Wort davor: abentwältigen
Aberacht
Erklärung:
lat. proscriptio secunda, iterata; bannum duplex, secundum, superius. Die zweite, abermalige Acht. Da sie die strengere war, und in der Regel von einem höheren
Richter verhängt wurde, so waren die Nebenformen ober- und über- von selbst gegeben, um so mehr, da nd. over sowohl
aber als auch über heißen kann, so daß bei einer mechanischen Übertragung (insb. des Ssp.) ins Hochdeutsche ober-
näher lag. Im Hochdeutschen hat sich trotzdem aber- dauernd behauptet; ober- kommt erst dann zum Sieg, als die konstruierende Gelehrsamkeit als Gegenstück
das Wort Unteracht geschaffen hatte und die Reichsacht als Oberacht bezeichnete. Die Alliteration acht und
aberacht hat zu ihrem Teil beigetragen zur Erhaltung des a-Anlautes. Das Wort taucht ungefähr gleichzeitig im Norden und im Süden, im Ssp.
und im WienStRb. auf. In Niedersachsen mag zu seiner Einbürgerung der sprachliche und sachliche Anklang an overtale beigetragen haben,
ebenso overvesten (vgl. Frensdorff, Recht und Rede 470). Nicht hierher gehört das Zeitwort overachten, siehe verachten.
sprachliche Erläuterung:
mhd. averâht(e), aberæht(e); mnd., mnl. overachte; nhd. aberacht, rhein. aberaicht; schwäb. aberaucht(e); Nebenformen oberacht, überacht; dän. offwerach, offuiracht.
vgl.
1Acht.
Wortbildungshinweis: zu
1Acht.
- Belegtext:
quicumque pro quacumque causa in proscriptionem venerit et inde exire volens dignam actori satisfactionem coram iudicio exhibere voluerit et ille renuerit, absolvatur. si quis vero in facto illo usque
in secundam proscriptionem in averacht perseveraverit, non absolvatur absque actoris assensu et voluntate
Datierung: 1221
Region/Autor/Textsorte:
WienStR. Art. 9
Fundstelle: Keutgen,Urk. S. 206
[weitere Angaben: Hs. 13. Jh.]
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- Belegtext:
sve sik ut der achte tüt unde rechtes nicht ne pleget, wert he's verwunnen, man dut ine in overachte [Lesarten: in die obere, oberste achte; weder in de
achte; abir also], als of he jar unde dach in achte [andere Lesart: in der niedersten a.] hebbe gewesen
Datierung: 1224/35 (Hs. 1369)
Fundstelle: SspLR. III 34 § 3
Textarchiv: SspLR. III 34
- Belegtext:
wan sie von siner clage wegen mit rechter urteil in die aberahte kommen sint und wir daz wort uber sie gesprochen haben
Datierung: 1332
Region/Autor/Textsorte:
Urk. K. Ludw.
Fundstelle: Würdtwein,Subs. IV 267
- Belegtext:
hir vrag wedder ... als oft he lichte in overachte [aL.: in die oberen achte; in overtal] gedan were unde also unecht were worden
Datierung: um 1335
Fundstelle: RichtstLR. 24 § 2
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- digitalisiert vom Münchener Digitalisierungszentrum (MDZ)
- Datierung: 1358
Fundstelle: FürstenbUB. II 222ff.
- Belegtext:
so haben wir die ... von Ertfurt in dez heiligen reichs aber echt getan
Datierung: 1378
Fundstelle: ErfurtUB. II 295 nr. 802
- Datierung: 1383
Region/Autor/Textsorte:
Landgerichtsordnung
Fundstelle: ZürichStB. I 273f.
- Belegtext:
in unser und des reichs aberachte
Datierung: 1396
Region/Autor/Textsorte:
Köln
Fundstelle: Ennen,QKöln VI 450
- Belegtext:
do wart he mit al sinen helperen vor des rikes gerichte mit ordele unde mit rechte in des rikes achte unde overachte gebracht
Datierung: 1414
Fundstelle: LünebStChr. 47
- Belegtext:
in die aberauchte dez hofs ze Rotwil getan vnd verschrieben
Datierung: 1417
Fundstelle: MZoll. I 502 nr. 568
- Datierung: 1422
Fundstelle: ZGO. 36 (1883) 112
- Datierung: 1425
Fundstelle: WürtVjh. 7 (1884) 230
- Belegtext:
si ipse nollet satisfacere ... tunc sequitur eum iterum cum iure et deducitur ad maiorem proscripcionem, que dicitur overachte ubi ... vita et bona condempnantur
Datierung: 1432
Fundstelle: MagdebUB. II 341 nr. 289
- Belegtext:
solich acht und bann mit unser ... aberacht geschweret und gestercket ... und haben denselben in unser ... aberacht und vorbann [lies aberbann?] gethan
Datierung: 1433
Fundstelle: Lünig,CGermD. II 1807
- Belegtext:
Plural: das er durch seinen ungehorsam willen in aberechten erkant werde
Datierung: 1455
C.F. Jung, Kurze ... Anweisung, was die Comicia Burggraviae in Nürnberg seye ... (Onolzbach 1733) 98
- Belegtext:
willen ok dem eirgenanten Borcholten eyne absolucien unde losebrive sodanner banne unde overachte ... vorwerven
Datierung: 1455
Fundstelle: BrschwChr. II 508
- Belegtext:
in die aberacht [aberecht] sprechen
Datierung: 1455
Region/Autor/Textsorte:
Nürnberg
Fundstelle: Jung, ComiciaBurggraviae 98ff.
- Belegtext:
nimpt sich einer in jar und tag, als er in die acht gesprochen ist, nicht ausz der acht, so mag in der clager oder der landrichter von amptwegen ... fur landgericht fordern ... bei vermeidung der aberacht
Datierung: 1480
Region/Autor/Textsorte:
NürnbLG.
Fundstelle: Eyb,NürnbLG. 70
- Belegtext:
dar de van Helmstede umme kemen in de overachte des vryen stols to Volkmerschen
Datierung: 1491
Fundstelle: Bruns,Beitr. 294
- Belegtext:
so wen die gogreve vervestet dat heit men vredelois ...; den die greven vervesten, dat heit men verfemen ..., wen die Roemsche koenink verfestet, dat is in die achte und dan vort die overachte
Datierung: 2. Hälfte 15. Jh.
Fundstelle: InfSpecSax. 664
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- digitalisiert von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften
- Belegtext:
anlait, aberaicht und ander beswernisse
Datierung: 15. Jh.
Region/Autor/Textsorte:
Mainz
Fundstelle: MainzChr. I 339
- Belegtext:
dreyerley achten sint, mit tagen, mit urteil und ein aberacht
Datierung: Mitte 15. Jh.
Region/Autor/Textsorte:
[Eine Notiz über die Acht] im KarlsruheGLArch., Copialb. 535
Fundstelle: ZRG.2 Germ. 13 (1892) 227
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- digitalisiert vom Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte
- Datierung: 1509
Fundstelle: Layensp. 53
- Datierung: 1535
Fundstelle: RottweilHGO. IX 3
- Belegtext:
so richtet man dem kläger zu im mit der aberacht
Datierung: 1535
Region/Autor/Textsorte:
RottweilHofg. IX 3
Fundstelle: Wehner,HofgRottw. 270
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- digitalisiert in Kooperation mit der Universitätsbibliothek Heidelberg
- Belegtext:
es ist kein ander formb der aberacht, dann der acht, als dass bey der cantzley der stylus auff die fälle der nam der acht und aberacht gebraucht wird, die dann notorii sind
Datierung: 1610
Fundstelle: Wehner,HofgRottw. 179
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- digitalisiert in Kooperation mit der Universitätsbibliothek Heidelberg
- Belegtext:
mit der acht und oberacht bedrohet
Datierung: 1653
Region/Autor/Textsorte:
Buchhorn
Fundstelle: Lünig,RA. XIII 336
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- digitalisiert im Rahmen des "Digitales Dokumentenarchivs" der Universitätsbibliothek Augsburg
- Belegtext:
bannus alius est inferior, alius superior, acht und oberacht, ille, quando a principe inferiore bannisatur ut in territorio illius manere non possit, hic, quando ab ipso imperio
propter violatam pacem publicam proscribitur, qui postea dicitur vogelfrey. est et repetitio banni aberacht dicta
Datierung: 1696
Fundstelle: Schambogen,Prael. 133
- Belegtext:
vberaechte
Fundstelle: Dsp. 261
- Belegtext:
overachte [andere Lesart hoechste acht]
Fundstelle: NlSsp. I 93
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- Belegtext:
een overachte das is als een man nader iaertale rechteloes of echteloes ghewijst wort ... dieghene die aldus in averachte gecomen sijn ende oec vredeloes
ghewijst sijn, die moet men wol doden ende wonden ende men houtse oock voir eyghen lude
Fundstelle: NlSsp. II 35
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- Belegtext:
oberachte
Region/Autor/Textsorte:
Rb.n.Dist. IV 20, 9
Fundstelle: Ortloff,Samml. I 215
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- digitalisiert vom Münchener Digitalisierungszentrum (MDZ)
- Belegtext:
eyne acht is eyne vestynghe, eyne oueracht is eyne besweringe der vestynge
Fundstelle: SspGl. I 38
- Belegtext:
ab er en weder yn dy vorvestunge thut [lat. eundem secundario proscribat]
Fundstelle: Weichb.(Dan.) 110 § 2 Sp. 161f.
- Fundstelle: FürstenbUB. IV 308
- Fundstelle: KlingnauStR. 273
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- digitalisiert im Rahmen der "Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen online"
- Fundstelle: Lexer II 133
- Fundstelle: Lünig,CGermD. II 1811
- Fundstelle: TwentheLR. 55
Aberacht (Spiegelstrich 1)
Erklärung:
Acht und Aberacht. Durch die allzuhäufige Androhung und Verwendung hatte die Acht ihre Schrecken verloren, sie wurde stumpf, immer öfter mußte die schärfere Aberacht
herangezogen werden und wurde die gewöhnliche Folge der Acht. Je fester die Formel Acht und Aberacht wurde, desto weniger dachte man an ihre wörtliche Bedeutung; oft genug ist sie einfach mit 'Acht' zu übersetzen.
vgl.
Aberachtbrief,
Aberächter,
Aberbeschwernis,
Achtbrief,
Ächter (II 1 d),
friedlos,
Oberacht,
rechtlos,
Unteracht.
- Belegtext:
alle achten und aberachten, die sich in unserm ... lantgerichte zu Rotwil ergangen haben
Datierung: 1346
Fundstelle: Kurz,Rud. 389 Beil. 19
- Datierung: 1366
Fundstelle: Geschfrd. der 5 Orte 29 (1874) 358f.
- Belegtext:
rate und burgere der stat ... in unsere und des reichs acht und aberacht komen sin
Datierung: 1389
Fundstelle: SchlettstStR. 88
Faksimile
- Datierung: 1422
Fundstelle: Michelsen,Rdm. 255
Faksimile
- Belegtext:
in des allerdurchluchtigesten fursten und heeren here Sigmunds Romischen konigs ... und auch des lantgerichts des herczogentums zu Franken achte und uberachte
Datierung: 1428
Fundstelle: WürtVjh. 8 (1885) 110
- Datierung: 1431
Fundstelle: CDBrandenb. Suppl. 60
- Belegtext:
lat. bannum et suprabannum
Datierung: 1442
Fundstelle: Lünig,CGermD. II 1811
- Belegtext:
myt rechten ordell vorachtet und in dey achte ind overachte gedain
Datierung: 1442
Fundstelle: Seibertz,UB. III 103
Faksimile
- in Google Books
- Belegtext:
wir gebietten ... den obersten der iudisheit bey vnser vnd des reichs acht und aberacht
Datierung: 1461
Fundstelle: FRAustr. 44 S. 143 nr. 98
- Belegtext:
Spott: eht und abereht dy pringen wol sechczehen
Datierung: 1462
Fundstelle: Beheim,Wiener 266, 15
- Belegtext:
bei unser und des reichs acht aberacht und allen penen und pussen
Datierung: 1474
Region/Autor/Textsorte:
Urk. KFriedr. 3
Fundstelle: HMeißenUB. III 229 (nr. 1183)
Faksimile
- digitalisiert vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde (ISGV)
- Datierung: 1475
Fundstelle: Spittendorff 46
- Datierung: 1502
Fundstelle: AppenzUB. II 2 S. 377
- Belegtext:
mit der acht und aberacht zu seinem leib verholffen ... werden
Datierung: 1503
Fundstelle: BambLGRef. [5]
Volltext (und Faksimile)
- in DRQEdit
- Datierung: 1504
Fundstelle: FürstenbUB. IV 347
- Datierung: 1504
Fundstelle: HistVolksl.(Lilienc.) II 535
- Belegtext:
dat volk al gemeine / repen: acht und acht sesteine!
Datierung: 1521
Fundstelle: HildeshStiftsfehde 236
- Belegtext:
keyserlige acht oc offuiracht oc pauens band
Datierung: 1524
Fundstelle: DiplNorv. XII 323 nr. 334
- Belegtext:
wie die Römer ire feint verfluechten und verpanten, so im latein devotio und devovere haist, im teutsch acht und aberacht; die geistlichen nennens den pan
Datierung: 1527
Fundstelle: Turmair,BayrChr. I 910
- Belegtext:
in die acht und oberacht erklärt
Datierung: 1546
Fundstelle: CAustr. I 13
Faksimile
- digitalisiert von der Universitätsbibliothek Heidelberg
- Datierung: 1549
Fundstelle: Moser,KreisAbsch. I 14
- Belegtext:
auf peen der acht und uberacht abgefordert
Datierung: 1583
Fundstelle: BuchWeinsberg III 208
- Datierung: 1593
Fundstelle: CAug. II 2092
- Belegtext:
wann auch statt, gemeinde, dörfer, samentlich in acht und aberacht mit recht erkennt wurden, so verwilligen wir [der Kaiser] zum besten der crayßstände gnädigst,
daß respectu der acht 3 (pfund) (pfennig), respectu der aberacht 9 (pfund) (pfennig) passirt ... werde
Datierung: 1670
Fundstelle: Lünig,CGermD. II 1027
- Datierung: 1689
Fundstelle: Valvasor,Krain III 1 S. 226
Faksimile
- digitalisiert von der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel
- Belegtext:
critische acht und oberacht
Datierung: 1749
Fundstelle: GottschedWB. I 70
- Belegtext:
übertragen auf außerrechtliche Verhältnisse: ds chilchegu [Kirchenbesuch] chunnt in aberacht
Fundstelle: SchweizId. I 78
Faksimile
- digitalisiert in der Onlineversion des Schweizerischen Idiotikons
- Belegtext:
und kamen ich und mein bruder in die acht und aberacht; in etlichen stetten schossen die pfaffen ... uf der canzel mit lichtern zu mir und erlaubten mich den vögeln
Region/Autor/Textsorte:
Götz von Berlichingen
Fundstelle: ZWirtFrk. 4 (1856/58) 404
- Fundstelle: Biberach 194
Faksimile
- digitalisiert im Rahmen des "Digitales Dokumentenarchivs" der Universitätsbibliothek Augsburg
- Fundstelle: DiplNorv. XIII 221
- Fundstelle: DiplNorv. XIII 459
- Fundstelle: DiplNorv. XV 255
- Fundstelle: DiplNorv. XVI 428
- Fundstelle: MittDBöhm. 45 (1907) 139
- Fundstelle: NMittThürSächs. 21 (1903) 190
- Fundstelle: SchlettstStR. 150
Faksimile
- Fundstelle: Turmair,BayrChr. II 219
- Fundstelle: Turmair,BayrChr. II 401
- Fundstelle: UrkSchwäbBund. I 398
Faksimile
- in Google Books
- Fundstelle: Wigand,Denkw. 107
Faksimile
Wort danach: Aberachtbrief
Dieser Wortartikel stammt aus dem Deutschen Rechtswörterbuch
- online verfügbar mit vielfältigen Recherchemöglichkeiten