Titulus stuprorum et pena eorundem
Chlagt ein fraw´, si sey genotzogt, und kumpt diser, der diu notnuft getan hat, daz er dar umb nicht gepunden und gevangen wirt, den sol man vodern
auf daz recht, und kumpt er dann hin fùr, so sol man sein recht dar umb nemen, das er sein nicht getan hab, und sol in nicht ùberziugen, wan er von potz wegen unbetwungenlichen hin fùr
chomen ist, und damit sol er umb diu notnuft enprosten sein, ez welle dann [Hier beginnt fol. 16r (früher: 10r)] die fraw´ mit willen
mit im chempfen, so sol man sein berednùzz nicht nemen; waer auch, ob man in fùr das gericht vodert und er hin fùr nicht chomen wolt, so sol er der notnuft schuldich sein; es sol
ein iglich fraw´, diu genotzogt wirt, swann si auz seinen handen und auz sei- [Hier beginnt S. 82 der Edition] nem gewalt kumpt, mit brochem
leib und mit fladerentem har, mit zerrizzem pend und ze hant hin gènt lauffen, daz gericht suochen und ir laster weint und schreyent chlagt allen den, die ez hòrent oder sehent, und welhiu fraw´ ir notnuft also
bechlagt, der sol man hin nach richten, als recht ist; ez sind auch alle die, die ir chlag hòrnt oder sehent, ez sey fraw oder man, zuo der notnuft
guot ziug, ob si wellent.Art. 57. Wer notnuft beziugen mag
Wer auch diu notnuft hòrt oder sicht und der frawen nicht ze
helfen chumpt, ez sey fraw´ oder man, hintz dem sol man richten als hintz dem notnufter selb; enpraest aber
der selb mit seinem ayd, den die fraw´ umb diu notnuft an gesprochen hat, und si mit im nicht chemphen wolt, so sol man in ze fùrbann tuon und im dez gerichtz brief dar umb geben, und hat sich der frawen leib und guot in gerichtz gewalt vervallen; und
den leip mit dem guot ze lòsen, aygen und lehen, sol den erben zallen ziten beleiben.Art. 58. Umb champf von frawen wegen
Vermaezz
aber sich diu fraw´ champhes mit im, da sol man in baiden tack auf geben, und welhes dez kamphes ab gieng und dez nicht volfuort, dem ist pruch an dem kamph geschehen und [an] allem seinem rechten.Art. 59. Wer umb notnuft gevangen wirt
Wirt aber einer umb notnuft gevangen,
der man in ùberziugen wil, der sol man in uberwinden mit syben personen; ez mùgen auch frawen und man wol ziugen gesein, doch sùllen zem minsten vier man dar under sein.
vgl.
DRW: notzogen