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A. Geplante Tagung in Heidelberg

Stadtrechte und Stadtrechtsreformationen“ vom 3. bis 5. April 2019

Vom 3. bis 5. April 2019 soll im Heidelberger "Großherzoglichen Palais" (Akademie der Wissenschaften) die Interdisziplinäre Tagung "Stadtrechte und Stadtrechtsreformationen" stattfinden. Eine Teilnahme als Zuhörer ist nach vorheriger Anmeldung möglich.

Wie Vorläufer unserer heutigen Gesetze wirken manche Stadtrechte des Mittelalters und der frühen Neuzeit: Sie regeln nicht nur die Organisation des städtischen öffentlichen Lebens samt Strafrecht und Prozess, sondern auch die Belange der Bürger, etwa im Handel, Familien- und Erbrecht. Die ersten Stadtrechte entstanden vor rund 900 Jahren (z.B. 1114 Valenciennes, 1120 Freiburg) in lateinischer Sprache, erste deutschsprachige Texte folgten ein Jahrhundert später. Vor 500 Jahren sorgte dann die Rezeption des römischen Rechts in Deutschland für eine neue Generation der städtischen Kodifikationen: Diese oft von gelehrten Juristen verfassten sog. Stadtrechtsreformationen waren nicht nur vom römischen Recht durchdrungen, sondern auch deutlich systematischer als ihre Vorläufer. Der aufblühende Buchdruck ermöglichte ihre Verbreitung in oft aufwändigen Ausgaben mit kunstvollen Deckblättern. Doch wie groß waren die Unterschiede wirklich? Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen stellen auf der Tagung bedeutende Stadtrechte und Stadtrechtsreformationen vor und diskutieren über deren Inhalte und Sprache. Auch kulturhistorische und kunstgeschichtliche Fragestellungen werden thematisiert.

Als Rahmenprogramm ist am 3. April um 19 Uhr eine musikalische Abendveranstaltung zu städtischen „Mandaten wider das Zutrinken“ geplant (siehe unten).

Teilnahme nur nach vorheriger Anmeldung möglich.

 

Kontakt und Anmeldung: drw-tagung@adw.uni-heidelberg.de

Das geplante Programm finden Sie hier (pdf).


B. Öffentliche Abendveranstaltung

Musik und „Mandate wider das Zutrinken“ am 3. April 2019


Die oft kuriosen Mandate werden präsentiert von Prof. Dr. phil. Thomas Wilhelmi und Dr. phil. Max Graff,
musikalisch umrahmt durch das Ensemble für Alte Musik „I Ciarlatani" unter der Leitung von Johannes Vogt.
Organisation für das DRW: Christina Kimmel-Schröder M.A.

Beginn: 19 Uhr, Vortragssaal der Akademie.


C. Neuer DRW-Band liegt vor:

Band 13 „Schwefel - Stegrecht“ ist abgeschlossen

Der dreizehnte Band des Deutschen Rechtwörterbuchs konnte im Sommer 2018 abgeschlossen werden. Die letzte der fünf Doppellieferungen des Bandes reicht von "Stadtkanzler" bis "Stegrecht". Sie ist inzwischen gedruckt und wurde zusammen mit dem Vorwort des Bandes und (sofern gewünscht) den entsprechenden Einbanddecken ausgeliefert.
Mit dem vorliegenden DRW-Band sind nun über 97.000 Wortartikel auf über 20.000 Spalten gedruckt. Sie reichen in alphabetischer Folge von "Aachenfahrt" bis "Stegrecht". Die Artikel enthalten mehr als 500.000 Belegzitate bzw. Belegstellenangaben mit insgesamt über 5 ½ Millionen Wörtern. Allein der neue Band enthält über 5600 Wortartikel. Viele davon umfassen nur wenige Zeilen, andere, besonders zentrale und komplexe Wörter erforderten mehrspaltige Artikel. So enthält der Band mehrere allgemeinsprachliche Verben, die in der Sphäre des Rechts ein äußerst ausdifferenziertes semantisches Spektrum entfalten. Neben "sein" und "sollen" (mit bewusst kurz gehaltenen Artikeln unter Ausklammerung der Hilfsverbfunktion) sind dies namentlich "setzen" (mit 39 Hauptbedeutungspunkten), "sitzen" (mit 24 Hauptbedeutungspunkten) und "sprechen" (mit 32 Hauptbedeutungspunkten). Das Zahlwort "sieben" bekam 29 Gliederungspunkte. Noch umfänglichere Auffächerungen haben einzelne Substantive erhalten, so allen voran der nicht zuletzt als Rechtssymbol sehr bedeutsame "Stab" (mit 51 Haupt- und Unterpunkten), dicht gefolgt von "Stadt/Statt/Stätte" (mit 48 Haupt- und Unterpunkten).
Die "Stadt" mit ihren Komposita prägt den hinteren Teil des Bandes – insgesamt beginnen rund 800 Wortartikel mit "Stadt-", womit es sich um eine der umfänglichsten Kompositareihen des ganzen Wörterbuchs handelt. Hinzu kommen die Komposita von "Statt" und "Stätte". Hiervon in den historischen Schreibformen oft nur schwer unterscheidbar sind ferner die (in moderner Schreibung) mit "Stad-" (Ufer) und "Staat-" (Status, Staat) beginnenden Wörter. Das Simplex "Staat" erhielt 19 Hauptbedeutungspunkte, zur "Staat"-Strecke zählen 125 Wortartikel. Ähnlich umfangreich waren im Band noch die Artikelstrecken "Sonder-" (86 Artikel) und "Spezial-" (118 Artikel). Ob "Spezialhypothek", "Spezialkontributionsanlage" oder "Spezialsuperintendent" – der Band erläutert im Übrigen auch eine große Anzahl heute oft unbekannter rechtlich relevanter Fremdwörter, so auch diese auf den ersten Blick kaum unterscheidbaren Termini: "Skortation", "Skotation", "Skotion", "Skossion" und "Skussion".


D. Vortragsankündigung:

Als der böse Wolf noch böse war - Eine (Rechts-)Geschichte der Wölfe in Deutschland und rund um Heidelberg

Einer der größten Feinde des Menschen war über die Jahrhunderte hinweg der Wolf. Märchen wie „Rotkäppchen“ oder „Die sieben Geißlein“ zeugen von der großen Angst der Menschen früherer Jahrhunderte vor dem gefräßigen Raubtier. Nicht ohne Grund. Gab es doch bis weit ins 19. Jahrhundert hinein zahlreiche Wölfe – auch in Deutschland und Mitteleuropa. In kalten Wintern drangen sie zum Teil selbst in größere Städte ein. Rund um Dörfer und Gehöfte suchten sie ihre Nahrung; oft wurden dann wehrlose Kinder zu blutigen Opfern. Im schweren Winter 1814/15 kamen allein in der Region Posen 28 Kinder durch Wölfe zu Tode. 1865/66 rissen Wölfe rund um Heidelberg über hundert Tiere. Die Verfolgung der Wölfe war schon im Mittelalter obrigkeitliche Aufgabe. Vor allem in der Frühneuzeit wurde die Bevölkerung zu Treibjagden zwangsverpflichtet. Man baute aufwändige Wolfsgruben und Wolfsfänge. Besonders im 17. Jahrhundert vermutete man hinter den Wolfsplagen indes auch Hexenzauber – und manch ein argloser Bürger wurde als vermeintlicher Werwolf enthauptet oder verbrannt.

Vortrag von Prof. Dr. Andreas Deutsch

am 26. Juni 2019, ab 18.15 Uhr im Vortragssaal der Heidelberger Akademie der Wissenschaften (Karlstraße 4, 69117 Heidelberg).


E. Neuester Sammelband

„Das Tier in der Rechtsgeschichte“


Sammelband Das Tier in der RechtsgeschichteIm Sommer 2017 erschien der neueste Sammelband in der Schriftenreihe des Deutschen Rechtswörterbuchs: Das Tier in der Rechtsgeschichte. Der 673 Seiten starke Band mit zirka 70 Abbildungen wurde von Andreas Deutsch und Peter König herausgegeben. Er geht auf eine Akademiekonferenz im Jahre 2014 zurück, an welcher rund hundert Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler und interessierte Gäste aus sechs europäischen Staaten und sieben unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen teilgenommen hatten. Die Ergebnisse der Tagung wurden in vielfältiger Weise ergänzt, sodass das Buch den Anspruch eines Handbuchs zum Thema erheben kann.

Seit es Menschen gibt, müssen sie sich in ihrem Verhältnis zu den Tieren definieren – und dies nicht zuletzt mit Mitteln des Rechts. Der interdisziplinär ausgerichtete Band bietet neben einer Gesamtschau auf die Geschichte des Tiers im Recht vertiefende Beiträge zu zentralen Einzelfragen, etwa zur Tierquälerei, zur Entstehung des Tierschutzes und zur Rolle der Tiere in ausgewählten Rechtsquellen. In einem breiten Bogen werden Fragen der Tierethik ebenso behandelt wie beispielsweise die Bedeutung der Tiere in der Heraldik, die Tierhalterhaftung sowie der Umgang mit den Tieren als Wirtschaftsgut, sei es bei der Jagd, der Weidehaltung oder als (oft lebendige) Naturalabgabe. Die rechtliche Dimension der Tier-Mensch-Beziehung wird zudem aus Sicht der Kunstgeschichte, Literatur- und Sprachwissenschaft beleuchtet. Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Behandlung der Tiere im Strafrecht, etwa bei Tierstrafen und Inquisitionsprozessen gegen Tiere.

Weitere Informationen beim Verlag

Tagungsbericht bei HSozKult ist hier abrufbar.

Hier finden Sie das Inhaltsverzeichnis des Bandes und einen Handzettel mit einer Zusammenfassung der wichtigsten Informationen.


F. Sammelband

Der „Ungläubige“ in der Rechts- und Kulturgeschichte des 18. JahrhundertsCover Sammelband "Der ,Ungläubige´ in der Rechts-
            und Kulturgeschichte des 18. Jahrhunderts

Im Oktober 2015 erschien der Sammelband "Der „Ungläubige“ in der Rechts- und Kulturgeschichte des 18. Jahrhunderts", hrsg. von Ulrich Kronauer und Andreas Deutsch im Auftrag der Heidelberger Akademie der Wissenschaften - ein weiterer Band in der Schriftenreihe des Deutschen Rechtswörterbuchs beim Universitätsverlag Winter (Heidelberg). Das knapp 500-seitige Werk (mit Abbildungen und Registern) sucht nach den Wurzeln der modernen Toleranzdebatte in den gerade im 18. Jahrhundert zwischen Konservativen und Aufklärern oft erbittert geführten Auseinandersetzungen um Andersgläubige.

Aus der Verlagsankündigung:

Die Frage nach „Glaube“ und „Unglaube“ hat bis heute Brisanz. Während andernorts Menschen für ihren Glauben morden, muss in Europa die Toleranzdiskussion seit der Aufklärung stetig aufs Neue geführt werden. Der interdisziplinär ausgerichtete Band lenkt den Blick auf das 18. Jahrhundert, in dem traditionelle und modernisierende Kräfte zum Teil erbittert um Glaubenswahrheiten und Toleranzräume rangen. Wesentliche Positionen der Debatte wirken bis in unsere Tage nach. Nicht nur Atheisten, sondern auch Andersgläubige, etwa Muslime, Angehörige von Naturreligionen oder Sekten, galten für viele Christen des 18. Jahrhunderts als „ungläubig“ – und sollten entweder bekehrt und missioniert oder aber verfolgt und bestraft werden. Befürworter eines toleranten Umgangs setzten sich dem Verdacht aus, selbst ungläubig zu sein. Die Rolle des „Ungläubigen“ markiert somit einen spannenden Ausschnitt der komplexen Beziehung zwischen Aufklärung, Theologie und Recht (nicht nur) im 18. Jahrhundert. Der Band versucht eine exemplarische Annäherung mit historischen, rechtshistorischen, philosophischen, literaturwissenschaftlichen und theologischen Beiträgen.

Mehr Infos zum Band erhalten Sie hier als pdf.

Mehr zur Schriftenreihe des Deutschen Rechtswörterbuchs finden Sie direkt beim Verlag.


G. Sammelband

Historische Rechtssprache des Deutschen


In der Schriftenreihe des Deutschen Rechtswörterbuchs ist Ende 2013 der Sammelband "Historische Rechtssprache des Deutschen", hrsg. von Andreas Deutsch im Auftrag der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, im Universitätsverlag Winter (Heidelberg) erschienen. Das knapp 500-seitige Werk mit zahlreichen Abbildungen beginnt mit einem Geleitwort des ehemaligen Bundesverfassungsrichters Paul Kirchhof über die Rolle von Sprache im Recht (vgl. den Vortrag unter "Stimmen zum DRW").

Aus der Verlagsankündigung:

Manche halten die Rechtssprache für eine der ältesten Fachsprachen überhaupt, andere bestreiten, dass es eine Fachsprache des Rechts gibt. Dieser Band möchte die Geschichte der Rechtssprache des Deutschen in ihren vielen Facetten von den Anfängen bis in neuere Zeit beleuchten und hierbei einige Besonderheiten der Rechtssprache herausarbeiten, etwa die Möglichkeit der Sprachregulierung durch den Gesetzgeber. Neben einen historischen Abriss zur Entwicklung der deutschen Rechtssprache und grundlegende, handbuchartige Beiträge zum Charakter der Rechtssprache treten vertiefende Studien, etwa zum Bedeutungswandel von Rechtswörtern, zum Verhältnis von Bild und Sprache, zur Metapher im Recht, zu Reformversuchen der Rechts- und Verwaltungssprache, zum Problem der Allgemeinverständlichkeit von Gesetzen, zum Einfluss anderer Fachsprachen auf die Rechtssprache und zum Rechtswortschatz in der Literatur.

Mehr Infos zum Band erhalten Sie hier als pdf.

Mehr zur Schriftenreihe des Deutschen Rechtswörterbuchs finden Sie direkt beim Verlag.