| MERKBLATT |
Zeckenstich, Lyme-Borreliose, FSME Dieter Hassler, Matthias Maiwald, Helmut Zappe |
Zuletzt durchgesehen im Juni 2001 |
| Zeckenstich | Schildzecken übertragen FSME und Lyme-Borreliose, ferner Q-Fieber, Ehrlichiose und Babesiose. Jahreszeitliche Maxima der Zeckenaktivität im Frühsommer und Herbst. Die Zecken befinden sich auf Gräsern und im Unterholz bis zu 1m Höhe und werden abgestreift. | ||
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Vorsorge
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a) Hilfreiche Maßnahmen: Bei milder Witterung Unterholz und hohes Gras meiden, geschlossene, helle Kleidung und festes Schuhwerk tragen, Hosenbeine in die Socken stecken; mit Repellent (z.B. Autan) Beine und Arme einreiben, bis 4 Std. wirksam. Nach Exposition gesamten Körper inspizieren. b) Entfernung der Zecke: dünne, feste Pinzette verwenden, die Zecke möglichst nahe der Stechwerkzeuge fassen und herausziehen. Geeignet ist auch ein spitz zulaufendes Skalpell, mit dessen Spitze man tangential zur Haut die Stechwerkzeuge unterfängt und seitlich heraushebelt. Der Zeckenleib sollte nicht gequetscht und nicht mit Öl o.ä. bedeckt werden, um eine verstärkte Absonderung des erregerhaltigen Speichels zu vermeiden. c) Lyme-Borreliose: Je früher die Zecke entfernt wird, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit einer Erregerübertragung (ab 12 h nach dem Stich). d) FSME: Impfung, wenn Endemiegebiet (s.u.). e) Impfschutz gegen Tetanus überprüfen. | ||
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| Lyme-Borreliose | Erreger: Borrelia burgdorferi sensu lato. Bis 30% der Zecken sind in Deutschland durchseucht, mit einigen 10.000 Erkrankungen pro Jahr ist zu rechnen. | ||
| Beschwerdebild |
Lokalinfektion "Stadium I" Tage bis Wochen |
a) Erythema migrans = ab
5. Tag um Stichstelle zentrifugal wanderndes Erythem b) Lymphadenosis cutis benigna = livider Tumor an Ohrläppchen, Mamille oder Skrotum |
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Generalisation "Stadium II" Wochen bis Monate |
a) Unspezifische Allgemeinsymptome b) Mono/Oligoarthritis rezidivierend c) Meningopolyneuritis (Bannwarth-Syndrom) d) Myo/Perikarditis (z.B. AV-Block) |
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Organmanifestation "Stadium III" Monate bis Jahre |
a) Chronisch-erosive Arthritis b) (Poly-)Neuropathie c) Enzephalopathie d) Acrodermatitis chronica atrophicans |
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Post-Lyme-Disease- Syndrom (?) |
Wechselnde Fibromyalgien, Paraesthesien, Cephalgien, Konzentrationsschwäche. | ||
| Überspringen der Stadien und jahrelange beschwerdefreie Latenz sind möglich. | |||
| Diagnostik | Suchtest (Elisa, IFT): IgM-, IgG-AK im Serum (Liquor, Gelenkspunktat), im Frühstadium unzuverlässig. Verlaufskontrollen mit gleichem Versuchsansatz. Bestätigungstest: Western-Blot. PCR in Ausnahmefällen. Histologie bei Hauterscheinungen. | ||
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Therapie- empfehlung |
Die Behandlung ist prinzipiell ambulant
möglich: Lokalinfektion: 200mg Doxycyclin, 3x 1g Amoxycillin oder 250mg Azithromycin für 3 Wochen. Kinder: Amoxycillin oder Azithromycin. Schwangere: Amoxicillin. Serologische u. klinische Kontrolle nach 3 u. 6 Monaten. Generalisation: 2x 3g Cefotaxim oder 1x 2-4g Ceftriaxon i.v. für 2-3 Wochen. Reserve: Doxycyclin 2-300mg i.v. (ggf. auch oral oder Azithromycin). Kontrolle wie oben, auf Symptomwechsel achten. Bei Rezidiv Wiederholung. Organmanifestation: wie Generalisation. Rezidiv: Wiederholung in höherer Dosierung (bis 2-3x 6 g Cefotaxim) oder gepulst (nicht validiert!), ggf. anschließend 2-300mg Doxycyclin oral für 2-3 Monate versuchsweise. Schwangerschaft: konsequente Therapie (kein Doxycyclin!). Cave: Herxheimer-artige Reaktion. Prophylaxe: Triamcinolon 80mg i.v. 1 h vor der 1. Infusion. Fortbestehende Beschwerden: Unzureichende Therapie? Nachhinkende Reparatur- prozesse? Irreversible Schäden? Reinfektion? Falsche Diagnose? Post- Lyme-Disease- Syndrom? |
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| Prophylaxe | In USA/Canada bereits 1. Impfstoff zugelassen. An einer Impfung für Europa wird gearbeitet. | ||
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| FSME | Erreger: FSME-(TBE)-Virus. In Endemiegebieten sind 0,1 bis 4% der Zecken durchseucht. In Deutschland (Baden-Württemberg, Bayern, Südhessen): ca. 150 Erkrankungen/Jahr. | ||
| Endemiegebiete | Südbaden (mittlere Lagen des Schwarzwalds, v.a. Raum Freiburg, Pforzheim, Tübingen), Bayern (mittlere Lagen des Bayerischen Waldes), Südhessen (Odenwald); Österreich, Schweiz, Balkanländer; Ungarn; Polen; Finnland; Skandinavien. In den neuen Bundesländern z.Z. sog. endemische Latenz. Endemiegebietskarten: z.B. Baxter oder örtl. Gesundheitsamt. | ||
| Klinik | Inkubation 1-2 Wochen. 70% abortive Verläufe.1. Erkrankungsphase (etwa 1 Woche): "Sommergrippe" (Fieber, unspezifische, grippale, gastrointestinale Beschwerden). Beschwerdefreies Intervall (etwa 1 Woche). Bis 10% 2. Erkrankungsphase: Fieber, Meningitis, Enzephalitis, Myelitis, Radikulitis. Selten Kinder unter 1 Jahr, bei älteren Menschen überwiegen schwerere Verläufe (Dauerschäden bis 10%, Letalität bis 1% der von der 2. Phase Betroffenen). - Lebenslange Immunität. | ||
| Diagnostik | IgM-, IgG-AK im Serum oder Liquor. | ||
| Therapie | Eine kausale Therapie existiert nicht. | ||
| Prophylaxe | Aktive Impfung nach individuell zu bestimmendem Risiko. Gefährdet sind vor allem Waldarbeiter und Wanderer in Endemiegebieten. Impfstoff z.B. Encepur ab 12. Lebensjahr, Auffrischung alle 3-5 Jahre. Passive Impfung: a) praeexpositionell 0,05 ml/kg Immunglobulin (z.B FSME-Bulin), Schutz bis 4 Wochen. b) postexpositionell 0,2 ml/kg Immunglobulin bis 96 Stunden nach Zeckenstich. Nicht unter 15 Jahren und nur bis 3 Tage nach Betreten eines Endemiegebiets, um Interferenz mit beginnender Infektion zu vermeiden. Schutzrate ca. 60%. | ||
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