| Fragen zu Wörtern,
Namen, Redewendungen
beantwortet von Jochen A. Bär |
Die einzelnen Fragen und
Antworten erscheinen in unsystematischer Reihenfolge; einen systematischen
Zugriff ermöglicht der folgende Überblick:
Frage: Woher kommt
das Wort Gerücht? Hat es etwas mit riechen zu tun?
Antwort: Nein, es
kommt von rufen, genauer gesagt vom mittelhochdeutschen gerüefte
›Rufen, Geschrei‹. Wie die Frühneuhochdeutsche Grammatik von
Oskar Reichmann und Klaus-Peter Wegera ausführt, kann die Lautverbindung
ft
nach Vokal im Mittelfränkischen und Niederfränkischen seit dem
9. Jahrhundert als cht geschrieben werden. Bei einigen Wörtern
hat sich diese Schreibung durchgesetzt. Beispiele sind echt (es
kommt nicht von achten, sondern von mittelhochdeutsch êhaft
›richtig, rechtmäßig, gesetzmäßig‹; das mittelhochdeutsche
Wort ê, neuhochdeutsch Ehe bedeutet ursprünglich so viel
wie ›Recht, Gesetz, Vertrag‹), Nichte (von mittelhochdeutsch niftel),
beschwichtigen
(von mittelhochdeutsch swiften ›stillen‹) und das Seemannswort achtern
›hinten‹, das von After kommt. Und die holländischen Grachten
sind eigentlich die Graften (›Gräben‹).
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Frage: Warum sagt
man acht Tage, wenn man ›eine Woche‹ meint? Eine Woche hat doch
nur sieben Tage?
Antwort: Die Formulierung
acht
Tage für ›eine Woche‹ lässt sich so erklären, dass derselbe
Wochentag als Anfangs- und Endtag einer Woche gezählt wurde (man zählt
also beispielsweise von Montag zu Montag, von Dienstag zu Dienstag usw.).
Dieses Verfahren ist schon in der frühen Neuzeit (16. Jahrhundert)
belegt. Davon – unlogischerweise – abweichend werden zwei Wochen als vierzehn
Tage (= 2 x 7) bezeichnet, was sich allenfalls durch verschiedene Traditionen
(möglicherweise landschaftliche) erklären lässt, die hier
wirksam sind. – Die Angewohnheit, das Äquivalent des ersten Tages
am Ende eines als zyklisch empfundenen Zeitabschnitts wieder mitzuzählen,
ist übrigens auch in anderen Sprachen zu finden, z. B. im Französischen:
quinze
jours (= 15 Tage) ›zwei Wochen‹.
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Frage: Woher kommt
der Ausdruck an Bord?
Antwort: Nach dem
Etymologischen
Wörterbuch des Deutschen von Wolfgang Pfeifer bedeutet das Wort
Bord
ursprünglich ein bestimmten Zwecken dienendes ›Brett‹ bzw. das aus
Brettern Gefertigte. Im Deutschen gibt es 1. das Bord (›Wand-, Bücherbrett‹)
und 2. der Bord (›Schiffsrand‹, offenbar von den oberen Seitenwänden
des Schiffes; vgl. über Bord gehen). In einigen präpositionalen
Fügungen (an Bord,
von Bord) wird Bord 2 als
Pars pro toto verwendet und bedeutet ›Schiff‹. Die Fügung an Bord
ist seit dem 15. Jahrhundert bekannt; sie wird im 20. Jahrhundert von der
Luftfahrt übernommen. Mittlerweile kann man sie sogar schon im Bahnwesen
hören: "Wir heißen auch die zugestiegenen Fahrgäste an
Bord des ICE herzlich willkommen." In Frankfurt a. M. gibt es einen S-Bahn-Fahrer,
der seine Fahrgäste folgendermaßen begrüßt: "Guten
Morgen, verehrte Fahrgäste, an Bord der Linie S 1 nach Wiesbaden Hauptbahnhof."
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Frage: Warum sagt
man, jemand habe es faustdick hinter den Ohren, und warum kommen
die Ohren überhaupt so oft in Redewendungen vor?
Antwort: Die Formulierung
es
faustdick hinter den Ohren haben geht auf eine Art volkstümliche
"Schädellehre" zurück, wonach der Sinn der Verschlagenheit seinen
Ort hinter den Ohren hat und dort desto größere Wülste
hervorbringt, je stärker er entwickelt ist. – Eine einfache Erklärung
für das häufige Vorkommen der Ohren in Redewendungen gibt es
wohl nicht; zumindest sind die verschiedenen Wendungen zum Teil ganz unterschiedlich
motiviert. Jemanden übers Ohr hauen kommt aus der Fechtersprache,
wo der Schlag gegen das Ohr das Ziel einer bestimmten Finte war. Sich
etwas hinter die Ohren schreiben erklärt sich durch einen alten
Rechtsbrauch (im Südosten Deutschlands noch bis ins 18. Jahrhundert
hinein üblich), wonach man bei Grenzbegehungen kleine Jungen "hinzuzog"
(an den Ohren – daher die Formulierung einen Zeugen hinzuziehen!)
und ihnen an entscheidenden Grenzpunkten "eins hinter die Ohren" gab, damit
sie sich die Stelle ein Leben lang merkten. – Vielleicht werden die Ohren
deshalb so oft thematisiert, weil sie dasjenige Organ sind, mit dem wir
Sprache aufnehmen, und deshalb für die Kommunikation besonders wichtig
sind.
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Frage: Was bedeutet
das Wort Triskaidekaphobie?
Antwort: Das Wort
kommt aus dem Griechischen; man spricht es »Tris-kai-deka-phobie«,
und es bedeutet ›Angst vor der Dreizehn (als vermeintlicher Unglückszahl)‹.
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Frage: Wieso sagt
man jemanden im Stich lassen?
Antwort: Diese seit
dem Ende des 15. Jahrhunderts belegte Redensart ist, wie bei Lutz Röhrich
im Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten nachzulesen, auf
die verschiedenste Weise erklärt worden. Am ehesten kommt wohl eine
Herleitung aus dem Turnierwesen, wobei, etwa im Massenturnier, ein Kämpfer
die Gefährten verlässt, die nun "im Stich" des Feindes bleiben.
Die Redensart ist allerdings wohl nicht unmittelbar aus dem ritterlichen
Turnierwesen des Mittelalters in die Umgangssprache übergegangen,
sondern wahrscheinlich aus den bürgerlichen Stechen, Kampfspielen,
die in Nachahmung der ritterlichen Turniere im ausgehenden Mittelalter
in den Städten abgehalten wurden. Es gab Gesellenstechen, Fischerstechen
usw., bei denen es um einen Preis ging, so dass stechen die Bedeutung
›um einen Preis kämpfen, ringen‹ bekam. Noch heute nennt man einen
Entscheidungskampf etwa beim Springreiten ein Stechen und einen
Punktgewinn beim Kartenspiel einen Stich. Denkbar wäre daher
auch, dass sich im Stich lassen ursprünglich auf die dem Gegner
überlassene, von ihm übertrumpfte Spielkarte bezog. – Recht unwahrscheinlich
ist die Herleitung der Redensart von der Biene, die ihren Stachel beim
Stich in der Wunde zurücklässt, obgleich Luther sie in seiner
Schrift Auf des Bocks zu Leipzig Antwort (1521) einmal in dieser
Weise deutet: "wie eine tzornige bien das leben ym stich lassen".
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Frage: Was ist eine
Josefsehe?
Antwort: Eine Ehe,
in der die Partner auf Geschlechtsverkehr verzichten. Josef heiratete Maria,
obwohl diese ein Kind erwartete, das nicht von ihm stammte, hatte aber
keinen Geschlechtsverkehr mit ihr, bis sie ihren Sohn Jesus geboren hatte,
den er adoptierte (vgl. Matth. 1, 18–25).
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Frage: Woher kommt
das Wort Schäferstündchen?
Antwort: Es ist eine
Lehnübersetzung aus dem französischen heure du berger,
die im Deutschen seit 1711 belegt ist und wahrscheinlich auf die so genannte
galante bukolische Dichtung oder Schäferdichtung im 17. und 18. Jahrhundert
zurückgeht.
Le berger kann im Französischen nicht nur
›Schäfer‹ heißen, sondern auch ›Abendstern (Planet Venus)‹ und
›Liebhaber‹. Das Schäferstündchen lässt sich inhaltlich
fassen als ›tête-à-tête (und mehr) in der chambre separée
(oder natürlich auch auf freiem Feld, im Wald oder sonst wo)‹.
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Frage: Ich interessiere
mich für zwei Ortsnamen: Hat Darmstadt etwas mit dem Wort Darm
zu tun? Und warum heißt München München?
Antwort: Wie fast
immer kommt man hier nicht ohne Kenntnis historischer Urkunden aus. Zwischen
dem 11. und dem 14. Jahrhundert hat sich der Name Darmstadt stark
verändert. Im 14. Jahrhundert schrieb man ihn Darmestat, im
11. Jahrhundert hingegen Darmundestat. Die letztere Form zeigt,
dass dem Ortsnamen ein männlicher Personenname, Darmund, zugrunde
liegt. Darmstadt war ursprünglich die ,(Wohn)stätte des
Darmund‘, und dieser Darmund mag ein Forstwart oder Wildhüter gewesen
sein, da die Siedlung vermutlich aus einem Jagdhaus im frühmittelalterlichen
Reichsforst Dreieich entstanden ist. – Zu München: Die Stadt
wurde 1158 von Heinrich dem Löwen, damals Herzog von Sachsen und Bayern,
gegründet, um dem regionalen Herrn, dem Bischof von Freising, mit
einem Marktflecken Konkurrenz zu machen. (Die Vergabe von Marktrechten
und der Handel selbst brachten dem Fürsten Steuereinnahmen.) Es scheint
bereits vorher eine Siedlung existiert zu haben, die von Heinrich dem Löwen
nur mit Stadtrechten versehen wurde, und diese Siedlung soll auf Grundbesitz
des Klosters Schäftlarn gelegen haben. Man nannte sie daher die Siedlung
„bei den Mönchen“: apud Munichen (1158) bzw. München
(1310). Der Bericht vom Klostergelände findet sich allerdings erst
1533.
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Frage: Woher kommt
die Redewendung jemanden nach Strich und Faden verprügeln?
Antwort: Nach Strich
und Faden verprügeln bedeutet ›tüchtig, gründlich verprügeln‹.
In der Wendung nach Strich und Faden steckt das Wort Strich
im Sinne von ›(natürliche oder aus Gründen des Geschmacks absichtlich
herbeigeführte) gleichmäßige Richtung mehrerer bei- und
nebeneinander liegender Fäden, Fasern oder Haare, ihr Verlauf, ihre
Lage‹. Bei einem Gewebe gibt es zwei verschiedene, sich kreuzende Fadenrichtungen
(Kette und Einschlag). Hierauf bezieht sich offenbar die Wendung nach
Strich und Faden: Wenn man den Fadenlauf eines Gewebe in beide Richtungen
verfolgt, hat man es vollständig, gründlich untersucht.
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Frage: Wenn ich mit
Herrn A. spreche, den ich sieze, und dabei über jemanden rede, den
wir beide duzen (Fritz B.): Ist es korrekt, Herr B. oder Fritz
zu sagen?
Antwort: Sobald beide
Gesprächspartner eine Person duzen, ist es korrekt, den Vornamen zu
gebrauchen, wenn über diese Person gesprochen wird. Von Herrn B.
zu reden, würde unnatürlich wirken, auch dann, wenn beide Gesprächspartner
untereinander "per Sie“ sind. – So weit, so einfach. Komplizierter wird
es, wenn einer von beiden Gesprächspartnern Fritz B. siezt, während
der andere ihn duzt. Hier würde nach alter Schule jeder der beiden
von Herrn B. reden – der eine aus Höflichkeit gegenüber
Fritz B., weil er sich den vertraulichen Gebrauch des Vornamens auch in
Bezug auf den Abwesenden nicht anmaßen will, der andere hingegen
aus Höflichkeit gegenüber seinem Gesprächspartner, weil
er sich mit seinem vertraulicheren Verhältnis zu Fritz B. nicht brüsten
möchte. – Heutzutage sieht man das vermutlich etwas lockerer, so dass
es gemeinhin nicht als unhöflich gilt, wenn sich jeder der beiden
Gesprächspartner der ihm "zustehenden“ Redeweise bedient – zumindest
bei gleichgestellten Gesprächspartnern. Gegenüber einem Vorgesetzten
(zumindest in einer steilen Hierarchie), der mit Fritz B. "per Sie“ ist,
würde man wohl bis heute kaum von Fritz reden, wenn man selbst
Fritz B. duzt. – Für alle Unsicherheiten gibt es im Übrigen eine
recht gute "Kompromisslösung“: Wer statt von Fritz oder von
Herrn
B. von Fritz B. redet, kann auf jeden Fall nicht viel falsch
machen.
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Frage: Woher kommt
der Ausdruck Null-acht-fünfzehn?
Antwort: Null-acht-fünfzehn
(ݟbliches Schema, veraltete Handlungsweise, sinnentleertes Herkommen,
Durchschnittstrott‹) leitet sich von dem 1899 im deutschen Heer eingeführten
Maxim-Maschinengewehr her, das in den Jahren 1908 ("08") und 1915 ("15")
jeweils entscheidende Verbesserungen erfuhr. In diesem Sinne ist 08/15
seit etwa 1920 in der deutschen Umgangssprache geläufig; der Bedeutung
›Durchschnitt, Einerlei, Stumpfsinn‹ liegt wohl die ständig wiederholte
Instruktion am Maschinengewehr zugrunde. – Populär wurde 08/15
seit etwa 1958 durch die gleichnamige Roman- und Filmtrilogie von Hans
Hellmut Kirst (1954).
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Frage: Woher kommt
das Wort Geschoss (im Sinne von ›Stockwerk‹)? Hat es etwas mit schießen
zu tun?
Antwort: Ja, und zwar
mit schießen in der Bedeutung ›emporwachsen‹, wie es beispielsweise
auch in Schössling steckt. Man stellt sich dabei vor, dass
das Gebäude von unten nach oben wie eine Pflanze abschnittweise wächst.
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Frage: Wann und wo
ist Nazi als Bezeichnung für Anhänger Hitlers zuerst belegt?
Antwort: Im Illustrierten
Lexikon der deutschen Umgangssprache von Heinz Küpper (Stuttgart
1984) steht – sinngemäß übereinstimmend auch mit dem Historical
Dictionary of German Figurative Use von Keith Spalding (Oxford 1984)
–: "Die Verkürzung 'Nazi' bezog sich 1903 auf die 'Nationalsozialen'
unter Friedrich Naumann. Für den Nationalsozialisten erstmals (?)
belegt bei Kurt Tucholsky 1923. Jedenfalls ist nicht NS-Propagandaminister
Dr. Joseph Goebbels der Schöpfer" (S. 2021). – Die erste bekannte
Verwendung des Wortes Nationalsozialist ist übrigens noch älter;
Cornelia Berning (Vom „Abstammungsnachweis“ zum „Zuchtwart“. Vokabular
des Nationalsozialismus, Berlin 1964, S. 138) weist sie 1887 im Deutschen
Adelsblatt nach. Unter der Überschrift "Fürst Bismarck der
erste Nationalsozialist" heißt es dort: "Der Staat ist ihm nicht
nach dem heutigen Parteiwesen eine Summe von Einzelwillen, sondern der
Gesamtwillen als Ausdruck des Nationalgeistes. Deshalb kennt er aber, wie
nur Einen Gott, auch für die Gegenwart nur einen vernünftigen
Parteibegriff, nämlich, so könnte man sagen, den Nationalsozialismus
mit dem Einen Programm des christlichen Gebots der Gerechtigkeit und der
Liebe. Den ersten Repräsentanten solcher Einheits-Nationalpartei hat
man im Fürsten Bismarck zu erkennen." – Einige wenige Nazi-Belege
für die Zeit nach 1945, meist Hinweise darauf, dass das Wort als Fremdwort
im Englischen, auch im Französischen oder im Türkischen zu finden
ist, bietet das Archiv der Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden.
Eine Anfrage beim Institut für Zeitgeschichte in München brachte
überhaupt keine Ergebnisse. – Eine vielleicht interessante Randbemerkung
zur neueren Geschichte des Wortes im Ausland: In der Kölnischen
Rundschau vom 18. 9. 1998 stand ein Artikel über deutsche Fremdwörter
im US-Amerikanischen, der unter anderem folgenden Abschnitt enthielt: "Eine
befremdliche Karriere hat [...] das Wort 'Nazi' gemacht. In den nördlichen
US-Bundesstaaten versteht man darunter wertfrei jede Art von Fanatiker.
Ein 'tobacco nazi' ist ein leidenschaftlicher Raucher, ein 'jazz nazi'
ein Jazz-Fetischist."
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Frage: Woher kommt
das Wort Kaventsmann?
Antwort: Das Wort
Kaventsmann
(›großer, dickleibiger Mann‹ bzw. überhaupt ›großes Stück,
großer Gegenstand‹) lässt sich zurückführen auf den
Konventsmann,
einen Mönch, der im Konvent (einer kleinen klosterähnlichen Einrichtung)
lebt. Mönche (überhaupt Kleriker) stellte man sich gemäß
allgemeinen Klischees als wohlgenährte, dicke Männer vor. – Kaventsmann
ist westdeutsch und seit dem 19. Jahrhundert belegt.
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Frage: Deutsche Sprache,
schwere Sprache. Vor allem, wenn es um ähnliche Wörter geht.
Was ist der Unterschied zwischen senden und schicken? Antwort:
"Monsieur ist ein Gesandter", sagte Bismarck, "aber kein geschickter".
Was ist der Unterschied zwischen Bänken und Banken?
Antwort: Lieber bei diesen sein Geld hinterlegen als auf jenen. Was ist
der Unterschied zwischen einem Informanten und einem Informanden?
Antwort: Der erste liefert Informationen, der zweite soll welche erhalten.
Was aber ist der Unterschied zwischen Informationstechnik und Informationstechnologie?
Antwort: Einem der
großen Wörterbücher der deutschen Gegenwartssprache, dem
zehnbändigen Duden zufolge befasst sich die Informationstechnik
mit den Möglichkeiten zur Übermittlung und Verbreitung von Information
durch die Technik (die Maßnahmen, Einrichtungen und Verfahren, die
dazu dienen, die Erkenntnisse der Naturwissenschaften für den Menschen
praktisch nutzbar zu machen). Informationstechnologie hingegen ist
die Technologie (das technische Wissen, die Gesamtheit der technischen
Kenntnisse, Fähigkeiten und Möglichkeiten) der Gewinnung, Speicherung
und Verarbeitung von Informationen. Fragt man nach den Grundbestandteilen
beider Wörter, so findet sich einerseits das lateinische Substantiv
informatio
(›Auskunft, Nachricht, Belehrung‹), das von einem Verb
informare
(›formen, gestalten, unterrichten‹) abgeleitet ist (darin wiederum steckt
forma
›Form, Gestalt‹), andererseits das griechische Substantiv
techne
(›Handwerk, Kunst, Kunstfertigkeit‹). Beide Wörter,
Informationstechnik
und Informationstechnologie, sind Wortbildungen, deren identisches
Bestimmungswort Information ist. Die Differenz liegt im Grundwort:
In Technologie steckt zusätzlich das griechische
logos
(›Wort, Geist‹) bzw. logia (›Reflexion, Wissenschaft‹). Wenn also
Technik
die Kunst ist, Wissen umzusetzen, so ist Technologie die Lehre von
der Technik, das Wissen von der Kunst, Wissen umzusetzen. Der Unterschied
ist der von Tun und Nachdenken, Praxis und Theorie. – Der theoretische
Unterschied. In der (sprachlichen) Praxis nämlich lässt er sich
kaum noch finden. Spätestens seit den 60er Jahren wird Technologie
– wohl unter dem Einfluss des englischen technology – zunehmend mit Technik
gleichgesetzt. Der Mainzer Sprachwissenschaftler Peter A. Schmitt
führte dies 1987 auf eine qualitative Differenz der so genannten "neuen
Technologien" zu den herkömmlichen Techniken zurück: Während
letztere vor allem "Erweiterung der physischen Fähigkeiten des Menschen,
also im Grunde 'Werkzeuge'" gewesen seien, würden mit den neuen Technologien
"erstmals auch seine 'Denkzeuge' artifiziell projiziert und ersetzt", so
Schmitt in der Zeitschrift Muttersprache. Sie seien damit "reflexiver
Natur", und dieser Unterschied verwische die traditionelle Trennung zwischen
Wissenschaft und Technik, Ingenieur und Techniker und eben auch zwischen
den Begriffen Technologie und Technik.
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Frage: Woher kommt
die doppelte Null als Kennzeichnung für das WC?
Antwort: Seit ungefähr
1900, als diese Kennzeichnung in Hotels zuerst aufkam, ist sie ein Hinweis
darauf, dass der hinter der so bezeichneten Tür liegende Raum kein
Zimmer ist. Das WC ist also das ›Zimmer Nummer Null‹, ein Raum, der im
Raumverteilungsplan sozusagen nicht mitzählt.
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Frage: Von einem
meiner Schüler hörte ich neulich das Wort Kafruus (mit
Betonung auf dem langen u), offenbar ein Schimpfwort. Ist es Dialekt,
und was bedeutet es?
Antwort: Kafrus(e)
ist im südlichen Westmitteldeutschen, also im Südhessischen und
(Kur)pfälzischen verbreitet. Man findet es in einigen großen
Dialekt- und Mundartwörterbüchern, z. B. im Pfälzischen
Wörterbuch, im Südhessischen Wörterbuch und –
etwas lokalspezifischer – im Frankfurter Wörterbuch. Das Wort
hat mehrere verschiedene Bedeutungen, die wohl auch von der jeweiligen
Region abhängig sind, in der es verwendet wird. Hergeleitet wird es
von rotwelsch Chawrusse oder Kabruse (›Diebsbande‹), das
seinerseits auf jiddisch chawrusso (›Gesellschaft, Kameradschaft,
Genossenschaft‹) zurückgeht. Diese letztere Bedeutung kann das Wort
beispielsweise in der Frankfurter Mundart haben: Heut Owend kimmt die
ganz Kafrus ›heute abend kommt die ganze Gesellschaft‹ (Frankf. Wb.,
S. 432). Deutlicher in Richtung ›Diebsbande, schlechte Gesellschaft‹ zielt
es, wenn es beispielsweise redensartlich heißt: Mir mache kippe-kafrus
›wir teilen den Gewinn, die Beute‹, oder auch: In der Wirtschafd verkehrd
e bäis Kafrusel ›in der Wirtschaft verkehrt eine böse Gesellschaft‹
(Südhess. Wb., Sp. 1037 f.). Hiervon abgeleitet scheint die Bedeutung
›lärmende Kinderschar, Rasselbande‹ (Südhess. Wb., Sp. 1037;
Pfälz. Wb., S. 12). Das Wort kann auch im Singular vorkommen (der
Kafrus); es meint dann einen kleinen Jungen oder Lausejungen (Pfälz.
Wb., S. 12), einen gefährlichen, durchtriebenen Kerl, z. B. einen
Einbrecher (Pfälz. Wb., S. 12; Südhess. Wb. Sp. 1038 – hier auch
die
Kafrus für eine durchtriebene Frau), einen notorischen Tagdieb,
einen streitsüchtigen Burschen, einen moralisch minderwertigen Menschen
(Südhess. Wb. Sp. 1038), einen geistesschwachen, tölpelhaften
oder ungeschickten Kerl (Südhess. Wb. Sp. 1038; Pfälz. Wb., S.
12), aber auch einen guten Freund oder Kameraden (Pfälz. Wb., S. 12).
Im Südhessischen finden sich darüber hinaus die Bedeutungen ›zierliches
Tännchen, das der Förster zum Weihnachtsbaum erwählt‹ und
›Durcheinander; verrückte Ideen‹, und auch ein Adjektiv kafrus
›seltsam‹ ist belegt (Südhess. Wb. Sp. 1038). – Wie sich zeigt, wird
das Wort meist pejorativ-abschätzig verwendet, es kann aber auch anerkennend
oder liebevoll gebraucht werden.
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Frage: Bei einer
Gesprächsrunde fiel das Wort Muttersprache. Woher es kommt,
lässt sich ja leicht erklären. Aber wieso "Vater"land
und "Mutter"sprache?
Antwort: Wie Sie selbst
schreiben, liegt die Erklärung für das Wort Muttersprache
auf der Hand, wenn man davon ausgeht, dass die Mutter derjenige Mensch
ist, zu dem ein Kind in den ersten Lebensjahren den engsten Kontakt hat
und von dem es daher die Sprache erlernt. Dies war zwar nicht zu allen
Zeiten und nicht in allen Kulturen so: Man konnte Kinder auch von Ammen
betreuen lassen und später dann in die Obhut von Verwandten und/oder
bezahlten Erziehern geben. Aber Muttersprache ist eine Lehnübersetzung
des lateinischen
lingua materna, und bei den alten Römern (d.
h. denen der vorklassischen Zeit) war es tatsächlich die Mutter selbst,
die sich in den ersten Jahren um die Kinder kümmerte. – Das
Wort Vaterland hat ebenfalls ein lateinisches Vorbild, nämlich
patria.
Dabei nun handelt es sich um einen Rechtsterminus, als dessen Hintergrund
man sich eine streng patriarchalisch ausgerichtete Gesellschaftsordnung
denken muss. Die Mutter war nur dafür zuständig, Kinder zur Welt
zu bringen und in den ersten Jahren zu betreuen; für alle rechtlichen
Aspekte der Abstammung und Herkunft war der Vater die Bezugsperson. –
Unabhängig von dieser historischen Erklärung findet man im Volksmund
bisweilen folgende (augenzwinkernde) Darstellung: Es heißt Muttersprache,
weil der Vater zu Hause nichts zu sagen hat.
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Frage: Wir wollen
unsere Tochter Coocaburra nennen. Das Standesamt ist dagegen. Können
Sie uns helfen?
Antwort: Leider nicht.
Das Wort
Kookaburra stammt aus einer australischen Eingeborenensprache.
Der Kookaburra (lat. Dacelo gigas, engl. Laughing Jack, dt.
Lachender
Hans) ist ein zur Ordnung der Rackenvögel und zur Familie der
Eisvögel gehörender, etwa krähengroßer Vogel, der
in Australien (vor allem in Süd- und Ostaustralien) vorkommt und durch
seinen charakteristischen, lautem Gelächter ähnlichen Ruf bekannt
ist. – Abgesehen davon, dass Tierbezeichnungen, die als Vornamen nicht
traditionell verwurzelt sind (z. B. Wolf), nicht als Vornamen gegeben
werden sollten, ist Kookaburra eindeutig männlich (auch im
Englischen, wie ein australisches Volkslied erkennen lässt: "Kookaburra
sits on an old gum tree, merry, merry king of the bush is he ...")
und kommt deshalb als weiblicher Vorname nicht in Frage.
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Frage: In einem älteren
Text las ich kürzlich das Wort Schrittschuh. Was könnte
damit gemeint sein, ein Schlittschuh?
Antwort: Das Wort
Schrittschuh
ist in der Tat eine ältere Bezeichnung für das, was wir heute
Schlittschuh
nennen. Im Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm liest
man dazu Folgendes: "die alte sprache kennt ausschlieszlich die bildung
schrittschuh
zum verb. schreiten, schuh zu weitem schritt. [...] erst im nhd.
[= Neuhochdeutschen] wurde älteres schrittschuh in anlehnung
an schlitten umgedeutet und zu schlittschuh entstellt. [...]
es ist wahrscheinlich, dasz sich diese umbildung [...] im laufe des 17.
jahrh. vollzogen hatte und an ausdehnung gewann." – Im 18. Jahrhundert
konnte man dann beide Formen gleichberechtigt nebeneinander verwenden,
wie ein Brief des begeisterten Schlittschuhläufers Goethe an seinen
Herzog Carl August (24. 12. 1775) beweist: "Unser Bote ist noch nicht da,
der Schrittschuhe mitbringt, ihm sind tausend Flüche entgegen geschickt
worden [...] – Der Bote ist da, und nun aufs Eis. [...] – Die Schlittschue
sind vergessen, ich habe gestrampft und geflucht, und eine Viertelstunde
am Fenster gestanden und gemault, nun laben sie mich mit der Hoffnung es
käm noch ein Bote nach. Muß also ohne geschritten zu Tische
– Abends viere. Sind gekommen, habe gefahren und mir ists wohl." (Weimarer
Ausgabe, IV. Abt., Bd. 3, S. 10.) – Im 19. Jahrhundert ist Schrittschuh
dann allmählich unüblich geworden. In niederdeutschen und mitteldeutschen
Mundarten findet sich das Wort allerdings noch lange danach. Andere mundartliche
Bezeichnungen sind Glittschuh und Schleifschuh.
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Frage: Woher kommt
die Redewendung sich auf die Socken machen? Man macht sich doch
nicht strümpfig auf den Weg?
Antwort: Das Wort
Socke
kommt vom lateinischen soccus, dieses wiederum vom griechischen
sykchos.
Der Sykchos war im Gegensatz zum Kothurn (einem Schuh mit hoher Sohle –
heute würden wir sagen: einem Plateauschuh –, den die Schauspieler
der altgriechischen Tragödie auf der Bühne trugen) ein flacher
Schlupfschuh insbesondere für Komödienschauspieler. Daher kann
Socke
auch einen flachen, weichen Schuh, z. B einen Filzschuh, bezeichnen, so
dass der Aufbruch nicht notwendigerweise in Strümpfen erfolgen muss.
In der Jägersprache steht das Wort darüber hinaus für den
unteren Teil der Hasenpfote. Die Wendung sich auf die Socken machen
kann daher auch bedeuten: ›eilig weggehen, wie ein Hase flüchten‹.
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Frage: Was bedeutet
das Wort Blutzer?
Antwort: Blutzer
oder Blutzger ist ein süddeutsches (bairisches und schwäbisches)
Dialektwort, das bereits im Frühneuhochdeutschen belegt ist und so
viel wie ›Melone, Kürbis‹, später auch ›runde, bauchige Flasche‹
bedeutet. Das
Wörterbuch der bairischen Mundarten in Österreich
erklärt es als lautmalerisches Wort, ausgehend von der Grundvorstellung
des Bauchigen, Plumpen bzw. dumpf Auffallenden.
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Frage: Warum haben
manche Ländernamen einen Artikel bei sich (z. B. die Schweiz), die
meisten aber nicht?
Antwort: Ortsnamen
(z. B. Köln,
Hamburg) und Staatennamen (z. B. Deutschland,
Frankreich)
stehen im Deutschen in der Regel ohne Artikel, Landschaftsnamen (die
Pfalz,
das Engadin) hingegen in der Regel mit Artikel. Nun gibt
es Staatennamen, die ursprünglich Landschaftsnamen gewesen sind (z.
B. die Schweiz,
der Jemen bzw. Kollektivbezeichnungen:
die
Niederlande); diese behalten auch als Staatennamen den Artikel.
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Frage: Unsere Tochter
wurde in der Schule bestraft, weil sie das Wort geil verwendet hat.
Sie hat es aber in der heutzutage in der Jugendsprache ganz gängigen
Weise gebraucht und nichts Anzügliches oder Unanständiges damit
gemeint. Kann die Lehrerin das Wort verbieten?
Antwort: Über
Herkunft und Bedeutung des Wortes geil geben verschiedene Wörterbücher
Auskunft. Ich fasse die dort nachzulesenden Informationen zusammen: Nach
dem Etymologischen Wörterbuch des Deutschen von Wolfgang Pfeifer
(2. Aufl. 1993) geht geil wohl zurück auf indoeuropäisch
*ghoilos ›aufschäumend, heftig, übermütig, ausgelassen,
lustig‹. Im Althochdeutschen (seit dem 8. Jahrhundert) bedeutet geil
so viel wie ›übermütig, überheblich‹; im Mittelhochdeutschen
(seit dem 12. Jahrhundert) kann es ›kraftvoll, mutwillig, üppig, lustig‹,
in anderen germanischen Sprachen ›froh, fröhlich‹ sowie ›schön‹
heißen. Diesem Wortgebrauch, der in der Variante ›übermäßig
(in Bezug auf Gefühle o. Ä.)‹ bis ins 20. Jahrhundert hinein
bezeugt ist (vgl. das sechsbändige Duden-Wörterbuch, Bd. 3, 1977),
steht die heute vorherrschende Bedeutung ›lüstern, sexuell erregt‹
gegenüber; sie ist allerdings erst seit dem 15. Jahrhundert, also
deutlich später ausgeprägt. Eine ausführliche Darstellung
der Wortgeschichte bis ins 19. Jahrhundert, die hier nicht im Einzelnen
wiedergegeben werden kann, bietet das Deutsche Wörterbuch der
Brüder Grimm (Bd. 4.1.II, 1897). – An die ursprüngliche, ab dem
17. Jahrhundert selten gewordene Bedeutung knüpft spätestens
seit Beginn der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts die Verwendung von geil
im Wortschatz der Jugendsprache an. Hier hat das Wort die Bedeutung ›sehr
gut, großartig, beeindruckend, klasse‹ und dient dem Ausdruck positiver
Gefühle und/oder uneingeschränkter Zustimmung (z. B. geile
Musik, geile Party, geiles Wetter). Die Gesellschaft
für deutsche Sprache hat diesen Wortgebrauch bereits früh dokumentiert
(s. Der Sprachdienst 2/1981, S. 30 und 1–2/1982, S. 10); mittlerweile
verzeichnet ihn auch das derzeit aktuellste der großen Wörterbücher
zur deutschen Gegenwartssprache, der zehnbändige Duden (1999): ›in
begeisternder Weise schön, gut; großartig, toll‹. – Es ist verständlich,
wenn sich manche – vor allem ältere – Zeitgenossen, die hauptsächlich
oder sogar ausschließlich noch die "unanständige" Bedeutung
kennen, durch das unbefangen geäußerte Wort verärgert oder
schockiert fühlen. Es könnte sich daher aus Gründen der
Höflichkeit empfehlen, gegenüber solchen Personen darauf zu verzichten.
Andererseits ist Sprachwandel (und dazu gehört natürlich auch
Bedeutungswandel) ein alltäglicher Vorgang, der in der Natur einer
jeden Sprache liegt, und es ist den Mitgliedern einer Sprachgemeinschaft
zuzumuten, eine Änderung des allgemeinen Sprachgebrauchs auch dann
zur Kenntnis zu nehmen und sich bei anderen darauf einzustellen, wenn sie
diese Änderung persönlich nicht mitvollziehen wollen. Ein allgemein,
mittlerweile auch schon in Literatur, Presse und Werbung (s. beispielsweise
Der
Spiegel 42/18. 10. 1999, S. 114) gebräuchliches, erkennbar in
nicht beleidigender oder provokativer Absicht verwendetes Wort verbieten
zu wollen, ist jedenfalls ausgeschlossen.
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Frage: Im Zusammenhang
mit Computer und Internet las ich neulich ein Wort, mit dem ich nichts
anfangen konnte: Gefordert wurde, einen Thread zu beenden. Was ist
damit gemeint? Hat es etwas mit ›drohen‹ zu tun; wird das Internet vielleicht
als Bedrohung verstanden?
Antwort: Das englische
Substantiv
thread bedeutet eigentlich so viel wie ›Faden, Zwirn,
Garn‹ und ist verwandt mit dem deutschen Draht. Mit dem englischen
threat
(›Drohung‹) hat es nichts zu tun. Im Zusammenhang mit Computer und Internet
steht das Wort für den ›Gesprächsfaden‹ in einem der vielen Internet-Gesprächskreise
(so genannten Newsgroups oder Chatforen), bei denen jeder Teilnehmer zu
Hause, in einem Internet-Cafe oder – vom Arbeitgeber in der Regel nicht
gerne gesehen – im Büro vor seinem Computer sitzt und per Online-Verbindung
mit anderen Teilnehmern kommuniziert. Faktisch läuft dies so ab, dass
jeder seinen Redebeitrag per Tastatur eingibt und abschickt; die Beiträge
erscheinen dann in der Reihenfolge, in der sie beim Forum eingegangen sind,
auf jedem einzelnen Teilnehmerbildschirm. Solche virtuellen Gespräche
können sich – je nach Art des Forums – über längere Zeiträume
(Tage, Wochen, Monate ...) hinziehen. Die Summe aller Beiträge in
ihrer chronologischen Abfolge nennt man den Thread. In Ihrem Beispiel
könnte man
Thread vielleicht mit ›virtuelles Gespräch
über ein bestimmtes Thema‹ übersetzen.
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Frage: Freunde von
uns heißen mit Nachnamen Adomeit. Wir fragen uns seit längerem,
woher dieser doch auffällige Name wohl kommt.
Antwort: Es handelt
sich um einen Familiennamen, der auf den Vornamen des Vaters oder des Ahnherrn
zurückgeht. Man nennt diese Familiennamen Patronymika (Vaternamen);
zu ihnen gehören beispielsweise in den germanischen Sprachen Namen
mit Sohn als zweitem Bestandteil (Karlssohn, Peterson,Christiansen
usw.), aber auch Namen mit alter Genitivendung (Jochims,
Franzens,
Georgi
usw.). Die Endung -eit geht auf das litauische -aitis (›Sohn
von ...‹) zurück; wer Adomeit heißt, wird also eine Person
namens Adam zu seinen Vorfahren zählen und die Herkunft seiner Familie
in den baltischen Sprachraum zurückführen können. Neben
Adomeit
gibt es weitere, analog gebildete Namen, beispielsweise
Abromeit
(›Sohn des Abraham‹), Simoneit (›Sohn des Simon‹) aber auch Schneidereit
(›Sohn des Schneiders‹), wobei kein Personenname, sondern die Berufsbezeichnung
des Vaters oder Ahnherrn zugrunde liegt.
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Frage: Ich habe im
Prinzip nichts gegen Anglizismen, aber ich finde, die Fremdwortfreundlichkeit
geht zu weit, wenn Ausdrücke für das Deutsche neu "erfunden"
werden, die das Englische gar nicht kennt, z. B. Handy. Vor kurzem
erhielt ich als Werbegeschenk einen "Cappucchino-Topper", eine Streudose,
mit der man den Milchschaum in vier verschiedenen Geschmacksrichtungen
bepudern kann. Hauptsache Englisch oder was?
Antwort: Ihr Beleg
ist ein schönes Beispiel dafür, wie sehr gerade in der Werbebranche
die Meinung verbreitet ist, durch englische Bezeichnungen ein Produkt attraktiver
machen zu können. Dabei beschränkt man sich nicht einmal auf
die mittlerweile allgemein übliche Sprachmischung Deutsch-Englisch,
sondern greift bedenkenlos auch auf andere Sprachen aus. In Ihrem Beleg
glaubte man ein italienisches Wort mit einem englischen bzw. amerikanischen
"toppen" zu müssen. – Allerdings ist die Inhomogenität der Fügung
zumindest der Sache nach weit geringer als es auf den ersten Blick scheinen
mag. Der Cappuccino ist in seiner klassischen Form zwar ohne Frage ein
aus Italien stammendes Getränk, erfreut sich aber in den USA großer
Beliebtheit, ebenso wie Spaghetti und Pizza. (Sieben von zehn US-Amerikanern
werden auf die Frage, welches Land die Pizza erfunden hat, ihr eigenes
nennen.) Dabei sind natürlich, wie üblich in solchen Fällen,
der Variation und "Verfastfoodung" keine Grenzen gesetzt. Will sagen: Wenn
es tatsächlich so etwas wie einen "Cappuccino-Topper" gibt, so ist
er sicherlich eher eine amerikanische Erfindung als eine italienische;
Cappuccino
in
Cappuccino-Topper wäre demnach aus unserer Sicht ein englisches
Wort (für das Englische natürlich gleichfalls ein Fremdwort,
ein Italianismus). Übrigens gar nicht so unwahrscheinlich; wie man
weiß, gibt es kaum eine Sprache, die mehr Fremdwörter aufgenommen
hat (und weiterhin täglich aufnimmt) als das Englische.
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Frage: Neulich las
ich, daß die Frau des äthiopischen Präsidenten Gidada eine
"taffe" Entwicklungshelferin sei. Sie ist tüchtig, couragiert, engagiert
– wir haben schon ein paar Fremdwörter dafür. Die eindeutschende
Schreibweise taff für englisch tough finde ich interessant.
Was halten Sie davon?
Antwort: Ganz so groß
wie gemeinhin angenommen ist der englische Einfluss auf das Deutsche nicht.
Das Adjektiv taff ist nicht, wie immer wieder vermutet wird, eine
eindeutschende Schreibung des englischen tough, sondern kommt von
jiddisch toff, das wiederum auf hebräisch tôv
(›gut‹) zurückgeht. Dem Großen Wörterbuch der deutschen
Sprache des Dudenverlags zufolge gehört taff zur saloppen
Stilebene; es hat die Bedeutung ›hart, robust‹.
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Frage: Bitte erklären
Sie mir die Herkunft des Ausdrucks dumme Nuss.
Antwort: Der Ausdruck
lässt sich prinzipiell auf zweierlei Weise erklären. Zum einen
ist Nuss ein Ausdruck für die Vulva. Insbesondere die Jägersprache
kennt
Nuss als Bezeichnung für das weibliche Geschlechtsteil
bei Tieren vor allem der niederen Jagd. Nimmt man die Bezeichnung für
das weibliche Geschlechtsteil als Pars pro toto für die Frau (wie
vor allem in der Vulgärsprache üblich), so lässt sich die
dumme
Nuss als ›dumme weibliche Person‹ erklären. (Ähnlich auch
bei der tauben Nuss, einer abwertenden Bezeichnung für eine
unfruchtbare Frau.) – Weniger sexistisch ist der zweite Erklärungsversuch,
der dann plausibler erscheint, wenn man die Formulierung dumme Nuss
als Bezeichnung überhaupt für einen dummen Menschen (gleich welchen
Geschlechts) versteht. Nuss ist unter anderem auch ein despektierlicher
Ausdruck für ›Kopf‹ (wegen der Formähnlichkeit und der Analogie
von Nussschale und Hirnschale). Nimmt man die Vokabel für den Kopf
als Pars pro toto für die Person, wie in der Alltagssprache vielfach
üblich (z. B. jemand ist ein kluger Kopf, Dummkopf usw.),
so wird die Wendung dumme Nuss ›Dummkopf‹ ohne weiteres nachvollziehbar.
– Übrigens gibt es auch hier die Wendung taube Nuss, und zwar
in der Bedeutung ›Kopf mit wenig oder keinem Inhalt‹.
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Frage: Bei einer
Überlandfahrt habe ich im Wald ein Schild gesehen, das sich gegen
Umweltverschmutzer richtete. Zu lesen war darauf: "Du alte Waldsau!" Ich
(über 60) fühle mich dadurch verunglimpft. Ich habe noch nie
Abfall in den Wald geworfen, und so schlechte Manieren haben ja wohl auch
hauptsächlich jüngere Leute. Ich finde, es sollte "Du junge Waldsau!"
heißen.
Antwort: Zu welcher
Altersgruppe Umweltsünder hauptsächlich gehören, entzieht
sich meiner Kenntnis. Das Wort alt ist aber hier auch gar nicht
im Sinne von ›nicht mehr jung‹ zu verstehen, sondern als verstärkendes
Adjektiv bei negativ charakterisierenden Personenbezeichnungen (z. B. alter
Geizkragen,
altes Ferkel). Gemeint sein können damit natürlich
auch ganz junge Personen. In Heinz Küppers Illustriertem Lexikon
der deutschen Umgangssprache wird die angeblich seit dem 19. Jahrhundert
existierende Bedeutung mit ›leidig, unangenehm, widerlich‹ angegeben. Man
wolle, so Küpper, "zum Ausdruck bringen, daß der Betreffende
seit langem als ein solcher bekannt ist, wie ihn das Substantiv bezeichnet".
Diese Erklärung greift aber wohl zu kurz. Das Adjektiv alt
wurde, wie das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch von Oskar
Reichmann belegt, in der Bedeutung ›abgefeimt, sündig, verrucht, verworfen‹
bereits im 14. Jahrhundert verwendet, hauptsächlich im Zusammenhang
mit theologischen Inhalten. "Alt" war offenbar das, was durch die Erlösungstat
Christi noch nicht "neu" gemacht worden war, z. B. die alte Schlange
oder der alte Drache (beides vom Teufel gesagt). Von dieser Bedeutung
des Bösen, Schlechten her dürfte sich dann durch Übertragung
auf nicht theologische Zusammenhänge – ebenfalls bereits im 14. Jahrhundert
– die abwertende Funktion des Adjektivs herausgebildet haben, die Ihnen
in der alten Waldsau begegnet ist.
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Frage: Ich möchte
meiner Tochter den Namen Maria als einzigen Vornamen geben. Die
Standesbeamtin findet in ihrem Buch, dass Maria sowohl ein weiblicher
als auch ein männlicher Vorname ist und will ihn daher nur zusammen
mit einem weiteren, eindeutig weiblichen Vornamen eintragen. Was sollen
wir tun?
Antwort: Die Eintragung
von Maria als einzigem weiblichem Vornamen ist ohne weiteres zulässig.
Die Standesbeamtin beruft sich vermutlich auf das Internationale Handbuch
der Vornamen von 1986. Dabei handelt es sich um eine Zusammenstellung
von Informationen aus verschiedenen Vornamenbüchern, die lediglich
belegte Namensformen (darunter ganz absurde Schreibvarianten) und das Geschlecht
angibt. Sind in unterschiedlichen Quellen unterschiedliche Angaben zum
Geschlecht zu finden, so werden kommentarlos beide übernommen. Dass
dies in vielen Fällen zu einer verfälschenden Darstellung des
Sachverhaltes führen kann, zeigt sich bei Maria. Dieser Vorname
ist eindeutig weiblich. Er findet sich zwar in manchen Gegenden – vor allem
in Süddeutschland – aus religiös-traditionellen Gründen
auch als männlicher Vorname, allerdings immer nur als Beivorname,
d. h. in Verbindung mit einem eindeutig männlichen Erstvornamen. Nur
in einer solchen Verbindung ist Maria nach einem Urteil des Oberlandesgerichts
Darmstadt von 1930 als männlicher Vorname zulässig. In Verbindung
mit einem weiblichen Vornamen oder als alleiniger Vorname ist Maria eindeutig
weiblich. – Mittlerweile ist übrigens eine Neubearbeitung des Handbuchs
erschienen, in der viele Fehler beseitigt sind.
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Frage: Ich bin Deutschlehrer
und soll den Schiedsrichter bei einer Wette spielen: Ein ehemaliger Schüler
von mir hat die Redensart wie die Faust aufs Auge passen beim Umzug
gebraucht, als eine Kommode gut an ihren vorgesehenen Platz passte, weil
sie seiner Ansicht nach in jedem Falle ironisch gemeint ist. Sein Vater
aber fand, mit dieser Redensart werde gerade ausgedrückt, dass etwas
überhaupt nicht passe. Schließlich gehöre eine Faust nicht
aufs Auge. Wer hat nun Recht? Es geht um hundert Euro.
Antwort: Die hundert
Euro können sich die Kombattanten teilen, da sie beide Recht haben.
Die Redensart passen wie die Faust aufs Auge wird in beiden Bedeutungen
verwendet, die Sie angeführt haben. Im Duden 11 (Redewendungen
und sprichwörtliche Redensarten. Wörterbuch der deutschen Idiomatik,
Mannheim u. a. 1992, S. 538) steht dazu Folgendes: "1. ݟberhaupt
nicht passen‹ [...]. 2. ›sehr gut, ganz genau passen‹ [...]. Mit dem Vergleich
wurde zunächst ausgedrückt, daß etwas überhaupt nicht
zu etwas paßt: Faust und Auge passen nicht zusammen, weil es höchst
unangenehm ist, einen Faustschlag aufs Auge zu bekommen. Durch häufigen
ironischen Gebrauch entwickelte sich die gegenteilige Bedeutung." – Die
Ironie, von der hier die Rede ist, entsteht dadurch, dass die Redensart
allzu wörtlich genommen wird. Man denkt dann daran, dass die Faust
von der Form her sehr gut auf das Auge passt. Eine solche wörtlich-ironische
Verwendung finden wir beispielsweise in dem Roman Der liebe Augustin.
Die Geschichte eines leichten Lebens (1921) von Horst Wolfram Geißler
(1893–1983): "[...] daß der Name Augustin Sumser zu dem Buben paßte
wie die Faust aufs Auge, nämlich sehr gut (wiewohl gedankenlose Menschen,
die es noch nicht probiert haben, gewöhnlich der Meinung sind, die
Faust passe keineswegs aufs Auge)".
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Frage: Ein Freund
gebrauchte kürzlich das Wort schwachmatisch; er meinte so viel
wie ›schwach, schwächlich, kraftlos‹. Ich habe mit ihm gewettet, dass
es das Wort nicht gibt. Habe ich Recht?
Antwort: Nein, nicht
ganz. Das Wort
schwachmatisch ist zwar "nur" eine scherzhaft latinisierende
bzw. gräzisierende Phantasiebildung (nach dem Vorbild von rheumatisch,
phlegmatisch
usw.). Es existiert aber trotzdem, und zwar als Adjektiv zu dem schon seit
mindestens 1820 bekannten Substantiv Schwachmatikus (bzw. Schwachmaticus:
so im Grimmschen Wörterbuch). Der zehnbändige Duden von 1999
zitiert einen Beleg aus dem Mannheimer Morgen von 1969. Aber auch
Thomas Mann verwendete das Wort, und zwar beispielsweise in seinem 1947
erschienenen Roman Doktor Faustus (Gesammelte Werke in 13 Bänden,
Bd. 6, S. 388).
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Frage: Wieso sagt
man, wenn jemand eine Vorahnung hat, dass ihm etwas schwant? Ist
der Schwan im Volksglauben ein Vogel mit Zukunftsahnung?
Antwort: Ob die Wendung
etwas mit dem Schwan zu tun hat, ist nicht geklärt. Sie findet sich
zuerst im Mittelniederdeutschen (Braunschweig 1514), aber in der 1. Hälfte
des 16. Jahrhunderts auch schon im Hochdeutschen. Möglicherweise liegt
das Verb wanen ›wähnen, ahnen‹ zugrunde, wobei zwischen einem
vorgestellten Personalpronomen und diesem Verb die Wortgrenze sich verschoben
hat (mir’s wanet > mir swanet. Ähnliches ist – in umgekehrter
Richtung – bei dem Wort Otter (›Schlange‹) eingetreten, das auf
Natter
zurückgeht. Hier wurde das anlautende n als Ende eines vorangehenden
unbestimmten Artikels empfunden (ein[e] Atter); das a im
vermeintlichen Anlaut wurde zu o verdumpft. – Eine andere
Herleitungsmöglichkeit bringt doch den Schwan ins Spiel: Der Wendung
könnte neulateinisch olet mihi (›es ahnt mir‹, von lat. olere,
›riechen, sich durch Geruch bemerkbar machen‹) zugrunde liegen. Von Gelehrten
der frühen Neuzeit könnte dieses Verb scherzhaft an das lateinische
Wort für den Schwan, olor, angeschlossen worden sein, so dass
schwanen
die "wörtliche" Übersetzung von olere wäre.
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Frage: Warum nennt
man die Engländer auch Tommys?
Antwort: Die Bezeichnung
Tommy
(›britischer Soldat, Engländer‹) kam 1837 im Zusammenhang mit einem
kleinen Taschenbuch auf; es enthielt eine Tabelle der Ausrüstungsgegenstände,
die die englischen Soldaten selbst bezahlen mussten; zum besseren Verständnis
waren die Militärverwaltung als Lieferant und ein angenommener Soldat
Thomas Atkins als Empfänger der Ausrüstung genannt. Dieser Name
wurde in der Kurzform Tommy die volkstümliche Bezeichnung für
den englischen Soldaten. Bei uns ist das Wort etwa seit 1900 (seit dem
Boxeraufstand in China) verbreitet.
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Frage: Wieso sagt
man eigentlich redensartlich „Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts?“
Galten Hasen früher als dumme Tiere (so wie beispielsweise in dem
Märchen vom Hasen und dem Igel)?
Antwort: Nein, mit
Hasen hat die Redensart nichts zu tun. Vielmehr ging es ursprünglich,
wie der Wortlaut auch noch erkennen lässt, um eine Person mit Namen
Hase, genauer gesagt um einen Heidelberger Studenten namens Victor Hase.
Das war zu einer Zeit, in der die schlagenden Studentenverbindungen noch
einflussreich und studentische Duelle (obgleich verboten) an der Tagesordnung
waren. Eigentlich sollten zwar die Kontrahenten dabei allenfalls ein wenig
schmuck verstümmelt werden, aber ein Freund von Victor Hase hatte
das Pech, im Zweikampf versehentlich einen Kommilitonen zu töten.
Victor verhalf ihm zur Flucht, wurde aber der Beihilfe verdächtigt
und vor den Senat der Universität geladen. Er betrat den Sitzungssaal
mit den Worten: "Hohe Versammlung, mein Name ist Hase, ich verneine die
Kardinalfragen: Ich weiß von nichts."
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Frage: Namen sind
universell und alltäglich. Aber woher kommt das Wort Name wohl
ursprünglich?
Antwort: Es ist ein
sehr altes Wort, das in allen germanischen Sprachen, aber auch im Griechischen
(onoma), im Lateinischen (nomen), im Russischen (ímja),
im Altiranischen (ainmm) und im Altindischen (náma)
vorkommt. Zurückgehen dürfte es auf ein indoeuropäisches
Wort *en(o)men-, *nomen-, das in verschiedenen Ablautformen
vorliegt. Früher nahm man an, dass Name von nehmen käme;
ein Name sei, was man nehme, zur Gabe empfange. Folgerichtig wurde das
Wort häufig mit h geschrieben: Nahme. Dass diese Herleitung
nicht zutrifft, gibt schon die heute bekannte Rechtschreibregel „Wer nämlich
mit h schreibt, ist dämlich“ zu erkennen. Einen interessanten etymologischen
Zusammenhang vermutet demgegenüber Matthias Lexer im Grimmschen Wörterbuch
(Bd. 7, Leipzig 1889, Sp. 322): Das zugrunde liegende Wort habe im Indoeuropäischen
im Anlaut ein g gehabt, das aber schon sehr früh geschwunden sei (relikthaft
erhalten noch im lat. co-gnomen). Damit bestünde eine Urverwandtschaft
zu Wörtern wie griech. gignoskein ›erkennen, wissen‹, gnosis
›Wissen, Kenntnis‹, lat. (g)noscere ›erkennen, wissen‹, aber auch
zu deutschen Wörtern wie kennen, können und Kunst.
Demnach wäre die ursprüngliche Bedeutung von Name mit
›Kennzeichen, unterscheidendes Merkmal‹ anzugeben. Ob die Dinge tatsächlich
so liegen, ist nicht sicher: Die gängigen etymologischen Wörterbücher
der Gegenwart erwähnen Lexers These nicht.
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Frage: Obwohl wir
seit Jahren ein vereintes Deutschland sind, wird immer noch von der "Bundesrepublik
Deutschland“ gesprochen. Wäre es nicht besser, unser Land wie in früheren
Zeiten einfach "Deutschland“ zu nennen?
Antwort: Die Bezeichnung
Bundesrepublik
Deutschland waren wir über Jahrzehnte als Gegensatz zur Deutschen
Demokratischen Republik zu sehen gewohnt, so dass wir sie heute, nach
der Wiedervereinigung, möglicherweise als veraltet empfinden. Das
ist sie aber keineswegs; vielmehr ist Bundesrepublik Deutschland
noch immer die offizielle Bezeichnung für unseren Staat. Allerdings
gilt: Bei den für den amtlichen Sprachgebrauch vorgeschriebenen Staatennamen
unterscheiden wir eine Vollform für offizielle Texte (Gesetze, Verträge,
auch Nachrichten) und eine Kurzform für den alltäglichen Gebrauch.
Drei Beispiele: Französische Republik und Frankreich;
Großherzogtum
Luxemburg und Luxemburg;
Republik Österreich und
Österreich.
Entsprechend lautet unser Staatsname in der Vollform
Bundesrepublik
Deutschland, in der Kurzform einfach Deutschland. Als Faustregel
gilt also: Wir können prinzipiell beides (Bundesrepublik Deutschland
oder einfach Deutschland) sagen, aber wenn es offiziell werden soll,
müssen wir die Vollform
Bundesrepublik Deutschland verwenden.
– Eine Liste aller Staatennamen mit Kurz- und Vollformen findet sich übrigens
im Internet unter http://www.ifag.de/kartographie/stagn/staatennamen.htm.
Man kann sie auch beim Ständigen Ausschuss für Geographische
Namen (StAGN) anfordern. Die Anschrift lautet:
StAGN-Geschäftsstelle
Bundesamt für Kartographie
und Geodäsie
Richard-Strauss-Allee 11
60598 Frankfurt a. M.
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