrich des Sandsteins betont zusätzlich die Umrahmungen.
(Quelle: Müller, Nr. 51 - S. 67)
Bauherr des Bürgerpalais ist der kurpfälzische
Hofgerichtsrat und Stadtschultheiß (allein
dem Kurfürsten verantwortlicher Beamter an
der Spitze der Stadt) Burkard Neukirch.
Das Giebelportal der Hofdurchfahrt (Mitte
18. Jh.) umrahmen toskanische Pilaster.
Auffallend sind die nach allen Seiten gekröpften
Fenstergewände und die Eisenbrüstungen
im Obergeschoß.
Unmittelbar an der Hofdurchfahrt beginnt
eine offene Treppe. Sie endet im ersten Obergeschoß
der Bel Etage in einem Vestibül.
Dort zeigt sich eine reiche Stuckdekoration mit
mehreren Supraporten, vermutlich aus der
Werkstatt von Joseph Anton Pozzi. Auch findet
sich im Obergeschoß ein - ganz im
Gegensatz zu seiner beschaulichen Größe -
aufwendig gestalteter WC-Raum.
Neben den Geschäften (Ladeneinbauten im
19. Jh.) im Erdgeschoß wird das Haus heute
hauptsächlich von der Universität genutzt.
(Quelle: Müller, Nr. 58 - S 71)
Cantor, Moritz (Benedikt), Mathematikhistoriker, * Mannheim 23. 8. 1829, + Heidelberg 10. 4. 1920; Prof. in Heidelberg (1863-1913); war der erste Prof. für Gesch. der mathemat. Wissenschaften; seine »Vorlesungen über Gesch. der Mathematik« (4 Bde., 1880-1908) waren die erste umfassende Darstellung seines Faches.
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 4, 299 )
(Quelle: Brockhaus - die Enzyklopädie (20. Aufl.), 11, 225 )