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BairLR.(Schlosser/Schwab) [2. Titel]

Tituylus furtorum


[Hier beginnt fol. 12r (früher: 6r)]

Art. 32. Umb verstolns hausgeraet

Vindet ein man oder ein fraw´ in irm haus hausgeraet, daz in verstoln oder ab dem weg getan wær von iren ehalten, dez mùgen si sich underwinden und haimen an daz gericht, in selber an schaden, ob si den èhalten fùrbaz halten wellent; und ist, daz der herr oder die frawe mit dem ehalten niht abdingent und dheinerley guot dar umb nement heimlich oder offenlichen, so sol der richter chein puozz auch dar inn haben; geschaech aber ez, so sol der richter gen dem èhalten sein puozz haben nach dez puochs sag.

Art. 33. Umb verstolns guot

Wær auch, daz ein man ein guot fund oder an chaem, daz im verstoln oder enpfùrt waer, ez wær roz oder rinder oder welherley guot daz waer, dez mag er sich wol underwinden und haymen offenlichen, im selber an schaden, und sol ez dem fronboten chunt tuon, ez waer dann, daz er den fronboten bey im nicht gehaben mocht in der naehen, daz im sein guot verlorn wurd; wolt man im dez nicht gelauben, so sol er ez war machen mit seinem ayd, daz er in als pald nicht gehaben mocht. [Hier beginnt S. 76 der Edition]

Art. 34. Umb verstolns guot auz chirchen

Fund man in ayns gewalt guot, daz auz chirchen, auz mùln, auz smitten oder von dem pfluog verstoln ist, der sol daz berechten an der schrannen, dem ez verstoln ist, als recht ist; und in swes gewalt man daz funden hat, der sol dez selben guotz seinen gewern stellen, ob er in gehaben mack; mòcht aber er sein nicht gestellen, so sol hintz im geschehen dar umb, waz recht ist.

Art. 35. Umb diubs guot

Wirt aber auz ains gewalt diubs guot berecht, als vor geschriben ist, daz auz chirchen, auz mùln, auz smitten verstoln wirt, daz sol man auch schatzen und sol im dez der dritt pfennick ab gèn, und ist dez ùbrigen guotz ùber zwelf pfenning, so sol der richter einem freyen mann zuo sprechen, [Hier beginnt fol. 12v (früher: 6v)] welhen tot er verdient hab; ist sein aber under zwelf pfenning, so sol man in slahen an der schreyet; wil er dez ùberick sein, so sol er dem richter geben ze puozz sechzick und fùmf pfunt pfenning; liezz er sich aber an der schreiet slahen und wolt der pfenning nicht geben, so hat sich alles sein varntz guot vervallen in gerichtz gewalt.

Art. 36. Umb diuf die gagenwurtick ist

Swer mit dem rechten fùr chumpt mit diuf, diu gagenwurtick ist, so sol der, dez daz guot gewesen ist, berechten mit zwain, daz sein hant diu dritt sey; hat er der zwaier nicht, so sol er ain drey ayd swern dar auf, daz ez zuo der zeit sein aygen guot wær, è daz ez im heleich verstoln wurd, und hiut sein sei, so sol im daz gericht daz guot wider antwurtten und sol man dann daz guot schatzen und ist ez under zwelf schilling, dem richter den zehenten pfenninck ze fùrvang, ist ez ùber zwelf schilling, dem richter sechs und dreizzick pfenning ze fùrvang; und waer daz guot under zwayn und dreizzick pfenning, so ist er dem richter schuldich worden ze puozz dritthalbs pfunt pfenning, ist ez aber ùber zwen und dreizzick pfenning, so sol man in slahen an der schrayeit; oder wil er dez ùberich sein, so sol er dem richter geben zuo puozz sechzick und fùmf pfunt pfenning, wolt aber er der sechzick und fùmf pfunt pfenning nicht geben und liezz sich slahen an der schrayeit, so hiet sich alles sein varntz guot vervallen in dez gerichtz gewalt; ist ez aber uber zwen und sechzich pfenning, so sol man in durch die zend brennen; ist ez aber ùber sechs schilling und zwen pfenning, so sol der richter einen freyen mann zuo sprechen, wie man ùber in richten sùlle, und sol der richter zuo dem guot vier man schaffen, die ez schatzen [Hier beginnt S. 77 der Edition] auf ir triwe, wez es wert sey, daz sol dem diub, dem ez get an den leip, der dritt pfenninck ab gen, an daz vih, daz sol man nicht schatzen, daz an [Hier beginnt fol. 13r (früher: 7r)] dem rechten gagenwurtick ist und auch da vor dem rechten berecht wirt, da sol der richter dem freyen mann zuo sprechen, welhen tot er verdient hab.

Art. 37. Umb diufs guot von den pflùgen

Wirt aber aus eins gewalt diubs guot berecht, daz von dem pfluog verstoln ist, daz sol man auch schatzen und sol im dez der dritt pfenninck ab gèn; und ist dann dez ùbrigen guotz vier pfenning, so sol man einem freyen mann zuo sprechen, welhen tot er verdient hab; ist sein under vier pfenning, so sol man in durch die zend brennen und alliu sein varntiu hab vervallen in gerichtz gewalt.

Art. 38. Wie man verstolns guot berechten sol

Wem sein guot verstoln wurd, kumpt daz fùr recht, daz sol er berechten sein hant selb drittiu oder ain mit dreyn ayden, daz ez ze der selben zeit sein waer, e daz ez im diuplich verstoln wurd und hiut sein sey, dez sol er geniezzen und sol dem richter heymlich den diup nennen, ob er in waiz, und sol dar nach swern, daz er anders icht wizz, und sol dem richter seinen fùrvanck geben, als vor geschriben ist, und sol iener sein guot da mit behabt haben.

Art. 39. Umb zend brennen

Wer mit dem rechten durch die zend gebrennt wirt, kumpt er dar nach mit dem rechten gepunden und gevangen fùr und wirt guot bey im funden, daz ainer berecht, als vor geschriben ist, daz sol man auch schatzen, und ist dez guotz uber drey pfenning, so sol man nimer richten und sol einem freyen mann zuo sprechen, welhen tot er verdient hab.

Art. 40. Daz ein fraw berechten mag verstolns guot

Es mag ein iglich fraw´ ir guot vor dem rechten wol berechten, daz ir verstoln ist oder beraubet ist, als ein man.

Art. 41. Umb inzicht

Wær, daz ainer oder aineu fùr gericht kumpt gepunden [Hier beginnt fol. 13v (früher: 7v)] und gevangen umb swelherley sach daz ist, da mit man im den leip an gewinnen mag oder sol, da sol chain verzicken nicht schaden, weder von vorsprechen oder von anchlag, man sùlle hintz im wol richten, als diu ansprach stet.

Art. 42. Umb einen schedlichen man der gevangen wirt

Uns dunckt auch guot und recht, ob ein man einen bringt ze fronvest fùr einen schedlichen man und verbùrgt, in ze recht vertigen, als recht ist, und hat die zuo dem rechten bracht, die im dez rechten helfen wellent, und geschicht im pruch an dem rechten, er sol dar umb gen dem gericht noch anders iemant nichtz schuldich sein. [Hier beginnt S. 78 der Edition]

Art. 43. Umb chauffen auf freyem margt

Es mag ein iglich man und fraw´ wol chauffen auf einem freyem margt, swaz er wil; kòm aber iemant hin nach, dem daz selb guot verstoln oder geraubt wær und swie daz guot genant waer, daz sol man in an der schrannen berechten lan, als recht ist, und daz sol ienem gen dem gericht unschedlich sein und sol auch swern, daz er daz guot auf freyen margt kauft hab und auch an dem guot chein freiz gewest hab; und der daz guot berecht, der sol dem richter ze fùrvang geben, als recht ist; wil aber iener, auz dez gewalt daz guot berecht ist, ienem nachvarn, der im daz guot ze chauffen geben hat, daz mag er wol tuon; es sol auch iener dem richter wol nennen den, der im daz guot ze kauffen hat geben, ob er in weiz.

Art. 44. Wer eins schedlichen manns guot inn hat

Hat ein man guot inn einz manns, der mit dem rechten verderbt ist, mag der geweisen mit dem aide, daz ez im ze pfant ste oder daz er im gelten sùll, der sol da von dez ersten gewert werden und daz ùberig dez richters.

Art. 45. Umb eins schedlichen manns guot

Chlagt ein richter hintz ainem mann, er hab eins schedlichen mannes guot inn, der mit dem rechten verderbt sei, antwurtt der selb man und spricht, "ich laugen nicht, ich hab dez selben [Hier beginnt fol. 14r (früher: 8r)] mannes guot inn und hat ein ander man in meiner gewalt verboten mit dem rechten", so mag er daz guot wol inn haben, im selber an schaden einen gantzen maneyt; kumpt aber iemant, der den richter geinnert mit dem rechten, daz er bezzer recht zuo dem guot hab, dann der richter, dem sol er ez antwurtten; kumpt aber niemant, so sol er ez dem gericht antwurtten und sol im der richter seinen brief geben, daz es also mit dem rechten gevallen sei, und sol er dann fùrbaz dar umb ledich sein; antwurt er aber und spricht, er hab seins guotz nicht inn, oder spricht er, "ich hans inne und ist mein pfant gewesen, è er gevangen wurd" oder "ich hanz mit dem rechten in mein gewalt pracht, è er gevangen wurd", daz sol er bestaeten mit seinem ayd und sol der richter dheinen ziuck dar umb laiten, wan dhein richter umb dhein sein puozz dheinen ziuck haben sol.

Art. 46. Da man einen schedlichen man vaecht

Welher richter oder amptman iemant fùr einen schedlichen man væcht und den in fronvest bringt, dem sol er sein guot aus geben und sol chain taedinck von im nemen an dez lantzherren rat; wurd er dez uberwaert, daz er chein guot heimlich oder offenlichen anders von im naem, so sol man hintz im richten als hintz einen schedlichen mann; enpraest aber der gevangen mit [Hier beginnt S. 79 der Edition] dem rechten, so sol man in ze fùrbann tuon, sein leib und sein guot gen dem, dem er enbrosten ist umb diu schuld und ansprach; frùmpt aber iemant, einen ze vahen gen dem richter fùr einen schedlichen man, der sol dem richter verpùrgen zehen pfunt pfenning; ist aber ez ein gast, der ainen ze vahen frumpt und nicht verpùrgen mack, so sol si der richter beid behalten vierzehen tag; verbùrgt der gast daz recht in viertzehen tagen, so sol man im dar nach einen tack geben in acht tagen, welhes er begert, und sol im dann richten nach der anchlag, als daz puoch sagt; verpùrgt aber der gast nicht in [Hier beginnt fol. 14v (früher: 8v)] viertzehen tagen, so sol man den gevangen gerichten lan und in ze fùrbann tuon und dez gerichtz brief dar umb geben, und ist der gast dem richter dar umb ze puozz schuldich worden zehen pfunt pfenning.

Art. 47. Umb schedlich law´t da einer uber verpùrgt

Wær, daz ainer ùber einen schedlichen man verpùrgt hiet, gieng er dez hinder sich und zuo dem rechten nicht chæm, der ist dem gericht schuldich zehen pfunt pfenning.

Art. 48. Wer die strazz beraubt

Wer auch die strazz beraubt, wirt er da mit begriffen und kumpt gepunden und gevangen fùr auf daz recht, so sol der, des daz guot gewesen ist, berechten, als vor geschriben ist; und ist dez guotz, daz bei der nacht geraubt wirt, ùber drei pfenning, so sol man einem freyen mann zuo sprechen, welhen tot er verdient hab; daz bey dem tag beraubet wirt, ist dez ùber fùmf pfenning, so sol man auch dem freyen mann zuo sprechen.

Art. 49. Da ein schedlich man verderbt wirt

Swelich schedlich man mit dem rechten verderbt wirt, auf welhes hern guot er gesezzen ist und swelhes hern guot er inn hiet, daz er im verdienen sol, daz sol der herr seiner hab bericht und gewert werden seins gerichtz und seins dienstz vor allen law´ten und sol in chein richter dar an nicht engen.

Art. 50. Da ein schedlich man verderbt wurd der auf eins hern guot saezz

Ist, daz ein man mit dem rechten verderbt wirt, der auf eins herren guot sæzz, dez sol der herr cheinen schaden nemen an seiner gùlt, noch an seins guotz recht, und dar nach sol der gelter der naechst erbe sein; dar nach mag der richter sich dez ùberigen varnten guotz wol underwinden, und aygen und lehen ist der rechten erben. [Hier beginnt S. 80 der Edition]



vgl. DRW: entbresten (I), frei (I 3), gegenwärtig (I 1 c), innehaben (II 3 b beta)

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