Wort davor: Kantorecht

Kantorei
Erklärung: Vereinigung von Sängern, Chor; in einigen Fällen der von einer Kantorei ausgeübte Gesang.
sprachliche Erläuterung: Ableitung aus d. Amtsbezeichnung Kantor (Etym. s. dort); zur Endung -ei (mhd. -ie) vgl. Henzen,DtWortb. § 118 S. 185: cantorie (1223), cantory (1485), cantarey (15.Jh.), canterey (1502), cantorey (1502), kantorei (1520), cantrey (1526), cantorei (1526), canterie (1540), canntorey (1543), cantorej (1550), contorey (1558), cantoreij (1562), canthorey (1568), cantrei (1572), cantorj (1575), canntorei (1581), canterei (1. H. 16.Jh.), conterey (16.Jh.), kanterey (1691).

Kantorei (A)
Erklärung: zum Begriff.

Kantorei (B)
Erklärung: kirchlich.

Kantorei (B I)
Erklärung: an einer Kathedral- oder Kollegiatstiftskirche, auch Sängerei genannt; übertragen auf Würde und Amtsbereich des Kantors (B I).

Kantorei (B I 1)
Erklärung: zur Ausübung der üblichen musikalischen Tätigkeit.
Sachhinweis: weiterführende Literatur s. unter Kantor (B I).
Kantorei (B I 2)
Erklärung: zur Ausführung der Verwaltungsaufgaben.
vgl. Kantor (B I 2 b), Kantor (B II).
Kantorei (B II)
Erklärung: eines Klosters.
Kantorei (C)
Erklärung: an einem Hof (VIII 4), sehr früh am kaiserlichen Hof, vor allem unter Kaiser Maximilian (1493-1519) in Blüte, auf Grund der vielfach wechselnden Residenzorte von bedeutendem Einfluß, häufig 1Kapelle (III 2) oder Hofkapelle, mitunter Hofkantorei, Sängerei genannt; eine Musiziergemeinschaft aus hofbedienten Sängern (einschließlich Sängerknaben) u. Instrumentalisten ( Hofmusikant, Hofmusikus) mit einem Kapellenmeister an der Spitze, vereinzelt auch Hofkantor oder Kantor (s. Kantor C) betitelt. Aufgabe ist ursprüngl. die musikalische Gestaltung des Hofgottesdienstes, später auch die Aufwartung im Gemach, bei der Tafel, vor Gästen sowie bei höfischen Festlichkeiten. Es handelt sich vielfach um eine Fortsetzung der früheren Hofkapelle (II), bei der die Hofgeistlichkeit die Führung innehat; Zahl und Bedeutung der höfischen Kantoreien nehmen seit der 2. Hälfte des 16. Jh. zu, im Laufe des 18. Jh. wieder ab; oft Stätten blühender Musikpflege.
Sachhinweis: weiterführende Literatur (neben d. grundlegenden Arbeit Ruhnke,Hofmusikkoll.): BrschwKapelle; G. Bossert, D. Hofkapelle unter Hzg. Ulrich/WürtVjh. 25 (1916) 383-430; Ders., D. Hofkantorei unter Hzg. Christoph/ebd. 7 (1898) 124-167; Ders., D. Hofkantorei unter Hzg. Ludwig/ebd. 9 (1900) 253-291; Ders., D. Hofkapelle unter Hzg. Friedr. 1593-1608/ebd. 19 (1910) 317-374; Ders., D. Hofkapelle unter Hzg. Joh. Friedrich 1608-1628/ebd. 10 (1911) 150-208; Ders., D. Hofkapelle unter Eberhard III. 1628-1657/ebd. 21 (1912) 69-137; Nagel,MusikDarmstadt; Zulauf,HessHofkapelle; Mayer-Reinach,KönigsbHofkapelle; Hirzel,FerdHofkapelle; R. Oppel, Beitr. z. Gesch. d. Ansbach-Königsberger Hofkapelle .../SammelbdMusik. XII 1-12; Meyer,GGüstrowHofkapelle; Smijers,Hofmusik I-IV; Stein,MusikwHeidelb. 1-80; Torgau/Gurlitt,JohWalter 12-39; O. zur Nedden, D. Kantorei am Hofe d. Markgrafen Phil. II. v. Baden-Baden (1580-1588)/ZMusikw. 12 (1930) 89-92; O. Ursprung, D. kath. Kirchenmusik/Hdb. d. Musikwiss. XIII (1931) 172; Werner,Kirchenmusik 33-35; FschrSeiffert 70f.; Moser,EvKirchenmusik 20; Senn,MusikInnsbruck 11-15, 27-38, 65-74, 187- 221, 232-236, 246-255, 292-329, 361-365; Heider,Neuburg 85-95; Schmidt,AnsbachMusik; Wessely,MaxMusikg., W. Boetticher, Orlando di Lasso/ZBayrLG. 19 (1956) 459- 533; Boetticher,Lasso bes. 154-169, 331-343, 431-442, 533-551, 665-671; A. Layer, Pfalzgraf Ottheinrich u. die Musik/ArchMusikw. 15 (1958) 258-275; Pietzsch,HeidelbMusik 583-756; Riemann,MusikLex. Sachteil 377 unter Hofmusikkapelle.

Kantorei (C I)
Erklärung: z. Begriff.
Kantorei (C II)
Erklärung: Kantoreigebäude, Ort der Gesangsproben.
Kantorei (C III)
Erklärung: Errichtung von Kantoreien; Erlaß von Kantoreiordnungen (I).
Kantorei (C IV)
Erklärung: Mitglieder.

Kantorei (C IV 1)
Erklärung: Zusammensetzung; Anzahl.
Kantorei (C IV 2)
Erklärung: Einstellung (ggf. mit Verpflichtung zu Nebentätigkeit).
Kantorei (C IV 3)
Erklärung: Haupttätigkeit und dienstliche Verpflichtungen (in den Kantoreiordnungen (I) ausführlich geregelt); Verhaltensvorschriften.
Sachhinweis: Berlin/Ruhnke,Hofmusikkoll. 174-176, 275-283.
Kantorei (C IV 4)
Erklärung: Vergütung in Geld und Naturalien bzw. Kleidung.
vgl. Kantoreiknabe (I).
Sachhinweis: WürtVjh. NF. 7 (1898) 143-147; Wolfenb./Ruhnke,Hofmusikkoll. 138f.
Kantorei (C V)
Erklärung: Auflösung.
Kantorei (C VI)
Erklärung: Verschiedenes.
Kantorei (D)
Erklärung: städtische (Schul-) Kantorei, im Zuge der Reformation besonders ausgebildet und verbreitet; in Torgau nicht scharf zu trennen von Kantorei (E).
vgl. Kantor (D), Kantoreischüler.

Kantorei (D I)
Erklärung: zum Begriff.
vgl. Kantoreiordnung.
Kantorei (D II)
Erklärung: Errichtung; Satzungen.
Kantorei (D III)
Erklärung: Leitung.
Kantorei (D IV)
Erklärung: Angehörige.

Kantorei (D IV 1)
Erklärung: (zahlenmäßige) Zusammensetzung, mitunter verstärkt durch Instrumentalisten.
Kantorei (D IV 2)
Erklärung: Eintritt, Voraussetzungen; gesangl. Weiterbildung.
Kantorei (D IV 3)
Erklärung: Verpflichtungen und Rechte.
Kantorei (D IV 4)
Erklärung: Nichtmitglieder.
Kantorei (D V)
Erklärung: Tätigkeit bei weltlichen und kirchlichen Anlässen; mitunter Heranziehung an einen Hof (VIII 4); Art der Gesänge und des Gesangs.
vgl. Kantor (D V 3).
Kantorei (D VI)
Erklärung: Einkünfte, Zuwendungen.
vgl. Kantor (D V 2 c epsilon), Kantor (D VI 5 d).
Kantorei (D VII)
Erklärung: Verschiedenes.
Sachhinweis: die Literaturangaben unter Kantor (D).
Kantorei (E)
Erklärung: auf vereinsmäßiger Basis beruhender Zusammenschluß v. Sängern zur Pflege der Chormusik; zusammengesetzt aus erwachsenen Männern aller bürgerl. Stände, mitunter durch Schüler verstärkt, vereinzelt unter Einschluß v. Instrumentalisten, inaktive Mitglieder sind möglich; Oberaufsicht in den Händen der Kirche, musikal.-techn. Leitung in den Händen eines Kantors (E) oder eines Schulmeisters. Vorkommen fast nur im ehemal. Kursachsen und zwar in breiter Streuung; Einfluß der Reformation auf Entstehung, Entwicklung und Verbreitung mit dem Zweck der Durchführung und Pflege des Kirchengesangs, maßgebend zum großen Teil das Vorbild der mittelalterlichen Bruderschaften (I), vor allem der Kalandsbrüderschaften, vorreformator. Laienvereinigungen, oft mit direktem Übergang (vgl. Rautenstrauch,Kaland insb. 31, 33, 36f., 41f.; Rautenstrauch,Luther 123-125; aM.: C. Brod, D. Kalandbruderschaften in d. sächs.-thür. Landen/NArchSächsG. 62, 1 (1941) 10f.). Hauptgründungen (Vorbild Torgau) vor allem zw. 1539 und 1688 (Moser,Musikgemeinschaften 8) meist in kleineren Orten, wo der Schülerchor ( Kantorei D) zahlenmäßig nicht ausreicht, als Mittelpunkt musikal. Lebens, insb. durch die Pflege des geistlichen Lieds, Bedeutung erlangt. Der 30jähr. Krieg und seine Folgen bringt die Gesellschaften vielfach vorübergehend z. Erliegen, nach dem Wiederaufleben wird gegenüber früher der begleitete Gesang zur Regel. Durch den Einfluß v. Pietismus und Aufklärung Zurückgehen der Bedeutung mit gleichzeitiger Reduzierung der Unterstützung durch die Stadt, vielfache Umwandlung in Unterstützungsvereine bei Verringerung der Anforderungen und Lockerung der Disziplin, im 18. Jh. durch den Mangel an jungen Mitgliedern auch innere Entkräftung, um 1800 großenteils Auflösung. Andere Bezeichnungen neben den im RWB-Archiv belegten Synonymen (vgl. Sp. 1426): Adjuvantengesellschaft, Cantorum societas, Choraladjuvantengesellschaft, Chorus musicus, Confraternitas, Constabilisten, Fraternität, Stabilistenchor.
vgl. Bruderschaft, Kantor (E), Kantoreifraternität, Kantoreigesellschaft (A), Kantoreikollegium, Kantoreisozietät, Kantorist (II).
Sachhinweis: Werner,GKantorei. (vgl. Besprechung MhMusikg. 35 (1903) 151-159); Rautenstrauch,Kaland.; Rautenstrauch,Luther mit weiterführenden Literaturangaben S. 1 Anm. 4, S. 304 Anm. 1 (z. größten Teil nicht zugängl. gewesen); darüber hinaus: 1721 Knauth,Altenzella III 200f.; 1825 Weber,SachsKR. II 1, 84-86; Ph. Spitta, D. Musikalische Societät ... zu Mühlhausen im 17. Jh./MhMusikg. 2 (1870) 70-76; A. Lauckner, Z. Gesch. d. Kantorei in Chemnitz/MittChemnitz 9 (1897) 105-124; Vollhardt,GKantorSachsen bes. 5f.; A. Werner, Z. Musikgeschichte v. Delitzsch/ArchMusikw. 1 (1918) 535-564; A. Aber, D. Convivium musicum in Weida/ebd. 565-572; Fr. Blume, D. ev. Kirchenmusik/Hdb. d. Musikwiss. XII (1931) 35f.; Rauschning,MusikDanzig 7f.; Werner,Kirchenmusik 35-40, 184-193; Werner,Musikgemeinsch. 7-18; Luther,Kantor 36; Engel,Musiksoziologie 91f.; MGG. VII (1958) 635-639; Riemann,MusikLex. Sachteil 444. zu Kantorei (A-E): Jelinek 402; Götze,FrühnhdGl. 131; Spaten 928; DWB. II 604; Mackensen4 483; SchwäbWB. IV 197; Birlinger,WB. 267; Lasch-Borchling II 515; OSächsWB. II 14; S. Kümmerle, Encykl. d. evang. Kirchenmusik III (1894) 611-613; W. Ehmann, D. Musizierbild d. dt. Kantorei im 16. Jh./FschrSeiffert 69-79; Moser,EvKirchenmusik, insb. 373-376, 455-465; Leiturgia IV 704-711; MGG. VII 635-647; EvKirchenLex.2 II 530f.; RGG.3 III 1129f.; LThK.2 V 1310; Riemann,MusikLex. Sachteil 444; K. G. Fellerer, Soziologie der Kirchenmusik (1963) 81-84; Abb. bei Schünemann,GSchulmusik II Tafel 36 m. Erläuterung 16f.

Kantorei (E I)
Erklärung: Begriff.
Kantorei (E II)
Erklärung: (Aufstellung von) Statuten (Regelung des gesamten Lebens bis in alle Einzelheiten, den jeweiligen lokalen Verhältnissen Rechnung tragend), Ähnlichkeit mit den Satzungen der katholischen Bruderschaften, Bestätigung durch die Kirche, zuweilen auch durch die weltlichen Behörden (vorwiegend städtischer Rat oder sonstige Vertreter der Gerichtsbarkeit).
vgl. Kantoreiordnung (II).
Kantorei (E III)
Erklärung: Mitglieder.

Kantorei (E III 1)
Erklärung: aktive und passive Mitgliedschaft; Anzahl.
vgl. Kantorei (E III 2).
Sachhinweis: vgl. Rautenstrauch,Luther 149, 250-253; Werner,Musikgemeinsch. 14.
Kantorei (E III 2)
Erklärung: Eintritt(sbedingungen).
Sachhinweis: Rautenstrauch,Luther 152-155, 244-246.
Kantorei (E III 3)
Erklärung: Verhaltensvorschriften, Strafmaßnahmen.
Kantorei (E III 4)
Erklärung: Recht der Meinungsäußerung und Verteidigung.
Kantorei (E IV)
Erklärung: Tätigkeit (dabei Möglichkeit der Aufteilung in verschiedene Gruppen).
vgl. Kantor (D V 3).

Kantorei (E IV 1)
Erklärung: allgemein.
Kantorei (E IV 2)
Erklärung: gesangliche Ausgestaltung des Gottesdienstes.
Kantorei (E IV 3)
Erklärung: Mitwirkung bei Hochzeitsfeiern (gegen Vergütung).
vgl. Kantoreibrautmesse.
Kantorei (E IV 4)
Erklärung: Singen bei Begräbnissen (meist gegen Vergütung).
vgl. Kantoreileiche.
Kantorei (E IV 5)
Erklärung: sonstiges.
Kantorei (E V)
Erklärung: Finanzen.

Kantorei (E V 1)
Erklärung: Einnahmen und Einnahmequellen; Kapitalbildung.
vgl. Kantor (E II 5), Kantoreieinkünfte, Kantoreifiskus (II), Kantoreigebühr, Kantoreigeld (II), Kantoreigesellschaft (A V), Kantoreikapital.
Sachhinweis: Rautenstrauch,Luther 156-159, 246-249, 438.
Kantorei (E V 2)
Erklärung: Ausgaben.
Kantorei (E V 3)
Erklärung: Rechnungslegung.
Kantorei (E VI)

Kantorei (E VI 1)
Erklärung: Inventar.
Kantorei (E VI 2)
Erklärung: Kantoreilade zur Aufbewahrung der Gelder, Statuten und dgl.
Kantorei (E VI 3)
Erklärung: Siegel.
Kantorei (E VII)
Erklärung: Festlichkeit des Kantorbiers.

Kantorei (E VII 1)
Erklärung: Termin.
Kantorei (E VII 2)
Erklärung: Ausrichtung der Mahlzeit.
Kantorei (E VII 3)
Erklärung: musikalische Ausgestaltung.
Kantorei (E VII 4)
Erklärung: Verhaltensvorschriften für der Teilnehmer.
Kantorei (E VII 5)
Erklärung: Teilnahme von Gästen und Fremden.
Kantorei (E VII 6)

Kantorei (E VII 6 a)
Erklärung: Zuschüsse; Vergünstigungen.
Kantorei (E VII 6 b)
Erklärung: besondere Festlichkeit anläßlich eines Jubiläums.
Kantorei (F)
Erklärung: der von einer Kantorei ausgeübte Gesang.
vgl. Kantoreimusik.

Wort danach: Kantoreibegräbnisgesellschaft

Dieser Wortartikel stammt aus dem Deutschen Rechtswörterbuch
- online verfügbar mit vielfältigen Recherchemöglichkeiten