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Robert Rebitsch

Zur Person

Mag. Dr. phil. Robert REBITSCH, Lehrbeauftragter am Institut für Geschichte seit 1998;
geb. 1968 in Brixlegg/Tirol;
Matura am Bundesoberstufenrealgymnasium Schwaz 1987;
Einjährig-Freiwilliger beim Österreichischen Bundesheer 1987/88, Auslandsaufenthalt Zypern 1988/89, Zeitsoldat beim Österreichischen Bundesheer 1989-1992; und weitere Auslandsaufenthalte;
Studium der Geschichte und Philosophie/Pädagogik/Psychologie an der Universität Innsbruck; Mag. phil. 1996; Unterrichtspraktikum in Geschichte und Psychologie/Philosophie 1997/98; Dr. phil. 2000;
Projektbearbeiter MATTHIAS GALLAS 2002-2005;
Lehrtätigkeit: Proseminar aus Geschichte der Neuzeit;
wissenschaftliches Mitglied des Herausgeberteams der Innsbrucker Historischen Studien;
Theodor-Körner-Preis 2002;
Marketing- und PR-Ausbildung am WIFI Tirol;
seit 2005 im projekt.service.büro der Universität Innsbruck;
Forschungsschwerpunkte: Konflikt-, Militär- und politische Geschichte des 16. und 17. Jahrhunderts, Biographien.
Mail: robert.rebitsch@uibk.ac.at


1) Einzelpublikationen

1. Tirol, Karl V. und der Fürstenaufstand von 1552 (= Schriftenreihe Studien zur Geschichtsforschung der Neuzeit, Bd. 18. Hamburg, Verlag Dr. Kovac, 2000).

2. Rupert von der Pfalz (1619 – 1682). Ein deutscher Fürstensohn im Dienst der Stuarts (= Innsbrucker Historische Studien, Beiheft 1. Innsbruck, StudienVerlag 2005).

3. Matthias Gallas (1588–1647) – Generalleutnant des Kaisers. Eine militärische Biographie.
(in Vorbereitung)


2) Herausgeberschaft / Schriftleitung / Assistenz

1. Innsbrucker Historische Studien 23/24. Hrsg. von HistorikerInnen der Universität Innsbruck (Innsbruck, StudienVerlag 2004).

2. P. Heinrich Denifle O.P. (1844 – 1905). Herkunft und geistiges Umfeld eines profilierten Mittelalterforschers aus Tirol. Hrsg. von Helmut GRITSCH in Zusammenarbeit mit Robert Rebitsch und Thomas GRITSCH (Innsbruck, Studia-Verlag 2005).


3) Miszellen, Artikel und Zeitschriftenaufsätze

1. Die Kalenderreform in Tirol im Jahre 1583, in: Innsbrucker Historische Studien 20/21 (Innsbruck, StudienVerlag 1999) 317-322.

2. gem. mit Alfred A. STRNAD, Der Tod kam in Innsbruck. Zum Ableben des Großkanzlers Kaiser Karls V., Kardinal Mercurino Arborio di Gattinara (10. Juni 1465 - 5. Juni 1530), in: Innsbrucker Historische Studien 22 (Innsbruck, StudienVerlag 2000) 135-154.

3. Neue Literatur zu Kaiser Karl V. (1500 – 1558), in: Innsbrucker Historische Studien 22 (Innsbruck, StudienVerlag 2000) 293-308.

4. Neue Literatur zu Kaiser Karl V. (1500 – 1558), in: http://www.univie.ac.at/forumkarlv

5. Der Aufenthalt Martin von Baumgartners auf Zypern während seiner Pilgerreise ins Heilige Land 1508, in: Tirol zwischen Zeiten und Völkern. Festschrift für Helmut Gritsch zum 60. Geburtstag am 20. Juni 2002. Hrsg. von Eugen THURNHER (= Schlern Schriften Band 318. Innsbruck 2002) 111-124.

6. Magdalena, Erzherzogin von Österreich, in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Band 21 (2003) 876-881.

7. Leopold Wilhelm als Oberbefehlshaber der kaiserlichen Armee im Dreißigjährigen Krieg, in: Krijg en Kunst. Leopold Willem (1614 – 1662) Habsburger, landvoogd en kunstverzamelaar. Hrsg. von Josef MERTENS en Franz AUMANN (Tentoonstelling van de landcommanderij Alden Biesen 3. oktober – 14 december 2003, Cultuurcentrum van de Vlaamse Gemeenschap. Alden Biesen 2003) 9-14.

8. Gottfried Huyn von Geleen, in: Krijg en Kunst. Leopold Willem (1614 – 1662) Habsburger, landvoogd en kunstverzamelaar. Hrsg. von Josef MERTENS en Franz AUMANN (Tentoonstelling van de landcommanderij Alden Biesen 3. oktober – 14 december 2003, Cultuurcentrum van de Vlaamse Gemeenschap. Alden Biesen 2003) 13f.

9. Matthias Gallas und die Liquidierung Albrechts von Wallenstein, in: Innsbrucker Historische Studien 23/24 (StudienVerlag; Innsbruck 2004) 325-378.

10. Der Generalstab von 1644, in: Österreichische Militärische Zeitschrift XLII/3 (2004) 321-325.

11. Rupert von der Pfalz. Der Sohn des „Winterkönigs“, in: DAMALS 6 (2004) 66-71.

12. Kaiser Karl V. als Landesherr von Tirol. Bemerkungen zur Geschichte Tirols unter einem wenig beachteten Landesfürsten, in: Tiroler Heimat 68 (Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 2004) 61-92.

13. Mandate gegen Juden und Zigeuner. Zur Marginalisierung und Unterdrückung sozialer Minderheiten im 16. Jahrhundert am Beispiel der Grafschaft Tirol, in: Der Schlern 79 (Athesia, Bozen 2005) 44-57.

14. gem. mit Romedio SCHMITZ-ESSER, Herzog Severin von Sachsen. Aufenthalt und Tod eines jungen Sachsenherzogs in Tirol, in: Tiroler Heimat 69 (Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 2005) 121-142.

15. Die Landesfürstin und der Generalleutnant. Claudia de’ Medici und Matthias Gallas im Spannungsfeld des Dreißigjährigen Krieges, in: Tiroler Heimat 69 (Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 2005) 53-69.

in Vorbereitung:

Der kaiserliche Feldzug in das Herzogtum Holstein im Jahre 1644. Zur Geschichte einer militärischen Katastrophe (erscheint in den nächsten Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs [Jubiläumsausgabe]).

Die Eroberung der Festung Kufstein 1504 (erscheint im Tagungsband „Von Wittelsbach zu Habsburg. Maximilian I. und der Übergang der Gerichte Kufstein, Rattenberg und Kitzbühel von Bayern an Tirol 1504 – 2004. TLA).



4) Rezensionen

in IHS 20/21:

- Reinhard BAUMANN, Landsknechte. Ihre Geschichte und Kultur vom späten Mittelalter bis zum Dreißigjährigen Krieg. München 1994.

- Heinz DUCHHARDT (Hrsg.), Der Westfälische Friede. Diplomatie – politische Zäsur – kulturelles Umfeld – Rezeptionsgeschichte (= Historische Zeitschrift, Beiheft N.F. Band 26. München 1998).

- Helmut LAHRKAMP, Dreißigjähriger Krieg / Westfälischer Friede. Eine Darstellung der Jahre 1618-1648 mit 326 Bildern und Dokumenten. Münster 21998.

- Christoph JAHR, Gewöhnliche Soldaten. Desertion und Deserteure im deutschen und britischen Heer 1914-1918 (= Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft, Band 123. Göttingen 1998).

- Johannes KUNISCH / Herfried MÜNKLER (Hrsg.), Die Wiedergeburt des Krieges aus dem Geist der Revolution. Studien zum bellizistischen Diskurs des ausgehenden 18. und 19. Jahrhunderts (= Beiträge zur Politischen Wissenschaft Bd. 110. Berlin 1999).

- Manfred RAUH, Geschichte des Zweiten Weltkriegs. Zweiter Teil: Der europäische Krieg 1939-1941. Berlin 1995.

in IHS 22:

- Marco JORIO (Hrsg.), 1648. Die Schweiz und Europa. Außenpolitik zur Zeit des Westfälischen Friedens. Zürich 1999.

- Politische Korrespondenz des Herzogs und Kurfürsten Moritz von Sachsen. Fünfter Band. 9. Januar 1551 – 1. Mai 1552. Hrsg. von der Historischen Kommission der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. Bearbeitet von Johannes HERRMANN, Günther WARTENBERG und Christian WINTER. Berlin 1998.

- Frank KITSON, Prince Rupert. Portrait of a Soldier. London 1994.

- Frank KITSON, Prince Rupert. Admiral and General-at-Sea. London 1998.

In IHS 23/24:

- EUROPA, TAUSENDJÄHRIGES REICH UND NEUE WELT. Zwei Jahrstausende Geschichte und Utopie in der Rezeption des Danielbuches. Hrsg. von Mariano DELGADO, Klaus KOCH und Edgar MARSCH (= Studien zur christlichen Religions- und Kulturgeschichte, Band 1. Stuttgart und Freiburg/Schweiz 2003).

- Martina FUCHS, Karl V. Eine populäre Figur? Zur Rezeption des Kaisers in deutschsprachiger Belletristik (= Geschichte in der Epoche Karls V. Münster 2002).

- THE OXFORD COMPANION TO MILITARY HISTORY. Edited by Richard HOLMES. Consultant editor: Hew STRACHAN. Associate editors: Christopher BELLAMY and Hugh BICHENO. Oxford and New York 2001.

- Esther-Beate KÖRBER, Habsburgs europäische Herrschaft. Von Karl V. bis zum Ende des 16. Jahrhunderts (= Geschichte kompakt. Hrsg. von Martin KINTZINGER, Uwe PUSCHNER, Barbara STOLBERG-RILINGER. Darmstadt 2002).

- Alfred KOHLER: Ferdinand I. 1503-1564. Fürst, König und Kaiser. München 2003.

- DREIHUNDERT JAHRE PREUSSISCHE KÖNIGSKRÖNUNG. Eine Tagungsdokumentation. Hrsg. im Auftrag der Preußischen Historischen Kommission, Berlin von Johannes KUNISCH (= Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte; Neue Folge Beiheft 6. Berlin 2002).

- Malte OLSCHEWSKI, Von den Karawanken bis zum Kosovo. Die geheime Geschichte der Kriege in Jugoslawien (= Ethnos, Band 57. Wien 2000).

- Ulrich ROSSEAUX, Die Kipper und Wipper als publizistisches Ereignis (1620-1626). Eine Studie zu den Strukturen öffentlicher Kommunikation im Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges (= Schriften zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte Band 67. Berlin 2001; zugl. Bonn Univ. Diss. 2000).

- NUNTIATURBERICHTE AUS DEUTSCHLAND, nebst ergänzenden Aktenstücken. Die Kölner Nuntiatur, Band IV/2, 1. und 2. Halbband: Nuntius Atilio Amalteo (1607 Oktober – 1610 Oktober). Im Auftrag der Görres-Gesellschaft, hrsg. von Erwin GATZ und Konrad REPGEN. Bearbeitet von Stefan SAMERSKI. Paderborn – München – Wien – Zürich 2000.

In Unsere Heimat. Zeitschrift für Landeskunde von Niederösterreich 75/2 (2004):

- Thomas WINKELBAUER, Ständefreiheit und Fürstenmacht. Länder und Untertanen des Hauses Habsburg im konfessionellen Zeitalter. Teil 1 und 2 (= Österreichische Geschichte 1522-1699. Hrsg. von Herwig WOLFRAM. Wien 2003).

In Tiroler Heimat 69 (2005):

- Martin P. SCHENNACH, Tiroler Landesverteidigung 1600-1650. Landmiliz und Söldnertum (Schlern-Schriften 323. Innsbruck 2003).

- Martin P. SCHENNACH, Ritter, Landsknecht, Aufgebot. Quellen zum Tiroler Kriegswesen 14.-17. Jahrhundert (Tiroler Geschichtsquellen Nr. 49, Tiroler Landesarchiv Innsbruck 2004).


5) Vorlesungen, Proseminare und Seminare

- Proseminar aus Geschichte der Neuzeit: Die Quellen der Neuzeit (seit WS 1998)

- Proseminar aus Geschichte der Neuzeit: Habsburg und Valois/Bourbon im Ringen um die Vorherrschaft in Europa (SS 2003)

- Proseminar aus Geschichte der Neuzeit: Die Quellen des Dreißigjährigen Krieges (WS 2003/04)

- Proseminar aus Geschichte der Neuzeit: „Frauenwelten – Männerwelten“. Geschlechterrollen in der Frühen Neuzeit (SS 2004)

- Proseminar aus Geschichte der Neuzeit: Der Aufstand der Niederlande (WS 2004/05 und SS 2005)

- Proseminar aus Geschichte der Neuzeit (WS 2005/06)


6) Vorträge

- Der Kosovo-Konflikt. Vom Amselfeld zur Mazedonien-Krise. Ein Vortrag mit Dias
(Gehalten an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck am 7. Juni 2001).

- Die Landesfürstin und der Generalleutnant. Claudia de’Medici und Matthias Gallas im Spannungsfeld des Krieges (Gehalten im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum am 17. Juni 2004).

- Die Eroberung der Festung Kufstein 1504. (Gehalten im Tiroler Landesarchiv am 15. Oktober 2004 zur Tagung „Von Wittelsbach zu Habsburg. Maximilian I. und der Übergang der Gerichte Kufstein, Rattenberg und Kitzbühel von Bayern an Tirol 1504 - 2004).

- Rupert von der Pfalz. Ein deutscher Fürstensohn im Dienst der Stuarts (Gehalten am 3. November 2004 an der Universität Wien).

- Diskussionsleitung und Referat zu „Luther – Film und Diskussion“ (Filmvorführung am 24. November 2004 an der Universität Innsbruck)

- Auf dem Weg zum Empire – der Kampf um die globale Handelsdominanz zwischen England und den Generalstaaten der Niederlande (Gehalten am 24. Österreichischen Historikertag, Innsbruck 22. September 2005).


Rupert (Ruprecht) von der Pfalz,
Pfalzgraf bei Rhein, Duke of Cumberland, Earl of Holderness
Robert Rebitsch, Rupert von der Pfalz (1619-1682). Ein deutscher Fürstensohn im Dienst der Stuarts (= Innsbrucker Historische Studien, Beiheft 1. Innsbruck – Wien – Bozen 2005).

In seiner Studie über Rupert von der Pfalz stellt Rebitsch die beachtliche und abwechslungsreiche militärische Karriere des künstlerisch talentierten und als Erfinder tätigen Pfalzgrafen vor. Es handelt sich dabei um ein abenteuerliches und spannendes Leben eingebettet im welthistorischen Kontext des 17. Jahrhunderts.

Geboren am 17./27. Dezember 1619, Prag
Gestorben am 29. November 1682, London
Beigesetzt in der Westminster Abbey
Eltern: Friedrich V. von der Pfalz (mit Spottnamen genannt der „Winterkönig“) und Elisabeth Stuart (Tochter des englischen Königs Jakob I.)
Träger des englischen Hosenbandordens
Kinder: Mit der Schauspielerin Margaret Hughes eine Tochter namens Ruperta (1673-1740) und mit Francesca Bard, Lady Bellamont, einen Sohn namens Dudley Bard (†1686); alle beide unehelich

Rupert, genannt „the Cavalier“, war das viertgeborene Kind des Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz aus dem Hause Pfalz-Simmern und der englischen Königstochter Elisabeth Stuart. Nach der Schlacht am Weißen Berg (8. November 1620) musste die Pfälzer Familie ins Exil flüchten. Rupert wuchs in Leiden auf. Seine ersten Kampfeinsätze bestand der Jugendliche unter dem niederländischen Statthalter Friedrich Heinrich von Oranien gegen spanische Truppen. Sein erstes Kommando führte Rupert als Oberst eines berittenen Regiments unter dem Kommando seines Bruders Karl Ludwig. Die Pfälzer wurden durch schwedische Verbände verstärkt. Doch das Unternehmen nach Westfalen 1638 geriet zum Desaster. Bei Vlotho wurde der junge Pfalzgraf von den Truppen des kaiserlichen Generalfeldmarschalls Melchior Graf Hatzfeld von Gleichen gefangen genommen. Daraufhin verbrachte R. drei Jahre in kaiserlicher Haft auf dem Linzer Schloss. Im November 1641 wurde er aus der Kriegsgefangenschaft entlassen.
Der englische König Karl I., sein Onkel, der maßgeblich zur Befreiung des Pfälzers beitrug, rief ihn zu den Waffen nach England. 1642 wurde R. zum General of the Horse, zum Oberbefehlshaber der königlichen Kavallerie, befördert. R. reformierte die königliche Reiterei und war bis zum Jahre 1644 gegen die Truppen des Parlaments sehr erfolgreich. Der junge Pfalzgraf, bekannt für seine kraftvollen und überraschenden Angriffe, wurde ohne Zweifel der Shootingstar des englischen Königshauses. Im Jahre 1644 verlor er allerdings die Schlacht von Marston Moor (2. Juli 1644) gegen überlegene Parlamentstruppen, die von schottischen Regimentern verstärkt wurden. Trotzdem ernannte Karl I. den Pfälzer am 6. November 1644 zum Lieutenant-General of all the King’s Armies. Der neue Oberbefehlshaber konnte jedoch dem Krieg keine entscheidende Wendung mehr geben. Nach der Niederlage von Naseby (14. Juni 1645) und der Übergabe der Stadt Bristol wurde R. vom König suspendiert. Er und sein Bruder Moritz, der ebenfalls einen Generalsrang in der royalistischen Armee bekleidete, mussten England verlassen. Nach seiner Abreise trat er als Brigadegeneral in französische Dienste über.

Während der royalistischen Konterrevolution in den Jahren von 1649 bis 1653 übernahm er als Lord High Admiral einen Teil der englischen Flotte, die jedoch von Cromwell’s Navy aus Irland und später aus Lissabon vertrieben und im Mittelmeer fast aufgerieben wurde. Die folgende wirre Kaperfahrt verschlug den Pfalzgrafen bis an den Gambia und in die Karibik. Pfalzgraf Moritz kam in einem Orkan bei den Kleinen Antillen ums Leben. Nach seiner langen Expedition hielt R. sich am Exilhof Karls II. von England in Paris und einige Zeit später im Reich auf. 1657 warb der Pfalzgraf ein Regiment Kavallerie für Kaiser Leopold I. Dabei kam es offenbar zu Unstimmigkeiten bei der Auszahlung der Werbegelder zwischen Rupert und der Wiener Hofkammer. Im ersten Nordischen Krieg, in dem eine österreichisch-brandenburgische Koalition gegen die Machtansprüche des schwedischen König Karls X. Gustav in Polen auftrat und der den ganzen Nordostseeraum in die Kriegswirren mit einbezog, wurde der Pfälzer am 9. Oktober 1659 von Leopold I. zum Feldmarschallleutnant bestellt und sogleich mit 4 neugeworbenen Kompanien in Marsch gesetzt. R. wurde dem kaiserliche Oberbefehlshaber Raimondo Graf Montecuccoli unterstellt, der viel vom Pfalzgrafen hielt. Der reformierte Pfalzgraf kämpfte in diesem Konflikt auf Seiten der katholischen Habsburger für das katholische Polen gegen das lutherische Schweden, das einst die Hoffnung für die evangelischen Reichsstände, vor allem auch für seinen Vater, dargestellt hatte. Außerdem war der schwedische König Karl X. Gustav ein Wittelsbacher aus der Linie Pfalz-Zweibrücken. Rupert jedoch sah weder Konfession noch die verwandtschaftliche Verbindung als Hindernis, in diesen Konflikt einzugreifen. Der Feldzug dauerte für ihn nicht lange. Militärischer Höhepunkt für den Feldmarschallleutnant war die Eroberung und Zerstörung der taktisch wichtigen Warnemünder Schanze am 18. März 1660, die den Rostocker Hafen deckte. Der Friede von Oliva, am 3. Mai 1660, bedeutete das Ende des Konflikts an der Ostsee. R. bat um Entlassung aus dem kaiserlichen Dienst und kehrte nach England zurück, wo das Königreich restauriert wurde. Im zweiten und dritten Englisch-niederländischen Seekriege von 1665 bis 1667 und 1672 bis 1674 übertrug Karl II. R. hohe Admiralsposten (General-at-Sea, Vizeadmiral und Lord of the Admiralty). Obgleich meist an Schiffen überlegen, konnte der Pfälzer als Oberbefehlshaber zur See keinen entscheidenden militärischen Erfolg gegen die Generalstaaten der Niederlande erringen. Nur in der Schlacht am 25. Juli 1666 errang er gemeinsam mit Admiral George Monk, Duke of Albemarle, einen beachtlichen Sieg gegen den Niederländer de Ruyter. Dennoch war R. aufgrund seiner Erfahrung ein unentbehrlicher Seeoffizier für den englischen König Karl II.

R. betätigte sich jedoch nicht nur als Militär, er engagierte sich auch am englischen Überseehandel als Gouverneur der Hudson’s Bay Company sowie als Aktionär der Royal African Company und fiel als Erfinder und Künstler auf. So trug R. wesentlich zur Entwicklung der Mezzotinto-Technik bei, die er nach England brachte. Aufgrund seiner mannigfachen Erfindungen, sowohl militärischer als auch ziviler Art, wurde der sprachbegabte und vor allem an Naturwissenschaften so interessierte Pfalzgraf in die Royal Society aufgenommen.

Durch seine – freilich ungewollte – Initialzündung für den englischen Schlachtflottenbau unter Cromwell, durch seine führende Rolle in den Englisch-Niederländischen Seekriegen und durch sein außerordentliches Engagement für die Royal African Company und noch viel mehr für die Hudson’s Bay Company ist des Pfälzers Anteil an der Großmachtwerdung Englands um einiges höher einzuschätzen, als dies bisher in der Forschung geschah.