Fragen zu Wörtern, Namen, Redewendungen

beantwortet von Jochen A. Bär

Die einzelnen Fragen und Antworten erscheinen in unsystematischer Reihenfolge; einen systematischen Zugriff ermöglicht der folgende Überblick:
 
Wörter Namen
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

Redewendungen
 
 
 
 
 
 
 
 

 


 


Frage: Woher kommt das Wort Gerücht? Hat es etwas mit riechen zu tun?

Antwort: Nein, es kommt von rufen, genauer gesagt vom mittelhochdeutschen gerüefte ›Rufen, Geschrei‹. Wie die Frühneuhochdeutsche Grammatik von Oskar Reichmann und Klaus-Peter Wegera ausführt, kann die Lautverbindung ft nach Vokal im Mittelfränkischen und Niederfränkischen seit dem 9. Jahrhundert als cht geschrieben werden. Bei einigen Wörtern hat sich diese Schreibung durchgesetzt. Beispiele sind echt (es kommt nicht von achten, sondern von mittelhochdeutsch êhaft ›richtig, rechtmäßig, gesetzmäßig‹; das mittelhochdeutsche Wort ê, neuhochdeutsch Ehe bedeutet ursprünglich so viel wie ›Recht, Gesetz, Vertrag‹), Nichte (von mittelhochdeutsch niftel), beschwichtigen (von mittelhochdeutsch swiften ›stillen‹) und das Seemannswort achtern ›hinten‹, das von After kommt. Und die holländischen Grachten sind eigentlich die Graften (›Gräben‹).
 

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Frage: Warum sagt man acht Tage, wenn man ›eine Woche‹ meint? Eine Woche hat doch nur sieben Tage?

Antwort: Die Formulierung acht Tage für ›eine Woche‹ lässt sich so erklären, dass derselbe Wochentag als Anfangs- und Endtag einer Woche gezählt wurde (man zählt also beispielsweise von Montag zu Montag, von Dienstag zu Dienstag usw.). Dieses Verfahren ist schon in der frühen Neuzeit (16. Jahrhundert) belegt. Davon – unlogischerweise – abweichend werden zwei Wochen als vierzehn Tage (= 2 x 7) bezeichnet, was sich allenfalls durch verschiedene Traditionen (möglicherweise landschaftliche) erklären lässt, die hier wirksam sind. – Die Angewohnheit, das Äquivalent des ersten Tages am Ende eines als zyklisch empfundenen Zeitabschnitts wieder mitzuzählen, ist übrigens auch in anderen Sprachen zu finden, z. B. im Französischen: quinze jours (= 15 Tage) ›zwei Wochen‹.
 

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Frage: Woher kommt der Ausdruck an Bord?

Antwort: Nach dem Etymologischen Wörterbuch des Deutschen von Wolfgang Pfeifer bedeutet das Wort Bord ursprünglich ein bestimmten Zwecken dienendes ›Brett‹ bzw. das aus Brettern Gefertigte. Im Deutschen gibt es 1. das Bord (›Wand-, Bücherbrett‹) und 2. der Bord (›Schiffsrand‹, offenbar von den oberen Seitenwänden des Schiffes; vgl. über Bord gehen). In einigen präpositionalen Fügungen (an Bord, von Bord) wird Bord 2 als Pars pro toto verwendet und bedeutet ›Schiff‹. Die Fügung an Bord ist seit dem 15. Jahrhundert bekannt; sie wird im 20. Jahrhundert von der Luftfahrt übernommen. Mittlerweile kann man sie sogar schon im Bahnwesen hören: "Wir heißen auch die zugestiegenen Fahrgäste an Bord des ICE herzlich willkommen." In Frankfurt a. M. gibt es einen S-Bahn-Fahrer, der seine Fahrgäste folgendermaßen begrüßt: "Guten Morgen, verehrte Fahrgäste, an Bord der Linie S 1 nach Wiesbaden Hauptbahnhof."
 

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Frage: Warum sagt man, jemand habe es faustdick hinter den Ohren, und warum kommen die Ohren überhaupt so oft in Redewendungen vor?

Antwort: Die Formulierung es faustdick hinter den Ohren haben geht auf eine Art volkstümliche "Schädellehre" zurück, wonach der Sinn der Verschlagenheit seinen Ort hinter den Ohren hat und dort desto größere Wülste hervorbringt, je stärker er entwickelt ist. – Eine einfache Erklärung für das häufige Vorkommen der Ohren in Redewendungen gibt es wohl nicht; zumindest sind die verschiedenen Wendungen zum Teil ganz unterschiedlich motiviert. Jemanden übers Ohr hauen kommt aus der Fechtersprache, wo der Schlag gegen das Ohr das Ziel einer bestimmten Finte war. Sich etwas hinter die Ohren schreiben erklärt sich durch einen alten Rechtsbrauch (im Südosten Deutschlands noch bis ins 18. Jahrhundert hinein üblich), wonach man bei Grenzbegehungen kleine Jungen "hinzuzog" (an den Ohren – daher die Formulierung einen Zeugen hinzuziehen!) und ihnen an entscheidenden Grenzpunkten "eins hinter die Ohren" gab, damit sie sich die Stelle ein Leben lang merkten. – Vielleicht werden die Ohren deshalb so oft thematisiert, weil sie dasjenige Organ sind, mit dem wir Sprache aufnehmen, und deshalb für die Kommunikation besonders wichtig sind.
 

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Frage: Was bedeutet das Wort Triskaidekaphobie?

Antwort: Das Wort kommt aus dem Griechischen; man spricht es »Tris-kai-deka-phobie«, und es bedeutet ›Angst vor der Dreizehn (als vermeintlicher Unglückszahl)‹.
 

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Frage: Wieso sagt man jemanden im Stich lassen?

Antwort: Diese seit dem Ende des 15. Jahrhunderts belegte Redensart ist, wie bei Lutz Röhrich im Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten nachzulesen, auf die verschiedenste Weise erklärt worden. Am ehesten kommt wohl eine Herleitung aus dem Turnierwesen, wobei, etwa im Massenturnier, ein Kämpfer die Gefährten verlässt, die nun "im Stich" des Feindes bleiben. Die Redensart ist allerdings wohl nicht unmittelbar aus dem ritterlichen Turnierwesen des Mittelalters in die Umgangssprache übergegangen, sondern wahrscheinlich aus den bürgerlichen Stechen, Kampfspielen, die in Nachahmung der ritterlichen Turniere im ausgehenden Mittelalter in den Städten abgehalten wurden. Es gab Gesellenstechen, Fischerstechen usw., bei denen es um einen Preis ging, so dass stechen die Bedeutung ›um einen Preis kämpfen, ringen‹ bekam. Noch heute nennt man einen Entscheidungskampf etwa beim Springreiten ein Stechen und einen Punktgewinn beim Kartenspiel einen Stich. Denkbar wäre daher auch, dass sich im Stich lassen ursprünglich auf die dem Gegner überlassene, von ihm übertrumpfte Spielkarte bezog. – Recht unwahrscheinlich ist die Herleitung der Redensart von der Biene, die ihren Stachel beim Stich in der Wunde zurücklässt, obgleich Luther sie in seiner Schrift Auf des Bocks zu Leipzig Antwort (1521) einmal in dieser Weise deutet: "wie eine tzornige bien das leben ym stich lassen".
 

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Frage: Was ist eine Josefsehe?

Antwort: Eine Ehe, in der die Partner auf Geschlechtsverkehr verzichten. Josef heiratete Maria, obwohl diese ein Kind erwartete, das nicht von ihm stammte, hatte aber keinen Geschlechtsverkehr mit ihr, bis sie ihren Sohn Jesus geboren hatte, den er adoptierte (vgl. Matth. 1, 18–25).
 

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Frage: Woher kommt das Wort Schäferstündchen?

Antwort: Es ist eine Lehnübersetzung aus dem französischen heure du berger, die im Deutschen seit 1711 belegt ist und wahrscheinlich auf die so genannte galante bukolische Dichtung oder Schäferdichtung im 17. und 18. Jahrhundert zurückgeht. Le berger kann im Französischen nicht nur ›Schäfer‹ heißen, sondern auch ›Abendstern (Planet Venus)‹ und ›Liebhaber‹. Das Schäferstündchen lässt sich inhaltlich fassen als ›tête-à-tête (und mehr) in der chambre separée (oder natürlich auch auf freiem Feld, im Wald oder sonst wo)‹.
 

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Frage: Ich interessiere mich für zwei Ortsnamen: Hat Darmstadt etwas mit dem Wort Darm zu tun? Und warum heißt München München?

Antwort: Wie fast immer kommt man hier nicht ohne Kenntnis historischer Urkunden aus. Zwischen dem 11. und dem 14. Jahrhundert hat sich der Name Darmstadt stark verändert. Im 14. Jahrhundert schrieb man ihn Darmestat, im 11. Jahrhundert hingegen Darmundestat. Die letztere Form zeigt, dass dem Ortsnamen ein männlicher Personenname, Darmund, zugrunde liegt. Darmstadt war ursprünglich die ,(Wohn)stätte des Darmund‘, und dieser Darmund mag ein Forstwart oder Wildhüter gewesen sein, da die Siedlung vermutlich aus einem Jagdhaus im frühmittelalterlichen Reichsforst Dreieich entstanden ist. – Zu München: Die Stadt wurde 1158 von Heinrich dem Löwen, damals Herzog von Sachsen und Bayern, gegründet, um dem regionalen Herrn, dem Bischof von Freising, mit einem Marktflecken Konkurrenz zu machen. (Die Vergabe von Marktrechten und der Handel selbst brachten dem Fürsten Steuereinnahmen.) Es scheint bereits vorher eine Siedlung existiert zu haben, die von Heinrich dem Löwen nur mit Stadtrechten versehen wurde, und diese Siedlung soll auf Grundbesitz des Klosters Schäftlarn gelegen haben. Man nannte sie daher die Siedlung „bei den Mönchen“: apud Munichen (1158) bzw. München (1310). Der Bericht vom Klostergelände findet sich allerdings erst 1533.
 

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Frage: Woher kommt die Redewendung jemanden nach Strich und Faden verprügeln?

Antwort: Nach Strich und Faden verprügeln bedeutet ›tüchtig, gründlich verprügeln‹. In der Wendung nach Strich und Faden steckt das Wort Strich im Sinne von ›(natürliche oder aus Gründen des Geschmacks absichtlich herbeigeführte) gleichmäßige Richtung mehrerer bei- und nebeneinander liegender Fäden, Fasern oder Haare, ihr Verlauf, ihre Lage‹. Bei einem Gewebe gibt es zwei verschiedene, sich kreuzende Fadenrichtungen (Kette und Einschlag). Hierauf bezieht sich offenbar die Wendung nach Strich und Faden: Wenn man den Fadenlauf eines Gewebe in beide Richtungen verfolgt, hat man es vollständig, gründlich untersucht.
 

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Frage: Wenn ich mit Herrn A. spreche, den ich sieze, und dabei über jemanden rede, den wir beide duzen (Fritz B.): Ist es korrekt, Herr B. oder Fritz zu sagen?

Antwort: Sobald beide Gesprächspartner eine Person duzen, ist es korrekt, den Vornamen zu gebrauchen, wenn über diese Person gesprochen wird. Von Herrn B. zu reden, würde unnatürlich wirken, auch dann, wenn beide Gesprächspartner untereinander "per Sie“ sind. – So weit, so einfach. Komplizierter wird es, wenn einer von beiden Gesprächspartnern Fritz B. siezt, während der andere ihn duzt. Hier würde nach alter Schule jeder der beiden von Herrn B. reden – der eine aus Höflichkeit gegenüber Fritz B., weil er sich den vertraulichen Gebrauch des Vornamens auch in Bezug auf den Abwesenden nicht anmaßen will, der andere hingegen aus Höflichkeit gegenüber seinem Gesprächspartner, weil er sich mit seinem vertraulicheren Verhältnis zu Fritz B. nicht brüsten möchte. – Heutzutage sieht man das vermutlich etwas lockerer, so dass es gemeinhin nicht als unhöflich gilt, wenn sich jeder der beiden Gesprächspartner der ihm "zustehenden“ Redeweise bedient – zumindest bei gleichgestellten Gesprächspartnern. Gegenüber einem Vorgesetzten (zumindest in einer steilen Hierarchie), der mit Fritz B. "per Sie“ ist, würde man wohl bis heute kaum von Fritz reden, wenn man selbst Fritz B. duzt. – Für alle Unsicherheiten gibt es im Übrigen eine recht gute "Kompromisslösung“: Wer statt von Fritz oder von Herrn B. von Fritz B. redet, kann auf jeden Fall nicht viel falsch machen.
 

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Frage: Woher kommt der Ausdruck Null-acht-fünfzehn?

Antwort: Null-acht-fünfzehn (›übliches Schema, veraltete Handlungsweise, sinnentleertes Herkommen, Durchschnittstrott‹) leitet sich von dem 1899 im deutschen Heer eingeführten Maxim-Maschinengewehr her, das in den Jahren 1908 ("08") und 1915 ("15") jeweils entscheidende Verbesserungen erfuhr. In diesem Sinne ist 08/15 seit etwa 1920 in der deutschen Umgangssprache geläufig; der Bedeutung ›Durchschnitt, Einerlei, Stumpfsinn‹ liegt wohl die ständig wiederholte Instruktion am Maschinengewehr zugrunde. – Populär wurde 08/15 seit etwa 1958 durch die gleichnamige Roman- und Filmtrilogie von Hans Hellmut Kirst (1954).
 

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Frage: Woher kommt das Wort Geschoss (im Sinne von ›Stockwerk‹)? Hat es etwas mit schießen zu tun?

Antwort: Ja, und zwar mit schießen in der Bedeutung ›emporwachsen‹, wie es beispielsweise auch in Schössling steckt. Man stellt sich dabei vor, dass das Gebäude von unten nach oben wie eine Pflanze abschnittweise wächst.
 

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Frage: Wann und wo ist Nazi als Bezeichnung für Anhänger Hitlers zuerst belegt?

Antwort: Im Illustrierten Lexikon der deutschen Umgangssprache von Heinz Küpper (Stuttgart 1984) steht – sinngemäß übereinstimmend auch mit dem Historical Dictionary of German Figurative Use von Keith Spalding (Oxford 1984) –: "Die Verkürzung 'Nazi' bezog sich 1903 auf die 'Nationalsozialen' unter Friedrich Naumann. Für den Nationalsozialisten erstmals (?) belegt bei Kurt Tucholsky 1923. Jedenfalls ist nicht NS-Propagandaminister Dr. Joseph Goebbels der Schöpfer" (S. 2021). – Die erste bekannte Verwendung des Wortes Nationalsozialist ist übrigens noch älter; Cornelia Berning (Vom „Abstammungsnachweis“ zum „Zuchtwart“. Vokabular des Nationalsozialismus, Berlin 1964, S. 138) weist sie 1887 im Deutschen Adelsblatt nach. Unter der Überschrift "Fürst Bismarck der erste Nationalsozialist" heißt es dort: "Der Staat ist ihm nicht nach dem heutigen Parteiwesen eine Summe von Einzelwillen, sondern der Gesamtwillen als Ausdruck des Nationalgeistes. Deshalb kennt er aber, wie nur Einen Gott, auch für die Gegenwart nur einen vernünftigen Parteibegriff, nämlich, so könnte man sagen, den Nationalsozialismus mit dem Einen Programm des christlichen Gebots der Gerechtigkeit und der Liebe. Den ersten Repräsentanten solcher Einheits-Nationalpartei hat man im Fürsten Bismarck zu erkennen." – Einige wenige Nazi-Belege für die Zeit nach 1945, meist Hinweise darauf, dass das Wort als Fremdwort im Englischen, auch im Französischen oder im Türkischen zu finden ist, bietet das Archiv der Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden. Eine Anfrage beim Institut für Zeitgeschichte in München brachte überhaupt keine Ergebnisse. – Eine vielleicht interessante Randbemerkung zur neueren Geschichte des Wortes im Ausland: In der Kölnischen Rundschau vom 18. 9. 1998 stand ein Artikel über deutsche Fremdwörter im US-Amerikanischen, der unter anderem folgenden Abschnitt enthielt: "Eine befremdliche Karriere hat [...] das Wort 'Nazi' gemacht. In den nördlichen US-Bundesstaaten versteht man darunter wertfrei jede Art von Fanatiker. Ein 'tobacco nazi' ist ein leidenschaftlicher Raucher, ein 'jazz nazi' ein Jazz-Fetischist."
 

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Frage: Woher kommt das Wort Kaventsmann?

Antwort: Das Wort Kaventsmann (›großer, dickleibiger Mann‹ bzw. überhaupt ›großes Stück, großer Gegenstand‹) lässt sich zurückführen auf den Konventsmann, einen Mönch, der im Konvent (einer kleinen klosterähnlichen Einrichtung) lebt. Mönche (überhaupt Kleriker) stellte man sich gemäß allgemeinen Klischees als wohlgenährte, dicke Männer vor. – Kaventsmann ist westdeutsch und seit dem 19. Jahrhundert belegt.
 

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Frage: Deutsche Sprache, schwere Sprache. Vor allem, wenn es um ähnliche Wörter geht. Was ist der Unterschied zwischen senden und schicken? Antwort: "Monsieur ist ein Gesandter", sagte Bismarck, "aber kein geschickter". Was ist der Unterschied zwischen Bänken und Banken? Antwort: Lieber bei diesen sein Geld hinterlegen als auf jenen. Was ist der Unterschied zwischen einem Informanten und einem Informanden? Antwort: Der erste liefert Informationen, der zweite soll welche erhalten. Was aber ist der Unterschied zwischen Informationstechnik und Informationstechnologie?

Antwort: Einem der großen Wörterbücher der deutschen Gegenwartssprache, dem zehnbändigen Duden zufolge befasst sich die Informationstechnik mit den Möglichkeiten zur Übermittlung und Verbreitung von Information durch die Technik (die Maßnahmen, Einrichtungen und Verfahren, die dazu dienen, die Erkenntnisse der Naturwissenschaften für den Menschen praktisch nutzbar zu machen). Informationstechnologie hingegen ist die Technologie (das technische Wissen, die Gesamtheit der technischen Kenntnisse, Fähigkeiten und Möglichkeiten) der Gewinnung, Speicherung und Verarbeitung von Informationen. Fragt man nach den Grundbestandteilen beider Wörter, so findet sich einerseits das lateinische Substantiv informatio (›Auskunft, Nachricht, Belehrung‹), das von einem Verb informare (›formen, gestalten, unterrichten‹) abgeleitet ist (darin wiederum steckt forma ›Form, Gestalt‹), andererseits das griechische Substantiv techne (›Handwerk, Kunst, Kunstfertigkeit‹). Beide Wörter, Informationstechnik und Informationstechnologie, sind Wortbildungen, deren identisches Bestimmungswort Information ist. Die Differenz liegt im Grundwort: In Technologie steckt zusätzlich das griechische logos (›Wort, Geist‹) bzw. logia (›Reflexion, Wissenschaft‹). Wenn also Technik die Kunst ist, Wissen umzusetzen, so ist Technologie die Lehre von der Technik, das Wissen von der Kunst, Wissen umzusetzen. Der Unterschied ist der von Tun und Nachdenken, Praxis und Theorie. – Der theoretische Unterschied. In der (sprachlichen) Praxis nämlich lässt er sich kaum noch finden. Spätestens seit den 60er Jahren wird Technologie – wohl unter dem Einfluss des englischen technology – zunehmend mit Technik gleichgesetzt. Der Mainzer Sprachwissenschaftler Peter A. Schmitt  führte dies 1987 auf eine qualitative Differenz der so genannten "neuen Technologien" zu den herkömmlichen Techniken zurück: Während letztere vor allem "Erweiterung der physischen Fähigkeiten des Menschen, also im Grunde 'Werkzeuge'" gewesen seien, würden mit den neuen Technologien "erstmals auch seine 'Denkzeuge' artifiziell projiziert und ersetzt", so Schmitt in der Zeitschrift Muttersprache. Sie seien damit "reflexiver Natur", und dieser Unterschied verwische die traditionelle Trennung zwischen Wissenschaft und Technik, Ingenieur und Techniker und eben auch zwischen den Begriffen Technologie und Technik.
 

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Frage: Woher kommt die doppelte Null als Kennzeichnung für das WC?

Antwort: Seit ungefähr 1900, als diese Kennzeichnung in Hotels zuerst aufkam, ist sie ein Hinweis darauf, dass der hinter der so bezeichneten Tür liegende Raum kein Zimmer ist. Das WC ist also das ›Zimmer Nummer Null‹, ein Raum, der im Raumverteilungsplan sozusagen nicht mitzählt.
 

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Frage: Von einem meiner Schüler hörte ich neulich das Wort Kafruus (mit Betonung auf dem langen u), offenbar ein Schimpfwort. Ist es Dialekt, und was bedeutet es?

Antwort: Kafrus(e) ist im südlichen Westmitteldeutschen, also im Südhessischen und (Kur)pfälzischen verbreitet. Man findet es in einigen großen Dialekt- und Mundartwörterbüchern, z. B. im Pfälzischen Wörterbuch, im Südhessischen Wörterbuch und – etwas lokalspezifischer – im Frankfurter Wörterbuch. Das Wort hat mehrere verschiedene Bedeutungen, die wohl auch von der jeweiligen Region abhängig sind, in der es verwendet wird. Hergeleitet wird es von rotwelsch Chawrusse oder Kabruse (›Diebsbande‹), das seinerseits auf jiddisch chawrusso (›Gesellschaft, Kameradschaft, Genossenschaft‹) zurückgeht. Diese letztere Bedeutung kann das Wort beispielsweise in der Frankfurter Mundart haben: Heut Owend kimmt die ganz Kafrus ›heute abend kommt die ganze Gesellschaft‹ (Frankf. Wb., S. 432). Deutlicher in Richtung ›Diebsbande, schlechte Gesellschaft‹ zielt es, wenn es beispielsweise redensartlich heißt: Mir mache kippe-kafrus ›wir teilen den Gewinn, die Beute‹, oder auch: In der Wirtschafd verkehrd e bäis Kafrusel ›in der Wirtschaft verkehrt eine böse Gesellschaft‹ (Südhess. Wb., Sp. 1037 f.). Hiervon abgeleitet scheint die Bedeutung ›lärmende Kinderschar, Rasselbande‹ (Südhess. Wb., Sp. 1037; Pfälz. Wb., S. 12). Das Wort kann auch im Singular vorkommen (der Kafrus); es meint dann einen kleinen Jungen oder Lausejungen (Pfälz. Wb., S. 12), einen gefährlichen, durchtriebenen Kerl, z. B. einen Einbrecher (Pfälz. Wb., S. 12; Südhess. Wb. Sp. 1038 – hier auch die Kafrus für eine durchtriebene Frau), einen notorischen Tagdieb, einen streitsüchtigen Burschen, einen moralisch minderwertigen Menschen (Südhess. Wb. Sp. 1038), einen geistesschwachen, tölpelhaften oder ungeschickten Kerl (Südhess. Wb. Sp. 1038; Pfälz. Wb., S. 12), aber auch einen guten Freund oder Kameraden (Pfälz. Wb., S. 12). Im Südhessischen finden sich darüber hinaus die Bedeutungen ›zierliches Tännchen, das der Förster zum Weihnachtsbaum erwählt‹ und ›Durcheinander; verrückte Ideen‹, und auch ein Adjektiv kafrus ›seltsam‹ ist belegt (Südhess. Wb. Sp. 1038). – Wie sich zeigt, wird das Wort meist pejorativ-abschätzig verwendet, es kann aber auch anerkennend oder liebevoll gebraucht werden.
 

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Frage: Bei einer Gesprächsrunde fiel das Wort Muttersprache. Woher es kommt, lässt sich ja leicht erklären. Aber wieso "Vater"land und "Mutter"sprache?

Antwort: Wie Sie selbst schreiben, liegt die Erklärung für das Wort Muttersprache auf der Hand, wenn man davon ausgeht, dass die Mutter derjenige Mensch ist, zu dem ein Kind in den ersten Lebensjahren den engsten Kontakt hat und von dem es daher die Sprache erlernt. Dies war zwar nicht zu allen Zeiten und nicht in allen Kulturen so: Man konnte Kinder auch von Ammen betreuen lassen und später dann in die Obhut von Verwandten und/oder bezahlten Erziehern geben. Aber Muttersprache ist eine Lehnübersetzung des lateinischen lingua materna, und bei den alten Römern (d. h. denen der vorklassischen Zeit) war es tatsächlich die Mutter selbst, die sich in den ersten Jahren um die Kinder kümmerte. –  Das Wort Vaterland hat ebenfalls ein lateinisches Vorbild, nämlich patria. Dabei nun handelt es sich um einen Rechtsterminus, als dessen Hintergrund man sich eine streng patriarchalisch ausgerichtete Gesellschaftsordnung denken muss. Die Mutter war nur dafür zuständig, Kinder zur Welt zu bringen und in den ersten Jahren zu betreuen; für alle rechtlichen Aspekte der Abstammung und Herkunft war der Vater die Bezugsperson. –  Unabhängig von dieser historischen Erklärung findet man im Volksmund bisweilen folgende (augenzwinkernde) Darstellung: Es heißt Muttersprache, weil der Vater zu Hause nichts zu sagen hat.
 

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Frage: Wir wollen unsere Tochter Coocaburra nennen. Das Standesamt ist dagegen. Können Sie uns helfen?

Antwort: Leider nicht. Das Wort Kookaburra stammt aus einer australischen Eingeborenensprache. Der Kookaburra (lat. Dacelo gigas, engl. Laughing Jack, dt. Lachender Hans) ist ein zur Ordnung der Rackenvögel und zur Familie der Eisvögel gehörender, etwa krähengroßer Vogel, der in Australien (vor allem in Süd- und Ostaustralien) vorkommt und durch seinen charakteristischen, lautem Gelächter ähnlichen Ruf bekannt ist. – Abgesehen davon, dass Tierbezeichnungen, die als Vornamen nicht traditionell verwurzelt sind (z. B. Wolf), nicht als Vornamen gegeben werden sollten, ist Kookaburra eindeutig männlich (auch im Englischen, wie ein australisches Volkslied erkennen lässt: "Kookaburra sits on an old gum tree, merry, merry king of the bush is he ...") und kommt deshalb als weiblicher Vorname nicht in Frage.
 

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Frage: In einem älteren Text las ich kürzlich das Wort Schrittschuh. Was könnte damit gemeint sein, ein Schlittschuh?

Antwort: Das Wort Schrittschuh ist in der Tat eine ältere Bezeichnung für das, was wir heute Schlittschuh nennen. Im Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm liest man dazu Folgendes: "die alte sprache kennt ausschlieszlich die bildung schrittschuh zum verb. schreiten, schuh zu weitem schritt. [...] erst im nhd. [= Neuhochdeutschen] wurde älteres schrittschuh in anlehnung an schlitten umgedeutet und zu schlittschuh entstellt. [...] es ist wahrscheinlich, dasz sich diese umbildung [...] im laufe des 17. jahrh. vollzogen hatte und an ausdehnung gewann." – Im 18. Jahrhundert konnte man dann beide Formen gleichberechtigt nebeneinander verwenden, wie ein Brief des begeisterten Schlittschuhläufers Goethe an seinen Herzog Carl August (24. 12. 1775) beweist: "Unser Bote ist noch nicht da, der Schrittschuhe mitbringt, ihm sind tausend Flüche entgegen geschickt worden [...] – Der Bote ist da, und nun aufs Eis. [...] – Die Schlittschue sind vergessen, ich habe gestrampft und geflucht, und eine Viertelstunde am Fenster gestanden und gemault, nun laben sie mich mit der Hoffnung es käm noch ein Bote nach. Muß also ohne geschritten zu Tische – Abends viere. Sind gekommen, habe gefahren und mir ists wohl." (Weimarer Ausgabe, IV. Abt., Bd. 3, S. 10.) – Im 19. Jahrhundert ist Schrittschuh dann allmählich unüblich geworden. In niederdeutschen und mitteldeutschen Mundarten findet sich das Wort allerdings noch lange danach. Andere mundartliche Bezeichnungen sind Glittschuh und Schleifschuh.
 

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Frage: Woher kommt die Redewendung sich auf die Socken machen? Man macht sich doch nicht strümpfig auf den Weg?

Antwort: Das Wort Socke kommt vom lateinischen soccus, dieses wiederum vom griechischen sykchos. Der Sykchos war im Gegensatz zum Kothurn (einem Schuh mit hoher Sohle – heute würden wir sagen: einem Plateauschuh –, den die Schauspieler der altgriechischen Tragödie auf der Bühne trugen) ein flacher Schlupfschuh insbesondere für Komödienschauspieler. Daher kann Socke auch einen flachen, weichen Schuh, z. B einen Filzschuh, bezeichnen, so dass der Aufbruch nicht notwendigerweise in Strümpfen erfolgen muss. In der Jägersprache steht das Wort darüber hinaus für den unteren Teil der Hasenpfote. Die Wendung sich auf die Socken machen kann daher auch bedeuten: ›eilig weggehen, wie ein Hase flüchten‹.
 

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Frage: Was bedeutet das Wort Blutzer?

Antwort: Blutzer oder Blutzger ist ein süddeutsches (bairisches und schwäbisches) Dialektwort, das bereits im Frühneuhochdeutschen belegt ist und so viel wie ›Melone, Kürbis‹, später auch ›runde, bauchige Flasche‹ bedeutet. Das Wörterbuch der bairischen Mundarten in Österreich erklärt es als lautmalerisches Wort, ausgehend von der Grundvorstellung des Bauchigen, Plumpen bzw. dumpf Auffallenden.
 

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Frage: Warum haben manche Ländernamen einen Artikel bei sich (z. B. die Schweiz), die meisten aber nicht?

Antwort: Ortsnamen (z. B. Köln, Hamburg) und Staatennamen (z. B. Deutschland, Frankreich) stehen im Deutschen in der Regel ohne Artikel, Landschaftsnamen (die Pfalz, das Engadin) hingegen in der Regel mit Artikel. Nun gibt es Staatennamen, die ursprünglich Landschaftsnamen gewesen sind (z. B. die Schweiz, der Jemen bzw. Kollektivbezeichnungen: die Niederlande); diese behalten auch als Staatennamen den Artikel.
 

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Frage: Unsere Tochter wurde in der Schule bestraft, weil sie das Wort geil verwendet hat. Sie hat es aber in der heutzutage in der Jugendsprache ganz gängigen Weise gebraucht und nichts Anzügliches oder Unanständiges damit gemeint. Kann die Lehrerin das Wort verbieten?

Antwort: Über Herkunft und Bedeutung des Wortes geil geben verschiedene Wörterbücher Auskunft. Ich fasse die dort nachzulesenden Informationen zusammen: Nach dem Etymologischen Wörterbuch des Deutschen von Wolfgang Pfeifer (2. Aufl. 1993) geht geil wohl zurück auf indoeuropäisch *ghoilos ›aufschäumend, heftig, übermütig, ausgelassen, lustig‹. Im Althochdeutschen (seit dem 8. Jahrhundert) bedeutet geil so viel wie ›übermütig, überheblich‹; im Mittelhochdeutschen (seit dem 12. Jahrhundert) kann es ›kraftvoll, mutwillig, üppig, lustig‹, in anderen germanischen Sprachen ›froh, fröhlich‹ sowie ›schön‹ heißen. Diesem Wortgebrauch, der in der Variante ›übermäßig (in Bezug auf Gefühle o. Ä.)‹ bis ins 20. Jahrhundert hinein bezeugt ist (vgl. das sechsbändige Duden-Wörterbuch, Bd. 3, 1977), steht die heute vorherrschende Bedeutung ›lüstern, sexuell erregt‹ gegenüber; sie ist allerdings erst seit dem 15. Jahrhundert, also deutlich später ausgeprägt. Eine ausführliche Darstellung der Wortgeschichte bis ins 19. Jahrhundert, die hier nicht im Einzelnen wiedergegeben werden kann, bietet das Deutsche Wörterbuch der Brüder Grimm (Bd. 4.1.II, 1897). – An die ursprüngliche, ab dem 17. Jahrhundert selten gewordene Bedeutung knüpft spätestens seit Beginn der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts die Verwendung von geil im Wortschatz der Jugendsprache an. Hier hat das Wort die Bedeutung ›sehr gut, großartig, beeindruckend, klasse‹ und dient dem Ausdruck positiver Gefühle und/oder uneingeschränkter Zustimmung (z. B. geile Musik, geile Party, geiles Wetter). Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat diesen Wortgebrauch bereits früh dokumentiert (s. Der Sprachdienst 2/1981, S. 30 und 1–2/1982, S. 10); mittlerweile verzeichnet ihn auch das derzeit aktuellste der großen Wörterbücher zur deutschen Gegenwartssprache, der zehnbändige Duden (1999): ›in begeisternder Weise schön, gut; großartig, toll‹. – Es ist verständlich, wenn sich manche – vor allem ältere – Zeitgenossen, die hauptsächlich oder sogar ausschließlich noch die "unanständige" Bedeutung kennen, durch das unbefangen geäußerte Wort verärgert oder schockiert fühlen. Es könnte sich daher aus Gründen der Höflichkeit empfehlen, gegenüber solchen Personen darauf zu verzichten. Andererseits ist Sprachwandel (und dazu gehört natürlich auch Bedeutungswandel) ein alltäglicher Vorgang, der in der Natur einer jeden Sprache liegt, und es ist den Mitgliedern einer Sprachgemeinschaft zuzumuten, eine Änderung des allgemeinen Sprachgebrauchs auch dann zur Kenntnis zu nehmen und sich bei anderen darauf einzustellen, wenn sie diese Änderung persönlich nicht mitvollziehen wollen. Ein allgemein, mittlerweile auch schon in Literatur, Presse und Werbung (s. beispielsweise Der Spiegel 42/18. 10. 1999, S. 114) gebräuchliches, erkennbar in nicht beleidigender oder provokativer Absicht verwendetes Wort verbieten zu wollen, ist jedenfalls ausgeschlossen.
 

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Frage: Im Zusammenhang mit Computer und Internet las ich neulich ein Wort, mit dem ich nichts anfangen konnte: Gefordert wurde, einen Thread zu beenden. Was ist damit gemeint? Hat es etwas mit ›drohen‹ zu tun; wird das Internet vielleicht als Bedrohung verstanden?

Antwort: Das englische Substantiv thread bedeutet eigentlich so viel wie ›Faden, Zwirn, Garn‹ und ist verwandt mit dem deutschen Draht. Mit dem englischen threat (›Drohung‹) hat es nichts zu tun. Im Zusammenhang mit Computer und Internet steht das Wort für den ›Gesprächsfaden‹ in einem der vielen Internet-Gesprächskreise (so genannten Newsgroups oder Chatforen), bei denen jeder Teilnehmer zu Hause, in einem Internet-Cafe oder – vom Arbeitgeber in der Regel nicht gerne gesehen – im Büro vor seinem Computer sitzt und per Online-Verbindung mit anderen Teilnehmern kommuniziert. Faktisch läuft dies so ab, dass jeder seinen Redebeitrag per Tastatur eingibt und abschickt; die Beiträge erscheinen dann in der Reihenfolge, in der sie beim Forum eingegangen sind, auf jedem einzelnen Teilnehmerbildschirm. Solche virtuellen Gespräche können sich – je nach Art des Forums – über längere Zeiträume (Tage, Wochen, Monate ...) hinziehen. Die Summe aller Beiträge in ihrer chronologischen Abfolge nennt man den Thread. In Ihrem Beispiel könnte man Thread vielleicht mit ›virtuelles Gespräch über ein bestimmtes Thema‹ übersetzen.
 

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Frage: Freunde von uns heißen mit Nachnamen Adomeit. Wir fragen uns seit längerem, woher dieser doch auffällige Name wohl kommt.

Antwort: Es handelt sich um einen Familiennamen, der auf den Vornamen des Vaters oder des Ahnherrn zurückgeht. Man nennt diese Familiennamen Patronymika (Vaternamen); zu ihnen gehören beispielsweise in den germanischen Sprachen Namen mit Sohn als zweitem Bestandteil (Karlssohn, Peterson,Christiansen usw.), aber auch Namen mit alter Genitivendung (Jochims, Franzens, Georgi usw.). Die Endung -eit geht auf das litauische -aitis (›Sohn von ...‹) zurück; wer Adomeit heißt, wird also eine Person namens Adam zu seinen Vorfahren zählen und die Herkunft seiner Familie in den baltischen Sprachraum zurückführen können. Neben Adomeit gibt es weitere, analog gebildete Namen, beispielsweise Abromeit (›Sohn des Abraham‹), Simoneit (›Sohn des Simon‹) aber auch Schneidereit (›Sohn des Schneiders‹), wobei kein Personenname, sondern die Berufsbezeichnung des Vaters oder Ahnherrn zugrunde liegt.
 

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Frage: Ich habe im Prinzip nichts gegen Anglizismen, aber ich finde, die Fremdwortfreundlichkeit geht zu weit, wenn Ausdrücke für das Deutsche neu "erfunden" werden, die das Englische gar nicht kennt, z. B. Handy. Vor kurzem erhielt ich als Werbegeschenk einen "Cappucchino-Topper", eine Streudose, mit der man den Milchschaum in vier verschiedenen Geschmacksrichtungen bepudern kann. Hauptsache Englisch oder was?

Antwort: Ihr Beleg ist ein schönes Beispiel dafür, wie sehr gerade in der Werbebranche die Meinung verbreitet ist, durch englische Bezeichnungen ein Produkt attraktiver machen zu können. Dabei beschränkt man sich nicht einmal auf die mittlerweile allgemein übliche Sprachmischung Deutsch-Englisch, sondern greift bedenkenlos auch auf andere Sprachen aus. In Ihrem Beleg glaubte man ein italienisches Wort mit einem englischen bzw. amerikanischen "toppen" zu müssen. – Allerdings ist die Inhomogenität der Fügung zumindest der Sache nach weit geringer als es auf den ersten Blick scheinen mag. Der Cappuccino ist in seiner klassischen Form zwar ohne Frage ein aus Italien stammendes Getränk, erfreut sich aber in den USA großer Beliebtheit, ebenso wie Spaghetti und Pizza. (Sieben von zehn US-Amerikanern werden auf die Frage, welches Land die Pizza erfunden hat, ihr eigenes nennen.) Dabei sind natürlich, wie üblich in solchen Fällen, der Variation und "Verfastfoodung" keine Grenzen gesetzt. Will sagen: Wenn es tatsächlich so etwas wie einen "Cappuccino-Topper" gibt, so ist er sicherlich eher eine amerikanische Erfindung als eine italienische; Cappuccino in Cappuccino-Topper wäre demnach aus unserer Sicht ein englisches Wort (für das Englische natürlich gleichfalls ein Fremdwort, ein Italianismus). Übrigens gar nicht so unwahrscheinlich; wie man weiß, gibt es kaum eine Sprache, die mehr Fremdwörter aufgenommen hat (und weiterhin täglich aufnimmt) als das Englische.
 

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Frage: Neulich las ich, daß die Frau des äthiopischen Präsidenten Gidada eine "taffe" Entwicklungshelferin sei. Sie ist tüchtig, couragiert, engagiert – wir haben schon ein paar Fremdwörter dafür. Die eindeutschende Schreibweise taff für englisch tough finde ich interessant. Was halten Sie davon?

Antwort: Ganz so groß wie gemeinhin angenommen ist der englische Einfluss auf das Deutsche nicht. Das Adjektiv taff ist nicht, wie immer wieder vermutet wird, eine eindeutschende Schreibung des englischen tough, sondern kommt von jiddisch toff, das wiederum auf hebräisch tôv (›gut‹) zurückgeht. Dem Großen Wörterbuch der deutschen Sprache des Dudenverlags zufolge gehört taff zur saloppen Stilebene; es hat die Bedeutung ›hart, robust‹.
 

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Frage: Bitte erklären Sie mir die Herkunft des Ausdrucks dumme Nuss.

Antwort: Der Ausdruck lässt sich prinzipiell auf zweierlei Weise erklären. Zum einen ist Nuss ein Ausdruck für die Vulva. Insbesondere die Jägersprache kennt Nuss als Bezeichnung für das weibliche Geschlechtsteil bei Tieren vor allem der niederen Jagd. Nimmt man die Bezeichnung für das weibliche Geschlechtsteil als Pars pro toto für die Frau (wie vor allem in der Vulgärsprache üblich), so lässt sich die dumme Nuss als ›dumme weibliche Person‹ erklären. (Ähnlich auch bei der tauben Nuss, einer abwertenden Bezeichnung für eine unfruchtbare Frau.) – Weniger sexistisch ist der zweite Erklärungsversuch, der dann plausibler erscheint, wenn man die Formulierung dumme Nuss als Bezeichnung überhaupt für einen dummen Menschen (gleich welchen Geschlechts) versteht. Nuss ist unter anderem auch ein despektierlicher Ausdruck für ›Kopf‹ (wegen der Formähnlichkeit und der Analogie von Nussschale und Hirnschale). Nimmt man die Vokabel für den Kopf als Pars pro toto für die Person, wie in der Alltagssprache vielfach üblich (z. B. jemand ist ein kluger Kopf, Dummkopf usw.), so wird die Wendung dumme Nuss ›Dummkopf‹ ohne weiteres nachvollziehbar. – Übrigens gibt es auch hier die Wendung taube Nuss, und zwar in der Bedeutung ›Kopf mit wenig oder keinem Inhalt‹.
 

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Frage: Bei einer Überlandfahrt habe ich im Wald ein Schild gesehen, das sich gegen Umweltverschmutzer richtete. Zu lesen war darauf: "Du alte Waldsau!" Ich (über 60) fühle mich dadurch verunglimpft. Ich habe noch nie Abfall in den Wald geworfen, und so schlechte Manieren haben ja wohl auch hauptsächlich jüngere Leute. Ich finde, es sollte "Du junge Waldsau!" heißen.

Antwort: Zu welcher Altersgruppe Umweltsünder hauptsächlich gehören, entzieht sich meiner Kenntnis. Das Wort alt ist aber hier auch gar nicht im Sinne von ›nicht mehr jung‹ zu verstehen, sondern als verstärkendes Adjektiv bei negativ charakterisierenden Personenbezeichnungen (z. B. alter Geizkragen, altes Ferkel). Gemeint sein können damit natürlich auch ganz junge Personen. In Heinz Küppers Illustriertem Lexikon der deutschen Umgangssprache wird die angeblich seit dem 19. Jahrhundert existierende Bedeutung mit ›leidig, unangenehm, widerlich‹ angegeben. Man wolle, so Küpper, "zum Ausdruck bringen, daß der Betreffende seit langem als ein solcher bekannt ist, wie ihn das Substantiv bezeichnet". Diese Erklärung greift aber wohl zu kurz. Das Adjektiv alt wurde, wie das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch von Oskar Reichmann belegt, in der Bedeutung ›abgefeimt, sündig, verrucht, verworfen‹ bereits im 14. Jahrhundert verwendet, hauptsächlich im Zusammenhang mit theologischen Inhalten. "Alt" war offenbar das, was durch die Erlösungstat Christi noch nicht "neu" gemacht worden war, z. B. die alte Schlange oder der alte Drache (beides vom Teufel gesagt). Von dieser Bedeutung des Bösen, Schlechten her dürfte sich dann durch Übertragung auf nicht theologische Zusammenhänge – ebenfalls bereits im 14. Jahrhundert – die abwertende Funktion des Adjektivs herausgebildet haben, die Ihnen in der alten Waldsau begegnet ist.
 

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Frage: Ich möchte meiner Tochter den Namen Maria als einzigen Vornamen geben. Die Standesbeamtin findet in ihrem Buch, dass Maria sowohl ein weiblicher als auch ein männlicher Vorname ist und will ihn daher nur zusammen mit einem weiteren, eindeutig weiblichen Vornamen eintragen. Was sollen wir tun?

Antwort: Die Eintragung von Maria als einzigem weiblichem Vornamen ist ohne weiteres zulässig. Die Standesbeamtin beruft sich vermutlich auf das Internationale Handbuch der Vornamen von 1986. Dabei handelt es sich um eine Zusammenstellung von Informationen aus verschiedenen Vornamenbüchern, die lediglich belegte Namensformen (darunter ganz absurde Schreibvarianten) und das Geschlecht angibt. Sind in unterschiedlichen Quellen unterschiedliche Angaben zum Geschlecht zu finden, so werden kommentarlos beide übernommen. Dass dies in vielen Fällen zu einer verfälschenden Darstellung des Sachverhaltes führen kann, zeigt sich bei Maria. Dieser Vorname ist eindeutig weiblich. Er findet sich zwar in manchen Gegenden – vor allem in Süddeutschland – aus religiös-traditionellen Gründen auch als männlicher Vorname, allerdings immer nur als Beivorname, d. h. in Verbindung mit einem eindeutig männlichen Erstvornamen. Nur in einer solchen Verbindung ist Maria nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Darmstadt von 1930 als männlicher Vorname zulässig. In Verbindung mit einem weiblichen Vornamen oder als alleiniger Vorname ist Maria eindeutig weiblich. – Mittlerweile ist übrigens eine Neubearbeitung des Handbuchs erschienen, in der viele Fehler beseitigt sind.
 

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Frage: Ich bin Deutschlehrer und soll den Schiedsrichter bei einer Wette spielen: Ein ehemaliger Schüler von mir hat die Redensart wie die Faust aufs Auge passen beim Umzug gebraucht, als eine Kommode gut an ihren vorgesehenen Platz passte, weil sie seiner Ansicht nach in jedem Falle ironisch gemeint ist. Sein Vater aber fand, mit dieser Redensart werde gerade ausgedrückt, dass etwas überhaupt nicht passe. Schließlich gehöre eine Faust nicht aufs Auge. Wer hat nun Recht? Es geht um hundert Euro.

Antwort: Die hundert Euro können sich die Kombattanten teilen, da sie beide Recht haben. Die Redensart passen wie die Faust aufs Auge wird in beiden Bedeutungen verwendet, die Sie angeführt haben. Im Duden 11 (Redewendungen und sprichwörtliche Redensarten. Wörterbuch der deutschen Idiomatik, Mannheim u. a. 1992, S. 538) steht dazu Folgendes: "1. ›überhaupt nicht passen‹ [...]. 2. ›sehr gut, ganz genau passen‹ [...]. Mit dem Vergleich wurde zunächst ausgedrückt, daß etwas überhaupt nicht zu etwas paßt: Faust und Auge passen nicht zusammen, weil es höchst unangenehm ist, einen Faustschlag aufs Auge zu bekommen. Durch häufigen ironischen Gebrauch entwickelte sich die gegenteilige Bedeutung." – Die Ironie, von der hier die Rede ist, entsteht dadurch, dass die Redensart allzu wörtlich genommen wird. Man denkt dann daran, dass die Faust von der Form her sehr gut auf das Auge passt. Eine solche wörtlich-ironische Verwendung finden wir beispielsweise in dem Roman Der liebe Augustin. Die Geschichte eines leichten Lebens (1921) von Horst Wolfram Geißler (1893–1983): "[...] daß der Name Augustin Sumser zu dem Buben paßte wie die Faust aufs Auge, nämlich sehr gut (wiewohl gedankenlose Menschen, die es noch nicht probiert haben, gewöhnlich der Meinung sind, die Faust passe keineswegs aufs Auge)".
 

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Frage: Ein Freund gebrauchte kürzlich das Wort schwachmatisch; er meinte so viel wie ›schwach, schwächlich, kraftlos‹. Ich habe mit ihm gewettet, dass es das Wort nicht gibt. Habe ich Recht?

Antwort: Nein, nicht ganz. Das Wort schwachmatisch ist zwar "nur" eine scherzhaft latinisierende bzw. gräzisierende Phantasiebildung (nach dem Vorbild von rheumatisch, phlegmatisch usw.). Es existiert aber trotzdem, und zwar als Adjektiv zu dem schon seit mindestens 1820 bekannten Substantiv Schwachmatikus (bzw. Schwachmaticus: so im Grimmschen Wörterbuch). Der zehnbändige Duden von 1999 zitiert einen Beleg aus dem Mannheimer Morgen von 1969. Aber auch Thomas Mann verwendete das Wort, und zwar beispielsweise in seinem 1947 erschienenen Roman Doktor Faustus (Gesammelte Werke in 13 Bänden, Bd. 6, S. 388).
 

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Frage: Wieso sagt man, wenn jemand eine Vorahnung hat, dass ihm etwas schwant? Ist der Schwan im Volksglauben ein Vogel mit Zukunftsahnung?

Antwort: Ob die Wendung etwas mit dem Schwan zu tun hat, ist nicht geklärt. Sie findet sich zuerst im Mittelniederdeutschen (Braunschweig 1514), aber in der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts auch schon im Hochdeutschen. Möglicherweise liegt das Verb wanen ›wähnen, ahnen‹ zugrunde, wobei zwischen einem vorgestellten Personalpronomen und diesem Verb die Wortgrenze sich verschoben hat (mir’s wanet > mir swanet. Ähnliches ist – in umgekehrter Richtung – bei dem Wort Otter (›Schlange‹) eingetreten, das auf Natter zurückgeht. Hier wurde das anlautende n als Ende eines vorangehenden unbestimmten Artikels empfunden (ein[e] Atter); das a im vermeintlichen Anlaut wurde zu o verdumpft. –  Eine andere Herleitungsmöglichkeit bringt doch den Schwan ins Spiel: Der Wendung könnte neulateinisch olet mihi (›es ahnt mir‹, von lat. olere, ›riechen, sich durch Geruch bemerkbar machen‹) zugrunde liegen. Von Gelehrten der frühen Neuzeit könnte dieses Verb scherzhaft an das lateinische Wort für den Schwan, olor, angeschlossen worden sein, so dass schwanen die "wörtliche" Übersetzung von olere wäre.
 

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Frage: Warum nennt man die Engländer auch Tommys?

Antwort: Die Bezeichnung Tommy (›britischer Soldat, Engländer‹) kam 1837 im Zusammenhang mit einem kleinen Taschenbuch auf; es enthielt eine Tabelle der Ausrüstungsgegenstände, die die englischen Soldaten selbst bezahlen mussten; zum besseren Verständnis waren die Militärverwaltung als Lieferant und ein angenommener Soldat Thomas Atkins als Empfänger der Ausrüstung genannt. Dieser Name wurde in der Kurzform Tommy die volkstümliche Bezeichnung für den englischen Soldaten. Bei uns ist das Wort etwa seit 1900 (seit dem Boxeraufstand in China) verbreitet.
 

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Frage: Wieso sagt man eigentlich redensartlich „Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts?“ Galten Hasen früher als dumme Tiere (so wie beispielsweise in dem Märchen vom Hasen und dem Igel)?

Antwort: Nein, mit Hasen hat die Redensart nichts zu tun. Vielmehr ging es ursprünglich, wie der Wortlaut auch noch erkennen lässt, um eine Person mit Namen Hase, genauer gesagt um einen Heidelberger Studenten namens Victor Hase. Das war zu einer Zeit, in der die schlagenden Studentenverbindungen noch einflussreich und studentische Duelle (obgleich verboten) an der Tagesordnung waren. Eigentlich sollten zwar die Kontrahenten dabei allenfalls ein wenig schmuck verstümmelt werden, aber ein Freund von Victor Hase hatte das Pech, im Zweikampf versehentlich einen Kommilitonen zu töten. Victor verhalf ihm zur Flucht, wurde aber der Beihilfe verdächtigt und vor den Senat der Universität geladen. Er betrat den Sitzungssaal mit den Worten: "Hohe Versammlung, mein Name ist Hase, ich verneine die Kardinalfragen: Ich weiß von nichts."
 

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Frage: Namen sind universell und alltäglich. Aber woher kommt das Wort Name wohl ursprünglich?

Antwort: Es ist ein sehr altes Wort, das in allen germanischen Sprachen, aber auch im Griechischen (onoma), im Lateinischen (nomen), im Russischen (ímja), im Altiranischen (ainmm) und im Altindischen (náma) vorkommt. Zurückgehen dürfte es auf ein indoeuropäisches Wort *en(o)men-, *nomen-, das in verschiedenen Ablautformen vorliegt. Früher nahm man an, dass Name von nehmen käme; ein Name sei, was man nehme, zur Gabe empfange. Folgerichtig wurde das Wort häufig mit h geschrieben: Nahme. Dass diese Herleitung nicht zutrifft, gibt schon die heute bekannte Rechtschreibregel „Wer nämlich mit h schreibt, ist dämlich“ zu erkennen. Einen interessanten etymologischen Zusammenhang vermutet demgegenüber Matthias Lexer im Grimmschen Wörterbuch (Bd. 7, Leipzig 1889, Sp. 322): Das zugrunde liegende Wort habe im Indoeuropäischen im Anlaut ein g gehabt, das aber schon sehr früh geschwunden sei (relikthaft erhalten noch im lat. co-gnomen). Damit bestünde eine Urverwandtschaft zu Wörtern wie griech. gignoskein ›erkennen, wissen‹, gnosis ›Wissen, Kenntnis‹, lat. (g)noscere ›erkennen, wissen‹, aber auch zu deutschen Wörtern wie kennen, können und Kunst. Demnach wäre die ursprüngliche Bedeutung von Name mit ›Kennzeichen, unterscheidendes Merkmal‹ anzugeben. Ob die Dinge tatsächlich so liegen, ist nicht sicher: Die gängigen etymologischen Wörterbücher der Gegenwart erwähnen Lexers These nicht.
 

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Frage: Obwohl wir seit Jahren ein vereintes Deutschland sind, wird immer noch von der "Bundesrepublik Deutschland“ gesprochen. Wäre es nicht besser, unser Land wie in früheren Zeiten einfach "Deutschland“ zu nennen?

Antwort: Die Bezeichnung Bundesrepublik Deutschland waren wir über Jahrzehnte als Gegensatz zur Deutschen Demokratischen Republik zu sehen gewohnt, so dass wir sie heute, nach der Wiedervereinigung, möglicherweise als veraltet empfinden. Das ist sie aber keineswegs; vielmehr ist Bundesrepublik Deutschland noch immer die offizielle Bezeichnung für unseren Staat. Allerdings gilt: Bei den für den amtlichen Sprachgebrauch vorgeschriebenen Staatennamen unterscheiden wir eine Vollform für offizielle Texte (Gesetze, Verträge, auch Nachrichten) und eine Kurzform für den alltäglichen Gebrauch. Drei Beispiele: Französische Republik und Frankreich; Großherzogtum Luxemburg und Luxemburg; Republik Österreich und Österreich. Entsprechend lautet unser Staatsname in der Vollform Bundesrepublik Deutschland, in der Kurzform einfach Deutschland. Als Faustregel gilt also: Wir können prinzipiell beides (Bundesrepublik Deutschland oder einfach Deutschland) sagen, aber wenn es offiziell werden soll, müssen wir die Vollform Bundesrepublik Deutschland verwenden. – Eine Liste aller Staatennamen mit Kurz- und Vollformen findet sich übrigens im Internet unter http://www.ifag.de/kartographie/stagn/staatennamen.htm. Man kann sie auch beim Ständigen Ausschuss für Geographische Namen (StAGN) anfordern. Die Anschrift lautet:
StAGN-Geschäftsstelle
Bundesamt für Kartographie und Geodäsie
Richard-Strauss-Allee 11
60598 Frankfurt a. M.
 
 
 

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