A. Internationale Tagung

Historisches Codeswitching mit Deutsch“, 16.-18. November 2017

Vom Mittelalter bis in die Neuzeit erscheinen Mehrsprachigkeit und Sprachkontakt als prägende Faktoren der Sprachgeschichte. Überall dort, wo Situationen gesellschaftlicher Mehrsprachigkeit existierten, finden sich in den europäischen Schreibtraditionen gemischtsprachige Texte. Für England etwa ist die spätmittelalterliche Kopräsenz von Englisch, Latein und Französisch intensiv dokumentiert und erforscht. Doch auch für das Deutsche ist ein umfangreiches Korpus multilingualer Schriftlichkeit seit dem Frühmittelalter verfügbar – frühe Rechtstexte, medizinische Fachprosa, spätmittelalterliche Predigten, Luthers Tischreden, um nur einige wenige Beispiele zu nennen.
Zu den am weitesten verbreiteten Sprachkontaktphänomenen gehört dabei das Codeswitching, der abwechselnde Gebrauch verschiedener Codes innerhalb einer Konversation oder Äußerung. Während diese Form des Sprachenwechsels für die mündliche Kommunikation aus soziolinguistischer, gesprächsanalytischer, grammatischer und kognitiver Perspektive seit langem intensiv untersucht wird, wurde schriftliches Codeswitching von der Forschung eher stiefmütterlich behandelt.
Die Tagung soll deshalb dazu beitragen, die Rolle von Codeswitching in der Geschichte der deutschen Sprache näher zu beleuchten, das Erklärungspotential formaler und funktionaler Codeswitching-Modelle für die historische Linguistik des Deutschen auszuloten, eine theoretische, methodische und empirische Bestandsaufnahme der verstreuten Forschungsansätze in diesem Bereich zu liefern, sie zu bündeln und ihnen eine bessere Sichtbarkeit zu verschaffen.

Die in Kooperation mit der Universität Zürich veranstaltete Tagung findet vom 16. bis 18. November 2017 im Vortragssaal der Heidelberger Akademie der Wissenschaften (Karlstraße 4 in 69117 Heidelberg) statt.
Anmeldungen bitte unter: codeswitching@ds.uzh.ch
Weitere Informationen unter: www.ds.uzh.ch/Tagungen/Codeswitching

Abbildung: Christian Thomasius: De decoro in Saneta Scriptura. Handschrift auf Papier, 17. Jh. - Copyright: Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt, Chart. B, Bl. 6v.


B. Öffentlicher Abendvortrag am 24. Oktober in Heidelberg

Notar Nikolaus Straub - Magister Heidelbergensis und Bibelübersetzer 60 Jahre vor Luther“

Notar und Bibelübersetzer - eine unerwartete Kombination. Nikolaus Straub hatte zunächst in Heidelberg studiert und wurde Notar, bevor er sich um 1460 - also 60 Jahre vor Luther - an seine Bibelübersetzung machte. Später wurde er  Generalsyndikus der Reichsstadt Heilbronn und reiste in diplomatischer Mission unter anderem drei Mal zum Papst in Rom. Die Reiseberichte lesen sich wie ein Kriminalroman, so war einmal gerade die Pest ausgebrochen, als Straub in der Ewigen Stadt ankam; die dritte Romreise dauerte rund zwei Jahre. Der Vortrag von Professor Andreas Deutsch will eine ungewöhnliche Heidelberger Persönlichkeit dem Vergessen entreißen und bietet zugleich einen seltenen Einblick in die Lebenswelten eines Rechtspraktikers im späten Mittelalter. Der Vortrag fand am 24. Oktober 2017 in der Bibliothek des Instituts für geschichtliche Rechtswissenschaft (Friedrich-Ebert-Platz 2, 69117 Heidelberg) statt. Weitere Infos finden Sie in einem Bericht der Rhein-Neckar-Zeitung.



C. Neuester Sammelband

„Das Tier in der Rechtsgeschichte“


Sammelband Das Tier in der RechtsgeschichteIm Sommer 2017 erschien der neueste Sammelband in der Schriftenreihe des Deutschen Rechtswörterbuchs: Das Tier in der Rechtsgeschichte. Der 673 Seiten starke Band mit zirka 70 Abbildungen wurde von Andreas Deutsch und Peter König herausgegeben. Er geht auf eine Akademiekonferenz im Jahre 2014 zurück, an welcher rund hundert Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler und interessierte Gäste aus sechs europäischen Staaten und sieben unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen teilgenommen hatten. Die Ergebnisse der Tagung wurden in vielfältiger Weise ergänzt, sodass das Buch den Anspruch eines Handbuchs zum Thema erheben kann.

Seit es Menschen gibt, müssen sie sich in ihrem Verhältnis zu den Tieren definieren – und dies nicht zuletzt mit Mitteln des Rechts. Der interdisziplinär ausgerichtete Band bietet neben einer Gesamtschau auf die Geschichte des Tiers im Recht vertiefende Beiträge zu zentralen Einzelfragen, etwa zur Tierquälerei, zur Entstehung des Tierschutzes und zur Rolle der Tiere in ausgewählten Rechtsquellen. In einem breiten Bogen werden Fragen der Tierethik ebenso behandelt wie beispielsweise die Bedeutung der Tiere in der Heraldik, die Tierhalterhaftung sowie der Umgang mit den Tieren als Wirtschaftsgut, sei es bei der Jagd, der Weidehaltung oder als (oft lebendige) Naturalabgabe. Die rechtliche Dimension der Tier-Mensch-Beziehung wird zudem aus Sicht der Kunstgeschichte, Literatur- und Sprachwissenschaft beleuchtet. Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Behandlung der Tiere im Strafrecht, etwa bei Tierstrafen und Inquisitionsprozessen gegen Tiere.

Weitere Informationen beim Verlag

Tagungsbericht bei HSozKult ist hier abrufbar.

Hier finden Sie das Inhaltsverzeichnis des Bandes und einen Handzettel mit einer Zusammenfassung der wichtigsten Informationen.


D. Sammelband

Der „Ungläubige“ in der Rechts- und Kulturgeschichte des 18. JahrhundertsCover Sammelband "Der ,Ungläubige´ in der Rechts- und
        Kulturgeschichte des 18. Jahrhunderts

Pünktlich zur Frankfurter Buchmesse im Oktober 2015 erschien der Sammelband "Der „Ungläubige“ in der Rechts- und Kulturgeschichte des 18. Jahrhunderts", hrsg. von Ulrich Kronauer und Andreas Deutsch im Auftrag der Heidelberger Akademie der Wissenschaften - ein weiterer Band in der Schriftenreihe des Deutschen Rechtswörterbuchs beim Universitätsverlag Winter (Heidelberg). Das knapp 500-seitige Werk (mit Abbildungen und Registern) sucht nach den Wurzeln der modernen Toleranzdebatte in den gerade im 18. Jahrhundert zwischen Konservativen und Aufklärern oft erbittert geführten Auseinandersetzungen um Andersgläubige.

Aus der Verlagsankündigung:

Die Frage nach „Glaube“ und „Unglaube“ hat bis heute Brisanz. Während andernorts Menschen für ihren Glauben morden, muss in Europa die Toleranzdiskussion seit der Aufklärung stetig aufs Neue geführt werden. Der interdisziplinär ausgerichtete Band lenkt den Blick auf das 18. Jahrhundert, in dem traditionelle und modernisierende Kräfte zum Teil erbittert um Glaubenswahrheiten und Toleranzräume rangen. Wesentliche Positionen der Debatte wirken bis in unsere Tage nach. Nicht nur Atheisten, sondern auch Andersgläubige, etwa Muslime, Angehörige von Naturreligionen oder Sekten, galten für viele Christen des 18. Jahrhunderts als „ungläubig“ – und sollten entweder bekehrt und missioniert oder aber verfolgt und bestraft werden. Befürworter eines toleranten Umgangs setzten sich dem Verdacht aus, selbst ungläubig zu sein. Die Rolle des „Ungläubigen“ markiert somit einen spannenden Ausschnitt der komplexen Beziehung zwischen Aufklärung, Theologie und Recht (nicht nur) im 18. Jahrhundert. Der Band versucht eine exemplarische Annäherung mit historischen, rechtshistorischen, philosophischen, literaturwissenschaftlichen und theologischen Beiträgen.

Mehr Infos zum Band erhalten Sie hier als pdf.

Mehr zur Schriftenreihe des Deutschen Rechtswörterbuchs finden Sie direkt beim Verlag.


E. Sammelband

Historische Rechtssprache des Deutschen


In der Schriftenreihe des Deutschen Rechtswörterbuchs ist im Dezember 2013 der Sammelband "Historische Rechtssprache des Deutschen", hrsg. von Andreas Deutsch im Auftrag der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, im Universitätsverlag Winter (Heidelberg) erschienen. Das knapp 500-seitige Werk mit zahlreichen Abbildungen beginnt mit einem Geleitwort des ehemaligen Bundesverfassungsrichters Paul Kirchhof über die Rolle von Sprache im Recht (vgl. den Vortrag unter "Stimmen zum DRW").

Aus der Verlagsankündigung:

Manche halten die Rechtssprache für eine der ältesten Fachsprachen überhaupt, andere bestreiten, dass es eine Fachsprache des Rechts gibt. Dieser Band möchte die Geschichte der Rechtssprache des Deutschen in ihren vielen Facetten von den Anfängen bis in neuere Zeit beleuchten und hierbei einige Besonderheiten der Rechtssprache herausarbeiten, etwa die Möglichkeit der Sprachregulierung durch den Gesetzgeber. Neben einen historischen Abriss zur Entwicklung der deutschen Rechtssprache und grundlegende, handbuchartige Beiträge zum Charakter der Rechtssprache treten vertiefende Studien, etwa zum Bedeutungswandel von Rechtswörtern, zum Verhältnis von Bild und Sprache, zur Metapher im Recht, zu Reformversuchen der Rechts- und Verwaltungssprache, zum Problem der Allgemeinverständlichkeit von Gesetzen, zum Einfluss anderer Fachsprachen auf die Rechtssprache und zum Rechtswortschatz in der Literatur.

Mehr Infos zum Band erhalten Sie hier als pdf.

Mehr zur Schriftenreihe des Deutschen Rechtswörterbuchs finden Sie direkt beim Verlag.




F. Beendete Tagung


Fachtagung des Arbeitskreises „Geschichte und Zukunft des Urheberrechts“ in Zusammenarbeit mit der Forschungsstelle „Deutsches Rechtswörterbuch“

Geschichte und Zukunft des Urheberrechts

vom 4. September bis 6. September 2015

Tagungsleitung: Prof. Dr. Manfred Rehbinder

In einer – auch durch das Internet – globalisierten Welt werden die Grenzen des Urheberrechts Tag für Tag neu ausgelotet. Der oft harte Interessenwiderstreit zwischen Urhebern, Verlagen und Konsumenten ist indes nicht neu: Bereits nach Erfindung des Buchdrucks vor über 500 Jahren gab es Auseinandersetzungen um das später sogenannte „Geistige Eigentum“. Das rechtliche Instrumentarium zur Lösung derartiger Streitigkeiten änderte sich aber im Laufe der Zeit. Von einem „Urheberrechtsstreit am Reichskammergericht im Jahre 1533“ über „Das Engagement von Charles Dickens und Mark Twain als Lobbyisten um das Internationale Urheberrecht“ bis hin zum „Rundfunkurteil des Reichsgerichts vom 12. Mai 1926“ beleuchtet die Tagung in 17 Referaten unterschiedlichste Facetten der wechselvollen Geschichte des Urheberrechts und wirft auch einen Blick auf die zukünftige Rechtsentwicklung.

Mehr Info: Tagungsprogramm mit Übersicht der Vorträge (pdf).