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Ruprecht-Karls-Universität HeidelbergLaboratorium für Geochronologie |
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Im Neuenheimer Feld 234 |
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Geochronologie und isotopische Altersbestimmungen
Die Geochronologie befasst sich mit der absoluten geologischen Zeitrechnung.
Zu den klassichen Methoden zur relativen Bestimmung von geologischen
Zeiträumen, z.B. durch Sedimentablagerungen (Lithostratigraphie) und
Vorkommen von Fossilien (Biostratigraphie) kamen im 20. Jahrhundert
Altersbestimmungsmethoden, die auf physikalischen und chemischen Prozessen
beruhen. Vor allem durch die Nutzung von kernphysikalischen Vorgängen
wurde es möglich das absolute Alter von Mineralen und Gesteinen direkt
zu ermitteln und Eichpunkte für die geologischen Zeitskalen zu bekommen.
Isotopische Altersbestimmungen
Von den meisten chemischen Elementen gibt es Isotope. Isotope eines Elements
haben bei gleicher Protonenzahl (Ordnungszahl, Protonen sind positiv geladene
Kernteilchen) unterschiedliche Zahl an Neutronen (ungeladene Kernteilchen).
Einige Isotope sind instabil und zerfallen (alpha-,
beta-, gamma-Zerfall) nach einer bestimmten Zeit. Aus der Bilanzierung
des entstehenden Tochterisotops und seinem Mutterisotop kann ein Alter abgeleitet
werden (Sanduhr-Modellvorstellung). Durch
unterschiedliche Zerfallsgeschwindigkeiten
(Halbwertszeiten) können mit den verschiedenen
Mutter-, Tochtersysteme verschiedene Zeiträume datiert werden
(Altersbestimmungsmethoden und datierbare geol.
Zeiträume). Unter Halbwertszeit versteht man diejenige Zeit, in
der das Mutterisotop zur Hälfte zerfallen ist. Eine andere Möglichkeit
Materialalter zu bestimmen beruht auf der Produktion von instabilen Isotopen
durch kosmische Strahlung. Mit bekannten Produktions- und Zerfallsraten kann
aus der Menge der noch vorhandenen instabilen Tochterisotope ein Alter bestimmt
werden.
Isotopische Altersdaten und Zeitskala
Grundsätzlich datiert wird der Zeitpunkt eines Mineral- oder
Gesteins-Systems, zu dem es keine Mutter- bzw. Tochterisotope mehr verliert.
Dies kann die Abkühlung unter eine bestimmte Temperatur (Abkühlalter)
oder Neubildung eines Minerals (Bildungsalter) sein. Treten spätere
chemisch oder thermisch bedingte Verluste des Mutter- oder Tochterisotops
auf, so verändern sich die Isotopenzusammensetzungen, und die
Altersinformation wird modifiziert. Zur Deutung von isotopischen Altersdaten
sind daher zusätzliche Informationen zur geologischen Geschichte und
zu den Bildungsorten der Gesteine bzw. Minerale notwendig.
Mit diesen Methoden können Prozesse in und auf der Erde wie z.B. magmatische Ereignisse oder Bildungen von Lagerstätten näher untersucht werden. Mit der Geochemie der Isotope können zusätzliche Informationen über die stoffliche Dynamik dieser Prozesse gewonnen werden.
Aus der Synthese von verschiedenen geologischen Informationen und isotopischen
Altersdaten als unabhängige Eichpunkte entstehen Zeitskalen. Durch
internationale Konventionen werden Namen für die geologischen
Zeiträume und für die jeweiligen Grenzen festgelegt (z.B.
Paläozoikum/ Mesozoikum, Datierungsmethoden).
Beispiele für Datierungsmethoden
Für Altersdatierungen werden reine Mineral- oder Gesteinspräparate
chemisch und isotopisch analysiert (Flußdiagramm
zur Meßtechnik). Durch Massenspektrometrie werden die relevanten
Isotope aufgrund ihrer verschiedenen Massen getrennt und die
Häufigkeitsverhältnisse gemessen. Aus diesen
Isotopen-Häufigkeitsverhältnissen und gegebenenfalls chemisch
bestimmten Element-Konzentrationen lassen sich Alterswerte berechnen.
Zirkondatierung mit der Uran-Blei-Methode
Die radioaktiven Uran-Mutterisotope 238U, 235U zerfallen
über unterschiedliche Zerfallsreihen zu den stabilen Blei-Tochterisotopen
206Pb bzw. 207Pb. Bei uranhaltigen Mineralen
läßt sich so das Alter aus den Häufigkeitsverhältnissen
der Uran- zu den Blei-Isotopen ableiten. Zirkone
(Kathodolumineszenzfoto eines zonierten
Zirkonkristalls) eignen sich für die Datierung, da sie hitze- und
verwitterungsbeständig sind und sie Uran und Blei speichern können.
Neben Zirkonpopulationen werden vor allem einzelne Zirkonkristalle (mittels
Ionensonde, Evaporation) analysiert.
Trägt man die gemessenen Häufigkeitsverhältnisse der Blei-
zu den Uran-Isotopen gegeneinander auf, liegen die Messdaten für
ungestörte Altersinformationen auf einer sogennanten "Konkordia"-Kurve
(U-Pb-Konkordiagramm). Für Zirkone, die
durch eine Metamorphose Blei verloren haben, können die Datenpunkte
eine Gerade (Diskordia) bilden, die die
Konkordia-Kurve in zwei Punkten schneidet. Der obere Schnittpunkt entspricht
der Gesteinskristallisation und der untere dem Metamorphoseereignis. Mit
der U-Pb-Methode können sowohl sehr alte z.B. archaische als auch relativ
junge z.B. mesozoische Gesteine datiert werden.
Glimmerdatierung mit der Kalium-Argon-Methode
Die K-Ar-Methode basiert auf dem dualen Zerfall des Kaliumisotops
40K in radiogenes 40Ca und radiogenes 40Ar.
Anhand der Kalium- bzw. Argon-Konzentrationen und ihrer
Isotopenhäufigkeiten können Alter von kaliumhaltigen Gesteinen
und Mineralen bestimmt werden. Als häufige, gesteinsbildende Minerale
sind kaliumreiche Glimmer (Biotite, Muskovite)
und Alkalifeldspäte für K-Ar-Datierungen geeignet.
Eine verbesserte analytische Variante der K-Ar-Methode mit höherer Messpräzision stellt die 40Ar/39Ar-Technik dar. Durch Neutronenaktivierung wird aus dem Kaliumisotop 39K das radioaktive Argonisotop 39Ar erzeugt. Es müssen somit nur Argon-Isotopenverhätnisse massenspektrometrisch gemessen werden. Die Probe wird in Teilschritten bei Temperaturen von etwa 400 °C bis 1300 °C entgast. Für jeden Schritt kann ein Alterswert berechnet werden, der gegen den Anteil des freigesetzten Argonisotops 39Ar aufgetragen wird (40Ar/39Ar-Altersbestimmung). Aus einem plateauförmigen Stufenentgasungsspektrum kann eine schnelle Abkühlung des Minerals und ein bis heute geschlossenes K-Ar-Isotopensystem gefolgert werden. Mit dieser Messtechnik können Milliarden Jahre alte Gesteine aus der Frühzeit der Erde, Meteoriten, paläozoische Gebirgsbildungen, aber auch sehr junge, einige tausend Jahre alte Vulkanite datiert werden.
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