Das Dobson-Projekt


Richtig! Denn ein Öko-Dobs wie der oben abgebildete sieht eigentlich nur zunächst aus wie ein fertiges Teleskop. In Wirklichkeit jedoch ist es ein preiswerter Bausatz (wenn man mit der Optik Glück hat) für einen Ideal-Dobson. Wenn man es geschickt anstellt, kann man während der überwiegenden Zeit des Umbauprozesse sogar mehr oder weniger genüßlich beobachten.

In meinem Fall habe ich das gute Stück preiswert, wenn auch reichlich verstaubt, im Herbst '99 gebraucht gekauft. Der erste Eindruck war: Lichtleistung enorm, optische Präzision weniger. Sterne waren dickliche Kleckse und waberten außerdem freudig herum. Schnell stellte sich die mangelhafte, bzw. so gut wie nicht vorhandene Belüftung der Preßspan-"Spiegelzelle" als Ursache heraus. Dies führte umgehend zum Einbau eines Lüfters.

Das brachte schon mal eine gewisse Verbesserung. Selbst bei Außentemperaturen um den Gefrierpunkt verringerte sich die Auskühlzeit auf etwa eine halbe Stunde. Die optische Leistung schien mir allerdings noch immer etwas "mässig". Der Grund leuchtete mir schlagartig ein, als das Teleskop zu einem Zeitpunkt, an dem über mehrere Tage Außen- und Innentemperatur fast  identisch waren, selbst an engen Doppelsternen (z.B. Zeta Bootis, 0.8") praktisch optimale Leistung brachte. Der auf die Preßspanplatte aufgeklebte kiloschwere "Glasklotz" kühlte durch den Lüfter jetzt zwar zügig aus, aber durch die unterseitige "optimale" Isolierung zwangsläufig extrem ungleichmässig, was der optischen Idealkurve nicht guttun konnte. Definitive Folgerung: Austausch der Spiegelzelle.

Davor waren natürlich noch andere Modifikationen fällig. Nachdem mir das gute Stück gleich zu Beginn beim Manövrieren im  Hausflur aus der Hand gerutscht war und aus ca. einem Meter Höhe auf die Fliesen geknallt war (nein, keine Schäden,es mußte daraufhin tatsächlich nur geringfügig kollimiert werden!), wurden erstmal Handgriffe angeschraubt.

Als nächste einfache und sehr wirksame reflexionsmindernde und damit kontraststeigernde Maßnahme sollte der Dob inwendig mehr oder weniger mit schwarzem Samt ausgekleidet werden.

Als nächste und mehr oder weniger abschließende Modifikation steht noch der Ersatz der Rockerbox durch eine stabile und gleichzeitig leichtere Konstruktion aus Multiplex-Birkensperrholz an. Nachdem aufgrund der verbesserten optischen Tauglichkeit bei exzellentem Seeing auch Vergrösserungen jenseits von 200fach am Planeten möglich sein sollten, macht sich neben der Wackeligkeit des Unterbaus auch das Ruckeln aufgrund der zu gering dimensionierten Azimutlager bemerkbar, die durch größere und klassisch auf Laminat/Teflonbasis ausgeführte Dec-Räder ersetzt werden sollen. Da ich allerdings im Moment ein bißchen bastelmüde bin, habe ich mich damit begnügt, an der vorhandenen Rockerbox ein paar Kleinigkeiten zu modifizieren.

Oben sieht man das simple Geheimnis des Hardcore-Dobsonauten: Der Telrad (man beachte die Taukappe) gepaart mit kurzbrennweitiger Optik und Weitwinkel-Übersichtsokular funktioniert den kompletten Dob kurzerhand in einen Monster-Sucher um (immerhin 1,5° Gesichtsfeld). Dafür paßt dann schon eher die englische Bezeichnung "Finder". Was man mit dieser Kombination nicht findet, liegt entweder jenseits der Leistungsfähigkeit der gegebenen Öffnung oder ist in der Himmelsaufhellung "ersoffen".

Meiner Meinung nach ist ein mittelgroßer etwa 8-zölliger Dobson, wie er mittlerweile schon recht preiswert zu haben ist, in der Kombination mit Telrad, Karkoschka und einem Satz guter Aufsuchkärtchen die erfolgversprechende Lösung auch und gerade für den absoluten Einsteiger. Es ist absoluter Unfug, einem blanken Anfänger, der erst überhaupt einmal am Himmel sich zurechtfinden soll, unter Erwähnung irgendwelcher fotografischer Optionen (mit denen es dann später ohnehin nicht weit her ist) eine teure und umständliche parallaktische Montierung aufzuhalsen, meist mit einer Öffnung gepaart (4,5" üblicherweise), bei der jemanden, der die Objekte bis dahin nur von Bildern gekannt hat, nicht gerade der Mund vor Staunen offenstehen bleibt. Nachdem das Thema "welches Einstiegsfernrohr?" auf den diversen Listen und Diskussionsboards sowieso einen Dauerbrenner darstellt, werde ich meine Erfahrungen und Tips dazu aller Voraussicht nach in näherer Zukunft auf einer eigenen Seite breittreten;-)
 
 

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