Deutscher Baltistan-Förderkreis e.V.

Oberer Fauler Pelz 3, D-69117 Heidelberg
Telefon: +49 6221 2 24 32
Telefax: +49 6221 2 24 32

1. Vorsitzender: Dr. rer.nat. Dr. med. Helmut A. Zappe
2. Vorsitzender: Rudolf Lange
Schriftführer:   Regina Erbel-Zappe
Kassenwart:    Dr. phil. Olaf Stutzke


Weiter gefragt: Hilfe zur Selbsthilfe für Baltistan - Mitgliederversammlung des Förderkreises in Heidelberg zieht Bilanz - Medizinprojekte und Schulprogramme im Vordergrund - (Rhein-Neckar-Zeitung vom 10.09.1996 - Ingeborg Tzschaschel)

Baltistan, auch Klein-Tibet genannt, ist ein Land, das in Deutschland kaum bekannt ist. Es liegt am Oberlauf des Indus in der nördlichen Bergwelt Pakistans und ist im Süden begrenzt durch die westlichen Ausläufer des Himalaja, im Norden durch die Bergkette des Karakorum. Die erste Straßenverbindung wurde 1982 entlang des Indus fertiggestellt und ein Flughafen in der Nähe der Distrikthauptstadt Skardu wird seit 1987 bei gutem Wetter täglich einmal angeflogen.

Wenige Jahre nach der Öffnung Baltistans begann 1989 eine kleine Initiative mit ihrer Arbeit. Es waren die pakistanische Frauenärztin Dr. Nasima Frey-Rahman, ihr Mann Dr. Hans Frey und der Heidelberger Arzt Dr. Helmut Zappe, Leiter der Sektion Allgemeinmedizin der Universität Heidelberg. Sie fanden bei ihrem ersten Aufenthalt in Skardu eine völlig unzureichende medizinische Versorgung der Bevölkerung vor, die Gesundheitsfürsorge war insbesondere für die Frauen sehr schlecht.


Hans Frey, Nasima Frey-Rahman, Helmut Zappe

Aus dem anfangs privaten Engagement ist heute ein vielseitiges Projekt geworden. 1991 gründeten Nasima und Hans Frey in Islamabad, der Hauptstadt Pakistans, die Baltistan-Health-and-Education-Foundation, zwei Jahre später entstand in Heidelberg der Deutsche Baltistan-Förderkreis e.V. In diesen Tagen hielt der Verein seine Mitgliederversammlung ab. Nasima und Hans Frey waren aus Pakistan angereist und berichteten von den neuesten Entwicklungen.

Die Bilanz ist beeindruckend: Heute gibt es in Skardu ein Krankenhaus mit zehn Betten, mit einer Gebärhilfestation, einem Operationssaal, einem Anästhesie- und einem Ultraschallgerät, einem Labor und einer Apotheke. Eine Frauenärztin und ein Kinderarzt sind fest angestellt, ausgebildete Hebammen arbeiten dort. Skardu hat etwa 30 000 Einwohner und liegt im Einzugsbereich von 50 Bergsiedlungen mit weiteren 100 000 Einwohnern.

Wie Nasima Frey-Rahman betonte, werden vorwiegend Frauen und Kinder betreut. Für die Frauen in Baltistan ist das Leben hart. Sie müssen auf dem Feld arbeiten und bekommen in der Regel acht bis zehn Kinder. Die Mädchen werden bereits im Alter von 14 bis 16 Jahren verheiratet, sie können meistens weder lesen noch schreiben, denn sie dürfen nicht in die Schule gehen.

Die pakistanische Frauenärztin hob hervor, dass die Frauen in Baltistan heute nach dem vierten bis sechsten Kind auch an Familienplanung denken. 99 Prozent von ihnen sind schiitische Muslime. Die Religion erlaubt die Sterilisation, jedoch nicht die Abtreibung. Weil die Frauen und Kinder, die in entfernt liegenden Dörfern wohnen, kaum Gelegenheit haben, nach Skardu zu kommen, hat die Baltistan-Foundation in der Zwischenzeit zwei geländegängige Fahrzeuge anschaffen können, um sie vor Ort mit dem Nötigsten zu versorgen.

Wie überall in den unterversorgten Gegenden der Erde spielen Infektionskrankheiten eine große Rolle, besonders bei den Kindern. Den Ärzten zufolge sind bei den Baltis Atemwegsinfektionen häufig. Der schlechte Ernährungszustand der Bevölkerung, die mangelnde Hygiene und die harte Arbeit erkären möglicherweise die weite Verbreitung der Tuberkulose. Auch Asthma bronchiale ist oft anzutreffen. Rheuma, Bewegungs- und Gelenkschmerzen kommen ebenfalls häufig vor.

Neben dem Ziel, ein flächendeckendes Gesundheitssystem aufzubauen, hat sich die Baltistan-Foundation noch weitere Aufgaben gestellt. So setzt sich die Stiftung für einen Unterricht der Mädchen und jungen Frauen in Hygiene, Ernährung und familienplanung ein. Über dieses Programm hinaus lernen die Frauen zusätzlich lesen, schreiben und rechnen. Weiterhin werden ausgewählte Frauen in Skardu zu Geburtshelferinnen und Gemeindeschwestern ausgebildet. Nach der Rückkehr in ihre Dörfer sollen sie ihr Wissen anwenden und aus eigener Kraft die Lebensumstände dort verbessern.

Auch die Schulen werden von der Stiftung gefördert. Die allermeisten haben nicht einmal ein eigenes Gebäude, so dass die Kinder im Freien auf der Erde sitzen müssen. Kürzlich wurden die ersten 200 Schulbänke gespendet. Im Rahmen des Umweltprogrammes pflanzten Lehrer und Schüler Bäume, da der Bedarf an Brenn- und Bauholz groß ist. Damit wird der Raubbau an den natürlichen Ressourcen reduziert.

Nasima Frey-Rahman unterstrich, dass sich der anfängliche Widerstand mancher Behörden und Politiker in Zustimmung für das Projekt verwandelt habe. Es werde jetzt auch akzeptiert, dass die Patienten ein geringes Honorar für die Behandlung zahlen müssen. Hans Frey, Politologe und in Pakistan in der Entwickungshilfe tätig, wies darauf hin, wie wichtig ein gutes Management eines Projektes sei. Die Baltistan-Stiftung erhält Gelder unter anderem von Brot-für-die-Welt, der Welthungerhilfe, der pakistanischen Regierung und der Europäischen Union. Der Heidelberger Baltistan-Förderkreis spendete bisher für die Röntgenreihenuntersuchung und für Medikamente.

Die engagierte Frauen- und Narkoseärztin Nasima Frey-Rahman ist sicherlich noch einigen Heidelbergern bekannt. Nach ihrem Medizinistudium in England arbeitete sie längere Zeit im Krankenhaus Salem und im St. Josefskrankenhaus. Jetzt hat sie eine eigene Praxis in Islamabad und reist jeweils die letzte Woche eines Monats in den hohen Norden zu den Baltis, die ihr so am Herzen liegen.