A. Vortragsankündigung
Öffentliche
Vortragsveranstaltung
der Forschungsstelle
„Deutsches Rechtswörterbuch" (DRW)
Rechtskontinuität
und
Rechtsvermittlung durch Sprache
Vortrag von Prof. Dr.
Dr. h.c. mult. Paul Kirchhof, Bundesverfassungsrichter a.D.
am 29. Februar 2012 um
19.30 Uhr
im Vortragssaal der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
(Großherzogliches Palais), Karlstraße 4 (Karlsplatz),
Heidelberg
► Recht lässt sich nur mittels
Sprache denken. Nur durch die Sprache werden Rechtstraditionen und gute
Gewohnheiten aufgenommen. Das Begreifen und Verbreiten von Recht ist
somit auf Sprache angewiesen.
► In einer vielsprachigen Welt allerdings
muss das Recht Vorsorge tragen, dass jeder Rechtsbetroffene in seiner
Muttersprache angesprochen wird, er in dieser Sprache seine
Rechtsanliegen vertreten kann, Sprachminderheiten ihre Eigenart und
Sprachkultur pflegen können.
► Eine Vorschrift ist stets unvollständig, kann die in
ihrem Text gemeinte Zukunft nicht vollständig vorwegnehmen.
Deshalb ist der Vorgang des Rechtsetzens und des Rechtsanwendens ein
beständiger Vorgang des Sprechens: von der parlamentarischen
Debatte bis zur Verkündung eines Wortlauts des Gesetzes im
Gesetzblatt, von der Klage über das rechtliche Gehör bis zum
Urteilsspruchs über Anspruch und Freispruch, beim Sich-Vertragen
in einem Vertragstext sowie im Zusammenspiel von Schriftlichkeit und
Mündlichkeit der Rechts lebt und wirkt Recht in Sprache.
PAUL
KIRCHHOF
ist
Direktor
des Instituts für Finanz- und Steuerrecht und Professor
für öffentliches Recht an der Universität Heidelberg. Er
war von 1987 bis 1999
Richter am Bundesverfassungsgericht. Seit 2000 leitet er die in diesem
Jahr gegründete
„Forschungsstelle Bundessteuergesetzbuch“. Neben vielfältigen
weiteren
Ehrenämtern übernahm er u.a. die Präsidentschaft des 65.
und 66. Deutschen
Juristentages. Von 2001 bis 2007 war er Vorsitzender der Deutschen
Steuerjuristischen Gesellschaft. Unter den sehr zahlreichen Ehrungen
und Orden,
die Kirchhof erhielt, sei die Verleihung des „Jacob-Grimm-Preises
Deutsche
Sprache“ im Jahre 2005 hervorgehoben.
B. Tagungsankündigung
Tagung der Forschungsstelle
„Deutsches Rechtswörterbuch" (DRW):
Historische
Rechtssprache
Tagungsleitung:
Dr. Andreas Deutsch
Die Sprache ist seit jeher das wichtigste Instrument der Juristen und
Rechtsanwender. Daher hat sich schon früh eine spezifische
Fachsprache des Rechts herausgebildet. Aber
wie verhält sich diese gegenüber der Allgemeinsprache? Auf
dieser interdisziplinär ausgerichteten
Tagung soll eine Annährung an diese - auch für die Arbeit des
Deutschen Rechtswörterbuchs - zentrale
Fragestellung versucht werden.
Beginn: 29. Februar 2012
Das Programm mit weiteren Informationen finden Sie hier (pdf): Programmheft
Rückfragen und Kontakt: Kontakt
Um vorherige Anmeldung wird gebeten: Kontakt
C. Kürzlich beendete Tagung
Tagung der Forschungsstelle
„Deutsches Rechtswörterbuch" (DRW):
Der
„Ungläubige“ in der Rechts- und Kulturgeschichte
des
18.
Jahrhunderts
Tagungsleitung:
Dr. Andreas Deutsch
Prof. Dr. Ulrich Kronauer
► Der
Ungläubige
stellte aus christlicher Sicht im 18. Jahrhundert noch eine Provokation
dar; er musste bekehrt oder verfolgt und bestraft werden. Und auch die
aufgeklärten Kritiker dieser Auffassung setzten sich dem Verdacht
aus, ungläubig zu sein.
► Die dem Ungläubigen
zugewiesene Rolle und Stellung illustriert augenfällig die
Komplexität und Konfliktgeladenheit der Beziehung von
Aufklärung, Religion und Recht im 18. Jahrhundert – und weit
darüber hinaus. Bereits die Frage „Wer ist ein Ungläubiger?“
vermag kaum pauschal beantwortet zu werden.
► Die Tagung soll einer
interdisziplinären Annäherung an das Forschungsproblem
dienen: Theologen, Philosophen, Juristen, Historiker, Literatur- und
Sprachwissenschaftler kommen gleichermaßen zu Wort. Ein
spezielles Augenmerk liegt hierbei auf dem baltischen Raum, wo die
Christianisierung besonders spät einsetzte.
Ort: Akademiegebäude, Karlstraße 4, 69117 Heidelberg
Beginn: 28. September 2011 um 10.30 Uhr.
Ende: 30. September 2011 gegen 13 Uhr.
Das Programm mit weiteren Informationen finden Sie hier (pdf): Programmheft
D. Vortrag Kleiderordnungen
Ein Beispiel für das vielfältige Vortragsengagement des
DRW-Teams: Im Rahmen der Mitarbeiterreihe der Heidelberger Akademie der
Wissenschaften „Wir forschen. Für Sie.“ informierte die
DRW-Lexikografin Ingrid Lemberg am 9. Juni 2011 gut hundert
Interessierte im Vortragssaal der Akademie über Kleiderordnungen
und verwandte Texte aus dem breit gefächterten Quellen-Corpus des
Deutschen Rechtswörterbuchs. In ihrem Vortrag „»Seidene
Weiber-Struempff, doch ohne goldene Zwickel« - Kleidung im Fokus
von Recht und Sitte“ ging sie unter anderem auf die Bedeutung und
Symbolik von Kleidung und auf die strengen Kleidervorschriften in
Mittelalter und Früher Neuzeit ein. Der Vortrag wurde umrahmt
durch eine Aufführung der Gruppe SALTARELLO, die historische
Tänze aus Renaissance und Frühbarock in historischen
Kostümen darbot. Ein Mitglied dieses Ensembles ist Dr. Nicoline
Winkler, die zugleich wissenschaftliche Mitarbeiterin der Heidelberger
Akademie der Wissenschaften ist. (Bilder: Herbert von Bose)
