Morgen
Wortklasse: Maskulinum
sprachliche Erläuterung:
in einem Beleg: f.?, mnl. auch margen, mergen, mnd. margen.
Morgen (I)
Erklärung:
Tagesbeginn, als Zeitpunkt oder Zeitspanne im Rahmen rechtlicher Regelungen gebraucht.
- Belegtext:
[gemeinsam besessenes Vieh] sal ein iclich man bihaldi, zu sues hus uz cumit ... undi sal iz och vutire ... undi sal iz dan dis morginis uz lazi
Datierung: um 1230
Fundstelle: MühlhsnRb.2 179
- Belegtext:
ein iegelich purger, der laisten sol, der ist niht mere schuldic ze leisten danne des tages einmal, des morgens oder des nahtes
Datierung: 1302/15
Fundstelle: NürnbSatzB. 49
- Belegtext:
alle die ienne [Zunftbrüder], die tho erher vorsamlinge des morgens, [die] genomet werdt die morgensprake ... nicht en kumpt, die schal wedden soes wendische penninge
Datierung: 1307
Fundstelle: MecklUB. V 335
- Belegtext:
wier ... chunden, daz nit anders ist morgengab, denn daz ein wiert seiner hausfrawen geit des ersten morgen pei dem pette, wen er pei ier ist gelegen
Fundstelle: SalzbLO. 1328 Art. 45
- Belegtext:
ob in des deucht, daz er im ze schaden wolt paun, so sol er im desselben nachtes fürbieten. und sol er desselben morgens als er im des nachtes fürbüt vor dem rechten antwurten
und sol im daz uf dheinen andern rechttag nicht verziehen
Datierung: 1346
Fundstelle: LandshutStR. 185
- Belegtext:
man sol auch die glocken ... luten des morgen fru, und swenn man die zu dem andern mole lutet, so sol man die erbeyter uzfurn
Datierung: 1376
Fundstelle: WürzbPol. 77
- Belegtext:
daz ... kain frow noch man, burgerin noch antwerk frow an dem morgen, als man die brut uff gehept hat, zuo der brut in daz hus ... nit gan suillen, denne allain die ... die zuo der hochzit geladen werdent
Datierung: 1376/1445
Fundstelle: UlmRotB. Art. 206
- Belegtext:
voert waer enych man ofte wijf, die ... wilde voghelen ... ter marcte brochte ..., die zel zelve ziin mael daermede houden; dat is te verstaen: van des morghens te middaghe toe ... ofte vanden myddaghe ten avont toe
Datierung: 1391
Fundstelle: UtrechtRBr. I 202
- Belegtext:
so man das geding halten will, so soll der kirchwartt am morgen ... leuthen
Datierung: 1394
Fundstelle: Alsatia 1854/55 S. 51
- Belegtext:
bewist der gebuwer sine crafft, daz er eynen ummegang synem phluge gevolgen moge eynes morgens lang, so hat die gabe craft von rechtis wegen
Datierung: Ende 14. Jh.
Fundstelle: GlWeichb. 270
- Belegtext:
keyn kouff adir wechszel umbe erbe adir legende grunde, der des abendes geschit, sal mechtig seyn, her werde denne des morgens vorliebet
Datierung: 1435/54
Fundstelle: DanzigSchB. 7
- Belegtext:
ich J.R. sol ... miner gemachel des ersten morgens, so si eelichen vor mir uffstaut, zuo rechter morgengaub geben 300 (pfund)
Datierung: 1495
Fundstelle: BernStR. VII 1 S. 115
- Belegtext:
es soll auch das faylhaben des prantweins allain an den werchtaegen zuo morgens summerzeiten von sant georgen biß auff sant michaels tag von vier vhrn biß auff acht vhr ... bschehen
Fundstelle: BairLO. 1553 IV 5 Art. 3
- Belegtext:
wirdt einer verweist vnd helt das landt verbott nicht, sondern wirdt wider begriffen ... so sol der proffoß von stund an den ersten morgen der kompt ... ein standrecht bestellen
Fundstelle: Jungkhanss,KriegsO. (Köln 1590) O IVv
- Belegtext:
es soll auch ain stiblinschreiber das an sant martins tag am morgen im früeampt offentlichen verkünden, das meine herrn umb zwelf uhrn das michi einnemen und ain jeder seinen bürgen mitpringen soll
Datierung: 2. Hälfte 16. Jh.
Fundstelle: ÜberlingenStR. 533
- Belegtext:
die marktfahne soll im sommer um 5, im winter aber vor 8 uhr des morgens aushangen, und des mittags um 11 uhr wieder eingezogen werden
Datierung: 1763
Fundstelle: BrschwWolfenbPromt. V 247
Morgen (II)
Erklärung:
in der Wendung zu/auf Morgen (I) kommen:
Morgen (II 1)
Erklärung:
zu einer Morgensprache (I 1) kommen.
- Belegtext:
dat unse broderen gemeynlich alle jaire in uns oeverste meisters huyss up sent Cunibertz dach zo morgen komen soilen [zur Meisterwahl]
Datierung: 2. Hälfte 15. Jh. (Hs.)
Fundstelle: QKölnHandel I 66
Morgen (II 2)
Erklärung:
der Abgabepflicht für das Morgengeld nachkommen.
- Belegtext:
dat hi hier up morgen quame om bewisinge ende rekeninge te doen vanden morgengelde ende oic vanden vergeten morgentale
Datierung: 1410
Fundstelle: RsprGrHolland I 140
Morgen (III)
Erklärung:
metonymisch mit der Vorstellung 'so viel Ackerfläche, wie man an einem Morgen (I) bearbeiten kann' und damit Lehnbed. zu lat. iuger(um), iurnalis.
Sachhinweis:
R. Schmidt-Wiegand, Die Maßbez. Juchart und Morgen in den "Weisthümern" Jacob Grimms, in: A. Greule, U. Ruberg (Hrsg.), Sprache, Literatur, Kultur (Stuttgart 1989) 111-124.
Morgen (III 1)
Erklärung:
ein Flächenmaß, Landmaß, Ackermaß von regional unterschiedlichen Größen; vgl. dazu die Maßangaben bei Beekman,DijkR. II 1164, ElsWB. I 708, SchwäbWB. IV 1759; nicht eindeutig entscheidbar
ist, ob in einigen Belegen (zB. 1224/25, 1305) der metonymische Gebrauch im Sinne von 'Grundstück, Ackerstück' vorliegt, oder ob es sich dabei um elliptische Auslassungen der Genitivkonstruktion eine bestimmte Anzahl Morgen [Landes] handelt.
vgl.
1Acker (II 1),
2Hund (III 1),
Joch (IV),
Juchert,
Kuhgang,
Land(es)maß (II),
Lofstätte,
2Mahl (II),
Mannmahd (I),
Meste (III),
Mistem.
- Belegtext:
omnem hereditatem suam ... scilicet agros quatuordecim morghene
Datierung: 1130/61
Fundstelle: TijdschrTaalLk. 65 (1948) 131
- Belegtext:
dimidiam videlicet huobam ... cum duabus extremis partibus vinee nostre, quas vulgo duos morgin vocant
Datierung: 1182
Fundstelle: WirtUB. II 423
- Belegtext:
quatuor jugera que vulgo dicuntur morgene pro quinque marcis vendidit
Datierung: 1224
Fundstelle: OsnabrUB. II 134
- Belegtext:
ene word oder enen morgen oder enen man mut de man op den hilgen behalden jegen sinen herren under al sime gude
Datierung: 1224/25
Fundstelle: Ssp.(Eckh.2)Lehnr. 13 § 4
- Belegtext:
quatuor iugera, que vulgo morgen dicuntur
Datierung: 1250
Fundstelle: HambUB. I 466
- Belegtext:
ij morge unde zu stuckilchine arhafftis landis ... ein halp morge wyngartin ... einen halben morgen wissen
Datierung: 1290
Fundstelle: FrankfUB.(Böhmer) 253
- Belegtext:
[vnser lehen man] hat alsoliche morgen, die er von vns zur lehene hat gehabet [verkauft]
Datierung: 1305
Fundstelle: OtterbergUB. 266
- Belegtext:
duo jugera terre, merghen vulgariter nuncupata
Datierung: 1308
Fundstelle: CartSTrond I 427
- Belegtext:
by P. 80 morgen ende 1 hunt
Datierung: 1318
Fundstelle: NrhAnn. 31 (1877) 124
- Belegtext:
hondertech ende vive ende tseventech marghene lants
Datierung: 1337
Fundstelle: WoudrichemRbr. II 71
- Belegtext:
ackere, die uit waren gegeuen jairlix vmb roggen gulde, die clene margen vmb een scepel roggen
Datierung: 1. Hälfte 14. Jh.
Fundstelle: NrhAnn. 31 (1877) 118
- Belegtext:
10 ruttin breyth und 30 lang macht einen morgenn. 30 morgin machen eine hube
Datierung: um 1530
Fundstelle: SchlesDorfU. 47
- Belegtext:
ouch sal itczliche hovestat behaldin sechs ruten in die lenge und vier in die breyte, und drie morgin von den drisig vrien hubin, also das die hovestat und die morgin nicht gescheiden sullin werden
Datierung: 1351
Fundstelle: CDPruss. III 89
- Belegtext:
eyn erbe czu dem hoff ... mit czweyn huben akkers an czwelf morgen
Datierung: vor 1368
Fundstelle: IglauOberhof 125
- Belegtext:
weliche halve konincgeshoyve heldet 14 morghen landes
Datierung: 1368
Fundstelle: DortmUB. I 605
- Belegtext:
in andere quartieren gebruykt men particuliere landmaten, te weten: in V. wordt gerekend met gemeten ende lynen; in H. met morgens; omtrent 'sH. met morgens ende lupzaden ...
Datierung: 1368?
Fundstelle: CoutBruxelles 414
Volltext
- digitalisiert im Rahmen von "Recht uit de Lage Landen"
- Belegtext:
der vorghenanten ghulde gift unde gheven ... von eyneme morghen eynen halven virding
Datierung: 1372
Fundstelle: MansfeldKlUB. 46
- Belegtext:
xij lantvoeten maken een lantroede, c roeden maken een line, iij maken een met, ij met een morghen
Datierung: Anf. 15. Jh.
Fundstelle: BrielRb. 111
- Belegtext:
anderhalve hoeve moers, elke hoeve houdende achtien marghen, ende elke marghe houdende zes hont
Datierung: 1423
Fundstelle: Fruin,Dordrecht II 45
- Belegtext:
vragede ick, wan eyn morgen knuttet sy, wer icht de gudere, dar tohoret de morgen, al to male knuttet syn
Datierung: 1424
Fundstelle: HamelnUB. II 73
- Belegtext:
auch ist funff ruden breid unde drissig rudin lang eine morge. wer es auch, das der morge der breide nicht inhette, so neme man vier ruden an der breide
unde fiertzig an der lenge, daz dede auch eynen morgen
Datierung: 1424
Fundstelle: MarburgRQ. I 484
- Belegtext:
vercoft ... anderhalve hoeve moers, elke hoeve houdende achtien marghen, ende elke marghe houdende zes hvnt
Datierung: 1425
Fundstelle: Fruin,Dordrecht II 45
- Belegtext:
were die mynsthen morgen hat, die do nytt fry sint, die geben auch darann die mynsthen bede
Datierung: 1483
Fundstelle: PfälzW. I 166
- Belegtext:
een morgen maakt twee koeganck
Datierung: 15. Jh.
Fundstelle: MnlWB. III 1654
- Belegtext:
tzinslige hoyven, die ... gerechent werden vur veirtzich morgen
Datierung: 15. Jh.
Fundstelle: RhW. II 1 S. 222
- Belegtext:
vifftich hollantse morgen lants
Datierung: 1501
Fundstelle: LimbWijsd. 266
- Belegtext:
kostenlant: elf morgen H.M. gift eilf schepel
Datierung: 1540
Fundstelle: PommVis. II 102
- Belegtext:
gan vi morgen vp ein mesegelt
Datierung: 1560
Fundstelle: DithmUB. 244
- Belegtext:
dieser zentschöpf hat jerlich zu lohn von seiner gemein ein thaler, ein halben acker holz und ein halben morgen wiesen
Datierung: 1575
Fundstelle: WürzbZ. I 1 S. 84
- Belegtext:
so soll ime [dem Feldschütz] derselb man geben von zwantzig morgen ackhers ein malter korns vnd zwantzig gebundt stroh vnd zwey gebundt schaube nach anzahl, souil er morgen hatt
Datierung: 1579
Fundstelle: PfälzW. I 225
- Belegtext:
1 morgen hefft 120 roden yn de lenge vnd 5 roden yn de brede
Datierung: 1580
Fundstelle: ZHambG. 6 (1875) 361
- Belegtext:
vom lateinischen wort jugero, welches so vil lands ist, als ein par ... pferd mit einander inn das joch ... eingeschirrt, in einem tag erackern ... mögen (daher nennens auch wir Teutschen jochackert ...
an etlichen enden nennet man es ein morgen
Datierung: Ende 16. Jh.
Fundstelle: DWB. VI 2563
- Belegtext:
es soll ... anderthalb morgen ein jauchart, mansmat oder tagwerk ... sein
Datierung: 1621
Region/Autor/Textsorte:
Württemberg
Fundstelle: QNPrivatR. II 1 S. 490
- Belegtext:
10 ruten lang ist eine kete; 3 keten lang und eine kete breit ist 1 morgen
Datierung: 1680
Fundstelle: SchlesDorfU. Einl. 49 Anm. 1
- Belegtext:
wegen des zehndens der accord geschlossen, das sie von ieden morgen schweren lands geben sollen 45 alb. colnisch und von iedem lichten morgen 32 alb.
Datierung: 1687
Fundstelle: RhUrb. I 587
- Belegtext:
es soll ... ein richtiges teich-buch ... verfertiget ... werden: worinnen ... zu ersehen ... wie viel teichs auff jeden morgen oder juck geleget
Datierung: 1693
Fundstelle: BremPolO. 104
- Belegtext:
diesere felder und aecker aber werden ... abgetheilet in einiger orten ... jucharten, an anderen aber morgen genannte theil, welche verschiedner orten auch wiederum verschieden
kleiner und groesser sind [es folgen Maßangaben]
Datierung: 1727
Fundstelle: Leu,EidgR. II 94
- Belegtext:
ein nuernb. morgen haelt 200 quadrat 16 schuhige ruthen. ein rheinlaendischer hat 600 quadrat solcher ruthen ... in der marck brandenburg rechnet C. ... vor einen morgen
300 ruthen, in den churfuerstlich-saechsischen landen aber haelt ein morgen nur 150 ... ruthen. zu geschweigen, daß auch wohl in einem dorffe die wald-morgen mehr ruthen, denn
das andere feld, wiesen, weinberge etc. zu haben pflegen
Datierung: 1739
Fundstelle: Zedler 21 S. 1638
- Belegtext:
ein magdeb. morgen zu 180 rheinl. ruthen
Datierung: 1776
Fundstelle: Krünitz,Enzykl. VIII 117
- Belegtext:
wo die morgen nach ruthen abgemessen sind, pflegen sie 120 creutzruthen in sich enthalten
Datierung: 1780
Fundstelle: Gabcken,DorfBauernR. 78
- Belegtext:
im wuertembergischen haelt der morgen 150 creuzruthen
Datierung: 1803
Fundstelle: RepRecht XI 10
- Belegtext:
in der holsteinischen geest rechnet man das ackerland nach koppeln, in der marsch nach morgen
Datierung: 1810
Fundstelle: DWB. V 1786
- Belegtext:
es ergibt sich ... nach den ... berechnungen ein capitalwerth von 1 morgen acker 87 fl.
Datierung: 1826
Fundstelle: OAEhingen 48
Morgen (III 2)
Erklärung:
formelhaft, fast ausschließlich mnl. morgen gelijk, morgen morgen(s) gelijk / broeder Morgen für Morgen, anteilsmäßig.
vgl.
1Meß (VII),
Morgenzahl (II).
- Belegtext:
wat ambacht in dien keure bevallet, dat verbuert vyff schillinge, ende morgen zal gelden mergen gelijcke
Datierung: 1284
Fundstelle: Bergh I 219
- Belegtext:
alle dat lant ... dat sel morghen ghelijk ghelden als 't ghemeene lant cost
Datierung: 1323
Fundstelle: Beekman,DijkR. II 1169
[weitere Angaben: ebd.ö.]
- Belegtext:
morgen morgens broeder
Datierung: 1438
Fundstelle: CCHolsat. II 271
[weitere Angaben: ebd.ö.]
- Belegtext:
wanner eine inlage getagen werden müste, ... dartho schollen alle lüde ... ein iglicher na sinen parte, alse marschrecht is, morgen morgens geliek nemen
Datierung: 1551
Fundstelle: Matthiessen,Marschg. 208
Morgen (IV)
Erklärung:
ein Längenmaß.
- Belegtext:
[ein maisseil] soll man c vnd iii fuesse messen in die lenge, gemeine fuesse, als geschee es vor der kirchen, das ein ieder mit seinen fuessen mocht messen, das ist dan ein morgen breydt
Datierung: 1456 (Hs. 1573)
Region/Autor/Textsorte:
Koblenz
Fundstelle: GrW. III 778
- Belegtext:
ein plaen vur der kirchen ist morgen langh vnd vier roiden breidt
Datierung: 1542
Region/Autor/Textsorte:
Saarland
Fundstelle: GrW. II 120
- Belegtext:
die feldruth und maß, so sie uf ihrer gemarckung gebrauchen, stehet mit ihrer lengin an der kirche eingehauen, ist ungefehr sechzehen schuh. haben nit gleiche morgen, alßo daß
einer so viel ruthen hab als der ander, sonder werden ihre morgen nach gelegenheit der gewonden gemessen
Datierung: 1557
Fundstelle: Wiesloch 718
Morgen (V)
Erklärung:
ein Getreidemaß.
- Belegtext:
dy schal betalen ... eyn half schok gersten vnde eynen haluen morgen gersten
Datierung: 1381
Fundstelle: CalbeWetebok 43