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Robert
Rebitsch |
| Zur Person
1) Einzelpublikationen
2) Herausgeberschaft / Schriftleitung / Assistenz
3) Miszellen, Artikel und Zeitschriftenaufsätze
in Vorbereitung:
4) Rezensionen
5) Vorlesungen, Proseminare und Seminare
6) Vorträge
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Rupert
(Ruprecht) von der Pfalz, Pfalzgraf bei Rhein, Duke of Cumberland, Earl of Holderness |
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Robert Rebitsch, Rupert von der Pfalz
(1619-1682). Ein deutscher Fürstensohn im Dienst der Stuarts (=
Innsbrucker Historische Studien, Beiheft 1. Innsbruck – Wien –
Bozen 2005).
In seiner Studie über Rupert von der Pfalz stellt Rebitsch die beachtliche und abwechslungsreiche militärische Karriere des künstlerisch talentierten und als Erfinder tätigen Pfalzgrafen vor. Es handelt sich dabei um ein abenteuerliches und spannendes Leben eingebettet im welthistorischen Kontext des 17. Jahrhunderts. Geboren am 17./27. Dezember 1619, Prag Rupert, genannt „the Cavalier“, war
das viertgeborene Kind des Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz
aus dem Hause Pfalz-Simmern und der englischen Königstochter Elisabeth
Stuart. Nach der Schlacht am Weißen Berg (8. November 1620) musste
die Pfälzer Familie ins Exil flüchten. Rupert wuchs in Leiden
auf. Seine ersten Kampfeinsätze bestand der Jugendliche unter dem
niederländischen Statthalter Friedrich Heinrich von Oranien gegen
spanische Truppen. Sein erstes Kommando führte Rupert als Oberst
eines berittenen Regiments unter dem Kommando seines Bruders Karl Ludwig.
Die Pfälzer wurden durch schwedische Verbände verstärkt.
Doch das Unternehmen nach Westfalen 1638 geriet zum Desaster. Bei Vlotho
wurde der junge Pfalzgraf von den Truppen des kaiserlichen Generalfeldmarschalls
Melchior Graf Hatzfeld von Gleichen gefangen genommen. Daraufhin verbrachte
R. drei Jahre in kaiserlicher Haft auf dem Linzer Schloss. Im November
1641 wurde er aus der Kriegsgefangenschaft entlassen. Während der royalistischen Konterrevolution in den Jahren von 1649 bis 1653 übernahm er als Lord High Admiral einen Teil der englischen Flotte, die jedoch von Cromwell’s Navy aus Irland und später aus Lissabon vertrieben und im Mittelmeer fast aufgerieben wurde. Die folgende wirre Kaperfahrt verschlug den Pfalzgrafen bis an den Gambia und in die Karibik. Pfalzgraf Moritz kam in einem Orkan bei den Kleinen Antillen ums Leben. Nach seiner langen Expedition hielt R. sich am Exilhof Karls II. von England in Paris und einige Zeit später im Reich auf. 1657 warb der Pfalzgraf ein Regiment Kavallerie für Kaiser Leopold I. Dabei kam es offenbar zu Unstimmigkeiten bei der Auszahlung der Werbegelder zwischen Rupert und der Wiener Hofkammer. Im ersten Nordischen Krieg, in dem eine österreichisch-brandenburgische Koalition gegen die Machtansprüche des schwedischen König Karls X. Gustav in Polen auftrat und der den ganzen Nordostseeraum in die Kriegswirren mit einbezog, wurde der Pfälzer am 9. Oktober 1659 von Leopold I. zum Feldmarschallleutnant bestellt und sogleich mit 4 neugeworbenen Kompanien in Marsch gesetzt. R. wurde dem kaiserliche Oberbefehlshaber Raimondo Graf Montecuccoli unterstellt, der viel vom Pfalzgrafen hielt. Der reformierte Pfalzgraf kämpfte in diesem Konflikt auf Seiten der katholischen Habsburger für das katholische Polen gegen das lutherische Schweden, das einst die Hoffnung für die evangelischen Reichsstände, vor allem auch für seinen Vater, dargestellt hatte. Außerdem war der schwedische König Karl X. Gustav ein Wittelsbacher aus der Linie Pfalz-Zweibrücken. Rupert jedoch sah weder Konfession noch die verwandtschaftliche Verbindung als Hindernis, in diesen Konflikt einzugreifen. Der Feldzug dauerte für ihn nicht lange. Militärischer Höhepunkt für den Feldmarschallleutnant war die Eroberung und Zerstörung der taktisch wichtigen Warnemünder Schanze am 18. März 1660, die den Rostocker Hafen deckte. Der Friede von Oliva, am 3. Mai 1660, bedeutete das Ende des Konflikts an der Ostsee. R. bat um Entlassung aus dem kaiserlichen Dienst und kehrte nach England zurück, wo das Königreich restauriert wurde. Im zweiten und dritten Englisch-niederländischen Seekriege von 1665 bis 1667 und 1672 bis 1674 übertrug Karl II. R. hohe Admiralsposten (General-at-Sea, Vizeadmiral und Lord of the Admiralty). Obgleich meist an Schiffen überlegen, konnte der Pfälzer als Oberbefehlshaber zur See keinen entscheidenden militärischen Erfolg gegen die Generalstaaten der Niederlande erringen. Nur in der Schlacht am 25. Juli 1666 errang er gemeinsam mit Admiral George Monk, Duke of Albemarle, einen beachtlichen Sieg gegen den Niederländer de Ruyter. Dennoch war R. aufgrund seiner Erfahrung ein unentbehrlicher Seeoffizier für den englischen König Karl II. R. betätigte sich jedoch nicht nur als Militär, er engagierte sich auch am englischen Überseehandel als Gouverneur der Hudson’s Bay Company sowie als Aktionär der Royal African Company und fiel als Erfinder und Künstler auf. So trug R. wesentlich zur Entwicklung der Mezzotinto-Technik bei, die er nach England brachte. Aufgrund seiner mannigfachen Erfindungen, sowohl militärischer als auch ziviler Art, wurde der sprachbegabte und vor allem an Naturwissenschaften so interessierte Pfalzgraf in die Royal Society aufgenommen. Durch seine – freilich ungewollte –
Initialzündung für den englischen Schlachtflottenbau unter
Cromwell, durch seine führende Rolle in den Englisch-Niederländischen
Seekriegen und durch sein außerordentliches Engagement für
die Royal African Company und noch viel mehr für die Hudson’s
Bay Company ist des Pfälzers Anteil an der Großmachtwerdung
Englands um einiges höher einzuschätzen, als dies bisher in
der Forschung geschah. |